Der Situationsansatz im Hort der Kindertagesstätte
Die konzeptionelle Umsetzung des Curriculums ‚Soziales Lernen’
- Art: Fachstudie
- Autor: Ralf-Peter Nungäßer
- Abgabedatum: August 1994
- Umfang: 49 Seiten
- Dateigröße: 311,2 KB
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Frankfurt am Main - University of Applied Sciences Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0567-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8366-0567-0 P - ISBN (CD) :978-3-8366-0567-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Nungäßer, Ralf-Peter August 1994: Der Situationsansatz im Hort der Kindertagesstätte, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Erziehungarbeit, Pädagogik, Kinderbetreuung, Situationsansatz, Qaulitätsmanagement
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Fachstudie von Ralf-Peter Nungäßer
Einleitung:
Mit der politischen Diskussion um die Einführung der Kindergartenplatzgarantie entfacht sich ebenso eine Debatte um die pädagogische Qualitätssicherung innerhalb der Konzeptionsentwicklungen auch in anderen Bereichend der Kinderbetreuungseinrichtungen wie Kinderhorte, Betreuungsschulen, Kinderhäuser. Neben den auf die Schulvorbereitung ausgerichteten Bildungsaufträge für den Elementarbereich (Kindergärten) werden für die familienergänzenden Kinderbetreuungseinrichtungen (gemäß KJHG) für Kinder im Schulalter pädagogische Rahmenkonzeptionen uneinheitlich entworfen.
Die Durchsetzung eines für diesen Kinderbetreuungstypen ausgerichteten einheitlichen Bildungsauftrages entspringt ausgerechnet aus dem für den Elementarbereich entwickelten Curriculum 'Soziales Lernen' und gelangt erst allmählich durch das Einströmen von hochschulgebildeten Sozialpädagogen praktisch erprobt und modifiziert als Situationsansatz in die traditionell von Erziehern und Erzieherinnen dominierten Terrains Kindertagesstätten.
Diese sich im Aufbau befindlichen konzeptionellen Überlegungen führen zur allmählichen Aufweichung traditioneller Erziehungsarbeit hin zu einer für alle Beteiligten (Kinder, Personal und Lehrende) offenen und an der sozialisationsprägenden Lebensumwelt von Kindern orientierten pädagogischen Neuorientierung der Kinderbetreuungsarbeit in Kindertagesstätten. Zu diesem Zweck ist das sozialpädagogische Annerkennungsjahr mit seinen dualen Bildungsgängen der Evaluation von Theorie und Praxis eine qua Curriculum hervorragend geeignete fachhochschulbezogene Institution für Forschungsansätze zum Thema 'Situationsansatz im Kinderhort'.
Das für das Kolloquium konzipierte vorliegende wissenschaftliche Manuskript informiert einleitend über die vorgegebenen Rahmenbedingungen und die richtlinien- und konzeptionsbezogenen Aufgaben der Kindertageseinrichtung in kommunaler Trägerschaft.
Im Anschluß an diese beschriebenen Rahmenbedingungen erfolgt eine Darstellung des Gesamtverlaufes des Praktikums mit seinem Forschungsprojekt zur Transparenz der Tätigkeitsfelder als Annerkennungspraktikant.
Der Schwerpunkt des Berichtes legt seinen Fokus auf eine skizzenhafte theoretische Einführung in das von mir gewählte Thema: Situationsbezogene Erziehungsarbeit im Hort der Kindertagesstätte – Planung, Praxisgestaltung und Evaluation. Die praktische Inhaltsfüllung des Forschungsgegenstandes erfolgt anhand eines von mir (und einem Mitarbeiter) durchgeführten Projektes mit dem Titel 'Leben und Wohnen im Stadtteil, dessen Planung, Organisation, Durchführung und Auswertung unter Berücksichtigung sozialpädagogischer Methodik in diesem Bericht ausführlich dokumentiert werden soll.
Die in einem Extrakapitel dargestellte Forschungsmethodik erlaubt einen Einblick in die empirische Sozialforschung, die im engeren Sinne eher eine qualitative Forschungsmethode der Sozialpädagogik ist. In der Schlußbetrachtung soll mein aus dem Jahrespraktikum entwickeltes Selbstverständnis als Sozialpädagoge skizziert werden.
Die Fachdiskussion um den Situationsansatz im Hortbereich spitzt sich derzeit zu um die ideologischen Standpunkte zugunsten der pädagogischen Arbeitsweisen in geschlossenen Gruppen oder der offenen Gruppen im Kinderhort. Die Vertreter des geschlossenen Gruppenkonzeptes argumentieren mit der Verlässlichkeit und Kontinuität bezüglich der emotionalen Bindung für Kinder innerhalb der festen Gruppenstruktur gegenüber den Gruppenmitgliedern und den Erziehern.
Die Befürworter der offenen Gruppenkonstellationen sehen hingegen eher das funktionale Lernen in freien und neigungsorientierten Gruppendynamiken als Vorteil im sozialen Miteinander. Sie sehen in der freien Wahl des Kindes, sich zwischen bestimmten, neigungsbezogenen und lebensnahen Angeboten entscheiden zu können, den größeren Lerneffekt im sozialen Lernen. Die aus den interessensbezogenen Aktivitäten des Kindes führen zu unterschiedlichen Situationen aufgrund der unterschiedlichen Gruppenzusammensetzungen und somit auch zu größeren Auseinandersetzungsflächen für das einzelne Kind.
Hieraus entwickelt sich die Fragestellung für das Forschungsvorhaben: Welchem pädagogischen Gruppenkonzept, dem `Geschlossenen` oder dem `Offenen`, kann der Situationsansatz eher entsprechen? Was sind die Wesensmerkmale des Situationsansatzes und in welchen Gruppenkonstellationen kommt er sinnvoll zur Entfaltung?
Die Zielsetzung des Forschungspraktikums ergibt sich einerseits aus den pädagogischen Rahmenbedingungen des Hortes in dem das Praktikum absolviert wird und andererseits aus der oben formulierten Fragestellung heraus. Hierbei wird eindeutig Stellung bezogen und als Forschungsgegenstand wird das offene Gruppenkonzept in Betracht gezogen. Die Debatte um das geschlossene Konzept wird im vorgegebenen Hort nur noch theoretisch erörtert. Als Hauptziel wird hierdurch festgelegt die praktische Erprobung und Evaluation des Situationsansatzes innerhalb eines offenen Gruppenkonzeptes.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorbemerkung zur überarbeiteten Ausgabe | 4 | |
| Vorwort | 5 | |
| Einleitung | 6 | |
| 1.0 | Fragestellung und Zielsetzung | 7 |
| 1.1 | Praktikums- und Forschungsplan | 7 |
| 2.0 | Rahmenbedingungen und Aufgaben der Einrichtung | 10 |
| 2.1 | Formal-institutioneller Rahmen | 10 |
| 2.2 | Offizieller Auftrag und Aufgaben | 11 |
| 2.3 | Pädagogisches Konzept und Arbeitsweise | 12 |
| 3.0 | Verlauf des Praktikums | 15 |
| 3.1 | Rahmenbedingungen | 15 |
| 3.2 | Pädagogische und administrative Aufgabenbereiche | 15 |
| 3.3 | Phasen des Praktikums | 16 |
| 4.0 | Beschreibung der methodischen Herangehensweise an den Forschungsgegenstand | 19 |
| 5.0 | Exkurs: Sozialisationsbedingungen der Kindheit | 20 |
| 5.1 | Entwicklungspsychologische Ansätze der Schulkindheit | 20 |
| 5.2 | Milieuzugehörigkeit als Umfelderfahrung von Schulkindern | 22 |
| 6.0 | Schwerpunktthema: Situationsbezogene Erziehungsarbeit im Hort der Kindertagesstätte – Planung, Praxisgestaltung und Evaluation am Beispiel eines Forschungsprojektes "Leben & Wohnen im Stadtteil" | 25 |
| 6.1 | Theoretisch-fachliche Erläuterung | 25 |
| 6.2 | Beschreibung der praktischen Umsetzung | 27 |
| 6.2.1 | Themenwahl | 28 |
| 6.2.2 | Koordination und Zusammenarbeit | 28 |
| 6.2.3 | Zielsetzung, Planung und methodisches Vorgehen | 29 |
| 6.2.4 | Einbeziehung der Eltern | 30 |
| 6.2.5 | Einbeziehung der Mitarbeiter | 30 |
| 6.2.6 | Verlauf | 30 |
| 6.2.7 | Auswertung | 35 |
| 7.0 | Evaluation | 36 |
| 8.0 | Schlußbetrachtung | 37 |
| 8.1 | Selbstreflektion im Situationsansatz | 37 |
| 8.2 | Verknüpfung von Theorie und Praxis im Situationsansatz | 38 |
| Quellenverzeichnis | 40 | |
| Anhang | 42 | |
| Bild 1: Grundrisszeichnung der Kindertagesstätte | 43 | |
| Bild 2: Wochenplan: | 44 | |
| Leitfaden für Stadtteilbegehung und Wohnungsbesuch (für die Mitarbeiter/innen) | 45 | |
| Tagesprotokolle zum Projekt Leben & Wohnen im Stadtteil | 48 | |
| Wünsche von Kindern bezüglich des Stadtteils und Wohnung | 51 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Phasen des Praktikums: Die Wahl der Praktikumsstelle erfolgte entsprechend des vorgegebenen Interesses sowie gemäß der Zielsetzung des Praktikanten. Die Darstellung der Phasen sollen die unterschiedlichen Handlungsaspekte (Emotionen, Umgang, Kommunikation etc.) im Verlauf des Praktikums verdeutlichen. Die Beschreibung erfolgt in der dritten Person, um den Verallgemeinerungscharakter zu bewahren.
Einführungsphase: Zu Beginn des Praktikums wurde der Praktikant vom Mentor in die gängigen Hortregeln eingeführt und hospitierte in den jeweiligen pädagogischen Bereichen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: Um die Kinder, die Arbeitsweisen des pädagogischen Personals und die Tagesabläufe im Hort kennen zulernen, wurde dem Praktikanten nahegelegt in den ersten zwei Monaten die Position eines Beobachtenden einzunehmen und nicht zu intervenieren (die Position des teilnehmenden Beobachters zu Forschungszwecken soll nach geeigneter Zeit und Reflektion erfolgen). Diese zunächst vorgegebene Position hatte zum Ziel, durch Spielen und Gespräche mit Kindern, nach kurzer Zeit behutsam die gegenseitige Fremdheit zwischen Praktikanten und Kindern zu überwinden sowie das Vertrauen der Kinder zum Praktikanten zu wecken. Daneben bekam der Praktikant in dieser Zeit von der Leiterin eine Einführung in die bürokratisch-administrative Arbeitstechnik der Leitung (Aktenkunde, Personalführung).
Verselbständigungsphase: Nach zwei Monaten war der Praktikant in die Lage versetzt teilselbständige Aufgaben zu übernehmen und betreute die Kinder in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bei den Hausaufgaben, beim Training einer Hort-Fußballmannschaft sowie bei der Durchführung eines Projektes ‚Technik und Werken’. Den Flurdienst übernahm der Praktikant jeweils freitags alleine (Bei gegebenen Schwierigkeiten war es möglich, sich an einen anwesenden Mitarbeiter zu wenden).
In dieser Zeit probierte der Praktikant selbständiges Arbeiten in folgenden Tätigkeiten: Spielturniere, Einführungen in die Werkzeugkunde sowie die Planung und Herstellung eines Adventskalenders gemeinsam mit Kindern. Erst durch das Probieren selbständiger Arbeitsweisen wurde erkennbar, daß der Praktikant zu einem tragenden Bestandteil der Institution Hort wurde, deren Rechte und Pflichten er voll mitzutragen hatte, um die pädagogische Arbeit des Teams durch eigene Impulse zu ergänzen. Durch diese Rolle als Mitarbeiter wurde dem Praktikanten der klassische Konflikt zwischen Institution und Klientel deutlich: Nicht immer war es ihm möglich, kindliche Verhaltensweisen zu akzeptieren, die die Regeln des sozialen Zusammenlebens eklatant verletzten und mußte somit auch Stellung gegenüber den Kindern beziehen, die ihnen nicht immer populär erschienen. Letztlich verdeutlichte sich in dieser Phase die inhaltliche, emotionale und administrative Eingebundenheit in den organisatorischen Ablauf des Hortes.
Erprobungsphase: Nach etwa vier Monaten übernahm der Praktikant selbständige Elemente in Teamsitzungen und brachte seine Ideen und Überzeugungen, die aus der Theorie und aus der Praxis gewonnen wurden mit in dieses Forum ein. Hierbei wurde dem Praktikanten schnell deutlich, daß Teamarbeit nur konstruktiv und kooperativ gestaltet sein kann, wenn alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Lage sind, ihre eigenen Grenzen in der pädagogischen Arbeit zu erkennen und sie gegenseitig zu akzeptieren, um somit eine sinnvolle, effektive und konkurrenzfreie Arbeitsaufteilung gewährleisten zu können. Daneben wurde der Praktikant ebenso selbständig und vollwertig in die Konzeptionserarbeitung eingebunden sowie an dem Prozeß der Teamreflektionen (Supervision) beteiligt.
Selbständigkeitsphase: Gegen Ende des Praktikums hatte der Praktikant die Gelegenheit, selbständig administrative Tätigkeiten durchzuführen. Hierbei überwachte er insbesondere eine Essensgeldkasse sowie die Monatsabrechung der Mitarbeiter (Anwesenheit, Urlaub, Krankheit). Daneben führte er mit den Eltern Voranmeldungsgespräche durch. Gemeinsam mit der stellvertretenden Leitung überwachte der Praktikant das Kassenbuch. Die Angebote wurden in Gleichberechtigung zu den übrigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen durchgeführt, was aufgrund der neuen Rollenzuweisung des Praktikanten zu einem erhöhten Reflektionsbedarf beim pädagogischen Personal führte.
Forschungsprojekt (Evaluation): Nach fünf Monaten war der Praktikant in der Lage, ein Projekt selbständig zu planen, zu organisieren und durchzuführen: Hierzu zählte in Zusammenarbeit mit einem am Projekt interessehalber beteiligten Mitarbeiter die komplette Planung, Durchführung und Auswertung des Projektes mit Kindern und Eltern, das Miteinbeziehen der übrigen Mitarbeiter sowie die Reflektion des Projektes im Team. Die ausführliche Beschreibung des Ablaufes dieses Projektes erfolgt im Kapitel 6.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836605670
Arbeit zitieren:
Nungäßer, Ralf-Peter August 1994: Der Situationsansatz im Hort der Kindertagesstätte, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Erziehungarbeit, Pädagogik, Kinderbetreuung, Situationsansatz, Qaulitätsmanagement



