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Sexuelle Zufriedenheit von Frauen unterschiedlicher Altersgruppen

Sexuelle Zufriedenheit von Frauen unterschiedlicher Altersgruppen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Danuta Prentki
  • Abgabedatum: Mai 2006
  • Umfang: 67 Seiten
  • Dateigröße: 396,2 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland
  • Bibliografie: ca. 73
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3864-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Prentki, Danuta Mai 2006: Sexuelle Zufriedenheit von Frauen unterschiedlicher Altersgruppen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sexualität, Paarbeziehung, Partnerschaft, Frauen, sexuelle Zufriedenheit

Diplomarbeit von Danuta Prentki

Einleitung:

‚Sexualität ist das, was wir daraus machen: eine teure oder billige Ware, Mittel der Fortpflanzung, Abwehr der Einsamkeit, eine Kommunikationsform, eine Waffe der Aggression (Herrschaft, Macht, Strafe, Unterwerfung), ein Sport, Liebe, Kunst, Schönheit, ein idealer Zustand, das Böse, das Gute, Lust oder Entspannung, Belohnung, Flucht, ein Grund der Selbstachtung, ein Ausdruck der Zuneigung, eine Art der Rebellion, eine Quelle der Freiheit, Pflicht, Vergnügen, eine Vereinigung mit dem All, mystische Ekstase, indirekter Todeswunsch oder Todeserleben, ein Weg zum Frieden, eine juristische Streitsache, eine Art menschliches Neuland zu erkunden, eine Technik, eine biologische Funktion, Ausdruck psychischer Krankheit oder Gesundheit oder einfach eine sinnliche Erfahrung’.

Das Zitat der amerikanischen Psychoanalytikerin und Sexualtherapeutin Avodah Offitt aus dem Jahr 1976 weist auf die Vielschichtigkeit des Phänomens Sexualität hin, dem sich diese Arbeit gegenüber sieht. Der Versuch, Sexualität zu definieren, ist häufig unternommen worden. Gelingen kann jedoch eine Definition immer nur im Bezug auf einen Teilaspekt, der gerade im Fokus der Aufmerksamkeit steht. So ist auch diese Arbeit nicht in der Lage, zu erfassen, was Sexualität an sich ist, sondern wirft nur einen Scheinwerfer auf einige wenige Phänomene. So sind sicherlich die biologischen Aspekte, wie z.B. Fortpflanzung oder ähnliche arterhaltende Funktionen der Sexualität aus den Überlegungen ausgeblendet. Auch die gesellschaftlich-kulturellen Rahmenbedingungen werden als Einflussquellen weitgehend ausgeblendet, wenn auch gerade diese Aspekte von einiger Tragweite für die Interpretation einer Studie über Sexualität von Frauen sein dürfte.

In dieser Studie ist Sexualität auf die allgemeinste Konvention reduziert, nämlich auf das, was in unserem kulturellen Kontext umgangssprachlich als sexuell gilt. Es werden ausschließlich individuelle und partnerschaftlich-interaktionelle Phänomene betrachtet, die mit sexueller Erregung einhergehen oder damit im Zusammenhang stehen, wie z.B. sexuelles Interesse, sexuelle Aktivität oder sexuelle Zufriedenheit. Diese Phänomene lassen sich von den ProbandInnen auf der Verhaltensebene und auf der kognitiv-emotionalen Ebene beschreiben und bewerten.

Da es in dieser Studie im Besonderen um sexuelle Zufriedenheit geht und diese Zufriedenheit allgemein und im Nachhinein eingeschätzt wird, ist hier die Frage nach den gesellschaftlichen Bezügen besonders aufgeworfen. Wie viele sexuelle Konzepte, ist auch die sexuelle Zufriedenheit gesellschaftlichen Bewertungsprozessen unterworfen, die bei der Urteilsbildung sicherlich zum Tragen kommen können. Eine normative Ebene schwingt immer mit.

Sexuelle Zufriedenheit wird in der Literatur auf verschiedene Art und Weise konzeptualisiert. Die Bandbreite reicht von einer mehr phänomenologisch orientierten Sichtweise bis zu ausdifferenzierten Systemen mehr oder weniger abstrakter Indikatoren. Die einfachste Definition von sexueller Zufriedenheit bezieht sich auf die Annahme, dass das Individuum eine unzweifelhafte subjektive Gewissheit darüber besitzt, ob es mit der eigenen Sexualität zufrieden ist oder nicht. Nach dieser Auffassung lässt sich sexuelle Zufriedenheit mit einer einzelnen Frage erheben. Um einer Testperson zu einer differenzierteren Einschätzung ihrer sexuellen Zufriedenheit zu verhelfen, wurden in der Psychologie auch komplexere Fragebögen entwickelt, die verschiedene Aspekte der Sexualität integrieren sollten. Jeder Fragebogen, mit dem versucht wird, sexuelle Zufriedenheit zu erfassen, muss aber letzten Endes seine Validität unter Beweis stellen. Mangels objektiver Kriterien kommt man aber oft an der Korrelation mit der subjektiven Einschätzung der sexuellen Zufriedenheit nicht vorbei. Dabei richten sich einige Forschungsanstrengungen vor allem auf die Frage, wie sexuelle Zufriedenheit konstruiert wird, d. h. welche Informationen das Individuum berücksichtigt, um zu seiner subjektiven Einschätzung zu kommen. Daraus ergibt sich die Frage, durch Kenntnis welcher Indikatoren sexuelle Zufriedenheit vorausgesagt werden kann.

Modelle sexueller Zufriedenheit:

Ein Beispiel eines solchen Modells ist das Interpersonal Exchange Model of Sexual Satisfaction (IEMSS) von Lawrance & Byers. In diesem Modell wird davon ausgegangen, dass sexuelle Zufriedenheit vor allem durch Kosten und Gewinne, die im Zusammenhang mit sexuellen Interaktionen stehen sowie durch die Zufriedenheit mit der Beziehung vorausgesagt werden kann. Dabei werden a) das Verhältnis von Kosten und Gewinn, b) das Verhältnis von Kosten und Gewinn relativ zu anderen Erfahrungsbereichen, c) das Ausmaß der eigenen Kosten im Vergleich zu denen des Partners und d) das Ausmaß des eigenes Gewinns im Vergleich zu dem des Partners berücksichtigt. Unter den Kosten werden Investitionen in die sexuelle Beziehung und unter dem Gewinn die Rendite aus der sexuellen Beziehung verstanden.

Ein anderes, sehr differenziertes Modell zur Vorhersage von sexuellem Interesse, von sexueller Aktivität und sexueller Zufriedenheit ist eine Konzeptualisierung von Bucher, Hornung, Gutzwiller, & Buddenberg, die auf dem Ressourcen-Belastungsmodell der Gesundheit von Hornung & Gutscher basiert. In dem Ressourcen-Belastungsmodell der Gesundheit sind Transaktionen zwischen Individuum und Umfeld von zentraler Bedeutung. Die körperliche Gesundheit und das psychische Wohlbefinden des Individuums resultieren hier aus dem Zusammenspiel der individuellen Ressourcen und Belastungen mit den Ressourcen und Belastungen aus dem sozialen Umfeld. Unter den Ressourcen werden diejenigen Faktoren verstanden, die Gesundheit und das Wohlbefinden fördern, und unter den Belastungen Faktoren, die krank machen können. Übertragen auf die Sexualität, die einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und zum Wohlbefinden leisten kann, haben Bucher et al. anhand dieses Modells überprüft, welche Faktoren die sexuelle Zufriedenheit vorhersagen können. Auf die Ergebnisse dieser Studie wird im Abschnitt 1.3.1 eingegangen.

1.5, Hypothesen:

Es sollten die folgenden Hypothesen getestet werden:

1. Jüngere und ältere Frauen unterscheiden sich nicht im Ausmaß des sexuellen Interesses, ausgedrückt durch Mittelwerte der subjektiv eingeschätzten Häufigkeiten von:

a) dem Wunsch nach Zärtlichkeit, b) dem Wunsch nach Petting, c) dem Wunsch nach Geschlechtsverkehr, d) dem sexuellen Verlangen, e) sexuellen Gedanken, Phantasien und Träumen.

2. Jüngere und ältere Frauen unterscheiden sich im Ausmaß der sexuellen Aktivität, ausgedrückt durch Mittelwerte der subjektiv eingeschätzten Häufigkeiten von Zärtlichkeiten, von Petting und von Geschlechtsverkehr.

3. Jüngere und ältere Frauen unterscheiden sich im Ausmaß der Interest-Activity-Gap in Bezug auf Zärtlichkeit, auf Petting und auf Geschlechtsverkehr.

4. Jüngere und ältere Frauen unterscheiden sich nicht im Ausmaß der Mittelwerte der subjektiv eingeschätzten sexuellen Zufriedenheit.

5. Für die Vorhersage der sexuellen Zufriedenheit von Frauen müssen für unterschiedliche Altersgruppen jeweils andere Prädiktoren herangezogen werden.

Inhaltsverzeichnis:

Zusammenfassung 6
1. Einleitung 7
1.1 Modelle sexueller Zufriedenheit 8
1.2 Studien zur Sexualität von Frauen in Partnerschaften 9
1.2.1 Sexuelle Entwicklung 9
1.2.1.1 Bedeutung von Sexualität 10
1.2.1.2 Sexuelles Interesse 10
1.2.1.3 Sexuelle Aktivität 11
1.2.1.3.1 Geschlechtsverkehr 12
1.2.1.3.2 Petting 13
1.2.1.3.3 Selbstbefriedigung 13
1.2.1.3.4 Zärtlichkeit 14
1.2.1.4 Orgasmus 15
1.2.1.5 Sexueller Genuss 16
1.2.1.6 Sexuelle Kommunikation und sexuelle Selbstbestimmung 17
1.2.2 Psychosexuelle Probleme von Frauen in Paarbeziehungen 17
1.2.2.1 Funktionelle Störungen 17
1.2.2.2 Sexualität und Partnerschaftsprobleme 18
1.2.2.3 Einfluss von Alltagsbelastungen und Stress auf die Sexualität der Frau 19
1.2.3 Einfluss der Menopause auf die Sexualität 19
1.2.4 Sozioökonomische Einflüsse auf weibliche Sexualität 20
1.3 Zufriedenheit der Frauen mit Sexualität 20
1.3.1 Forschungsüberblick 21
1.4 Potenzielle Prädiktoren der sexuellen Zufriedenheit von Frauen 24
1.5 Hypothesen 25
2. Methoden 27
2.1 Stichprobe, Gruppenumfang und Stichprobenkriterien 27
2.2 Akquirierung der Gruppen und Durchführung 27
2.3 Materialien 28
2.3.1 Teilnehmerinformation 28
2.3.2 Erfassung der soziodemographischen Daten 29
2.3.3 Operationalisierung der Variablen zu Sexualität und zu Alltagsbelastungen 29
2.3.3.1 Sexuelles Interesse, sexuelle Aktivität und sexuelle Zufriedenheit 29
2.3.3.2 Sexuelle Probleme 31
2.3.3.3 Erleben der Sexualität mit dem Partner 31
2.3.3.4 Alltagsbelastungen 32
2.3.4 Life Orientation Test (LOT-R) 32
2.3.5 Fragebogen zu Lebenszufriedenheit (FLZ) 33
2.3.6 Vertrauen in der Partnerschaft (VIP) 33
2.3.7 Bindungsfragebogen für Partnerschaften (BinFb) 33
2.3.8 Erwartungs-Erfahrungs-Bogen (EEB) 34
2.3.9 Einstellungen zur Sexualität (EZP-V) 34
2.3.10 Satisfaction with Life Scale (SWLS) 35
2.3.11 Frankfurter Körperkonzeptskala zur Selbstakzeptanz des Körpers (FKKS) 35
2.3.12 Partnerschaftsfragebogen (PFB) 35
2.3.13 Paarklimaskalen (PKS) 36
2.3.14 Heidelberger Fragebogen zu Schamgefühlen (HFS) 36
2.4 Versuchsplan 37
2.5 Umgang mit fehlenden Werten 37
2.6 Auswertung 37
2.6.1 Aufteilung der Prädiktorvariablen in Gruppen 38
3. Ergebnisse 39
3.1 Stichprobenbeschreibung 39
3.2 Gruppenvergleiche 41
3.2.1 Sexuelles Interesse 41
3.2.2 Sexuelle Aktivität 42
3.2.3 Interest-Activity-Gap 44
3.2.4 Sexuelle Zufriedenheit 46
3.2.5 Einfluss der Partnerschaftsdauer auf die Gruppenunterschiede 47
3.3 Prädiktoren der sexuellen Zufriedenheit von Frauen 47
3.3.1 Korrelate sexueller Zufriedenheit 48
3.3.2 Mit Sexualität verbundene Variablen 48
3.3.3 Partnerschaftliche Variablen 49
3.3.4 Sonstige Variablen 50
4. Diskussion 51
4.1 Stichproben und deren Akquirierung 51
4.2 Gruppenunterschiede 52
4.2.1 Sexuelles Interesse 52
4.2.2 Sexuelle Aktivität 53
4.2.3 Interest-Activity-Gap 54
4.2.4 Sexuelle Zufriedenheit 55
4.3 Prädiktoren sexueller Zufriedenheit 55
4.3.1 Mit Sexualität verbundene Prädiktoren 56
4.3.2 Partnerschaftliche Prädiktoren 56
4.3.3 Sonstige Prädiktoren 58
4.4 Abschließende Bemerkungen 58
5. Literatur 60
6. Anhang 65
6.1 Tabellen 65
6.2 Fragebögen 69
6.2.1 Deckblatt 69

Textprobe:

Kapitel 4.2.3, Interest-Activity-Gap:

Unter Berücksichtigung der Partnerschaftsdauer bei der varianzanalytischen Testung der Differenzen zwischen der gewünschten und der erlebten Häufigkeit von sexuellen Aktivitäten konnten keine Gruppenunterschiede für die Interest-Activity-Gap in den Bereichen Zärtlichkeit, Petting und Geschlechtsverkehr nachgewiesen werden. Damit konnte die Hypothese, dass sich die Frauen beider Altersgruppen aus Altersgründen im Merkmal Interest-Activity-Gap unterscheiden, nicht belegt werden.

Die Unterschiede in den Mittelwerten der beiden Gruppen, vor allem im Bereich Zärtlichkeit, sind jedoch der Beziehungsdauer zuzuschreiben. Mit der Beziehungsdauer sinkt in heterosexuellen Partnerschaften die Häufigkeit sexueller Aktivitäten bei gleich bleibendem sexuellen Interesse. Da ältere Frauen im Durchschnitt in längeren Partnerschaften (M = 14.5) leben als jüngere Frauen (M = 5.9), sind die Differenzen zwischen dem sexuellen Interesse und der sexuellen Aktivität im Durchschnitt bei älteren Frauen etwas größer als bei jüngeren. Die Ergebnisse zeigen, dass für jüngere Frauen (oder für Frauen, die in kürzeren Partnerschaften leben) die Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnissen, vor allem in Bereichen wie Zärtlichkeit und Geschlechtsverkehr, weniger problematisch ist als für ältere Frauen (die in längeren Partnerschaften leben).

Des Weiteren ist interessant, dass in beiden Gruppen die Interest-Activity-Gap im Bereich Petting größer ist als die Interest-Activity-Gap in den Bereichen Zärtlichkeit und Geschlechtsverkehr. Das könnte darauf hindeuten, dass Frauen sich wesentlich häufiger nicht koitaler Stimulation in den partnerschaftlichen sexuellen Interaktionen wünschen als sie es erleben. Wie im Abschnitt 1.2.1.5 bereits erwähnt wurde, kann Petting den sexuellen Genuss oder die sexuelle Befriedigung von Frauen bedeutsam erhöhen. Nach Hurlbert et al. gehören manuell-genitale und oral-genitale Stimulationen zu den erfolgsreichsten Techniken, die den Frauen erleichtern, einen Orgasmus zu erlangen. So scheint der Wunsch von Frauen nach mehr Petting in der partnerschaftlichen Sexualität vollkommend gerechtfertigt zu sein. Jedoch bleibt die Antwort auf die Frage, warum dieser Wunsch so schwer zu verwirklichen scheint, offen. Auf jeden Fall liegt diese Antwort nicht in der Partnerschaftsdauer begründet, da sich beide Altersgruppen von Frauen im Mittel mehr Petting wünschen, und ihnen die Erfüllung dieses Wunsches vorenthalten wird. Möglicherweise haben Frauen generell mehr Schwierigkeiten mit ihren Partnern über Petting zu kommunizieren als über Zärtlichkeiten oder Geschlechtsverkehr. Oder vielleicht entspricht die sexuelle Aktivität in den Partnerschaften mehr den männlichen Wünschen als den weiblichen. Auf jeden Fall wäre es interessant, diese Frage weiter zu erforschen.

Arbeit zitieren:
Prentki, Danuta Mai 2006: Sexuelle Zufriedenheit von Frauen unterschiedlicher Altersgruppen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sexualität, Paarbeziehung, Partnerschaft, Frauen, sexuelle Zufriedenheit

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