Soziale Diagnostik in der Jugendberufshilfe - Theorien, Modelle, Praxis
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Blandine Ehrl
- Abgabedatum: Februar 2006
- Umfang: 165 Seiten
- Dateigröße: 2,6 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9627-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9627-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9627-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung: Die Diplomarbeit wurde 2006 mit dem Förderpreis der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen prämiert.
- Arbeit zitieren: Ehrl, Blandine Februar 2006: Soziale Diagnostik in der Jugendberufshilfe - Theorien, Modelle, Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sozialpädagogik, Psychosoziale Diagnostik, Jugendsozialarbeit, Kompetenzanalyse, Jugendarbeitslosigkeit
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Diplomarbeit von Blandine Ehrl
Einleitung:
Soziale Arbeit ist wie jede andere helfende Profession darauf angewiesen, sich zunächst ein Bild der Probleme bzw. Anliegen der AdressatInnen zu verschaffen. Professionen wie die Medizin oder die Psychologie greifen dabei auf feststehende Diagnosekriterien und -instrumente zurück, die ihnen eine anerkannte Analyse und Festlegung von Handlungsschritten – aufbauend auf ihrer Diagnose – ermöglichen. Die Soziale Arbeit verfügt bislang nur in Ansätzen über eine solche einheitliche Diagnoseanleitung, die sowohl die Vorgehensweise als auch die dabei zu beachtenden Aspekte beschreibt, wenngleich es in der Professionsgeschichte und auch aktuell Versuche einer diesbezüglichen Einführung gab und gibt. Ein Grund für die Schwierigkeit der Etablierung einer einheitlichen sozialpädagogischen Diagnose sind die vielfältigen und verschiedenen Handlungsfelder, in denen diese zum Einsatz kommen können muss.
In dieser Arbeit behandle ich den Gegenstand der sozialpädagogischen Diagnose im Bezug auf das Handlungsfeld der Jugendberufshilfe. Dort werden im Bereich der Berufsorientierung und -bildung seit Beginn der 1990er Jahre spezielle Diagnoseverfahren zur Erfassung von Kompetenzen eingesetzt, die ursprünglich aus der Personalentwicklung des Wirtschaftsbereichs kommen. Die Leitfrage dieser Arbeit ist, ob und inwieweit es sich bei diesen ursprünglich wirtschaftlich orientierten Kompetenzfeststellungen um Verfahren sozialpädagogischer Diagnostik handelt. Die einzelnen Kapitel gliedern sich wie folgt:
Im einleitenden 1. Kapitel führe ich die LeserInnen an das Thema heran, benenne meine wissenschaftliche Leitfrage und erkläre meine inhaltliche und formale Vorgehensweise.
Im 2. Kapitel befasse ich mich mit der Frage, was sozialpädagogische Diagnostik ist, wo sie herkommt, was man darunter versteht, was sie kennzeichnet und welche Gefahren und Chancen mit ihr verbunden sind.
In Kapitel 3 beschreibe ich die Jugendberufshilfe als Handlungsfeld Sozialer Arbeit, in ihrer Entstehung und derzeitigen Brisanz, anhand ihrer Zielgruppe und ihren Arbeitsansätzen sowie der rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen.
Im 4. Kapitel analysiere ich die Kompetenzfeststellung als in der Jugendberufshilfe angewandtes Diagnoseverfahren. Ich gehe dafür zunächst auf den Begriff der Kompetenz ein, bevor ich verschiedene Kompetenzbereiche unterscheide. Nach einer Vorstellung mehrerer Diagnoseverfahren und ihrer Bewertung bezüglich der Einsetzbarkeit zur Feststellung von Kompetenzen stelle ich fünf Praxismodelle zur Kompetenzfeststellung vor.
Das 5. Kapitel fasst die Ergebnisse der vorherigen Kapitel zu einer abschließenden Betrachtung zusammen, die einerseits klärt, ob die Kompetenzfeststellung den Ansprüchen der sozialpädagogischen Diagnose genügt und andererseits prüft, ob ihre Ziele dem Bildungsanspruch der Jugendberufshilfe entsprechen. Darüber hinaus erläutere ich die Rolle der Kompetenzfeststellung im Prozess der Ökonomisierung des Sozialen.
Zum Schluss nehme ich in Kapitel 6 persönlich Stellung zu den Ergebnissen dieser Arbeit.
Im 7. Kapitel folgt das Literaturverzeichnis und im Anschluss daran der Anhang.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Soziale Diagnostik | 4 |
| 2.1 | Begrifflicher Zugang | 4 |
| 2.1.1 | Etymologische Bestimmung und Bedeutung | 4 |
| 2.1.2 | Geschichtliche Entwicklung und Anwendung | 10 |
| 2.2 | Theoretische Betrachtung | 14 |
| 2.2.1 | Theoretische Positionen | 15 |
| 2.2.2 | Spannungsfelder | 18 |
| 2.2.3 | Konzepte | 23 |
| 2.2.4 | Modelle | 24 |
| 2.3 | Inhalte | 27 |
| 2.3.1 | Diagnoseverlauf | 28 |
| 2.3.2 | Verfahren, Instrumente und Methoden | 30 |
| 2.3.3 | Aufgaben und Ziele | 35 |
| 2.4 | Gefahren und Chancen | 39 |
| 2.5 | Zusammenfassung | 41 |
| 3. | Jugendberufshilfe | 43 |
| 3.1 | Jugendberufshilfe als Handlungsfeld Sozialer Arbeit | 43 |
| 3.1.1 | Geschichtliche Entwicklung | 46 |
| 3.1.2 | Zielgruppe | 46 |
| 3.1.3 | Aktuelle Problemlage | 50 |
| 3.2 | Rahmenbedingungen | 52 |
| 3.2.1 | Bedeutung der Erwerbsarbeit | 52 |
| 3.2.2 | Rechtliche Grundlagen | 54 |
| 3.2.3 | Finanz- und Bildungsträger | 57 |
| 3.3 | Inhalte | 59 |
| 3.3.1 | Sozialpädagogische Arbeitsansätze und Methoden | 59 |
| 3.3.2 | Maßnahmen und Programme | 65 |
| 3.3.3 | Aufgaben und Ziele | 67 |
| 3.4 | Zusammenfassung | 68 |
| 4. | Kompetenzfeststellung als Diagnoseverfahren der Jugendberufshilfe | 70 |
| 4.1 | Kompetenzen | 71 |
| 4.1.1 | Abgrenzung von Kompetenz zu Qualifikation | 72 |
| 4.1.2 | Abgrenzung von Kompetenz zu Potenzial | 74 |
| 4.1.3 | Kompetenzbereiche | 76 |
| 4.2 | Kompetenzfeststellung | 80 |
| 4.2.1 | Voraussetzungen | 80 |
| 4.2.2 | Diagnostische Verfahren | 84 |
| 4.2.3 | Gütekriterien und Qualitätsstandards | 94 |
| 4.3 | Praxismodelle (MELBA, hamet 2, Start, DIA-TRAIN, TASTE) | 102 |
| 4.4 | Zusammenfassung | 117 |
| 5. | Anmerkungen zur Kompetenzfeststellung aus sozialdiagnostischer, bildungstheoretischer und gesellschaftskritischer Sicht | 120 |
| 5.1 | Konzeptionelle Unterschiede zwischen sozialpädagogischer Diagnostik im Allgemeinen und Kompetenzfeststellung im Speziellen | 120 |
| 5.2 | Reflexion des aktuellen Bildungsauftrags anhand der Kompetenzfeststellungspraxis in der Jugendberufshilfe | 123 |
| 5.3 | Kompetenzfeststellung als Instrument zur Ökonomisierung des Individuums | 126 |
| 6. | Schlussbemerkung | 129 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 131 |
| Anlage 1 | Spannungsfelder der Diagnostik | 141 |
| Anlage 2 | Arbeitsregeln für den sozialpädagogischen Diagnoseprozess | 142 |
| Anlage 3 | Gesetzestexte | 144 |
| Anlage 4 | Entwicklung der Arbeitslosenquote | 147 |
| Anlage 5 | Stärken- und Schwächenanalyse der Bundesagentur für Arbeit | 148 |
| Anlage 6 | Fähigkeitsprofil | 149 |
| Anlage 7 | Pizzadienstübung | 150 |
| Anlage 8 | Merkmalsbeschreibung zur Pizzadienstübung | 151 |
| Anlage 9 | Beobachtungsbogen zur Pizzadienstübung | 152 |
| Anlage 10 | Beurteilungsbogen zur Pizzadienstübung | 153 |
Menschenwürde, aus der sich die Menschenrechte ableiten, ist in Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes (GG) verankert (s. Anhang: Anl. 3). Höfling formuliert in seinem Kommentar zum Grundgesetz vier Bedingungen zum Schutz der Menschenwürde (s. Reiter 2004: 8): 1. Achtung und Schutz der körperlichen Integrität 2. Sicherung menschengerechter Lebensgrundlagen 3. Gewährleistung elementarer Rechtsgleichheit 4. Wahrung der personalen Identität (s. ebd.: 8) Die Sozialgesetzgebung und die Soziale Arbeit setzen sich prinzipiell für alle diese Bedingungen ein. Für die Jugendberufshilfe ist besonders die zweite Bedingung (Sicherung menschengerechter Lebensgrundlagen) von Belang. Die Aufgabe der Jugendberufshilfe ist es, die menschliche Wirklichkeit in Bezug auf diesen Punkt zu interpretieren und dementsprechend zu handeln. [...]
5) Systematische Tätigkeit: Sie hat einen Zweck, der über persönliche Zwecke hinausgeht und den Arbeitenden an die soziale Realität bindet. (s. ebd.: 12f) Kein Erwerbstätiger kann sich diesen fünf Erlebniskategorien entziehen und muss irgendwelche Erlebnisse innerhalb dieser Kategorien haben (s. ebd.: 13). Menschen die nicht im Erwerbsleben stehen leiden oft unter einem Gefühl der Leere bzw. der Ausgeschlossenheit, was auf fehlende Erlebnisse innerhalb der fünf Kategorien zurückzuführen ist (s. ebd.: 13). Eine Studie mit englischen Arbeitslosen von Ian Miles belegt, dass Arbeitslose, die imstande sind durch eigene Initiative und ohne Unterstützung einer sozialen Institution Erlebnisse in einer oder mehreren dieser Kategorien zu haben, weniger unter der Arbeitslosigkeit leiden (s. ebd.: 15). Trotzdem ist Arbeitslosigkeit generell als sozial problematische Lebenslage einzuschätzen, weil sie eine psychologische Belastung darstellt (s. ebd.: 15). Um das tägliche Leben, über die bloße Lebenserhaltung hinaus, als sinnvoll zu empfinden, braucht der moderne Mensch die Befriedigung seiner Bedürfnisse (in den fünf Kategorien) nach [...]
Benachteiligung und Beeinträchtigung aufzuspüren und auszuräumen. Indem sie ein Angebot für besonders chancengeminderte junge Menschen konzipiert, wird sie jedoch selbst Teil von Selektions- und Ausgrenzungsprozessen, die zur Stigmatisierung dieser Jugendlichen beiträgt (s. ebd.: 610). Auch in der Jugendberufshilfe gibt es wieder erfolgreiche Jugendliche, die einen Abschluss oder einen Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz erreichen, und „Verlierer“, die in der Maßnahme „scheitern“ und danach erst recht „abgeschrieben“ sind. 3.2 Rahmenbedingungen In diesem Abschnitt beschreibe ich Einflüsse, die sich nicht nur auf die Theorie und Praxis der Jugendberufshilfe auswirken, sondern diese auch determinieren (soll[t]en). 3.2.1 Bedeutung der Erwerbsarbeit In erster Linie verfolgt die berufliche Tätigkeit bzw. Erwerbsarbeit den Bezug eines Einkommens, das als Existenzgrundlage dient (s. Meyers Lexikon 1997). Die bewussten Ziele organisierter Erwerbsarbeit sind vorwiegend ökonomisch (s. Jahoda 1983: 17). In industriellen Lern- und Leistungsgesellschaften wie Deutschland ist die berufliche Karriere zusätzlich ein soziales Statussymbol (s. Meyers Lexikon 1997). Erwerbsarbeit ist in modernen Industriestaaten so organisiert, dass sie das tägliche Leben und Erleben der Beschäftigten zutiefst beeinflusst (s. Jahoda 1984: 12). Sie ist eine so zentrale Institution, dass sie über die in ihr Aktiven hinaus auch Aspekte des Familienlebens, der Gestaltung der Freizeit und somit der Lebensformen der gesamten Gesellschaft beeinflusst (s. ebd.: 12). Die Organisation der Erwerbsarbeit macht Erlebnisse innerhalb von fünf Kategorien unumgänglich: 1) Zeitstruktur: Sie erzwingt ein Zeiterlebnis und gibt eine Struktur vor. Der Kontakt zu Menschen über die Familie und den engen Kreis von Nachbarn und selbstgewählten Freunden hinaus erweitert den sozialen Horizont. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832496272
Arbeit zitieren:
Ehrl, Blandine Februar 2006: Soziale Diagnostik in der Jugendberufshilfe - Theorien, Modelle, Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sozialpädagogik, Psychosoziale Diagnostik, Jugendsozialarbeit, Kompetenzanalyse, Jugendarbeitslosigkeit



