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Sexuelle Paarbeziehungsstörungen

Methoden und Konzepte der Beratung und Therapie

Sexuelle Paarbeziehungsstörungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bettina Vibhuti Uzler
  • Abgabedatum: April 2006
  • Umfang: 87 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 49
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9928-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9928-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9928-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Uzler, Bettina Vibhuti April 2006: Sexuelle Paarbeziehungsstörungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sozialpädagogik, soziale Arbeit, Sexualität, Paartherapie, Beratung

Diplomarbeit von Bettina Vibhuti Uzler

Einleitung:

Menschliche Sexualität und sexuelles Verhalten gibt es wohl schon auf diesem Planeten, seit es Menschen gibt - wie sonst wären wir heute hier? Wie viel die Menschen über ihre sexuellen Tätigkeiten früher nachgedacht haben, ob sie nur ihrem Instinkt gefolgt sind, um sich zu vermehren, was sie dabei empfunden haben und ob es Probleme gab, wissen wir nicht. Erst seit gut zweihundert Jahren interessiert sich die Wissenschaft für dieses Thema und wie so oft passierte Folgendes: Je mehr man über eine Sache weiß, desto komplizierter wird sie.

Dass sich die Menschen heute mehr denn je Gedanken über ihr Sexualleben machen, zeigt die steigende Zahl derer, die wegen sexueller Schwierigkeiten jeglicher Art um Hilfe suchen.

Das verwundert nicht, wird doch in den westlichen Industriegesellschaften Sex zu Ware gemacht, die man wie ein kühles Eis an einem heißen Sommertag genussvoll zu sich nehmen sollte. Auf Werbeplakaten glänzen nackte, durchtrainierte Körper, in Buchläden stapeln sich die Ratgeber zu Verbesserung des sexuellen Erlebens durch bestimmte Techniken und im Internet kann man nach Lust und Laune unter unzähligen Pornoseiten schnüffeln, während Mann/Frau sich dabei gemütlich einen runterholt. Sexpartys in öffentlichen Clubs laden zum unpersönlichen Zelebrieren sexuellen Fortschritts ein:

Wir sind frei und Jede/r kann mit Jeder/Jedem - und um jederzeit zu können, hat die hilfsbereite Pharmaindustrie ihre Mittelchen entwickelt, damit auch diesem Vergnügen nichts im Wege steht. Für Gefühle bleibt wenig Zeit und falls doch, lässt sich dieses Bedürfnis am schmerzlosesten mit einem guten Liebesfilm am Sonntagabend auf dem Sofa befriedigen.

Im modernen Beziehungsleben spielen sich ähnliche Szenarien ab. Partneragenturen versprechen via Internet, den Traummann/die Traumfrau zu finden und öffnen Tür und Tor zur virtuellen Welt, die sich in der Realität nur all zu schnell in Luft auflöst, wenn das Angebot mit der Qualität, beim näherem Betrachten, nicht mehr übereinstimmt. Beim „Fast-Dating“ kann man in kürzester Zeit potenzielle PartnerInnen kennen lernen und für die Schüchternen gibt es per SMS Flirtlines, wo man für genügend Geld ein paar illusionsschwangere Worte zugeschickt bekommt.

Doch was steckt hinter dieser so rationell und kalt anmutenden Welt? Welche Bedeutung hat Sexualität in Beziehungen heutzutage? Wonach sehnen sich die Menschen? Was ist mit den Menschen, die in einer Beziehung leben und um ihre Liebe, ihre Lust und Leidenschaft kämpfen möchten? Was ist mit all denen, die noch in Kontakt mit ihrer Innenwelt stehen und in ihrer Sexualität und ihrer Beziehung einen Weg sehen, sich selbst kennen zu lernen?

Problemstellung:

Meine Motivation für diese Arbeit rührt daher, dass ich glaube, dass die meisten Menschen - ob offen oder insgeheim, bewusst oder unbewusst - von den Themen Sexualität, Sex und Beziehung berührt werden, es jedoch sehr schwierig zu sein scheint, darüber zu sprechen.

Auch während meines Studiums wurde das Thema Sexualität weitgehend umgangen und wenn darüber gesprochen wurde, dann nur Bezug nehmend auf die sexuelle Entwicklung von Kindern. Genau diese Betroffenheit scheint die persönliche Auseinandersetzung damit zu hemmen. Schließlich würde man dabei auch etwas von sich selbst preisgeben. Denn das Reden oder Schreiben über Sex, Sexualität, Liebe, Beziehung ist in jedem Fall beeinflusst von der eigenen persönlichen Biographie und Einstellung.

Osho, einer der größten indischen Meister, sagte einmal: Begib dich da hinein. Ohne dich hineinzubegeben, kannst du es niemals transformieren. Und ich rede nicht der bloßen Ausschweifung das Wort. Ich sage, begib dich mit einer tiefsten meditativen Energie in die Sexualität hinein, um sie zu verstehen. Sie muß etwas ungeheuer Wertvolles sein, denn du bist daraus hervorgegangen und die ganze Schöpfung erfreut sich daran, die ganze Schöpfung ist sexuell“.

Warum also wird uns nicht beigebracht, darüber zu sprechen, wo Sexualität doch unser ganzes Dasein beeinflusst und so eine entscheidende Bedeutung für unseren seelischen, geistigen und körperlichen Zustand hat?

Ich möchte mich in dieser Arbeit ausschließlich mit heterosexuellen Paarbeziehungen beschäftigen, um das weite Feld möglicher Beziehungsformen und möglicher Formen sexueller Beziehungen einzuschränken.

Gang der Untersuchung:

In einem einleitenden Kapitel werden die gesellschaftlichen Zusammenhänge beleuchtet, in denen sich der Wandel des Verständnisses von Sexualität vollzogen hat. Wo früher noch der Trieb als Erklärung für unser sexuelles Streben herhalten musste, ist es gegen Ende des 20. Jahrhunderts die Lustsuche. Diese Wandlung entspricht den sich ständig ändernden gesellschaftlichen Verhältnissen.

Doch nicht nur der Umgang mit Sex und Sexualität hat sich geändert, auch Paarbeziehungen unterliegen gesellschaftlichen Einflüssen. Wie Paare sich heute sehen, wie sich Beziehungsbiographien in den letzten 60 Jahren gewandelt haben, soll eine aktuelle Studie zeigen.

Dass Liebe immer noch die Hauptursache ist, warum Beziehungen begründet werden, mag wohl kaum jemand bestreiten, doch ganz im Gegensatz zu romantischen Vorstellungen von ewigem Liebesglück, wird das Phänomen der Liebe kritisch betrachtet und ihre dunkle Seite ans Licht geholt.

Mit dem Kollusionsmodell Jürg Willis soll versucht werden, krankhafte Beziehungsmuster zu beschreiben, in die sich Paare verwickeln können, die eine tiefe emotionale Beziehung zueinander haben. Im Gegenzug soll das adäquate Konzept David Schnarchs, dem für das Gelingen von Partnerschaften ein gewisser Grad an Differenzierung unerlässlich scheint, vorgestellt werden.

Einen kurzen Überblick über aktuelle Tendenzen zur Sexualität in Paarbeziehungen gibt der darauf folgende Abschnitt am Ende des zweiten Kapitels, um dann im dritten Kapitel auf die Symptome sexueller Funktionsstörungen und ihre Ursachen einzugehen.

In diesem Kapitel lässt sich erkennen, dass der gelebten (oder nicht gelebten) Sexualität zweier Menschen sehr viel mehr Bedeutung zukommt, als dem reinen Vergnügen.

Eine sexuelle Störung beinhaltet viele Funktionen, die oft wesentlich zur Stabilisierung der Beziehung beitragen können.

Im Kapitel über Therapie und therapeutische Ansätze geht es mir nicht so sehr darum, verschiedene Therapieformen vorzustellen - da es den Rahmen dieser Arbeit auch bei Weitem sprengen würde - vielmehr soll es darum gehen, grundlegende Elemente der Paartherapie bei sexuellen Funktionsstörungen, welche aus dem Therapiekonzept von Master und Johnson stammen, kurz zu skizzieren und ihre Modifikationen, welche sich den heutigen Problemen anpassen, aufzuzeigen. Einen besonderen Platz wird dem Intimitätskonzept von Schnarch eingeräumt, da dieses eine geeignete Lösung zu bieten versucht, für die heute am häufigsten reklamierte Luststörung.

Abschließend wird noch kurz auf die Abgrenzungsproblematik zwischen Therapie und Beratung eingegangen, da mit pädagogischer Grundausbildung nur sehr eingeschränkt therapeutisch gearbeitet werden kann und gerade im sexuellen Bereich PädagogInnen eher in Beratertätigkeiten agieren.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
Einleitung iii
1. Zum Verständnis von Sexualität 1
1.1 Was ist Sexualität? 2
1.2 Theorien der Sexualität 3
1.2.1 Das Triebkonzept 4
1.2.2 Das „Lust-Suche-Konzept“ 5
1.3 Zur gesellschaftlichen Entstehungsgeschichte von Sexualität 7
1.3.1 Die bürgerliche Sexualunterdrückung 7
1.3.2 Sexualität in der Postmoderne 10
2. Paarbeziehungen verstehen 13
2.1 Entwicklung von Paarbeziehungen 13
2.1.1 Ehe und nichteheliche Partnerschaft 14
2.1.2 Moderne Beziehungswelten 15
2.1.3 Beziehungsbiographien im Wandel 16
2.2 Das Phänomen der Liebe in der Paarbeziehung 19
2.2.1 Ambivalenzen in der Liebe 20
2.2.2 Kollusion und Differenzierung in nahen Beziehungen 23
2.3 Sexualität in langfristigen Paarbeziehungen 28
3. Sexuelle Paarbeziehungsstörungen 35
3.1 Sexuelle Funktionsstörungen - Symptombeschreibung 37
3.2 Sexuelle Inappetenz - von der Funktion zur Lust 39
3.3 Ursachen sexueller Funktionsstörungen 41
3.3.1 Psychodynamik 43
3.3.2 Partnerdynamik 47
3.3.3 Sexuelle Kollusion 48
3.3.4 Weitere aufrechterhaltende Bedingungen 50
4. Therapie und Beratung sexuell gestörter Beziehungen 54
4.1 Therapie sexueller Funktionsstörungen nach Master und Johnson 56
4.1.1 Kritik am Master und Johnson Konzept 58
4.1.2 Modifikation der Master und Johnson Therapie 59
4.2 Der Weg zur Intimität - Im Schmelztiegel der Sexualität 61
4.3 Sexualtherapie als Paartherapie des Begehrens 64
4.4 Besonderheiten von Paar- und Sexualtherapie 66
5. Sexualberatung in der Sozialen Arbeit 70
5.1 Abgrenzung von Beratung und Therapie 70
5.2 Aus- und Weiterbildung in sexuologischen Basiskompetenzen 73
6. Abschlussbemerkung 74
Literatur 78
Internetquellen 81
Textprobe:

Paarbeziehungen verstehen: So, wie sich das Verständnis von Sexualität in den letzten 200 Jahren wandelte, änderte sich auch das Verständnis von Paarbeziehungen und Partnerschaften. Wenn man an Paarbeziehungen denkt, hat man im Allgemeinen die Vorstellung von zwei Menschen, die irgendwie zusammengehören, miteinander verbunden sind und irgendeine Gemeinsamkeit haben. Interessant ist jedoch, dass man nun immer häufiger den Begriff Paarbeziehung durch den Begriff Liebesbeziehung ersetzt findet und die Liebe an sich zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen wird.

Es scheint klar zu sein, dass Partnerschaft und Liebe zusammengehören, zumindest in Beziehungen, die sich selbst als moderne Beziehungen verstehen.

Entwicklung von Paarbeziehungen: Aus systemtheoretischer Sicht erwächst die Beziehung zwischen zwei Personen, die eine Partnerschaft eingehen, aus wiederkehrenden Interaktionen zwischen den Partnern. Jede abgeschlossene Interaktionsperiode wird Bestandteil der gemeinsamen Beziehungsgeschichte. Diese wiederum ist das Fundament für die in die Zukunft gerichteten Beziehungserwartungen.

In diesem aus zwei Teilen bestehenden Beziehungssystem gibt es nicht nur den von außen beobachtbaren objektiven Teil der wiederkehrenden Interaktionen, sondern auch einen personeninternen, subjektiven Teil, den sich beide Partner im Laufe ihrer unabhängig voneinander und gemeinsam entwickelten Beziehungsgeschichte regelrecht konstruiert und dann angeeignet haben. Dieser Teil beruht auf Beziehungsschemata und den dazugehörigen Erfahrungen und bestimmt die auf die Zukunft gerichteten Beziehungserwartungen mit.

Charakteristisch für solche sehr engen persönlichen Beziehungen ist ein gewisser Grad an ‚Interdependenz’ – was bedeutet, dass die Partner wechselseitig voneinander abhängig sind.

Als besonderer Aspekt solcher Beziehungen wird etwas Widersprüchliches herausgestellt: das Bedürfnis nach Verbundenheit und nach Autonomie. Das gemeinschaftliche Austarieren der Befriedigung von Verbundenheits- und Autonomiebedürfnissen der Beziehungspartner, was zu wechselseitiger Beziehungszufriedenheit- und Stabilität führt, hängt von der in jeder Lebensphase phasenspezifischen Entwicklungsaufgaben ab.

Aber was ist der Sinn, der eine Paarbeziehung zuallererst erzeugt und begründet? Wie ist es zu erklären, dass zwei Menschen sich mehr oder weniger langfristig zusammentun und bestimmte Gefühle, innere Vorstellungen von- und füreinander entwickeln? Wie wurden Paarbeziehungen früher definiert und wie sehen sich Paare in heutiger Zeit?

Ehe und nichteheliche Partnerschaft : Vor dem 19. Jahrhundert wurde Familie als Produktionsgemeinschaft definiert, in der Kinder wie Erwachsene hart arbeiteten und alle Mitglieder aufeinander angewiesen waren. Im Zuge der Industrialisierung wurden Arbeits- und Wohnbereich getrennt, wodurch der Arbeitsbereich zweckrationaler wurde und der Ehe wuchs als spezialisierte Leistung die emotionale Bedürfnisbefriedigung ihrer Mitglieder zu. Sie erhielt nicht nur gegenüber der eigenen Herkunftsfamilie, sondern auch gegenüber den Kindern, eine relative Eigenständigkeit.

Historisch gesehen hatte die Ehe einen instrumentellen Charakter. Sie wurde eingegangen im Hinblick auf Kinder, um Namen, Vermögen, Rechte weiterzuvererben und die Versorgung im Alter durch Familienmitglieder zu sichern. Je mehr sich nun aber die romantische Liebe als Heiratsgrund durchsetzte, desto mehr verlor die Ehe ihren instrumentellen Charakter, wobei dennoch ökonomische Überlegungen wichtig blieben. Dieser Anspruch der Liebesheirat war eine Voraussetzung für die bis heute affektive Emotionalisierung und Intimisierung der familialen Binnenstruktur.

Automatisiert erstellter Textauszug:

Anscheinend erleben die Allermeisten die gemeinsame Sexualität als etwas, bei dem sie sich glücklich und geliebt fühlen, das lustvoll und mehrheitlich sogar leidenschaftlich ist. Stellt sich an diesem Punkt jedoch die Frage, wie ehrlich man auf etwas antworten kann, das in sich so widersprüchlich ist, wie weiter oben erläutert und belegt wurde. Kann man Sex grundsätzlich als „schön“ erleben und nicht gleichzeitig auch als beängstigend? Ist er nur leidenschaftlich oder manchmal auch voller Widersprüche? Ist die Bedeutung gemeinsamer Sexualität nicht mehr als Lust und/oder Langeweile? Kirsten von Sydow hat in psychologischen und medizinischen Datenbanken recherchiert und einen Überblick über den Stand von Dauerbeziehungen mit folgenden Befunden zusammengefasst: • • Die Bedeutung von Sexualität nimmt im Verlauf einer Beziehung stärker ab als die von Zärtlichkeit. Mit zunehmender Partnerschaftsdauer und zunehmendem Alter nimmt das sexuelle Interesse von Männern wie auch von Frauen ab. [...]

Wie gehen Paare in modernen Zeiten in ihren Beziehungen damit um, dass Dauer und Leidenschaft Antagonisten sind? Siegt die Dauer oder siegt die Lust? Gibt es außer Trennung und sexuellen Außenbeziehungen andere Möglichkeiten, mit diesem Widerspruch umzugehen? Langfristige Partnerschaften - insbesondere die Ehe - haben in sexueller Hinsicht einen schlechten Ruf. Während mit dem Problem der sexuellen Unlust früher eher resignativakzeptierend umgegangen oder es mit Hilfe eines sexuellen Doppellebens „gelöst“ wurde, hängt der Fortbestand einer Beziehung heute entscheidend von der Befriedigung emotionaler und sexueller Bedürfnisse ab. Die Forschergruppe um Gunter Schmidt hat in der oben erwähnten Studie „Beziehungsbiographien im sozialen Wandel“ folgende Ergebnisse zur Sexualität in festen Beziehungen herausgefunden: Die Häufigkeit des Sex’ (des Miteinander-Schlafens) in festen Beziehungen variiert enorm. Man kann vier Gruppen unterscheiden: 1942 (60jährige) gemeinsames Sexualleben aufgegeben (mind. 1 Jahr ohne Sex) sporadischer Sex (1 bis 10 Mal im letzten Jahr) sexuell aktiv, niedrige Frequenz (1 bis 3 Mal im Monat) sexuell aktiv, hohe Frequenz 50 62 66 60 25 24 23 24 11 11 10 11 14 1957 (45jährige) 3 1972 (30jährige) 0 6 Gesamt [...]

B, welche dieser aus eigener Intention übernimmt, da er sich mit der progressiven Bewältigung seiner regressiven Sehnsüchte in der Beziehung bestätigen möchte. B wiederum delegiert die regressiven Funktionen an Partner A und vermeidet so für sich die Versuchung regressiver Verwirklichung, da er die damit verbundene Abhängigkeit und Unreife des Verhaltens fürchtet. Scheinbar ergänzen sich die Partner in idealer Weise, da jeder die Verwirklichung, die er für sich persönlich ablehnt, an den anderen delegiert. Im längeren Zusammenleben zeigt sich aber, dass regressive Ansprüche auf Dauer nicht mit einem positiven Selbstwertgefühl vereinbar sind. Der regressive Partner fühlt sich vom Progressiven klein und abhängig gemacht und beginnt, sich dagegen zu wehren. Er bleibt in der Ambivalenz gefangen, seine regressiven Wünsche durch den Partner erfüllt zu bekommen und selbst Verantwortung für sich zu übernehmen. Dies erfüllt ihn mit Wut und er macht den progressiven Partner für sein Gefangensein verantwortlich. Dieser wiederum begünstigt die regressiven Tendenzen des Partners, indem er ihnen keinen Widerstand entgegensetzt und oft, indem er der regressiven Wut gegenüber ein beschwichtigendes und verständnisvolles Verhalten annimmt und beteuert, ihm helfen zu wollen. Solche kollusiven Beziehungen lassen kaum einen weiterführenden Entwicklungsspielraum offen bei gleichzeitiger Angst, sie zu verlassen wenn die Beziehung so nicht mehr gelebt werden kann. Die Aussichtslosigkeit, einer Kollusion zu entrinnen, erzeugt Verachtung dem Partner gegenüber und begünstigt eine destruktive aber nicht auflösbare Beziehung. Willi spricht von vier Kollusionstypen: • der oralen Kollusion, mit der Sehnsucht nach Verwöhnung und Umsorgtwerden in der Liebe einerseits und andererseits um die Gewährung von Hilfe ohne Anspruch auf Entschädigung. • der anal-sadistischen Kollusion mit der Sehnsucht nach gesicherter Abhängigkeit in der Liebe einerseits und andererseits um die Übernahme von Führung und Kontrolle • der narzisstischen Kollusion mit der Sehnsucht nach Verschmelzung und Selbstaufgabe einerseits und andererseits um den Anspruch, das Zentrum der gebildeten Einheit zu sein • der Nähe-Distanz-Kollusion mit der Sehnsucht nach Nähe einerseits und der Sicherung der Distanz andererseits 24 [...]

Arbeit zitieren:
Uzler, Bettina Vibhuti April 2006: Sexuelle Paarbeziehungsstörungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sozialpädagogik, soziale Arbeit, Sexualität, Paartherapie, Beratung

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