Die Shakespeare-Verfilmungen der neunziger Jahre
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Christian Weißenbruch
- Abgabedatum: Februar 1997
- Umfang: 146 Seiten
- Dateigröße: 836,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2465-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2465-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2465-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Weißenbruch, Christian Februar 1997: Die Shakespeare-Verfilmungen der neunziger Jahre, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Medienpsychologie, Literaturadaptionen, Drama, Filmanalyse, Shakespeare
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Magisterarbeit von Christian Weißenbruch
Einleitung:
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, warum und auf welche Weise Shakespeare-Filme seit jeher eine große Anziehungskraft auf das Kinopublikum ausüben und insbesondere in den 90er Jahren eine Renaissance erfahren haben. Die Filme dieser jüngsten Entwicklung werden unter drei Perspektiven einer Analyse unterzogen:
1. Das Drehbuch: Welche verschiedenen Möglichkeiten der dramaturgischen Bearbeitung für einen Film werden hier verwirklicht bzw. wie macht man aus einem Shakespeare-Drama ein Drehbuch?
2. Die Inszenierung: Welche unterschiedlichen Stile hinsichtlich Kamera, Schnitt, Musik und Ton fügen sich auf welche Weise in ein Gesamtkonzept?
3. Die Publikumswirkung: Welche seelischen Grundprobleme werden in Shakespeares Dramen belebt und anhand welcher psychologischer Wirkungsmechanismen setzen sie sich in den Filmen um?
Die vergleichende Analyse dieser drei Perspektiven macht deutlich, dass die Geschichten in Shakespeares Dramen ein reichhaltiges Angebot sowohl für eine experimentelle Bildsprache als auch für sehr individuelle inhaltliche Interpretationen machen. Die Herausarbeitung der verschiedenen Möglichkeiten einer Interaktion zwischen den modernen Filmemachern und den klassischen Dramen William Shakespeares sind der Gegenstand dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Shakespeare auf der Leinwand: Ein filmhistorischer Überblick | 7 |
| 2.1 | Methodische Vorbemerkung | 7 |
| 2.2 | Shakespeare-Verfilmungen in der Stummfilmzeit und in der frühen Tonfilmzeit | 8 |
| 2.3 | Die Verfilmungen von Laurence Olivier, Orson Welles und Franco Zeffirelli | 13 |
| 2.4 | Shakespeare-Verfilmungen in den siebziger und achtziger Jahren | 20 |
| 2.5 | Überblick über die statistischen Daten | 23 |
| 2.6 | Resümee | 24 |
| 3. | Entwicklung und Stand der Forschung | 26 |
| 3.1 | Überblick über die Literaturgeschichte | 26 |
| 3.2 | Die Diskussion über Shakespeare und Film im Internet | 32 |
| 4. | Die Shakespeare-Verfilmungen der neunziger Jahre: Überblick über die Produktionsbedingungen und Rezeptionen | 34 |
| 4.1 | Vorbemerkung | 34 |
| 4.2 | Henry V (Kenneth Branagh, Großbritannien 1989) | 34 |
| 4.3 | Hamlet (Franco Zeffirelli, Großbritannien 1990) | 36 |
| 4.4 | Prospero´s Books (Peter Greenaway, Großbritannien - Niederlande 1991) | 36 |
| 4.5 | Much Ado About Nothing (Kenneth Branagh, Großbritannien - USA 1993) | 37 |
| 4.6 | Othello (Oliver Parker, USA 1995) | 38 |
| 4.7 | Richard III (Richard Loncraine, Großbritannien - USA 1995) | 39 |
| 5. | Methodische Vorüberlegung: Konkretisierung der Fragestellungen und Entwicklung einer filmanalytischen Systematik | 41 |
| 6. | Filmanalyse | 44 |
| 6.1 | Vom Drama zum Drehbuch:Die Veränderung narrativer Erzählstrukturen bei der Adaption | 44 |
| 6.1.1 | Die filmanalytische Methode nach David Bordwell | 44 |
| 6.1.2 | Plot und Story | 48 |
| 6.1.3 | Genrekonventionen | 61 |
| 6.1.4 | Entwicklungsmuster und Erzählperspektiven | 65 |
| 6.1.5 | Motive und ihre Gegenüberstellungen | 69 |
| 6.1.6 | Resümee | 70 |
| 6.2 | Vom Drama zum Filmstreifen: Analyse der filmischen Darstellungsmittel | 73 |
| 6.2.1 | Die strukturalistische Filmanalyse | 73 |
| 6.2.2 | Bildgestaltung und Montage | 75 |
| 6.2.3 | Ton und Musik | 80 |
| 6.2.4 | Resümee | 82 |
| 6.3 | Vom Drama zur Bedeutungsproduktion im Film: Filmwirkungsanalyse | 83 |
| 6.3.1 | Die psychologisch-morphologische Wirkungsanalyse nach Salber und Blothner | 83 |
| 6.3.2 | Analyse der Filme anhand psychologischer Wirkungsbedingungen | 92 |
| 6.3.3 | Resümee | 100 |
| 6.4 | Resümee: Adaption als zielgerichtete Interpretation | 101 |
| 7. | Schlußbemerkung: Shakespeare im Film - Innovationen und Perspektiven ) | 106 |
| Anhang | ||
| A.1 | Literaturverzeichnis | |
| A.2 | Internet-Dokumente | |
| A.3 | Filmographie: Shakespeare-Verfilmungen der neunziger Jahre | |
| A.4 | Selektive Filmographie: Shakespeare-Verfilmungen vor 1990 | |
| B.1 | Filmprotokolle | |
| C.1 | Chronologisches Protokoll der beiliegenden VHS - Videokassette, auf der die in der Analyse herangezogenen Filmsequenzen enthalten sind |
blendungen und visuellen Effekten machen es schwer, der Handlung überhaupt zu folgen. Als Beispiel mag die Umsetzung der Schiffsbruchszene aus dem ersten Akt dienen, die viel mehr Zeit der experimentellen Visualisierung des Begriffes „Wasser“ widmet als der Darstellung des Handlungselementes, daß ein Schiff mit bedeutenden Adeligen sinkt. (Siehe Videoband-Referenzstelle-Nr.10). Da diese Dominanz visuell-assoziativer Experimentierfreudigkeit über die Vermittlung einer Geschichte offensichtlich das Konzept des Filmes ist, läßt sich im Hinblick auf die an der Bordwell´schen Theorie orientierten Fragestellung schon jetzt festhalten, daß Prospero´s Books keinerlei Anpassung an narrative Konventionen beabsichtigt, die für eine breite Publikumswirksamkeit nötig wären. Die Untersuchung der narrativen Strukturen der Verfilmungen anhand der Kriterien David Bordwells hat gezeigt, daß alle Filme, außer Prospero´s Books, das Material der Vorlage so verändern, daß es verschiedenen narrativen Konventionen des Hollywood-Erzählkinos gerecht wird. Hierbei werden Kompromisse zwischen dem Drama und den Konventionen eingegangen. Henry V und Othello lassen die narrative Grundstruktur unangetastet und versuchen, Publikumswirksamkeit durch zusätzliche Visualisierungen von Dialogpassagen zu erreichen. Hamlet und Much Ado about Nothing schreiben eine einfachere Filmhandlung auf der Grundlage des Dramas. Much Ado about Nothing erreicht zusätzliche publikumswirksame Attraktivität durch die Einfügung filmspezifisch-wirksamer Sequenzen, wohingegen Richard III das gleiche mittels modernisierter Schauplätze und starker Kompensationen der Erzählungszeit, der „story time“ erreicht. Jeder Film macht sich also die Verinnerlichung der in der Theorie David Bordwells beschriebenen Prinzipien bei der Wirkung auf den Betrachter zunutze, indem er eine chronologisch-kausale Handlungslinie konstruiert und suggeriert, die es im Sinne einer Verknüpfung von Handlungselementen im zugrundeliegenden Drama nicht immer so eindeutig gibt. Durch diese Maßnahmen wird die Story leicht nachvollziehbar, der Betrachter muß sich nicht um komplexere Erklärungen von dramatischen Entwicklungen bemühen, sondern es werden ihm einfachere Lösung angeboten, die es ihm erlauben, im Zustand der Illusionierung durch den Film zu verharren und nicht etwa durch nötige Reflexion in seinem Filmvergnügen unterbrochen zu werden. [...]
are all done up in floppy hats and wrinkled tights. (...) The political detail of the story cannot clearly unfold, unless each of the characters can be readily identified by profession and social status. The audience needs to be able to recognise who is royalty, aristocrat, commoner and who is politician, civil servant, military. By their cloths they shall know them." 75 (Zur Verdeutlichung dieses Prinzips ist es sinnvoll, eine der Szenen, in denen viele Personen auftreten in der Umsetzung bei Richard Loncraine mit der Verfilmung Laurence Oliviers zu vergleichen. Siehe Videoband-Referenzstelle-Nr. 9.) Zusammenfassend läßt sich also festhalten, daß Richard III die Konstruktion einer stringenten chronologisch-kausalen Handlungslinie hauptsächlich dadurch erzielt, daß er einerseits das dramatische Material von retardierenden Elementen befreit und andererseits den gesamten Kontext der Handlung so verändert, daß die „cues“, die narrativen Stichworte, die dem Zuschauer bei der Konstruktion der Geschichte helfen, leichter verständlich werden. Prospero´s Books läßt sich zwar auch weitgehend auf die Originalabfolge der Szenen ein, es kann aber kaum gesagt werden, daß dies in irgendeiner Weise einer klaren kausalen Handlungskette dienen soll. Wie schon in Kapitel 4 erwähnt, besteht der Film aus einzelnen Sequenzen, die sich auf die visuell-experimentelle Umsetzung von einzelnen Metaphern, nicht aber auf die Darstellung von Handlungselementen konzentrieren. Der gesamte Schauplatz aller Szenen befindet sich in einem unwirklichen Labyrinth aus Säulen und großen Hallen aus Marmor, in denen sich Statuen, Schwimmbecken und verschiedene Kunstgegenstände befinden. Die meisten Sequenzen bestehen aus Nahaufnahmen des sprechenden Prosperos, in die andere Bilder eingeblendet werden. Diese anderen Bilder sind entweder Visualisierungen von Prosperos Erzählungen über seine Vergangenheit oder Darstellungen von Szenen, die aus dem Stück übernommen wurden, deren Text aber vollständig von Prospero gesprochen wird. Unterbrochen werden diese Sequenzen immer wieder von kurzen Videoclips, die die einzelnen magischen Bücher vorstellen und dabei einen Text verwenden, der nicht von Shakesspeare stammt und auch in keiner logisch-kausalen Verbindung zur Handlung steht. Diese Unterbrechungen, die unwirkliche und surreale Szenerie, die Verwendung einer einzigen Stimme und die ständige Verwendung von Über74 [...]
bei Richard III und allen anderen Historien Shakespeares eigentlich um eine Darstellung von Geschichte ging oder ob Shakespeare die geschichtlichen Stoffe nur als grobe Vorlage für die Dramatisierung menschlicher Tragödien benutzte, beschäftigt die ShakespeareForschung bis heute.73 Ian McKellen war sich für seine Interpretation des Stückes da jedenfalls sicher: „The play is not a documentary about the man on whose life it is based. (...) One immediate decision was made: we would not, as I had planned, set the film within familiar public buildings in London. If our story was a piece of fictitious history, I agreed that easily recognisable locations should be avoided. (...) The art department would scout for photogenic buildings more appropriate than famous tourist sites which carry with them irrelevant connotations.“ 74 Entsprechend dieser Ablehnung jeder historischen Bezugnahme macht der Film auch die enormen Zeitsprünge, die in dem Drama enthalten sind, in keinster Weise kenntlich. Szenen, die im Drama Jahre auseinander liegen, werden so dargestellt, als folgten sie direkt aufeinander. Die Handlung wirkt so wie eine einzige politische Affäre, die sich innerhalb weniger Tage abspielt, und nicht wie jahrelange geschichtliche Entwicklungen. So vergehen z.B. zwischen der Krönung Richards und der Invasion Richmonds in England in der Geschichte 2 Jahre und im Drama ein Akt, während im Film das eine auf das andere folgt. Entsprechend der Theorie David Bordwell haben wir es hier mit einer Kompensation der „story time“ durch die „screen time“ zu tun. Die Geschichte, die im Kopf des Betrachters konstruiert wird, wirkt einheitlich und geschlossen, da vorhandene Zeitsprünge auf der Leinwand nicht kenntlich gemacht werden. Überdies dient die Modernisierung des Stückes dem Betrachter auch dazu, die Handlung nachvollziehen zu können. Da der Zuschauer sich eher mit den Personen identifizieren und sich leichter in die Schauplätze hineinversetzen kann, fällt es ihm leichter, die kausalen Verbindungen zu verstehen: „The crucial advantage of a modern setting is clarity of storytelling. It is impossibly confusing to try and distinguish between a multitude of characters who [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832424657
Arbeit zitieren:
Weißenbruch, Christian Februar 1997: Die Shakespeare-Verfilmungen der neunziger Jahre, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Medienpsychologie, Literaturadaptionen, Drama, Filmanalyse, Shakespeare



