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Die Situation der deutschen Sprache im schulischen Bildungswesen Frankreichs

Die Situation der deutschen Sprache im schulischen Bildungswesen Frankreichs
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Tina Nestler
  • Abgabedatum: September 2004
  • Umfang: 152 Seiten
  • Dateigröße: 25,7 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität des Saarlandes Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8594-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8594-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8594-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Nestler, Tina September 2004: Die Situation der deutschen Sprache im schulischen Bildungswesen Frankreichs, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Deutsch als Fremdsprache, deutsch-französisch Kulturbeziehung, Sprachpolitik, Frankreich, Schulsystem

Magisterarbeit von Tina Nestler

Einleitung:

Die Aufschreie in Deutschland und Frankreich hinsichtlich der Kenntnisse der Partnersprache wiederholen sich im Rhythmus des Geburtstages des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages und fanden zu dessen 40jährigen Bestehen ihren Höhepunkt. Die Unbegreiflichkeit und Widersprüchlichkeit der Dekadenz der deutschen Sprache in Frankreich und der französischen in Deutschland - trotz immer wieder hervorgehobener außerordentlich intensiver und exemplarischer Kooperation- sind Ausgangspunkt dieser Arbeit.

Die zu diesem Thema erschienen Beiträge, diese sind durchaus relativ zahlreich, beschränken sich fast ausschließlich auf kürzere Artikel und Aufsätze, welche jeweils nur Teilaspekte dieser Entwicklung aufgreifen. So prangern einige die Dekadenz des Deutschen in Frankreich an, andere suchen nach deren Gründen, wieder andere nach Auswegen. Eine umfassende Darstellung des gesamten Rahmens für die deutsche Sprache im französischen Bildungswesen wie sie beispielsweise bei Trouillet in seinem 1981 erschienenen Buch: Das deutsch-französische Verhältnis im Spiegel von Kultur und Sprache zu finden ist, fehlt in den letzten Jahren.

Da sich die Wirklichkeit der deutschen Sprache seit Anfang der 80er Jahre jedoch grundlegend verändert hat, besteht mein Anliegen darin, die aktuelle Situation und die Ursachen dieser Veränderungen aufzuzeigen sowie nach möglichen Auswegen zu suchen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll daher die deutsche Sprache im französischen Bildungswesen bis zum Baccalauréat stehen.

Es wird die Frage nach den Ursachen dieser auf sprachlicher Ebene katastrophalen Entwicklung, nach den Wurzeln für das bestehende Desinteresse an der Sprache des Nachbarn und diesem selbst zu beantworten versucht. Wie steht es wirklich um die deutsche Sprache? Womit lässt sich diese Entwicklung begründen? Mit welchen Problemen ist der Deutschunterricht konfrontiert? Wo bieten sich Anknüpfpunkte zur Gegensteuerung? Werden diese erkannt und genutzt?

Die Annäherung an die Fragestellung erfolgt in vier Schritten, welche die Voraussetzungen für die deutsche Sprache als Schulfremdsprache in Frankreich auf verschiedenen Hierarchieebenen beschreiben. Zunächst werden die deutsch-französischen Kulturbeziehungen seit 1945 und hierbei insbesondere die Vereinbarungen im sprachlichen Bereich untersucht. Von Interesse sind insbesondere das Vorhandensein und die Realisierung von entsprechenden auf die Sprache bezogenen Verträgen, demnach der Rahmen für die deutsche Sprache auf binationaler Ebene.

Daran schließt sich in einem zweiten Schritt eine allgemeine Betrachtung des Fremdsprachenunterrichts in Frankreich und der französischen Sprachenpolitik unter Jack Lang an, also das Aufzeigen der Bedingungen und Möglichkeiten für Fremdsprachen auf der nationaler Ebene. Neben einer Darstellung der Organisation des fremdsprachlichen Unterrichts anhand von Lehrplänen und offiziellen Rundschreiben und einer auf Statistiken basierenden Auswertung der Lernerzahlen, welche den Zustand der deutschen Sprache in Frankreich dokumentiert, wird die Sprachenpolitik der französischen Regierung sowie deren Umsetzung nachvollzogen und beleuchtet. Im dritten Schritt steht dann der Deutschunterricht selbst im Vordergrund.

Es werden dessen Probleme und damit die Ursachen des Desinteresses an der deutschen Sprache herausgestellt, mögliche Anknüpfpunkte für Initiativen zur Förderung des Deutschen aufgedeckt sowie einige Projekte vorgestellt und erörtert. Den Abschluss bildet eine mit Hilfe von Fragebögen direkt bei französischen Lycée-Schülern durchgeführte Umfrage, welche zuvor aufgestellte Hypothesen bezüglich Deutschlandbild und Kenntnissen über Deutschland, Motivation zum Erlernen der deutschen Sprache und Zufriedenheit mit dem Deutschunterricht prüft und gegebenenfalls revidiert. Sie dient gleichzeitig der Darstellung der Wirklichkeit und des Images des Deutschunterrichts und zeigt Wünsche und Anforderungen an diesen ebenso auf wie die mit dem Deutschlernen verbundenen persönlichen Ziele und Perspektiven.

Zur Bearbeitung der einzelnen Schritte werden die verschiedenen Quellen ausgewertet und kritisch beurteilt: Im ersten Teil handelt es sich hierbei hauptsächlich um selbständige Veröffentlichungen sowie Verträge, im zweiten um offizielle Lehrpläne, Rundschreiben des Erziehungsministeriums und Reden Jack Langs, im dritten um Zeitschriften- und Zeitungsartikel, erhaltene E-Mails sowie Werbe- und Informationsprospekte und im vierten um Fragebögen.

Ein Problem der Literaturrecherche für diese Arbeit besteht, da Aktualität und Authentizität angestrebt werden, in der relativ großen Abhängigkeit vom Internet sowie der Auskunft von Organisationen und Einrichtungen, wobei sich vor allem das Letztere als schwierig erwies. Waren Privatpersonen wie eine Lektorin des DeutschMobils, ein Mitarbeiter des deutsch-französischen Institutes in Ludwigsburg, ein Deutschlehrer an einer französischen Primarschule und andere stets zur Kooperation und Information bereit, so kann dies bedauerlicherweise nicht für größere Institutionen allen voran Ministerien, Goethe-Institut und A. D. E. A. F. gesagt werden, welche selbst wiederholte Anfragen ignorierten.

Es wird versucht, ein umfassendes Gesamtbild der deutschen Sprache in Frankreich im schulischen Bildungswesen bis zum Baccalauréat zu geben, wobei eine zukünftige Ausweitung dieser Arbeit auf andere Bereiche des Spracherwerbs wie dem Hochschulbereich und der Erwachsenenbildung beziehungsweise auf die vergleichenden Entwicklungen der französischen Sprache in Deutschland durchaus denkbar und interessant wäre, den Rahmen dieser Arbeit jedoch sprengen würde.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 9
1. Die deutsch-französischen Kulturbeziehungen mit Schwerpunkt: Kooperation im schulischen Bildungswesen 12
1.1 Die deutsch-französischen Kulturbeziehungen seit 1945 12
1.1.1 Die deutsch-französischen Kulturbeziehungen bis 1963: Aussöhnung und Annäherung 12
1.1.2 Der Deutsch-Französische Vertrag von 1963 und seine Folgen 15
1.1.3 Die deutsch-französischen Kulturbeziehungen seit der Wiedervereinigung Deutschlands 19
1.1.4 40 Jahre Deutsch-Französischer Vertrag 22
1.2 Fazit: Deutsch-französische Sonderbeziehungen? 23
2. Situation des Fremdsprachenunterrichts in Frankreich unter besonderer Berücksichtigung des Deutschunterrichts 27
2.1 Organisation des Fremdsprachenunterrichts 27
2.1.1 Primarstufe 27
2.1.2 Collège 29
2.1.3 Lycée 30
2.1.4 Berufliche Ausbildung: Certificat d’aptitude professionnelle (CAP) 33
2.1.5 Baccalauréat (général) 34
2.1.6 Section européenne 35
2.1.7 Europro 36
2.1.8 AbiBac 37
2.2 Statistiken zur Lernerzahl 38
2.2.1 Situation in der Primarstufe 39
2.2.2 Situation in der Sekundarstufe 40
2.2.2.1 Erste Fremdsprache 41
2.2.2.2 Zweite Fremdsprache 41
2.2.2.3 Dritte Fremdsprache 42
2.2.3 Berufsschulunterricht 43
2.2.4 Öffentlicher versus privater Sektor 44
2.2.5 Regionale Unterschiede 44
2.2.6 Fremdsprachenangebot in den Schulen 45
2.3 Sprachpolitik der französischen Regierung 47
2.3.1 Sprachpolitik unter Jack Lang 47
2.3.1.1 Primarstufe 47
2.3.1.2 Sekundarstufe 49
2.3.1.2.1 Organisation des Fremdsprachenunterrichts 50
2.3.1.2.2 Internationale Dimension des Fremdsprachenunterrichts 51
2.3.2 Umsetzung der Sprachpolitik 52
2.3.2.1 Gescheiterte Diversifizierung 52
2.4 Fazit 57
3. Deutschunterricht: Problemabriss und Lösungsvorschläge 60
3.1 Probleme des Deutschunterrichts in Frankreich 60
3.1.1 Deutschlandbild, hartnäckige Stereotypen und mangelnde kulturelle Präsenz 60
3.1.2 Deutsche Sprache – schwere Sprache 64
3.1.3 Ist Deutsch elitär? 65
3.1.4 Einstellung gegenüber den Fremdsprachen 70
3.1.5 Organisation des Fremdsprachenunterrichts 71
3.1.6 Mangelnde Kenntnis der für das Deutsche sprechenden Argumente 73
3.1.7 Zwischenfazit 76
3.2 Initiativen zur Förderung der deutschen Sprache 77
3.2.1 Goethe-Institut 78
3.2.2 Rettung des Deutschunterrichts via Videokonferenz 81
3.2.3 A. D. E. A. F. 83
3.2.4 Das Deutsch-Mobil 84
3.2.5 Das Departement Moselle und La Voie Spécifique Mosellane 87
3.2.6 Zwischenfazit 89
3.3. Fazit 90
4. Umfrage 91
4.1 Hypothesen 92
4.1.1 Deutschlandbild/ Kenntnisse über Deutschland 92
4.1.2 Motivation zum Erlernen der deutschen Sprache 93
4.1.3 Zufriedenheit mit dem Deutschunterricht 94
4.2 Aufbau des Fragebogens 96
4.2.1 Vorüberlegung zum Fragebogen 96
4.2.2 Der Fragebogen 98
4.3 Probeerhebung 104
4.4 Fragebogenuntersuchung 106
4.4.1 Stichprobe 106
4.4.2 Datenerhebung 107
4.4.3 Auswertung der Untersuchungsergebnisse 107
4.4.4 Zusammenfassen der Untersuchungsergebnisse 123
4.5 Fazit 124
Schlussbemerkung 127
Literaturverzeichnis 130
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 138
Anhang 140

Automatisiert erstellter Textauszug:

3.1.2 Deutsche Sprache – schwere Sprache Die Eltern üben in der Regel, wenn sie nicht direkt für diese bestimmen, einen dezisiven Einfluss auf die Fremdsprachenwahl ihrer Kinder aus, welcher sich je nach der in der eigenen Schulzeit gemachten Erfahrungen positiv oder negativ auf die Entscheidung für eine bestimmte Sprache auswirken kann. Was hiervon auf das Deutsche zutrifft, muss aufgrund mangelnder Daten spekulativ beantwortet werden. Die Vorstellungen, die viele Eltern vom Deutschunterricht haben, gehen auf eine Zeit zurück, in der Deutsch mit der Didaktik des Altsprachenunterrichts mit seiner Fixierung auf Grammatik und Übersetzung gelehrt wurde und die Kommunikationsfähigkeit von nur untergeordneter Bedeutung war. Seither haben sich zwar die Lehrmethoden und die Unterrichtspraxis stark verändert, aber das Image des Deutschen als schwierige Sprache ist geblieben.177 Das dem wirklich so ist beweist die Tatsache, dass beinahe jede Kampagne zur Förderung der deutschen Sprache auf dieses Punkt zu sprechen kommt und ihn zu widerlegen versucht: [...]

Problemfanatismus und Pseudoalltag sind um so gravierender unter dem Tatbestand, dass Kultur sich wesentlich durch und über die Sprache vermittelt.176 So lange der Deutsche für französische Schüler der arbeitslose, rassistische, konsumorientierte, sein Kind abtreibende Analphabet bleibt, so lange können auch keine positiven Werte und Vorstellungen mit Deutschland verbunden werden und so lange wird erst recht keine Lust entstehen, mit dieser Sprache auf Reisen zu gehen oder sie in den Kontext der eigenen beruflichen Laufbahn hineinzudenken. In diesem Sinne sind sowohl Anstrengungen seitens des Lehrpersonals und der Lehrbuchautoren als auch die nötige Sensibilisierung der Medien für die Belange einer authentischen Repräsentation Deutschlands und ein In-Frage-Stellen bestimmter Stereotypen und Klischeevorstellungen zu wünschen. [...]

Bestätigung, denn bei Analyse der Texte fällt auf, dass diese zum großen Teil Probleme wie Arbeitslosigkeit, Abtreibung, Analphabetismus, Konsumgesellschaft, Fremdenhass allgemein, Rassismus in Ostdeutschland, die Unterdrückung der Frau in der Gesellschaft ... transportieren, die zwar nicht unbedingt „typisch Deutsch“ sind, jedoch dem Unterricht eine entsprechende Schwere, Belastung und Bedrückung verleihen und somit ein im allen recht pessimistisches Deutschlandbild vermitteln. Kulturelle Aspekte scheinen demgegenüber nur zweitrangig von Interesse, überhaupt ist Deutschland in Frankreich kulturell kaum präsent. Welcher junge Franzose kennt schon die zeitgenössische deutsche Kultur, seine aktuelle Literatur, sein Theater, sein Kino, deutsche „Songs“; wer weiss, dass Jil Sander, Patrick Süsskind und Dirk Nowitzki Deutsche sind, dass die europäische Hymne von Bach komponiert wurde. „Wenn Deutschland Schlagzeilen macht, dann meistens wegen fremdenfeindlicher Übergriffe.174 „La seule image positive que les Français associent à l’Allemagne, c’est la réussite dans certains domaines techniques comme celui de l’automobile“175, wobei Deutschland hierbei jedoch eher als Konkurrent, denn als ökonomischer Partner gesehen wird. [...]

Arbeit zitieren:
Nestler, Tina September 2004: Die Situation der deutschen Sprache im schulischen Bildungswesen Frankreichs, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Deutsch als Fremdsprache, deutsch-französisch Kulturbeziehung, Sprachpolitik, Frankreich, Schulsystem

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