Die Sicherheit der Energieversorgung Deutschlands
Unter der Berücksichtigung des Nahen und Mittleren Ostens
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Adrian Urzenitzok, Henning-Christian Durnio
- Abgabedatum: August 2006
- Umfang: 244 Seiten
- Dateigröße: 1,2 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität der Bundeswehr München Deutschland
- Originaltitel: Herausforderungen für die mittelfristige deutsche Energieversorgung. Unter der besonderen Berücksichtigung des Nahen und Mittleren Ostens
- Bibliografie: ca. 207
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0306-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Adrian Urzenitzok, Henning-Christian Durnio August 2006: Die Sicherheit der Energieversorgung Deutschlands, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Deutschland, Erdöl, Energieversorgung, Saudi-Arabien, Iran
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Diplomarbeit von Adrian Urzenitzok, Henning-Christian Durnio
Einleitung:
Hauptmotivation zur Erstellung dieser Arbeit war die besondere sowohl politische als auch wirtschaftliche Brisanz und Aktualität des Themenkomplexes Energie und der damit verbundenen Stabilität der deutschen Energieversorgung.
Der letzte Irak-Krieg machte deutlich, welche weitreichenden Auswirkungen eine militärische Operation im Nahen und Mittleren Osten auf den globalen Energiemarkt (speziell hierbei Erdöl) und nicht zuletzt auf den deutschen Energiemarkt haben kann. Experten sprachen hierbei nicht von einem Befreiungskrieg des irakischen Volks durch die USA (United States of America), sondern oftmals von einem Krieg um Öl.
Gleichzeitig spitzt sich die Lage in dieser Region durch den derzeitigen Atomstreit mit dem Iran weiter zu. Dabei droht die iranische Führung mit dem erneuten Ölwaffeneinsatz, so dass allein die Drohungen wiederum große Rückwirkungen auf die Ölpreise hatten. Als logische Folge der bis dato ungelösten Atomdebatte steigt die Angst einer erneuten Energiekrise immer weiter an. Allein diese Situation beeinflusst weltweit wiederum Konjunktur, Wirtschaftswachstum und nicht zuletzt auch die Wohlfahrt der Bevölkerung, so dass aufgrund der Interdependenz der internationalen Märkte auch die Auswirkungen der iranischen Drohungen in Deutschland spürbar werden. Mit Beginn der Themenbearbeitung fand gleichzeitig am 3. April 2006 der deutsche Energiegipfel in Berlin statt, welcher zusätzlich die enorme Relevanz des Energiethemas für Deutschland unterstrichen hat.
Zielsetzung dieser Arbeit ist es, eine Aussage über evtl. auftretende deutsche Versorgungsdefizite in Verbindung mit Chancen und Risiken im Bereich der Nahen und Mittleren Ostens zu treffen, um anschließend Handlungsempfehlungen für ein Entgegenwirken oder ein Verstärken bestimmter Entwicklung formulieren zu können.
Diese Entscheidung wird auch durch die Tatsache gestützt, dass schon in der Vergangenheit in besonders schwierigen Versorgungslagen die Energie, insbesondere hier Erdöl, politisch instrumentalisiert wurde. Dabei wurden die grundlegenden Entscheidungen auf der politischen Ebene getroffen, die dann Marktmechanismen versagen ließen.
Gang der Untersuchung:
Die Diplomarbeit wird im Rahmen des ersten Kapitels mit einer historischen Deskription der ersten Energiekrise 1973 eingeleitet. Hier wird ausführlich der Ursprung der Krise betrachtet, um im Anschluss sowohl die globalen Krisenauswirkungen als auch die Auswirkungen für Deutschland nachvollziehen zu können. Schwerpunkt ist hierbei die Betrachtung der besonderen Rolle der OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) vor der Krise.
Im zweiten Kapitel werden die deutschen Beziehungen zum Nahen und Mittleren Osten analysiert, um hierbei zu verdeutlichen, unter welchen Rahmenbedingungen und Determinanten diese zu verstehen sind. Aus den erarbeiteten Rahmenbedingungen sollen Möglichkeiten und Potentiale für Deutschland in der Zukunft in Hinblick auf diese Region aufgezeigt werden.
Der Hauptteil der Diplomarbeit wird mit einer nachfrageseitigen Betrachtung des globalen und des deutschen Energieverbrauchs begonnen, wobei das Hauptaugenmerk auf möglichen Veränderungen und ihren Ursachen innerhalb der deutschen Primärenergieverbrauchsstruktur seit 1973 liegt. Im Rahmen der nachfrageorientierten Betrachtung werden dann ausgewählte Prognosen auf ihre Zukunftsaussagen hin überprüft, mit dem Ziel festzustellen, in welchen Bereichen sich einheitliche Aussagen über den deutschen Energiebedarf bis 2030 treffen lassen, und weiterhin in welcher Art sich diese von den Prognosen für den globalen Primärenergieverbrauch unterscheiden.
Im zweiten Themenkomplex des Hauptteils steht die angebotsseitige Betrachtung im Vordergrund. Hierbei wird die Energieträgerstruktur analysiert und in welchen Bereichen diese mit dem globalen und europäischen Markt verbunden ist. Dabei wird die Importabhängigkeit Deutschlands von den jeweiligen Energieträgern untersucht. In diesem Zusammenhang verdeutlicht der Abschnitt dazu die aktuelle weltweite Verteilung aller Energieträgervorkommen und aus welchen Regionen in Zukunft noch Energieträgerlieferungen bezogen werden könnten. Außerdem wird aufgezeigt, wie lange die Rohstoffvorkommen der einzelnen Lieferländer noch vorrätig sind und wo potentielle Ersatzlieferanten in Zukunft identifiziert werden können.
Ziel beider Analysen (Nachfrage und Angebot) ist es dann, gemeinsam eine Aussage über einen möglichen Substitutionsbedarf und die vorhandenen Möglichkeiten einer Substitution von Energieträgern treffen zu können.
Im letzten Abschnitt des Hauptteils erfolgt eine politische Analyse zweier ausgewählter Staaten mit dem Ziel, eine Aussage über deren Stabilität und der damit verbundenen Lieferzuverlässigkeit treffen zu können. Weiterhin sollen hier einerseits Chancen für deutsche Wirtschaftsinteressen aber auch Ansatzpunkte für eine politische Zusammenarbeit aufgezeigt werden, andererseits sollen Risiken verdeutlicht werden, die mit dem entsprechenden Land verbunden sein könnten.
Im letzten Kapitel der Diplomarbeit werden dann die Handlungsempfehlungen offen gelegt, die sich aus den vorangegangenen Kapiteln ableiten lassen. Mit deren Hilfe wird dann im Rahmen des Ausblicks gezeigt, wie die Handlungsempfehlungen weiter präzisiert werden könnten.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Tabellenverzeichnis | VII | |
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Motivation | 1 |
| 1.2 | Ziel der Arbeit | 3 |
| 1.3 | Vorgehensweise | 3 |
| 2. | Ölkrise 1973 | 6 |
| 2.1 | Entwicklung des Rohölgeschäfts seit Ende der 20er Jahre | 6 |
| 2.2 | Entwicklung des Ölgeschäfts nach dem Zweiten Weltkrieg | 8 |
| 2.3 | Die Ölkrise | 17 |
| 2.4 | Folgen für die OPEC bis Mitte der 80er Jahre | 20 |
| 2.5 | Weltwirtschaftliche Folgen | 22 |
| 2.6 | Folgen für die BRD | 24 |
| 2.7 | Zusammenfassung | 27 |
| 3. | Die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens | 29 |
| 3.1 | Grundlagen der deutschen Nah- und Mittelostpolitik | 29 |
| 3.2 | Die Anfänge der Beziehungen | 30 |
| 3.3 | Der Zusammenbruch der deutschen Nahostpolitik Mitte der sechziger Jahre und dessen Konsequenzen | 33 |
| 3.4 | Die Entwicklung der Beziehungen unter der sozial-liberalen Regierung 1969-1982 | 36 |
| 3.4.1 | Deutsche Nahostpolitik im Rahmen des europäischen Kontexts | 38 |
| 3.5 | Entwicklung der Beziehungen ab 1982 | 41 |
| 3.6 | Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen | 47 |
| 4. | Energienachfrage | 51 |
| 4.1 | Definitionen | 51 |
| 4.2 | Globaler Primärenergieverbrauch nach Energieträgern 2004 | 55 |
| 4.3 | Die Entwicklung der deutschen Energienachfrage von 1973 bis 2005 | 58 |
| 4.3.1 | Der deutsche PEV nach Energieträgern von 1973 bis 2005 | 61 |
| 4.3.2 | Der deutsche Primärenergieverbrauch nach Sektoren von 1973 bis 2004 | 64 |
| 4.4 | Prognosen und Szenarien | 67 |
| 4.4.1 | Globale Prognosen und Szenarien für den Primärenergieverbrauch | 68 |
| 4.4.2 | Deutsche Prognosen und Szenarien für den PEV | 75 |
| 4.5 | Zusammenfassung der globalen und deutschen Prognosen | 87 |
| 5. | Energieversorgung Deutschlands | 90 |
| 5.1 | Energieaufkommen und Importe | 91 |
| 5.2 | Unterschiedliche Energiequellen | 96 |
| 5.2.1 | Definitionen und Begriffsbestimmungen | 96 |
| 5.2 | Erdöl | 98 |
| 5.2.1 | Reserven | 99 |
| 5.2.2 | Ressourcen | 100 |
| 5.2.3 | Gesamtpotential | 101 |
| 5.2.4 | Verfügbarkeit | 102 |
| 5.2.5 | Fazit und Ausblick | 104 |
| 5.3 | Erdgas | 105 |
| 5.3.1 | Reserven | 105 |
| 5.3.2 | Ressourcen | 107 |
| 5.3.3 | Gesamtpotential | 108 |
| 5.3.4 | Verfügbarkeit | 109 |
| 5.3.5 | Fazit und Ausblick | 110 |
| 5.4 | Kohle | 111 |
| 5.4.1 | Gesamtressourcen | 112 |
| 5.4.2 | Fazit und Ausblick | 113 |
| 5.5 | Uran | 114 |
| 5.5.1 | Gesamtressourcen | 114 |
| 5.5.2 | Verfügbarkeit | 115 |
| 5.5.3 | Fazit und Ausblick | 116 |
| 5.6 | Fazit und Ausblick | 116 |
| 6. | Zusammenfassung | 118 |
| 6.1 | Annahmen | 119 |
| 6.2 | Berechnung | 120 |
| 6.2.1 | Erdöl | 120 |
| 6.2.2 | Erdgas | 121 |
| 7. | Saudi-Arabien | 125 |
| 7.1 | Geschichtlicher Überblick | 125 |
| 7.1.1 | Die Lehre des Scheichs Muhammad ibn Abdul Wahhab | 125 |
| 7.1.2 | Der erste saudische Staat (1744/ 45 - 1818) und dessen Grundlage | 126 |
| 7.1.3 | Der zweite saudische Staat (1824 - 1891) und die innerfamiliären Konflikte | 128 |
| 7.1.4 | Der dritte saudische Staat (1902 - 1953) | 130 |
| 7.2 | Politisches System | 131 |
| 7.2.1 | Legitimität | 132 |
| 7.2.2 | Legitimitätsherausforderungen und Opposition | 134 |
| 7.2.3 | Stabilitätsgefährdende Kraft | 137 |
| 7.3 | Gesellschaft | 140 |
| 7.3.1 | Gastarbeiter | 141 |
| 7.3.2 | Arbeitsmarkt und Bildungswesen | 142 |
| 7.4 | Wirtschaft | 145 |
| 7.4.1 | Struktur der Wirtschaft und deren Folgen | 146 |
| 7.4.2 | Auswirkungen der Reformschritte | 149 |
| 7.4.3 | Deutsch-saudische Wirtschaftbeziehungen | 150 |
| 7.5 | Herausforderungen und Ausblick | 152 |
| 7.5.1 | Gründe für die Stabilität | 152 |
| 7.5.2 | Risiken und Herausforderungen | 153 |
| 8. | Islamische Republik Iran | 156 |
| 8.1 | Die Schia | 156 |
| 8.2 | Die islamische Revolution 1979 | 158 |
| 8.3 | Das politische System im Iran | 162 |
| 8.3.1 | Legitimation in Form der Herrschaft der Rechtsgelehrten (velayat-e faqih) | 163 |
| 8.3.2 | Machtzentren | 164 |
| 8.3.3 | Bewertung der Entwicklung des politischen Systems | 170 |
| 8.4 | Gesellschaft | 173 |
| 8.5 | Wirtschaft | 182 |
| 8.6 | Äußere Stabilitätsrisiken | 188 |
| 9. | Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen | 189 |
| 9.1 | Funktionsfähiger Wettbewerb | 190 |
| 9.2 | Strategische Reserven | 190 |
| 9.3 | Verbesserung der Energieintensität | 191 |
| 9.4 | Diversifikation | 192 |
| 9.5 | Pflege eines politischen Dialoges | 194 |
| 9.5.1 | Nahostkonflikt | 194 |
| 9.5.2 | Einzelstaatenebene | 195 |
| 9.6 | Gegenseitige Auswirkungen | 202 |
| 9.7 | Ausblick | 202 |
| Anhang | 204 | |
| Literaturverzeichnis | 206 |
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Tabellenverzeichnis | VII | |
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Motivation | 1 |
| 1.2 | Ziel der Arbeit | 3 |
| 1.3 | Vorgehensweise | 3 |
| 2. | Ölkrise 1973 | 6 |
| 2.1 | Entwicklung des Rohölgeschäfts seit Ende der 20er Jahre | 6 |
| 2.2 | Entwicklung des Ölgeschäfts nach dem Zweiten Weltkrieg | 8 |
| 2.3 | Die Ölkrise | 17 |
| 2.4 | Folgen für die OPEC bis Mitte der 80er Jahre | 20 |
| 2.5 | Weltwirtschaftliche Folgen | 22 |
| 2.6 | Folgen für die BRD | 24 |
| 2.7 | Zusammenfassung | 27 |
| 3. | Die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens | 29 |
| 3.1 | Grundlagen der deutschen Nah- und Mittelostpolitik | 29 |
| 3.2 | Die Anfänge der Beziehungen | 30 |
| 3.3 | Der Zusammenbruch der deutschen Nahostpolitik Mitte der sechziger Jahre und dessen Konsequenzen | 33 |
| 3.4 | Die Entwicklung der Beziehungen unter der sozial-liberalen Regierung 1969-1982 | 36 |
| 3.4.1 | Deutsche Nahostpolitik im Rahmen des europäischen Kontexts | 38 |
| 3.5 | Entwicklung der Beziehungen ab 1982 | 41 |
| 3.6 | Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen | 47 |
| 4. | Energienachfrage | 51 |
| 4.1 | Definitionen | 51 |
| 4.2 | Globaler Primärenergieverbrauch nach Energieträgern 2004 | 55 |
| 4.3 | Die Entwicklung der deutschen Energienachfrage von 1973 bis 2005 | 58 |
| 4.3.1 | Der deutsche PEV nach Energieträgern von 1973 bis 2005 | 61 |
| 4.3.2 | Der deutsche Primärenergieverbrauch nach Sektoren von 1973 bis 2004 | 64 |
| 4.4 | Prognosen und Szenarien | 67 |
| 4.4.1 | Globale Prognosen und Szenarien für den Primärenergieverbrauch | 68 |
| 4.4.2 | Deutsche Prognosen und Szenarien für den PEV | 75 |
| 4.5 | Zusammenfassung der globalen und deutschen Prognosen | 87 |
| 5. | Energieversorgung Deutschlands | 90 |
| 5.1 | Energieaufkommen und Importe | 91 |
| 5.2 | Unterschiedliche Energiequellen | 96 |
| 5.2.1 | Definitionen und Begriffsbestimmungen | 96 |
| 5.2 | Erdöl | 98 |
| 5.2.1 | Reserven | 99 |
| 5.2.2 | Ressourcen | 100 |
| 5.2.3 | Gesamtpotential | 101 |
| 5.2.4 | Verfügbarkeit | 102 |
| 5.2.5 | Fazit und Ausblick | 104 |
| 5.3 | Erdgas | 105 |
| 5.3.1 | Reserven | 105 |
| 5.3.2 | Ressourcen | 107 |
| 5.3.3 | Gesamtpotential | 108 |
| 5.3.4 | Verfügbarkeit | 109 |
| 5.3.5 | Fazit und Ausblick | 110 |
| 5.4 | Kohle | 111 |
| 5.4.1 | Gesamtressourcen | 112 |
| 5.4.2 | Fazit und Ausblick | 113 |
| 5.5 | Uran | 114 |
| 5.5.1 | Gesamtressourcen | 114 |
| 5.5.2 | Verfügbarkeit | 115 |
| 5.5.3 | Fazit und Ausblick | 116 |
| 5.6 | Fazit und Ausblick | 116 |
| 6. | Zusammenfassung | 118 |
| 6.1 | Annahmen | 119 |
| 6.2 | Berechnung | 120 |
| 6.2.1 | Erdöl | 120 |
| 6.2.2 | Erdgas | 121 |
| 7. | Saudi-Arabien | 125 |
| 7.1 | Geschichtlicher Überblick | 125 |
| 7.1.1 | Die Lehre des Scheichs Muhammad ibn Abdul Wahhab | 125 |
| 7.1.2 | Der erste saudische Staat (1744/ 45 - 1818) und dessen Grundlage | 126 |
| 7.1.3 | Der zweite saudische Staat (1824 - 1891) und die innerfamiliären Konflikte | 128 |
| 7.1.4 | Der dritte saudische Staat (1902 - 1953) | 130 |
| 7.2 | Politisches System | 131 |
| 7.2.1 | Legitimität | 132 |
| 7.2.2 | Legitimitätsherausforderungen und Opposition | 134 |
| 7.2.3 | Stabilitätsgefährdende Kraft | 137 |
| 7.3 | Gesellschaft | 140 |
| 7.3.1 | Gastarbeiter | 141 |
| 7.3.2 | Arbeitsmarkt und Bildungswesen | 142 |
| 7.4 | Wirtschaft | 145 |
| 7.4.1 | Struktur der Wirtschaft und deren Folgen | 146 |
| 7.4.2 | Auswirkungen der Reformschritte | 149 |
| 7.4.3 | Deutsch-saudische Wirtschaftbeziehungen | 150 |
| 7.5 | Herausforderungen und Ausblick | 152 |
| 7.5.1 | Gründe für die Stabilität | 152 |
| 7.5.2 | Risiken und Herausforderungen | 153 |
| 8. | Islamische Republik Iran | 156 |
| 8.1 | Die Schia | 156 |
| 8.2 | Die islamische Revolution 1979 | 158 |
| 8.3 | Das politische System im Iran | 162 |
| 8.3.1 | Legitimation in Form der Herrschaft der Rechtsgelehrten (velayat-e faqih) | 163 |
| 8.3.2 | Machtzentren | 164 |
| 8.3.3 | Bewertung der Entwicklung des politischen Systems | 170 |
| 8.4 | Gesellschaft | 173 |
| 8.5 | Wirtschaft | 182 |
| 8.6 | Äußere Stabilitätsrisiken | 188 |
| 9. | Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen | 189 |
| 9.1 | Funktionsfähiger Wettbewerb | 190 |
| 9.2 | Strategische Reserven | 190 |
| 9.3 | Verbesserung der Energieintensität | 191 |
| 9.4 | Diversifikation | 192 |
| 9.5 | Pflege eines politischen Dialoges | 194 |
| 9.5.1 | Nahostkonflikt | 194 |
| 9.5.2 | Einzelstaatenebene | 195 |
| 9.6 | Gegenseitige Auswirkungen | 202 |
| 9.7 | Ausblick | 202 |
| Anhang | 204 | |
| Literaturverzeichnis | 206 |
Textprobe:
Kapitel 4.3, Die Entwicklung der deutschen Energienachfrage von 1973 bis 2005: Die Energienachfrage der letzten drei Jahrzehnte ist durch einen deutlichen Wandlungsprozess gekennzeichnet, der immer noch anhält. Der Prozess wurde mit der ersten Ölkrise im Oktober 1973 eingeleitet und mit der zweiten Ölkrise im Jahr 1979/ 80 als gleichzeitigem Verbrauchshöhepunkt fortgesetzt. Der Wandel wurde durch die am 3. Oktober 1990 vollzogene Wiedervereinigung und weiterhin durch die 1998 einsetzende Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte, welche die deutsche Energiewirtschaft nachhaltig veränderte, beeinflusst.
Zwischen der Wiedervereinigung 1990 und dem Jahr 1994 sank der Verbrauch im Schnitt um 4,8%, wofür insbesondere die neuen Bundesländer verantwortlich waren, denn dort konnten allein etwa 33% des Gesamtverbrauchs eingespart werden. Besonders energieintensive Produktionen, insbesondere in Ostdeutschland, im Grundstoff- und Produktionsgewerbe (Chemie, Eisenschaffende Industrie, Gießereien, Gummiverarbeitungsbranche, Holzbearbeitung) mussten zurückgefahren werden. Auch im Investitionsgütergewerbe ging die Produktion (Maschinenbau, Elektrotechnik und Feinmechanik) zurück. Seit vielen Jahren ist der deutsche PEV jedoch stabil bzw. sogar leicht rückläufig. Ende 2005 lag der Energieverbrauch mit 4,5% unter dem PEV-Niveau von 1990.
Trotz des rückläufigen PEV konnte das BIP stetig gesteigert werden. Von den 60er Jahren bis 1973 verlief das BIP nahezu parallel zum PEV; seit 1973 konnte dieser langsam entkoppelt werden bzw. der parallele Verlauf des PEV zum BIP ist insbesondere seit 1990 nicht mehr feststellbar.
Ermöglicht wurde diese Entwicklung vor allem durch Einsparungen und Effizienzsteigerungen im Industriesektor.
Innerhalb des geschilderten Zeitraums war eine Bestrebung zum gezielten Energieträgereinsatz zu erkennen, d.h. dort wo die die Energieträger ihre größten komparativen Kostenvorteile nutzen konnten, wurden sie eingesetzt. Damit wurde eine deutlich effizientere Energienutzungsgestaltung ermöglicht. Die Kernenergie, Braunkohle, Wasser- und Windkraft werden somit vorrangig zur Stromerzeugung eingesetzt, die Steinkohle findet ihre Anwendung insbesondere in Kraftwerken und in der Stahlindustrie und Erdgas vorrangig bei der Wärmeerzeugung. Mineralöl dominiert besonders den Verkehrssektor, wurde aber in der Vergangenheit auch verstärkt in der Industrie und dem Wärmemarkt eingesetzt.
Im Jahr 2005 lag der deutsche PEV bei 14.238 PJ, was Deutschland nicht nur zum sechstgrößten Energiemarkt nach den USA, China, Russland, Japan und Indien macht, sondern auch zum Land mit der größten Nachfrage innerhalb der EU. So verbrauchte Deutschland im Jahr 2004 ca. 3,3% von der global bereitgestellten Primärenergie. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag bei 172,66 GJ; das ist das Dreifache des Weltdurchschnitts. Mit einem spezifischen Energieverbrauch als Maßstab für Energieeffizienz von 6,66 GJ pro 1.000 € BIP ist Deutschland im Vergleich zu anderen Industrienationen aber sehr effizient, denn der spezifische Energieverbrauch ist weltweit etwa doppelt so groß. In der Vergangenheit entwickelte sich dieser mit einer durchschnittlichen Verbesserung von 1,8% p. a. äußerst positiv, sodass Deutschland damit nicht nur international an der Spitze liegt, sondern auch die Energieintensität zwischen 1974 und 2002 um insgesamt rund 28% reduzieren konnte.
Kapitel 4.3.1, Der deutsche PEV nach Energieträgern von 1973 bis 2005: Auch bei der Energieverbrauchsstruktur ist seit der Ölkrise 1973 ein starker Wandel zu beobachten. Über die Veränderungen der Marktanteile der jeweiligen Energieträger zwischen 1973 und 2005 wird im Folgenden ein kurzer Überblick gegeben.
Zu den Wachstumsenergien der vergangenen drei Jahrzehnte zählten insbesondere Kernenergie und Erdgas. Erdgas konnte zwischen 1973 und 2005 einen Verbrauchszuwachs von ca. 160% verzeichnen.
Im Jahr 2003 fand es mit 49% des Gesamterdgasverbrauchs seine hauptsächliche Anwendung im Sektor der privaten Haushalte und dem GHD-Sektor. Bereits 47,7% aller deutschen Haushalte waren 2003 mit Erdgasheizungen ausgestattet, aber Erdgas wird nun auch zunehmend im Kraftwerksbereich zur Stromerzeugung verwendet, insbesondere bei KWK- Anlagen (13% des Gesamterdgasverbrauchs). Weiterhin kam es 2003 mit 24% in der Industrie und zu 14% beim nichtenergetischen Verbrauch, der Fernwärmeerzeugung und dem Eigenbedarf zum Einsatz. Tendenziell ist bei Erdgas in den letzten Jahren eine Abnahme der Eigengewinnung (2004: 18%) und somit eine Zunahme der Importe (2004: 83%), deren Bezug meist über langfristige Lieferverträge sichergestellt ist zu beobachten gewesen.
Der Kernenergieeinsatz nahm zwischen 1973 und dem Ende der 80er Jahre um das Dreizehnfache zu, stagniert seither jedoch bzw. ist nun durch den beschlossenen Kernenergieausstieg leicht rückläufig.
Bei der Steinkohle war insbesondere der Subventionsabbau für den relativ um ca. 36% stark sinkenden Verbrauch verantwortlich, denn Steinkohle wird immer weniger zur Stromerzeugung eingesetzt und findet stattdessen ihre größte Nachfrage in der Stahlindustrie.
Die Braunkohle war insbesondere durch die Anpassungsprozesse der Wiedervereinigung betroffen; so wurde ihr Anteil am Energiemix von 22,3% im Jahr 1973 bis heute halbiert. Die Braunkohle ist mit 42% dennoch wichtigster heimischer Primärenergieträger dabei werden 92% der geförderten Menge zur Stromerzeugung eingesetzt. Darüber hinaus ist Deutschland mit einem 20%igen Anteil an der globalen Braunkohleproduktion der weltweit größte Braunkohleproduzent, was die Relevanz dieses Energieträgers im Energiemix nochmals unterstreicht.
Mineralöl, damals wie heute wichtigster Energieträger, konnte im Verbrauch relativ um knappe 24% gesenkt werden. In den 50er und 60er Jahren hingegen deckte insbesondere importiertes Mineralöl den steigenden Energiebedarf, da heimische Energieträger wie Braun- und Steinkohle deutlich kostenintensiver waren. Bei etwa gleichem Mengeneinsatz der Kohle stieg der Mineralöleinsatz zwischen 1950 und 1980 um das etwa Dreißigfache. Durch die Ölpreiserhöhungen der 70er und frühen 80er Jahre in Verbindung mit der Sorge einer wachsenden Abhängigkeit wurde der Ölverbrauch jedoch reduziert und der Kernenergie- und Erdgasausbau stärker ausgeweitet. So sank der Ölanteil am PEV zwischen der ersten Ölkrise und der Wiedervereinigung Deutschlands um ca. 12,3%.
Der nachfolgende Anstieg um ca. 4% bis zur Jahrtausendwende wurde durch die Reduzierung und die dann folgende Substitution der Kohleversorgung in den neuen Bundesländern verursacht. Durch den stark gestiegenen Luftverkehr nahmen nicht nur Flugkraftstoffe im Verbrauch der letzten Jahren anteilsmäßig zu, sondern als negativer Nebeneffekt auch die Luftschadstoffemissionen. Diese Entwicklung wird sich auch weiterhin fortsetzen, wenn die aktuelle Politik beibehalten wird. Hauptsächlich wird Mineralöl als Kraftstoff und Heizmittel eingesetzt, aber auch die Chemiebranche ist ein großer Nachfrager.
Der Beitrag erneuerbarer Energien zur deutschen Energieversorgung konnte stetig gesteigert werden; einen großen Anteil an dieser Entwicklung hat das EEG. Problematisch sind hierbei jedoch der kostenintensive Stromnetzausbau insbesondere in Küstennähe sowie die Bereitstellung von Reservekapazitäten in konventionellen Kraftwerken als auch die Geräuschemissionen und die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. In Anbetracht der letzten 50 Jahre hatte die Umstrukturierung des deutschen Energieträgermix erhebliche Auswirkungen auf das Nachfrageverhalten der Endabnehmer, die weniger Heizöl, dafür aber mehr Erdgas, Strom und Kraftstoffe verbrauchten. Durch diese Entwicklung gestaltete sich der deutsche PEV im Jahr 2005 breit diversifiziert, was folgender Abbildung zu entnehmen ist.
58,00 €
PDF-eBook Download: 58,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836603065
Arbeit zitieren:
Adrian Urzenitzok, Henning-Christian Durnio August 2006: Die Sicherheit der Energieversorgung Deutschlands, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Deutschland, Erdöl, Energieversorgung, Saudi-Arabien, Iran



