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Zur Bedeutung der eigenen Familie für Bewohnerinnen und Bewohner eines Altenheims

Eine empirische Untersuchung

Zur Bedeutung der eigenen Familie für Bewohnerinnen und Bewohner eines Altenheims
Über dieses Buch
  • Art: Seminararbeit
  • Autor: Christiane Althoff
  • Abgabedatum: Mai 2000
  • Umfang: 92 Seiten
  • Dateigröße: 505,5 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2542-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2542-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2542-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Althoff, Christiane Mai 2000: Zur Bedeutung der eigenen Familie für Bewohnerinnen und Bewohner eines Altenheims, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Familie, Institutionalisierungseffekte, Altenheim, Familienbeziehungen, Familiensoziologie

Seminararbeit von Christiane Althoff

Einleitung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle die Familie eines Altenheimbewohners für diesen hat bzw. welche Rolle der alte Mensch für seine Familie spielt. Hierbei wird besonders das gängigen Klischees des einsamen, abgeschobenen Heimbewohners überprüft und diesem alternative Familienbeziehungen zwischen Heimbewohner und seinen Angehörigen gegenübergestellt.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Teil der Arbeit werden theoretisch Aspekte erarbeitet, die das Heimleben beeinflussen. Hierbei spielt besonders der Einzug in das Heim und die neue Beziehungskonstellation zu den Verwandten eine Rolle.

Im zweiten Teil werden dann bisherige Forschungsarbeiten vorgestellt.

Der wichtigste Teil der Arbeit sind Interviews, die ich im letzten Jahr mit zahlreichen Bewohnern im Altenheim Osterwick (Kreis Coesfeld, Münsterland) geführt habe. Viele Bewohner erklärten sich bereit, mir sehr offen und ehrlich Auskunft z.B. über ihre Ängste beim Heimeinzug, ihre Familienbeziehungen und ihrem heutigen Alltag zu geben. Dabei stellte sich heraus, dass es den typischen Heimbewohner sicherlich nicht gibt, sondern das jeder Bewohner durch seine individuelle Lebensgeschichte und seine jetzige Situation unterschiedlich geprägt ist.

Genau wie die Bewohner sich sehr voneinander unterscheiden, zeigt sich auch bei den Beziehungen zu den Angehörigen ein breites Spektrum. Dennoch konnte ich in meiner Arbeit zu einigen konkreten Ergebnissen kommen: Die Annahme, ein alter Mensch fühle sich verlassen und abgeschoben, wenn er in ein Heim zieht, ist völlig falsch. Die Bewohner zeigen zumeist Verständnis für den Umzug und erkennen, dass aufgrund ihrer Pflegebedürftigkeit professionelle Hilfe notwendig ist. Allerdings wollen die alten Menschen mit in den Entscheidungsprozeß einbezogen werden.

Der Kontakt zu Angehörigen und besonders zu den Kinder ist für die Heimbewohner sehr wichtig, die Lebenszufriedenheit der Bewohner hängt von dieser Beziehung ab. Auch wenn die Bewohner soziale Kontakte außerhalb der Familie pflegen, können diese die wichtige Rolle der Familie nicht ersetzen. Auch dem Pflegepersonal kommt zumeist nur eine versorgende Funktion, bei einigen Bewohnern entwickelt sich hier allerdings eine emotionale Bindung: „Die hier arbeiten, sind eine zweite Familie für mich.“ Außerdem zeigte sich sehr deutlich, dass allen Heimbewohnern der private und berufliche Lebensstil der Angehörigen sehr wichtig ist. Die Zufriedenheit mit dem Leben der Kinder steigert die eigene Lebenszufriedenheit. Umgekehrt wird diese natürlich durch eine Enttäuschung von den Kindern gesenkt; hierbei fiel besonders auf, dass eine Scheidung z.B. der eingenen Tochter – die für die jüngeren Generationen mittlerweile alltäglich ist – den Heimbewohnern zumeist schwer zu schaffen macht.

Einen starken Einfluß auf das Leben der Heimbewohner können auch die Enkelkinder haben. Sie zeigen dem alten Menschen die Kontinuität der Familie und bringen emotionale Erfüllung. Allerdings zeigten sich zahlreiche Bewohner im Interview von der Besuchshäufigkeit der Enkelkinder enttäuscht.

Abschließend werden die Ergebnisse meiner Interviews mit den bisherigen Forschungsarbeiten, die allerdings zumeist quantitativ vorgingen, in Beziehung gesetzt.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
I. Rahmen und Hintergrund der Untersuchung 6
I.1 Demographische Angaben 6
I.2 Der Umzug ins Heim 7
I.3 Leben im Heim 12
I.4 Die Beziehung zu den Angehörigen 16
II. Stand der Forschung 21
III. Die eigene Vorgehensweise 28
III.1 Auswahl und Begründung der Untersuchungsmethode 28
III.2 Methodische Probleme 30
III.3 Die konkrete Durchführung 33
III.4 Die Auswertung des Materials 35
IV. Auswertung der eigenen empirischen Ergebnisse 38
IV.1 Die Interviewpartner 38
IV.1.1 Übersicht über die Interviews 38
IV.1.2 Frau Maria B. 39
IV.1.3 Herr Josef H. 41
IV.1.4 Frau Rosemarie H. 43
IV.1.5 Frau Anni I. 45
IV.1.6 Frau Elfriede S. 48
IV.1.7 Herr Heinrich V. 51
IV.2 Analyse und Interpretation ausgewählter thematischer Aspekte 53
IV.2.1 Die Rolle der Familie bei der Entscheidung zum Heimeinzug 53
IV.2.2 Die Veränderung der Beziehung zur Familie durch den Heimeinzug 56
IV.2.3 Die Einstellung zum Leben der Kinder 60
IV.2.4 Die Beziehung zu den Enkelkindern 65
IV.2.5 Die sozialen Kontakte außerhalb der Familie 68
IV.2.6 Die Einschätzung der eigenen Bedeutung in der Familie 71
IV.2.7 Zusammenfassung 73
IV.3 Bezug zum Forschungsstand 74
Schlußbemerkungen 79
Literaturverzeichnis 81
Anhang: Interviewleitfaden 84

Automatisiert erstellter Textauszug:

Vor sechs Jahren verstirbt dann der Bruder sehr plötzlich. Seine beiden Kinder sind zu dem Zeitpunkt auch bereits ausgezogen und verheiratet, so dass Frau H. von nun an alleine mit ihrer Schwägerin lebt. Für beide Frauen beginnt eine schwierige Zeit. Die Schwägerin geht stundenweise Arbeiten und versorgt gleichzeitig Rosemarie H.. Frau H. gesteht heute ein, dass sie sich in dieser Zeit oft sehr schäbig verhalten hat. „Und ich war natürlich faul.“ Sie hilft der Schwägerin kaum im Haushalt und unterstützt sie auch in Bereichen nicht, in denen sie trotz ihrer Behinderung helfen könnte. Die Situation spitzt sich zu, als die Schwägerin aufgrund eines Bandscheibenvorfalls selber kaum noch in der Lage ist, die Hausarbeit zu bewältigen. [...]

IV.1.4 Frau Rosemarie H. Frau Rosemarie H. leidet seit ihrer Geburt an einer leichten geistigen und schweren körperlichen Behinderung. Als die Eltern noch leben, wird sie immer von diesen versorgt, ohne dass sie eine Förderung z.B. eine angepaßte Berufsausbildung erfährt. In seinem Testament legt der Vater schließlich fest, dass sein Sohn – also der Bruder von Frau H. – der Schwester ein lebenslanges Wohnrecht im Haus der Eltern und eine Versorgung zu gewährleisten habe. Frau H. lebt somit nach dem Tod der Eltern im Haushalt der Familie des Bruders, der heiratete und zwei Kinder bekommt. Ein eigenständiges Leben lernt sie niemals kennen. [...]

Der Kontakt zu seinen Söhnen ist heute sehr gering. Auf meine Frage nach der Anzahl der Besuche durch seine Söhne antwortet Herr H. traurig: „Ja, wissen Sie, die Jungs, die sind für sich, also die haben andere Interessen wie ich.“ Es wird deutlich, dass seine Söhne sich nicht viel um ihn kümmern: „Jetzt sind se schon lange nicht mehr hier gewesen.“ Er sucht immer wieder abwegige Ausreden, mit denen er deutlich macht, dass er sich nicht eingestehen will, von seinen Söhnen vernachlässigt zu werden. „Einer, der hat keinen Führerschein. (...) Der Jüngste ist ja auch krank, der den Wagen hat. Ob er das Auto kaputt hat oder so was.“ [...]

Arbeit zitieren:
Althoff, Christiane Mai 2000: Zur Bedeutung der eigenen Familie für Bewohnerinnen und Bewohner eines Altenheims, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Familie, Institutionalisierungseffekte, Altenheim, Familienbeziehungen, Familiensoziologie

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