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Sozialarbeit mit Straßenkindern

Resozialisierung obdachloser Minderjähriger in Bolivien anhand ausgewählter Projekte

Sozialarbeit mit Straßenkindern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Rene Peinbauer
  • Abgabedatum: Dezember 2003
  • Umfang: 123 Seiten
  • Dateigröße: 893,9 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Bundesakademie für Sozialarbeit Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7893-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7893-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7893-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Peinbauer, Rene Dezember 2003: Sozialarbeit mit Straßenkindern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lateinamerika, Politik, Resozialisierung, Befreiungspädagogik, Straßenkinderprojekte

Diplomarbeit von Rene Peinbauer

Problemstellung:

Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich kurz und grob umrissen mit der Situation des lateinamerikanischen Kindes. Nur wenige Kinder in Lateinamerika haben das Glück eine sorgenfreie und unbeschwerte Kindheit erleben zu dürfen. Für die überwiegende Mehrheit beginnt schon bald der tägliche Kampf ums Überleben. In meinem Langzeitpraktikum im Hogar (dt.: Heim) Alalay in La Paz, Bolivien war ich ein Semester lang sehr intensiv mit Kindern, die mehr oder weniger lange Zeit auf den Straßen der Stadt ge- und überlebt hatten, konfrontiert. Die Erfahrungen, die ich in diesen Monaten gemacht und die Fragen die sich mir gestellt haben waren der Ausgangspunkt für meine Diplomarbeit.

Bereits vor meinem Praktikum war ich zwei Mal als Reisender in Peru, Bolivien und Chile unterwegs und von diesen Ländern fasziniert. Diese Aufenthalte erleichterten mir den Schritt zum Praktikum in einem Entwicklungsland, denn ich war mit den Lebensbedingungen und der Sprache schon vertraut.

Die vorliegende Diplomarbeit ist das Resultat einer sehr intensiven Auseinandersetzung nicht nur mit der Thematik des Straßenkindes an sich sondern auch unter Berücksichtigung des historischen, gesellschaftlichen und politischen Kontextes eines ganzen Erdteils. Diese Auseinandersetzung begann mit meiner ersten Reise vor mittlerweile beinahe 5 Jahren und endet vorerst mit dem letzten Satz dieser Arbeit.

Die Fragen, die sich mir vor allem während der Zeit des Praktikums stellten und denen ich näher nachgehen wollte, habe ich in zwei Hypothesen formuliert, welche meiner Arbeit zugrunde liegen:

- Hauptursache für die Massen von Straßenkindern ist die Armut, in der ein Großteil der Bevölkerung Lateinamerikas leben muss.

- Die Arbeit mit Straßenkindern ist zwar anstrengend und intensiv aber nicht umsonst, denn Straßenkinder sind resozialisierbar.

Neben der Beschreibung von konkreter, konstruktiver Arbeit mit Straßenkindern ist es mir besonders wichtig gewesen die politische Komponente nicht zu übersehen. Das Elend des Südens ist das Glück des Nordens und dementsprechend besteht in hohen politischen und wirtschaftlichen Kreisen nur wenig Bereitschaft die aktuellen Verhältnisse zu ändern. Schon Karl Marx sagte: „Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und menschlicher Degradation auf dem Gegenpol.“ Der Leserin und dem Leser dieser Arbeit sollen deshalb auch ein wenig die Augen geöffnet und Zusammenhänge aufgezeigt werden, die bisher noch nicht bekannt waren oder verdrängt wurden. In diesem Sinne sollen die nachfolgenden Seiten auch ein Impuls sein, darüber nachzudenken was jede und jeder einzelne dazu beitragen könnte die Schulden der Reichen gegenüber den Armen abzubauen.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS 5
1. EINLEITUNG 6
2. BOLIVIEN - „LAND OF TOMORROW“ 7
2.1 EINLEITUNG 7
2.2 BOLIVIEN AUS HISTORISCHER UND POLITISCHER PERSPEKTIVE 10
2.2.1 Frühe Hochkulturen 10
2.2.2 Spanischer Imperialismus und Unabhängigkeit 11
2.2.3 Exkurs: Das Straßenkind als europäisches Erbe 13
2.2.4 Der Chaco-Krieg und die Revolution von 1952 14
2.2.5 18 Jahre Militärs, Putsch und Diktaturen 17
2.2.6 Rückkehr zur Demokratie 19
2.2.7 Exkurs: die 80er Jahre - die „decada perdida“ 21
2.2.8 Jüngere Vergangenheit 23
2.2.8.1 Update 25
2.3 BOLIVIEN HEUTE 25
2.4 LA PAZ - EL ALTO 26
3. STRAßENKINDER - DEFINITIONEN, BESTANDSAUFNAHME, ERKLÄRUNGSMODELLE, PERSÖNLICHKEITSMERKMALE 28
3.1 DEFINITION 28
3.1.1 In Bolivien verwendete Definitionen 31
3.1.2 „Straßenkind“ im Kontext dieser Arbeit 32
3.2 STRAßENKINDER INTERNATIONAL/NATIONAL - SCHÄTZUNGEN 32
3.2.1 Schätzungen weltweit/Lateinamerika: 32
3.2.2 Zur Situation in Bolivien 33
3.3 WARUM STRAßENKINDER? - ERKLÄRUNGSKONZEPTE 34
3.3.1 Medizinisch-psychiatrische Ansätze 35
3.3.2 Sozialisationstheoretische Ansätze 36
3.3.3 Labeling approach 36
3.3.4 Der Machismo und die Straßenkinder 37
3.4 ENDSTATION STRAßE 39
3.4.1 Einleitung 39
3.4.2 Frühkindliche Sozialisation in der Ursprungsfamilie 40
3.4.3 Straßensozialisation 42
3.4.3.1 Erste Etappen 42
3.4.3.2 Die Trennung von den Eltern 43
3.4.3.3 Schutz und Hilfe durch die Gruppe 44
3.4.3.4 Eigene charakteristische Kulturmerkmale von Straßenkindern 45
3.4.3.5 Die Erwachsenen als negative Vorbilder 46
3.4.3.6 Straßenkinder und der Wunsch nach Schulbildung 47
3.4.4 Zusammenfassung 48
3.5 WEITERE ASPEKTE 49
3.5.1 Aufenthaltsorte und Schlafplätze 50
3.5.2 Arbeitsfelder 51
3.5.3 Drogen 52
3.5.4 Gesundheit und Hygiene 53
3.5.5 Psychosoziale Aspekte 54
4. PROJEKTE ZUR RESOZIALISIERUNG VON STRAßENKINDERN 56
4.1 EINLEITUNG 56
4.2 ALALAY - UN HOGAR PARA LOS NIÑOS DE LA CALLE 57
4.2.1 Geschichte 57
4.2.2 Zielgruppe 60
4.2.3 Zielsetzung 60
4.2.4 Methodik 61
4.2.5 Erste Etappe - Streetwork 63
4.2.6 Zweite Etappe - Eintritt in den Hogar 63
4.2.7 Dritte Etappe - Verzicht und Zugewinn 64
4.2.7.1 Verzicht 65
4.2.7.2 Zugewinn 66
4.2.8 Vierte Etappe - Wachstum 66
4.2.8.1 Ebene 1: Verstärkung 67
4.2.8.2 Ebene 2: Zugewinn 67
4.2.8.3 Ebene 3: Wechsel 67
4.2.8.4 Ebene 4: Konsolidierung 68
4.2.9 Sozialarbeit in Alalay 68
4.2.10 Resümee 69
4.3 MAYA-PAYA-KIMSA - EIN NIEDERSCHWELLIGES TAGESZENTRUM FÜR STRAßENKINDER 70
4.3.1 Einleitung 70
4.3.2 Zielgruppe 71
4.3.3 Angebot 1 - Streetwork 72
4.3.3.1 Exkurs: Streetwork in El Alto - ein Erfahrungsbericht 72
4.3.3.2 Streetwork in MPK 77
4.3.4 Angebot 2 - das Tageszentrum 78
4.3.4.1 Regeln 80
4.3.4.2 Sanktionen 80
4.3.4.3 Ziele 80
4.3.5 Sozialarbeit in MPK 82
4.3.6 Resümee 83
5. EXKURS: SOZIALARBEIT IN LATEINAMERIKA - „GIBT ES DAS ÜBERHAUPT?“ 84
5.1 EINLEITUNG 84
5.2 HISTORISCHES 84
5.2.1 Der Einfluss der USA 86
5.3 HERKÖMMLICHE ANSÄTZE VON SOZIALARBEIT IN LATEINAMERIKA 88
5.4 BEFREIENDE PRAXIS DER SOZIALARBEIT - VON DER FREMD- ZUR SELBSTBESTIMMUNG DER KLIENTEN 89
5.5 DIE PÄDAGOGIK DER UNTERDRÜCKTEN 92
5.5.1 Kurzbiographie Paulo Freire 92
5.5.2 Die Theorie der antidialogischen Aktion 93
5.5.3 Die Theorie der dialogischen Aktion 96
5.5.4 Zusammenfassung 97
6. SCHLUSSBETRACHTUNGEN 98
6.1 WO LIEGEN DIE URSACHEN DES SOZIALEN PHÄNOMENS STRAßENKIND? 98
6.2 EINMAL STRAßENKIND - IMMER STRAßENKIND? 101
LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 104
ANHANG 108
ERKLÄRUNG 122

Automatisiert erstellter Textauszug:

Alalay vertritt die Auffassung, dass es für ein Kind am besten ist, wenn es bei seiner Familie leben kann. Dies setzt natürlich voraus, dass die familiären Verhältnisse nicht mehr diejenigen sind, die das Kind auf die Straße getrieben haben. Deshalb arbeitet Alalay nicht nur mit den Kindern sondern auch mit den Eltern sofern diese greifbar und kooperativ sind. Ist dies nicht möglich und es zeichnet sich ab, dass das Kind für längere Zeit im Heim bleiben wird, versucht das Team einen Prozess einzuleiten, der dem Kind eine Übersiedlung in das Kinderdorf nach Huajchilla inklusive Schulabschluss und Berufsausbildung ermöglicht. Um dieses Ziel zu erreichen benötigt es vor allem die Mithilfe und den Willen des Kindes und gegebenenfalls der Familie sowie auf alle Fälle, egal ob Szenario eins oder Szenario zwei, ein großes Ausmaß an Zeit, Geduld und Engagement. [...]

Wie schon erwähnt ist der Hogar Alalay ein Heim nur für Burschen, Zielgruppe sind daher männliche Straßenkinder von etwa 7 bis 13 Jahren. Ganz junge Straßenkinder werden in der Regel gleich nach Hujchilla gebracht. Aufgrund negativer Erfahrungen mit älteren Kindern wurde das Eintrittsalter von 15 auf maximal 13 Jahre heruntergesetzt. Für ältere Kinder gibt es kaum noch Chancen auf Aufnahme in ein Resozialisierungsprogramm, mit 15 ist es meist schon zu spät, da die Veränderungen in Persönlichkeit und Verhalten, hervorgerufen durch eine jahrelange Straßenkarriere, eine Betreuung schwierig bis unmöglich machen. Hieran lässt sich der gravierende Einfluss der Straße auf das Kind gut messen: gerade im Teenageralter und rechtlich gesehen noch nicht einmal strafmündig, noch weit weg vom Erwachsenenalter und doch schon vor der letzten Chance dem Leben eine entscheidende Wendung zu geben. Neben der klassischen Zielgruppe, den Straßenkindern, kann es auch vorkommen, dass ein Junge von seiner Famillie ins Heim gegeben wird, präventiv sozusagen, um sein Weglaufen von daheim zu verhindern. Ebenso kommt es gelegentlich vor, dass ein Kind von der Defensoria (entspricht dem Jugendamt) eingewiesen wird. Diese Fälle sind aber eine Ausnahme. [...]

Die Heime Mil Estrellas Niños und Mil Estrellas Niñas33 sind schon in Betrieb und auch der Bau eines Kinderdorfes ist bereits weit fortgeschritten. Ende 2001 wurde ein neues Heim in El Alto, zwar offiziell immer noch die Vorstadt, jedoch bereits mindestens so groß wie La Paz, eröffnet. Wer in El Alto lebt, muss täglich um sein Überleben kämpfen, dementsprechend hoch ist die Zahl der Familien in extremer Armut und der Straßenkinder. Proyecto Alalay betreut mit einem großen Stab von Erziehern, Psychologen, Sozialarbeitern und freiwilligen Helfern mittlerweile circa 200 Kinder und Jugendliche in 5 Heimen und einem Kinderdorf (siehe Abbildung 5), wo diese Kinder ohne die Einrichtung stehen würden möge sich jeder selbst ausmalen. [...]

Arbeit zitieren:
Peinbauer, Rene Dezember 2003: Sozialarbeit mit Straßenkindern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lateinamerika, Politik, Resozialisierung, Befreiungspädagogik, Straßenkinderprojekte

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