Der Sozialarbeiter als "Unternehmer"?
Chancen und Risiken der beruflichen Selbständigkeit in der sozialen Arbeit
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Katerina Fuchs
- Abgabedatum: Mai 2003
- Umfang: 98 Seiten
- Dateigröße: 618,5 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Darmstadt Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7230-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7230-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7230-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Fuchs, Katerina Mai 2003: Der Sozialarbeiter als "Unternehmer"?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sozialpädagogik, Wirtschaft, Unternehmen
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Diplomarbeit von Katerina Fuchs
Einleitung:
Verfolgt man sowohl die wissenschaftlichen wie auch die politischen Diskussionen der vergangenen Jahre, so kommt man nicht umhin festzustellen, dass die äußerst angespannte Arbeitsmarktlage eines der größten Probleme in Deutschland darstellt. Auf der einen Seite nimmt die Massenarbeitslosigkeit stetig zu – die letzten Zahlen vom April 2003 liegen bei fast 4,5 Millionen – auf der anderen Seite findet ein Umbruch auf dem Arbeitsmarkt statt und Arbeitsverhältnisse entsprechen immer weniger dem klassischen Modell der Erwerbsarbeit. Da stellt sich doch unweigerlich die Frage, warum unter diesen Bedingungen und ohne Aussicht auf deren Verbesserung, überhaupt jemand den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit wagen sollte?
Auch die Grundlagen des sozialen Sicherungssystems in Deutschland werden durch die Entwicklungen immer mehr in Frage gestellt und geraten ins Wanken. Die Krise in den öffentlichen Haushalten u.a. auch bedingt durch die hohe Arbeitslosigkeit hat ganz massive Auswirkungen auf die Sicherung der Finanzierung des sozialen Systems. Das Dilemma liegt auf der Hand: Auf der einen Seite verursacht die Arbeitslosigkeit eine Erhöhung der Ausgaben und auf der anderen Seite mindert sie die Einnahmen der Kommunen durch den Wegfall von Lohn- und Einkommenssteuer.
Die Soziale Arbeit bleibt von dieser Entwicklung natürlich keinesfalls unberührt. Sie ist sogar in zweierlei Hinsicht davon betroffen, da zum einen ihre Finanzierung immer unsicherer wird, denn im sozialen Bereich wird der Rotstift meist als erstes angesetzt. Auf der anderen Seite wird die Soziale Arbeit durch die Arbeitslosigkeit aber auch vor immer mehr neue und zusätzliche Herausforderungen gestellt, welche die Anforderungen an sie eigentlich erhöhen. Paradoxerweise ist aber für die vermehrt notwendigen Leistungen durch die Kürzungen eben immer weniger Geld vorhanden.
Ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma scheint für viele in der Sozialen Arbeit Tätige in den letzten Jahren zunehmend der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit zu sein. Wie sonst könnten die ansteigenden Zahlen selbstständiger Sozialpädagogen/Sozialarbeiter erklärt werden? Allerdings steckt die Forschung auf diesem Gebiet noch in den Kinderschuhen, sodass noch nicht hinreichend geklärt ist, ob die berufliche Selbstständigkeit wirklich eine alternative Arbeitsform in der Sozialen Arbeit darstellt.
Vor diesem Hintergrund wird die vorliegende Arbeit also der Frage nachgehen, ob die berufliche Selbstständigkeit in der Sozialen Arbeit möglicherweise eine geeignete Arbeitsform ist, um der sozialpolitischen Entwicklung entgegen zu treten und ob sie eventuell auch zukunftsweisenden Charakter besitzt. Auch die Frage nach den unternehmerischen Fähigkeiten von Sozialpädagogen/Sozialarbeitern ist von Interesse für diese Arbeit. Also inwieweit passt unternehmerisches oder betriebswirtschaftliches Denken und Handeln zum Berufsbild des Sozialarbeiters?
Um diese Fragen beantworten zu können, werde ich die Chancen und Risiken von beruflicher Selbstständigkeit sowohl aus Sicht der Theorie wie auch aus praktischer Sicht durch Interviews mit zwei bereits selbstständig Tätigen erörtern und miteinander in Bezug setzen.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 4 | |
| Einleitung | 5 | |
| 1. | Berufliche Selbstständigkeit in Deutschland | 8 |
| 1.1 | Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen | 9 |
| 1.2 | Die persönliche Eignung | 10 |
| 1.3 | Die Standortwahl | 10 |
| 1.4 | Die passende Rechtsform – Eine Auswahl | 11 |
| 1.4.1 | Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) | 13 |
| 1.4.2 | Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) | 14 |
| 1.4.3 | Die Aktiengesellschaft (AG) | 15 |
| 1.4.4 | Der eingetragene Verein (e.V.) | 16 |
| 1.5 | EXKURS: Die Spezifika der Gemeinnützigkeit | 17 |
| 1.6 | Die Gründungsfinanzierung | 19 |
| 1.7 | Zusammenfassung | 20 |
| 2. | Berufliche Selbstständigkeit in der Sozialen Arbeit | 21 |
| 2.1 | Der Arbeitsmarkt für Sozialpädagogen/Sozialarbeiter | 22 |
| 2.2 | Exemplarisch gewählte Arbeitsfelder | 23 |
| 2.2.1 | Berufsbetreuung | 24 |
| 2.2.2 | Sozialpädagogische Familienhilfe als Form der ambulanten Jugendhilfe | 26 |
| 2.2.3 | Heimerziehung als Form der stationären Jugendhilfe | 28 |
| 2.3 | EXKURS: Ein Blick ins Ausland – Das Beispiel Niederlande | 30 |
| 2.4 | Zusammenfassung | 32 |
| 3. | Die theoretische Erörterung der Chancen und Risiken einer beruflichen Selbstständigkeit in der Sozialen Arbeit | 34 |
| 3.1 | Die Chancen | 34 |
| 3.2 | Die Risiken | 36 |
| 3.3 | Zusammenfassung | 38 |
| 4. | Berufliche Selbstständigkeit in der Praxis Sozialer Arbeit | 39 |
| 4.1 | Das Ziel der Untersuchung | 39 |
| 4.2 | Die Vorstellung der Interviewpartner | 39 |
| 4.3 | Die Interviewmethode | 40 |
| 4.4 | Grundannahme und Hypothesen | 42 |
| 4.5 | Die Auswertung der Interviews | 44 |
| 4.5.1 | Die Entscheidung für ein Arbeitsfeld | 45 |
| 4.5.2 | Die Vielfalt der Arbeitsfelder als Vorteil | 45 |
| 4.5.3 | Die Beurteilung der Chancen | 46 |
| 4.5.4 | Die Beurteilung der Risiken | 47 |
| 4.5.5 | Anstrengungen zur Minimierung der Risiken | 49 |
| 4.5.6 | Veränderungen im Rückblick | 51 |
| 4.6 | Vergleich der Interviews | 52 |
| 5. | Der Vergleich von Theorie und Praxis unter Einbeziehung von Grundannahme und Hypothesen | 56 |
| Fazit | 60 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 63 | |
| Literaturverzeichnis | 65 | |
| Anhang | 69 | |
| Abstract | 96 | |
| Persönliche Erklärung | 97 |
ich glaube einfach, wenn damals ein anderes Thema dagelegen hätte (lacht), dann wäre es das andere geworden.“ K.F.: „Gut. War die Vielfalt der möglichen Arbeitsfelder für eine Existenzgründung im sozialen Bereich für Ihre Entscheidung von Vorteil?“ E.S.: „Ganz eindeutig nicht. Damals – aber möglicherweise gibt es einen Unterschied zwischen damals, also vor 18 Jahren und heute. Damals gab es eigentlich überhaupt nur diesen einen Bereich, um sich selbstständig zu machen. Alles andere war fest in der Hand der großen Träger. Ich glaube, es ist von Vorteil, wenn man persönlich in einem Bereich bekannt ist und dort bekannt ist als jemand, der eine gute Arbeit macht. Also die Vielfalt (unverständlicher Teil, da das Telefon klingelte) also heute ist möglicherweise, weil es so viele Träger gibt, die in verschiedenen Bereichen tätig sind. Aber ich glaube auch eher, dass nicht die Vielfalt das Entscheidende ist, sondern einfach der Name, den man hat.“ K.F.: „Wie beurteilen Sie die Chancen einer beruflichen [...]
K.F.: „Stellen Sie sich bitte vor und beschreiben Sie Ihren persönlichen Weg in die berufliche Selbstständigkeit.“ E.S.: „Mein Name ist E.S.; ich bin jetzt seit 1998 selbstständig, aber ich habe schon vor 17 Jahren, nein vor 18 Jahren eine Einrichtung selbst gegründet. Ich war damals zwar innerhalb dieser Einrichtung angestellt, habe aber in dem Sinne auch eine Einrichtung mit gegründet. Es war damals nach meiner Elternzeit – ich war arbeitslos – und der Bereich der sozialpädagogischen Familienhilfe war so grade am Aufkommen in der Jugendhilfe. Damals habe ich mit einem Kollegen zusammen einen Verein gegründet und dieser Verein hatte dann sechs Arbeitsplätze. Und diesen Verein gibt es jetzt in der Zwischenzeit nicht mehr, wir sind aus dem Verein heraus und haben dann hier zunächst erst wieder einen Verein gegründet und haben dann gesehen, das ist so mit ehrenamtlichem Vorstand und so immer etwas schwierig und von daher haben wir dann eine GmbH gegründet. Das war einfach aus der Arbeitslosigkeit heraus und auf dem Markt lag sozusagen das Thema sozialpädagogische Familienhilfe.“ K.F.: „Ja, das ist ja oft der Grund, die Arbeitslosigkeit, das habe ich auch so recherchiert.“ E.S.: „Ja. Die Frau G., die kannten wir und haben sie dann gefragt, ob sie mit in die GmbH geht.“ K.F.: „Gut, dann vielleicht die zweite Frage. Warum haben Sie sich für das Arbeitsfeld entschieden, in dem Sie heute tätig sind, also die sozialpädagogische Familienhilfe?“ E.S.: „Also ich sage, ein Grund ist Zufall, es war einfach so, dass das damals eben das Thema war in der Sozialarbeit und ein anderer Grund war der, dass mir es auch gelegen hat, ich da Spaß dran hatte, mit Familien zu arbeiten damals, als wir angefangen haben, uns mit systemischen Hintergründen zu befassen. Und es ließ sich halt damals auch sehr gut kombinieren, dadurch, dass ich die Termine selber legen konnte, konnte ich meine Kinder versorgen und gleichzeitig arbeiten. Aber [...]
Und da bietet sich die Streuung der Hilfen in kleine und im Vergleich zu den öffentlichen Trägern äußerst bewegliche Einrichtungen nach meinem Dafürhalten durchaus an. Und sobald sich der Sozialpädagoge/Sozialarbeiter als Unternehmer begreift und seinen Schritt dementsprechend vorbereitet, ist es für meine Begriffe notwendig, dass er die Soziale Arbeit mit seinem Angebot bereichert. Aus meiner Sicht gibt es auch keine plausiblen Gründe, die dagegen sprechen, eine Auswahl betriebswirtschaftlicher Denk- und Handelsweisen mit den Leistungen der Sozialen Arbeit zu verknüpfen. Dass zur Ausweitung und Intensität dieser Verknüpfung auch ethische Diskussionen stattfinden müssen, steht wiederum auf einem anderen Blatt. Was die Zukunft der beruflichen Selbstständigkeit in der Sozialen Arbeit angeht, so möchte ich dazu ein letztes Zitat bringen, welches ebenfalls meine Meinung widerspiegelt: [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832472306
Arbeit zitieren:
Fuchs, Katerina Mai 2003: Der Sozialarbeiter als "Unternehmer"?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sozialpädagogik, Wirtschaft, Unternehmen



