Seniorengerechte Dienstleistungen und Wohnraumgestaltung als Potenzial wirtschaftlicher Entwicklung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Susanne Straub
- Abgabedatum: Mai 2006
- Umfang: 57 Seiten
- Dateigröße: 347,5 KB
- Note: 1,8
- Institution / Hochschule: Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Deutschland
- Bibliografie: ca. 40
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1827-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Straub, Susanne Mai 2006: Seniorengerechte Dienstleistungen und Wohnraumgestaltung als Potenzial wirtschaftlicher Entwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Senioren, Demogaphie, Pflegebedürftigkeit, Altersstrukturwandel, Demenz
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Diplomarbeit von Susanne Straub
Einleitung:
Die demographische Entwicklung und ihre Folgen stellen für Deutschland und viele andere Industriestaaten eine große Herausforderung dar. Allein zahlenmäßig gewinnt die Bevölkerungsgruppe der Älteren immer mehr an Bedeutung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Während die Politik sich vor allem damit beschäftigt, wie die Renten- und Pflegeversicherung künftig finanziert werden kann, versprechen sich Teile der Wirtschaft von der stetig wachsenden Zielgruppe der Senioren großes Konsumpotenzial. Dass einige Unternehmen die steigende Bedeutung der älteren Generation erkannt haben, kann bei genauerem Hinsehen überall beobachtet werden. Aus dem Fitnessstudio wird ein Reha-Zentrum, Reiseveranstalter werben mit speziellen ‘50-Plus-Angeboten’ und Partnervermittlungsagenturen versuchen die ältere Generation mit Online-Portalen zu locken, die den ‘zweiten Frühling’ versprechen.
Auch in den Medien wird das Thema ‘Alter’ immer öfter aufgegriffen, für einige Bereiche herrscht dabei besonderes Interesse: ‘Insbesondere Berichte über neue und alternative Wohn- und Lebensformen, über ‘Rentnerkommunen’ und greise Kommunarden bringen Quote, Alten-WGs werden in Talkshows diskutiert (Fliege), bei arte lief Anfang des Jahres eine Doku-Soap mit fünf Frauen um die 70, die zwei Monate lang zusammen leben mussten und vom Fernsehen begleitet wurden.’ Das Thema ‘Wohnen im Alter’ ist deshalb so interessant, weil die Wohnung und das Wohnumfeld im Leben älterer Menschen von besonderer Bedeutung sind. Des Weiteren geben Ältere einen Großteil ihres Einkommens für Wohnen aus. Daher ist es ein wichtiges Thema für die wirtschaftliche Erschließung des Seniorenmarktes.
Diese Diplomarbeit befasst sich jedoch nicht nur mit den verschiedenen Wohnformen, sondern auch mit haushaltsnahen Dienstleistungen für Senioren. Die Themenstellung wurde deshalb so gewählt, weil beide Bereiche eng miteinander verknüpft sind. Haushaltsnahe Dienstleistungen sind fester Bestandteil mancher Wohnformen und wirken ergänzend zum Leben in der Normalwohnung. Sie sind von besonderer Bedeutung für den Erhalt der Selbstständigkeit vieler Senioren, ohne sie wäre eine freie Wahl der Wohnform schwierig und zum Teil unmöglich. Außerdem werden beide Sparten – sowohl separat als auch in Kombination miteinander – als wichtige Wachstumsbereiche angesehen und sind deshalb besonders interessant.
Ziel dieser Diplomarbeit ist, die aktuelle Wohn- und Lebenssituation, die Bedürfnisse und Bedarfe, aber auch die Probleme der Senioren in Deutschland im Bezug auf Wohnen und Dienstleistungen zu beleuchten. Weiterhin soll mithilfe der erarbeiteten Erkenntnisse versucht werden, eine Einschätzung des zukünftigen Seniorenmarktes in den Bereichen Wohnen und haushaltsnahe Dienstleistungen zu treffen. In dieser Arbeit soll außerdem dargestellt werden, dass die Alterung der Gesellschaft neben zahlreichen Herausforderungen auch eine Chance bedeuten kann. Branchen wie etwa das Baugewerbe oder der Pflegesektor, profitieren von dieser Entwicklung. Dies kann auch positive beschäftigungspolitische Folgen haben.
Die vorliegende Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Begonnen wird mit einem kurzen Überblick zur demographischen Entwicklung, darauf folgen Daten zur finanziellen und gesundheitlichen Situation sowie der gesellschaftlichen Lage älterer Menschen in Deutschland (Kapitel zwei). Kapitel drei beschäftigt sich mit Wohnverhältnissen und Wohnformen für Senioren und den wirtschaftlichen Aussichten in diesem Sektor. In Kapitel vier geht es um haushaltsnahe Dienstleistungen für Senioren, auch hier erfolgt eine (begrenzt mögliche) Bestandsanalyse und Überlegungen zu den wirtschaftlichen Potenzialen dieser Sparte. Im Schluss der Arbeit werden politische Handlungsmöglichkeiten für eine positive wirtschaftliche Entwicklung skizziert.
Inhaltsverzeichnis:
| Abstract | 1 | |
| Inhaltsverzeichnis | 2 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 4 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 4 | |
| Abbildungsverzeichnis | 5 | |
| Tabellenverzeichnis | 6 | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 2. | Demographische Entwicklung und soziale Situation | 9 |
| 2.1 | Alterung der Bevölkerung | 9 |
| 2.1.1 | Demographische Alterung | 9 |
| 2.1.2 | Altersstrukturwandel | 10 |
| 2.2 | Alter und Gesellschaft | 12 |
| 2.2.1 | Gesellschaftliche Bestimmungsfaktoren für Alter | 12 |
| 2.2.2 | Der Alltag älterer Menschen | 13 |
| 2.2.3 | Soziale Netzwerke älterer Menschen | 15 |
| 2.3 | Gesundheitliche Lage im Alter | 17 |
| 2.3.1 | Hilfe- und Pflegebedürftigkeit | 17 |
| 2.3.2 | Demenz | 19 |
| 2.4 | Wirtschaftliche Lage im Alter | 20 |
| 2.4.1 | Einkommens- und Vermögenssituation | 20 |
| 2.4.2 | Einkommensverwendung | 23 |
| 3. | Wohnen im Alter | 25 |
| 3.1 | Aktuelle Wohnsituation | 25 |
| 3.2 | Seniorengerechtes Wohnen - ein Definitionsansatz | 27 |
| 3.3 | Wohnbedürfnisse | 28 |
| 3.4 | Wohnformen | 29 |
| 3.4.1 | Normalwohnung | 29 |
| 3.4.2 | Betreutes Wohnen | 31 |
| 3.4.3 | Integriertes Wohnen | 33 |
| 3.4.4 | Wohngemeinschaften | 34 |
| 3.4.5 | Wohnen in Institutionen | 35 |
| 3.5 | Potenziale für die Wirtschaft | 37 |
| 4. | Haushaltsnahe Dienstleistungen für Senioren | 40 |
| 4.1 | Haushaltsnahe Dienstleistungen für Senioren - ein Definitionsansatz | 40 |
| 4.2 | Ansprüche an Dienstleistungen | 41 |
| 4.3 | Aktuelle Betreuungssituation | 43 |
| 4.3.1 | Betreuung durch Angehörige | 43 |
| 4.3.2 | Betreuung durch externe Dienstleister | 44 |
| 4.4 | Potenziale für die Wirtschaft | 46 |
| 5. | Ausblick und politische Handlungsmöglichkeiten | 49 |
| Literaturverzeichnis | 51 | |
| Erklärung | 58 |
Textprobe:
Kapitel 3.1, Aktuelle Wohnsituation:
Menschen über 65 wohnen – trotz vielfältigen Angebots an Alternativen – zum Großteil in normalen Wohnungen. Über 90 Prozent der Älteren präferieren diese Wohnform. Der Anteil der Senioren in Normalwohnungen sinkt jedoch mit zunehmendem Alter. Deutlich wird dies bei den über 75jährigen: In der Altersgruppe zwischen 75 und 79 Jahren führen noch 80 Prozent einen eigenen Haushalt, bei den über 80jährigen sind es nur noch rund 66 Prozent. Wohnalternativen gewinnen also vor allem bei Hochaltrigen an Bedeutung. Die zahlenmäßigen Angaben über die tatsächliche Nutzung von alternativen Wohnformen gehen jedoch erheblich auseinander. Beschreibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Pflege- und Altenheime als bedeutsamste Sonderwohnform für über 65jährige und das betreute Wohnen als zahlenmäßig kaum relevant, wird nach einer Befragung zum Thema ‘Wohnen im Alter’ das betreute Wohnen im Vergleich zu anderen Sonderwohnformen am meisten genutzt. Laut dieser Befragung nutzen ganze 16,4 Prozent der über 80jährigen das Angebot des betreuten Wohnens, dagegen leben 9,8 Prozent in einem Altenwohnheim oder Pflegeheim und 8,2 Prozent in einer Wohngemeinschaft oder einem Wohnstift. Die Abweichung erscheint zu extrem um allein auf den zeitlichen Unterschied von sieben Jahren zwischen den beiden Veröffentlichungen zurückzuführen zu sein.
Zur Wohnlage ist zu sagen, dass viele ältere Menschen sich bisher in Großstädten konzentriert und dort in Vorstädten oder am Rand von Innenstädten gewohnt haben. Inzwischen findet eine Verlagerung der Wohnschwerpunkte statt, hin zur ländlichen Umgebung und dem Umland von Großstädten.
In Deutschland wohnen 40,2 Prozent der über 65jährigen in ihrer eigenen Wohnung. Der Unterschied zwischen West und Ost ist erheblich, in den alten Bundesländern leben 43,4 Prozent der Älteren im Wohneigentum, in den neuen Bundesländern sind es lediglich 23,6 Prozent. Diesen Zahlen zufolge wohnt also der Großteil der Älteren in einem Haupt- oder Untermietverhältnis.
Bei Betrachtung der Haushaltsgrößen ergibt sich folgendes Bild: Die Tendenz zum Einpersonenhaushalt ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. ‘Etwa 56 v. H. der älteren Menschen leben (…) allein, 38 v. H. mit (Ehe)Partnern und 6 v. H. mit anderen, meist mit verheirateten Kindern.’ Dabei sind Frauen, hauptsächlich durch ihre höhere Lebenserwartung, wesentlich öfter vom Alleinleben betroffen als Männer. Ihr Anteil an den Ein-Personen-Haushalten der über 60jährigen beträgt ca. 85 Prozent.
Ältere Menschen wohnen in relativ großen Wohnungen. Grund dafür könnte sein, dass viele Ältere es auch nach der Familienphase, in der mehr Wohnraum benötigt wird, vorziehen, in ihrer Wohnung zu verbleiben. Dabei ist zwischen Ost- und Westdeutschland ein deutlicher Unterschied erkennbar. Die durchschnittliche Quadratmeterzahl eines allein lebenden Älteren in Ostdeutschland beträgt 53,4, in Westdeutschland dagegen 69,3. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Zwei- und Mehrpersonenhaushalten. Grund für die Differenz zwischen alten und neuen Bundesländern sind die insgesamt größeren Wohnungen in Westdeutschland.
Eine Ungleichheit zwischen alten und neuen Bundesländern ist auch in der Ausstattung der Wohnungen von Senioren deutlich erkennbar. ‘Nach den Standards für Bad/Dusche, Toilette und Zentralheizung (…) sind alle Altersgruppen in den neuen Bundesländern schlechter versorgt als die in den alten Ländern.’ So leben ca. 20 Prozent der über 65jährigen Ostdeutschen in Wohnungen mit Ausstattungsmängeln im Sinne von nicht vorhandenem Bad, WC oder Zentralheizung. Im Westen sind es lediglich unter 10 Prozent. Insgesamt hat sich der Wohnstandard der Älteren in den neuen Bundesländern jedoch deutlich verbessert und sich in den alten Bundesländern weiter auf hohem Niveau gefestigt.
Untersuchungen ergaben, dass die meisten Senioren sehr an ihrer Wohnung als vertrautem Lebensbereich hängen. Sie würden sogar dann in ihrer Wohnung bleiben, wenn diese schwerwiegende Mängel aufweist. Der Wunsch nach einer altersgerechteren Wohnung ist dennoch bei fast jedem fünften Älteren vorhanden.
Seniorengerechtes Wohnen – ein Definitionsansatz:
Die Definition von Wohnen gestaltet sich sehr komplex: Wohnen ist eine Basisfunktion und gehört zu den elementaren menschlichen Bedürfnissen. Wir Menschen haben offensichtlich einen Hang dazu, unseren Bereich und unser Territorium klar zu markieren, abzugrenzen und zu verteidigen. Dabei bedeutet Wohnen mehr als nur einen Zufluchtsort oder den Schutz vor Witterung. Die Wohnung ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und erlaubt Privatsphäre. Sie spielt eine maßgebliche Rolle für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen. Wohnen kann in einer Wohnung, einem Haus, einem Hotelzimmer stattfinden oder einfach ein Dach über dem Kopf bedeuten.
Doch wann ist Wohnen auch seniorengerecht? Die Anforderungen an Wohnen verändern sich mit dem Lebensalter. Sie sind zwangsläufig abhängig von der körperlichen, geistigen und seelischen Verfassung des Einzelnen. Zwar muss das Alter allein keine gesundheitlichen Belastungen mit sich bringen, doch wie bereits im Punkt 2.3 angesprochen, treten körperliche und psychische Einschränkungen mit zunehmendem Alter häufiger auf. Auch der Schwerbehindertenanteil unter der älteren Bevölkerung ist erheblich höher als unter der jüngeren. Für ältere Menschen stellt das Wohnen aufgrund ihrer veränderten Kompetenzen und Bedürfnisse eine besondere Herausforderung dar.
In der Praxis kann der Begriff seniorengerechtes oder altersgerechtes Wohnen verschiedene Ausprägungen annehmen. Ein Maßstab hierfür ist die ‘Barrierefreiheit’, nach der neu gebaute Altenwohnungen grundsätzlich konzipiert werden sollten. Standards zum Begriff des barrierefreien Bauens liefert die DIN 18025. Teil I beschäftigt sich mit Wohnungen für Rollstuhlfahrer, in Teil II sind Planungsgrundlagen für barrierefreie Wohnungen geregelt. Die Planungsgrundlagen des zweiten Teils eignen sich insbesondere für Sehbehinderte, Hörgeschädigte, Gehbehinderte und bedingt auch für Rollstuhlfahrer. Hier lassen sich unter anderem genaue Regelungen zu Türbreiten, Bewegungsflächen und Schwellenlosigkeit finden. Von Schweitzer definiert: ‘Barrierefrei gilt ein Lebensbereich dann, wenn jeder Mensch jeden Alters auch mit körperlichen Behinderungen die entsprechende Wohn- und Arbeitswelt in Anspruch nehmen und sich in ihr bewegen und hantieren kann.’ Fraglich ist jedoch, ob es sinnvoll ist, diese hohen Maßstäbe auch dann exakt umzusetzen, wenn ein Teil der Älteren angesprochen werden soll, für den niedrigere Normvorgaben ausreichen würden.
Wichtig bleibt trotzdem, dass Wohnungen für Senioren bei Bedarf barrierefrei nachgerüstet werden können. ‘Eine altersgerechte Wohnung sollte (…) die Sicherheit bieten, auch bei einer eintretenden Einschränkung der Bewegungsfähigkeit noch bewohnbar zu sein.’ Die Minimalanforderung an seniorengerechte Wohnungen sind schon durch kleine Veränderungen erreichbar. Beispiele hierfür sind die Verringerung von Stufen und Schwellen, Bewegungshilfen, rutschfeste Bodenbeläge und eine bestimmte Mindestgröße.
Bei der Standortbestimmung altersgerechter Wohnungen ist zu berücksichtigen, dass die Umgebung infrastrukturell gut erschlossen ist. Durch gegebenenfalls vorhandene körperliche Einschränkungen ist der ältere Mensch in seinen Bewegungsmöglichkeiten beschränkt und auf Versorgungseinrichtungen, wie beispielsweise Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten, vor Ort angewiesen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836618274
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Straub, Susanne Mai 2006: Seniorengerechte Dienstleistungen und Wohnraumgestaltung als Potenzial wirtschaftlicher Entwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag
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