Die Situation der Frauen und Partnerinnen von Inhaftierten
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Julia Kern
- Abgabedatum: Mai 2002
- Umfang: 131 Seiten
- Dateigröße: 450,5 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-0396-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-0396-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-0396-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kern, Julia Mai 2002: Die Situation der Frauen und Partnerinnen von Inhaftierten, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Straffällige, Angehörige, Familie, Beziehung, Haft
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Diplomarbeit von Julia Kern
Gang der Untersuchung:
Die Situation von Inhaftierten ist inzwischen oft untersucht und diskutiert worden. Wie es aber den Frauen ergeht, die direkt von der Inhaftierung mit betroffen sind, weil sie von ihrem Partner getrennt werden und von heute auf morgen ihren Alltag alleine meistern müssen, ist in der sozialwissenschaftlichen Forschung bisher weitgehend unbeachtet geblieben.
Im Rahmen der vorliebenden Diplomarbeit wurden 14 Frauen zu den Auswirkungen der Inhaftierung ihres Partners auf sie und ihre Kinder befragt. Die Daten wurden durch Problemzentrierte Interviews erhoben und mittels Qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.
Zu Beginn der Arbeit wird zunächst ein Überblick über den gegenwärtigen Forschungsstand zum Thema „Frauen und Partnerinnen von Inhaftierten“ gegeben.
Danach wird die eigene Studie vorgestellt. Ziel der Untersuchung ist es, die Situation der betroffenen Frauen in ihrer gesamten Komplexität zu erfassen und systematisch darzustellen. Zusätzlich zu dieser explorativen Fragestellung werden aus der Literatur sechs Hypothesen abgeleitet.
1. Hypothese Im Alltag der Frauen tauchen durch die Inhaftierung eine Vielzahl von Problemen auf, wie etwa finanzielle Schwierigkeiten, Einsamkeit, Probleme mit den Kindern, Probleme mit Behörden wie Sozial-, Arbeits- und Jugendamt.
2. Hypothese Die Inhaftierung der Männer führt in manchen Bereichen zu einer Verbesserung der Situation der Frauen, besonders wenn die Beziehung vorher für die Frauen teilweise eine Belastung war oder die Männer als Väter ein ungünstiges Erziehungsverhalten gezeigt haben.
3. Hypothese Wertet man die in Hypothese eins und Hypothese zwei gemachten Aussagen insgesamt, ist davon auszugehen, dass Frauen und Kinder erheblich unter den Folgen der Inhaftierung des Mannes zu leiden haben und nur in Ausnahmefällen eine Verbesserung der Situation beobachtet werden kann.
4. Hypothese Die Frauen werden durch den „Ausfall“ der Männer gezwungenermaßen selbständiger.
5. Hypothese Die Kinder leiden unter der Trennung von ihren Vätern. Sie entwickeln Verhaltensauffälligkeiten wie z.B. Schulschwierigkeiten, Aggressionen und Ängste.
6. Hypothese Die Familien werden stigmatisiert. Das Verhältnis zu den verschiedenen sozialen Systemen wie Familie, Bekanntenkreis, Nachbarschaft und Arbeitskollegen wird schlechter.
Im Ergebnisteil werden die von den Frauen im Interview geschilderten Bereiche sortiert nach folgenden Überpunkten ausführlich dargestellt: Ablauf des Kriminalisierungsprozesses, der Alltag alleine, die Situation der Kinder, Kontakt zur Umwelt, das System Gefängnis, die Partnerschaft, Befinden der Frau.
Anschließend werden die Hypothesen überprüft. In der abschließenden Diskussion werden die Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf bisherige Forschungsbefunde zusammenfassend betrachtet. Es folgen eine methodische Diskussion der angewandten Erhebungs- und Auswertungsverfahren sowie Ideen für zukünftige Forschung und Vorschläge für die Praxis.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | I |
| 2. | THEORETISCHER HINTERGRUND | 3 |
| 2.1 | Die Ausblendung der Angehörigen von Inhaftierten in der Wissenschaft und Praxis | 3 |
| 2.1.1 | Stand der Forschung | 3 |
| 2.1.1.1 | Angloamerikanische Untersuchungen | 3 |
| 2.1.1.2 | Untersuchungen im deutschsprachigen Raum | 7 |
| 2.1.2 | Zahl der Betroffenen | 9 |
| 2.1.3 | Die Thesen von Pilgram | 10 |
| 2.2 | Institutionelle Garantie von Ehe und Familie | 13 |
| 2.3 | Bestehende Kontaktmöglichkeiten | 13 |
| 2.4 | Kriminalisierungsprozess | 17 |
| 2.4.1 | Situation der Partnerschaft vor der Kriminalisierung | 17 |
| 2.4.2 | Das Wissen der Frau über die Straftat des Mannes | 17 |
| 2.4.3 | Ermittlungsphase und Verurteilung | 19 |
| 2.4.4 | Gerichtsverhandlung | 20 |
| 2.5 | Die „inhaftierte“ Familie | 21 |
| 2.5.1 | Die Situation der Frau | 21 |
| 2.5.1.1 | Auseinandersetzung mit der Straftat | 21 |
| 2.5.1.2 | Fehlende Informationen | 22 |
| 2.5.1.3 | Finanzielle Probleme | 22 |
| 2.5.1.4 | Abwesenheit des Partners | 23 |
| 2.5.1.5 | Kontakt zur Umwelt | 23 |
| 2.5.1.6 | Somatische und psychische Belastungen | 25 |
| 2.5.1.7 | Erziehung der Kinder | 26 |
| 2.5.2 | Die Situation der Kinder | 26 |
| 2.5.3 | Die Situation des Mannes | 29 |
| 2.5.4 | Auswirkung der Inhaftierung auf die Partnerschaft | 30 |
| 2.5.5 | Entlassung aus der Haft | 32 |
| 2.6 | Die Rolle der Angehörigen bei der Resozialisierung | 33 |
| 2.7 | Ehe - und Familienseminare | 34 |
| 2.8 | Vorschläge zur Verbesserung der Situation von Angehörigen von Inhaftierten | 35 |
| 3. | FRAGESTELLUNG DER ARBEIT | 37 |
| 4. | METHODIK DER UNTERSUCHUNG | 38 |
| 4.1 | Das Problemzentrierte Interview | 38 |
| 4.2 | Qualitative Inhaltsanalyse | 39 |
| 4.3 | Vorgehensweise | 40 |
| 4.3.1 | Entwicklung des Interviewleitfadens | 40 |
| 4.3.2 | Selektionskriterien für die Stichprobe | 40 |
| 4.3.3 | Kontaktaufnahme mit den Interviewpartnerinnen | 40 |
| 4.3.4 | Durchführung der Interviews | 41 |
| 4.3.5 | Auswertung der Interviews | 42 |
| 5. | DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE | 42 |
| 5.1 | Merkmale der Stichprobe | 42 |
| 5.2 | Ablauf des Kriminalisierungsprozesses | 45 |
| 5.2.1 | Das Wissen der Frauen über die Kriminalität ihrer Partner | 45 |
| 5.2.2 | Die Ermittlungsphase | 45 |
| 5.2.3 | Verurteilung und Bewertung der Schuld | 49 |
| 5.2.4 | Rechtsanwälte | 49 |
| 5.2.5 | Bewertung des Ermittlungs- und Verurteilungsprozesses | 50 |
| 5.3 | Der Alltag alleine | 53 |
| 5.3.1 | Die Finanzielle Situation | 53 |
| 5.3.2 | Die Wohnsituation | 55 |
| 5.3.3 | Kontakt mit Behörden | 55 |
| 5.3.4 | Neue Aufgaben im Alltag | 56 |
| 5.3.5 | Die Arbeitssituation der berufstätigen Frauen | 58 |
| 5.4 | Die Situation der Kinder | 59 |
| 5.4.1 | Das Wissen der Kinder über die Inhaftierung | 59 |
| 5.4.2 | Kommunikationsanweisungen an die Kinder | 61 |
| 5.4.3 | Reaktionen der Kinder auf die veränderte Lebenssituation | 62 |
| 5.4.4 | Erziehungsschwierigkeiten | 65 |
| 5.5 | Kontakt zur Umwelt | 66 |
| 5.5.1 | Das Wissen der Umwelt über die Inhaftierung | 66 |
| 5.5.2 | Reaktionen der Umwelt auf die Inhaftierung | 68 |
| 5.5.3 | Unterstützung | 70 |
| 5.6 | Das System Gefängnis | 72 |
| 5.6.1 | Mangel an Informationen | 72 |
| 5.6.2 | Besuche im Gefängnis | 72 |
| 5.6.3 | Weitere Kontaktformen | 76 |
| 5.6.4 | Materielle Unterstützung für den Partner | 77 |
| 5.6.5 | Probleme mit dem Justizsystem | 78 |
| 5.6.6 | Kontakt mit anderen Betroffenen | 80 |
| 5.7 | Die Partnerschaft | 81 |
| 5.7.1 | Die Partnerschaft vor der Inhaftierung | 81 |
| 5.7.2 | Umgang mit der Straftat | 82 |
| 5.7.3 | Das Verbot, über die Tat zu sprechen | 84 |
| 5.7.4 | Die Kommunikation zwischen den Partnern | 85 |
| 5.7.5 | Sorgen um den Partner in Haft | 86 |
| 5.7.6 | Veränderung des Partners während seiner Inhaftierung | 87 |
| 5.7.7 | Veränderung der Beziehung | 88 |
| 4.3 | Vorgehensweise | 40 |
| 4.3.1 | Entwicklung des Interviewleitfadens | 40 |
| 4.3.2 | Selektionskriterien für die Stichprobe | 40 |
| 4.3.3 | Kontaktaufnahme mit den Interviewpartnerinnen | 40 |
| 4.3.4 | Durchführung der Interviews | 41 |
| 4.3.5 | Auswertung der Interviews | 42 |
| 5. | DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE | 42 |
| 5.1 | Merkmale der Stichprobe | 42 |
| 5.2 | Ablauf des Kriminalisierungsprozesses | 45 |
| 5.2.1 | Das Wissen der Frauen über die Kriminalität ihrer Partner | 45 |
| 5.2.2 | Die Ermittlungsphase | 45 |
| 5.2.3 | Verurteilung und Bewertung der Schuld | 49 |
| 5.2.4 | Rechtsanwälte | 49 |
| 5.2.5 | Bewertung des Ermittlungs- und Verurteilungsprozesses | 50 |
| 5.3 | Der Alltag alleine | 53 |
| 5.3.1 | Die Finanzielle Situation | 53 |
| 5.3.2 | Die Wohnsituation | 55 |
| 5.3.3 | Kontakt mit Behörden | 55 |
| 5.3.4 | Neue Aufgaben im Alltag | 56 |
| 5.3.5 | Die Arbeitssituation der berufstätigen Frauen | 58 |
| 5.4 | Die Situation der Kinder | 59 |
| 5.4.1 | Das Wissen der Kinder über die Inhaftierung | 59 |
| 5.4.2 | Kommunikationsanweisungen an die Kinder | 61 |
| 5.4.3 | Reaktionen der Kinder auf die veränderte Lebenssituation | 62 |
| 5.4.4 | Erziehungsschwierigkeiten | 65 |
| 5.5 | Kontakt zur Umwelt | 66 |
| 5.5.1 | Das Wissen der Umwelt über die Inhaftierung | 66 |
| 5.5.2 | Reaktionen der Umwelt auf die Inhaftierung | 68 |
| 5.5.3 | Unterstützung | 70 |
| 5.6 | Das System Gefängnis | 72 |
| 5.6.1 | Mangel an Informationen | 72 |
| 5.6.2 | Besuche im Gefängnis | 72 |
| 5.6.3 | Weitere Kontaktformen | 76 |
| 5.6.4 | Materielle Unterstützung für den Partner | 77 |
| 5.6.5 | Probleme mit dem Justizsystem | 78 |
| 5.6.6 | Kontakt mit anderen Betroffenen | 80 |
| 5.7 | Die Partnerschaft | 81 |
| 5.7.1 | Die Partnerschaft vor der Inhaftierung | 81 |
| 5.7.2 | Umgang mit der Straftat | 82 |
| 5.7.3 | Das Verbot, über die Tat zu sprechen | 84 |
| 5.7.4 | Die Kommunikation zwischen den Partnern | 85 |
| 5.7.5 | Sorgen um den Partner in Haft | 86 |
| 5.7.6 | Veränderung des Partners während seiner Inhaftierung | 87 |
| 5.7.7 | Veränderung der Beziehung | 88 |
| 5.8 | Befinden der Frau | 90 |
| 5.8.1 | Fehlende Sexualität | 90 |
| 5.8.2 | Einsamkeit | 91 |
| 5.8.3 | Psychische und physische Belastungen | 92 |
| 5.8.4 | Ängste | 95 |
| 5.8.5 | Suchtmittelkonsum | 96 |
| 5.8.6 | Professionelle Helfer | 96 |
| 5.8.7 | Eigene Veränderungen | 97 |
| 5.8.8 | Kraftquellen | 99 |
| 5.9 | Bewertung der Schwierigkeiten im Alltag | 100 |
| 5.10 | Verbesserungen im Alltag der Frauen durch die Inhaftierung des Partners | 102 |
| 5.11 | Hilfe für Frauen von Inhaftierten: Angebot und Bedürfnisse | 103 |
| 5.12 | Nach der Entlassung | 105 |
| 6. | BERPRÜFUNG DER HYPOTHESEN | 107 |
| 7. | DISKUSSION | 111 |
| 7.1 | Diskussion der Ergebnisse | 111 |
| 7.2 | Methodische Reflektion | 115 |
| 7.3 | Ausblick für weitere Forschung und Anregungen für die Praxis | 116 |
| 8. | LITERATURVERZEICHNIS | 119 |
5.2.3. Verurteilung und Bewertung der Schuld Den 14 Männern der befragten Frauen werden folgende Taten vorgeworfen: In drei Fällen Betrug, in zwei Fällen Handel mit Rauschgift, in je einem Fall Mensche nschmuggel, Fahren ohne Führerschein, sexueller Missbrauch, bewaffneter Raubüberfall, Diebstahl, Vermögensgefährdung, versuchter Todschlag, Mord und Steuerhinterziehung. Bei zwei Männern konnte der Verdacht nicht bewiesen werden, so dass sie freigesprochen worden sind. Drei Männer sind noch in Untersuchungshaft, neun Männer sind rechtskräftig verurteilt worden. Sechs der Männer behaupten, nach Aussagen ihrer Partnerinnen, unschuldig zu sein und die ihnen vorgeworfene Tat so nicht begangen zu haben. Zwei der Frauen sind von Anfang an von der Unschuld ihre Partner überzeugt gewesen. Drei Frauen, darunter auch die beiden, deren Männer später frei gesprochen wurden, haben in der Ermittlungsphase teilweise Zweifel gehabt. [...]
„Die zwei Beamten waren unter aller Sau. Ich hätte ihnen am liebsten einen Tritt in den Arsch gegeben. Die sind hier reingekommen, haben mir hier alles durcheinander geschmissen, dann hat er gesagt, ich darf nicht aus dem Wohnzimmer raus, und sind beide ins Schafzimmer, haben die Türe noch bei gemacht, ich hab nicht reingucken können, haben mir alles durchstöbert und dann sind sie wieder raus. Die haben dann den Schrank durchwühlt, die Kinder sind da gesessen, dann sagt meine Älteste: ‚Mama, was macht der da?’ und bevor ich antworten konnte sagt der: ‚wir gucken nur, ob deine Mutter die Schränke ordentlich hat’. Hab ich gesagt: ‚wie bitte?’“ [...]
„Die Kinder waren da. Eben, das ist ja, das war ja der Hammer. Ich war damals ziemlich krank und ich sah echt schlimm aus, mir wurde immer schlecht und so. Und da kamen sie auf einmal, 10 Polizisten. Draußen waren noch ein paar, drinnen in der Wohnung waren vier oder fünf. In jedem Raum, wir mussten stehen bleiben, ke iner durfte sich mehr in einen anderen Raum bewegen, durfte kein Telephon mehr in die Hand nehmen. Alle mussten so in einem Raum bleiben. Die durften rumwühlen und rummachen was sie wollten, das hat denen auch nichts ausgemacht, das war denen scheißegal, wie die Wohnung hinterher aussah. Die Kinder waren schockiert neben mir gestanden, die haben sowieso nichts mehr gemacht. Die waren ruhig. Aber die Kleinen, wenn die jetzt Polizei hören oder Polizei sehen, ist schon irgendwo, glaube ich, der Schock noch drin.“ [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832403966
Arbeit zitieren:
Kern, Julia Mai 2002: Die Situation der Frauen und Partnerinnen von Inhaftierten, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Straffällige, Angehörige, Familie, Beziehung, Haft



