Semantische Spezifik der wirtschaftlichen Termini gegenüber den gemeinsprachlichen Lexemen
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Lina Krämer
- Abgabedatum: Februar 2001
- Umfang: 121 Seiten
- Dateigröße: 640,4 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Kassel Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4975-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4975-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4975-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Krämer, Lina Februar 2001: Semantische Spezifik der wirtschaftlichen Termini gegenüber den gemeinsprachlichen Lexemen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wirtschaftssprache, Bedeutung, Semantik, Terminologie, Fachsprache
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Magisterarbeit von Lina Krämer
Einleitung:
In der Zeit der Industrialisierung wurden zunächst die Herausbildung und dann die wissenschaftliche Erforschung und Planung von Fachsprachen zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Trotz diesem Erfordernis sowie der zahlreich erschienenen Studien zu Fachsprachen ist dieser Objektbereich immer noch lückenhaft.
Als einer von vielen Problemkreisen darf die komparative Untersuchung der einzelnen Fachsprachen und der Gemeinsprache auf allen sprachlichen Ebenen (vor allem pragmatischen, syntaktischen, semantischen) genannt werden. Es gilt zwar im Allgemeinen, dass die Ausformung der Fachsprachen in ihrem Verhältnis zur Gemeinsprache ein kontinuierlicher Prozess von Differenzierung und Integration ist und beide miteinander verankert sind. Dennoch bedarf dies weiteren eher praxisbezogenen Analysen.
Hauptträger einer Fachsprache sind Fachwörter/Fachtermini. In der vorliegenden Arbeit sollen diese den gemeinsprachlichen Lexemen - den Hauptträgern der Gemeinsprache - unter semantischem Aspekt gegenübergestellt werden. Daraus folgend soll untersucht werden, inwieweit und unter welchen Gesichtspunkten die Bedeutung der Termini und der gemeinsprachlichen Lexeme voneinander unterscheiden.
Im Hinblick darauf existieren in der Sprachforschung zwei deutlich auseinandergehende Auffassungen zum Verhältnis Terminusbedeutung - gemeinsprachliche Bedeutung: die eine - traditionelle - betrachtet die Terminologie als eine statische, völlig von dem Allgemeinwortschatz isolierte Erscheinung, während die andere - moderne - Dynamik und semantische Ähnlichkeit der Terminologie und der Allgemeinlexik betont. Zum Anliegen der vorliegenden Arbeit gehört die Richtigkeit der beiden Postulate empirisch zu überprüfen.
Da es nicht möglich ist, die große Reihe von verschiedenen Fachsprachen mit ihren spezifischen Terminologien im Rahmen einer Einzelarbeit zu berücksichtigen, sollen an dieser Stelle bestimmte Einschränkungen und Schwerpunkte der Arbeit gesetzt werden.
Es wurde bereits oben erwähnt, dass die Herausbildung und die Erforschung von Fachsprachen vor allem auf wirtschaftlicher Notwendigkeit beruht. Jeder Mensch hat täglich mit Wirtschaft, somit auch mit Wirtschaftssprache zu tun. Wie man aber Wirtschaft und Wirtschaftssprache genau definieren soll, ist bis heute unklar. Unter Wirtschaftssprache kann sowohl Börsensprache als auch Werbesprache, Sprachen der Wirtschaftspolitik, der Wirtschaftsinformatik usw. verstanden werden.
Wirtschaftssprache gilt in der Linguistik als wenig erforschtes Gebiet. Dieses Defizit ist vor allem auf die Komplexität des Wirtschaftsbereiches und somit auch der Wirtschaftssprache zurückzuführen. Wirtschaftssprache fungiert sowohl in der gemeinsprachlichen als auch der fachsprachlichen Kommunikation, so dass es nicht leicht ist, die Grenze zwischen ihnen zu ziehen, wie z. B. dies zwischen der Fachsprache der Pharmazie und der Gemeinsprache relativ unkompliziert erscheint. Fachwörter, wie z. B. Geld, Bank, Kaufen/Verkaufen, gehören längst zum Gemeinwortschatz, während sich ein Durchnittssprecher unter Gingivitis bzw. Corsodyl so gut wie nichts vorstellen kann.
Die vorliegende Arbeit soll ebenfalls zum Forschungsfeld von Wirtschaftsfachsprachen beitragen, indem ihre Hauptträger - wirtschaftliche Termini - semantisch untersucht werden.
Die Arbeit besteht aus zwei Teilen – einem theoretischen und einem empirischen.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Teil soll ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand von Bedeutungstheorien einerseits sowie den von Fachsprachen andererseits gegeben werden, während der zweite Teil sich auf die empirische Untersuchung der Semantik von wirtschaftlichen Termini konzentriert.
Im ersten Kapitel soll zunächst der Begriff „Bedeutung“ definiert werden. Weiterhin werden die folgenden Aspekte der Bedeutungsbeschreibung diskutiert:
- denotative vs. konnotative Bedeutung.
- potentielle (kontextunabhängige) vs. aktuelle (kontextabhängige) Bedeutung.
- extensionale vs. intensionale Bedeutungskomponente.
- Bedeutungsbeschreibung durch Prototypen und Stereotypen.
Abschließend soll der Vorschlag zur Bedeutungsklassifizierung von Rolf Müller vorgestellt werden, der ganz neue, von den oben genannten abweichende Aspekte einfließen lässt.
Im zweiten Kapitel soll zunächst der Begriff „Fachsprache“ definiert werden. Es erfolgt die Beschreibung der Fachsprache in ihrer Gegenüberstellung zur Gemeinsprache sowie die Differenzierung der Fachsprachen nach dem vertikalen und horizontalen Schichtungsmodell. Weiterhin soll das Verhältnis zwischen den miteinander im engen Zusammenhang stehenden Subsystemen der Gesamtsprache, wie Fachsprache, Fachjargon und Sondersprache, zur Diskussion gestellt werden. Darüber hinaus wird auf die Wirtschaftssprache eingegangen. Dies soll in zwei Schritten erfolgen: zunächst werden der Komplex Wirtschaft und seine Bereiche vorgestellt und daraus folgend die Wirtschaftssprache typologisiert.
Im dritten Kapitel erfolgt die komparative Analyse wirtschaftlicher Termini und gemeinsprachlicher Lexeme unter semantischem Aspekt.
Im Kapitel 3. 1. wird zunächst der Begriff „wirtschaftlicher Terminus“ erläutert, indem er vom gemeinsprachlichen Lexem abgegrenzt wird. Daraufhin werden Grundzüge der Terminologienormung - einer der Eigenschaften der Termini - vorgestellt. Da ein Terminus erst entsteht, indem er definiert wird, sollen der Begriff „Definition“, seine Arten sowie die Unterscheidung zwischen wissenschaftlicher Definition und Alltagsdefinition zur Diskussion stehen.
In 3. 2. erfolgt die Beschreibung lexikalischer Bedeutungskomponenten von wirtschaftlichen Termini in der Gegenüberstellung zu gemeinsprachlichen Lexemen nach den im ersten Teil dargelegten Kategorien:
- denotative Bedeutung.
- konnotative Bedeutung.
- aktuelle (kontextabhängige) Bedeutung.
- prototypische Beschreibung.
- stereotypische Beschreibung.
Das Kapitel 3. 3. beschäftigt sich mit paradigmatischen Beziehungen in der Wirtschaftsterminologie, die sich hauptsächlich in Form der Hyponym-, Hyperonymrelation, Synonymie, Polysemie und Homonymie manifestieren.
Am Ende eines Kapitels werden Schlussfolgerungen der Überlegungen dargeboten, wobei im zweiten Teil auch die semantischen Unterschiede zwischen Termini und gemeinsprachlichen Lexemen einfließen.
Zur empirischen Bedeutungsuntersuchung werden (fach)lexikographische Definitionen aus den Wirtschaftslexikons sowie den universellen Bedeutungswörterbüchern benutzt.
Im Rahmen des Resümees werden Untersuchungsergebnisse im Hinblick auf semantische Unterschiede zwischen wirtschaftlichen Termini und gemeinsprachlichen Lexemen tabellarisch zusammengetragen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | 6 | |
| Einführung | 7 | |
| I. | THEORETISCHE GRUNDLAGEN | |
| 1. | Forschungsstand: Bedeutung | 11 |
| 1.1 | Zum Begriff „Bedeutung“ | 11 |
| 1.2 | Ansätze zur Bedeutungsbeschreibung | 14 |
| 1.2.1 | Denotative vs.konnotative Bedeutung | 16 |
| 1.2.2 | Potentielle (kontextunabhängige) vs.aktuelle (kontextabhängige)Bedeutung | 19 |
| 1.2.3 | Extensionale vs.intentionale Bedeutungskomponente | 21 |
| 1.2.4 | Bedeutungsbeschreibung durch Prototypen und Stereotypen | 23 |
| 1.2.5 | Vorschlag zur Bedeutungsklassifizierung von Rolf Müller | 27 |
| 1.3 | Schlussfolgerungen aus Kapitel 1 | 28 |
| 2. | Forschungsstand: Fachsprache | 30 |
| 2.1 | Abgrenzung der Fachsprache von der Gemeinsprache | 31 |
| 2.2 | Differenzierungsmöglichkeiten von Fachsprachen | 36 |
| 2.3 | Verhältnis Fachsprache – Fachjargon – Sondersprache | 39 |
| 2.4 | Zur Beschreibung der Wirtschaftssprache als eines Komplexes von Fachsprachen | 41 |
| 2.4.1 | Zum Begriff „Wirtschaft“ und seiner Differenzierung | 42 |
| 2.4.2 | Zur Typologisierung der Wirtschaftssprache | 46 |
| 2.5 | Schlussfolgerungen aus Kapitel 2 | 49 |
| II. | EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG | |
| 3. | Semantische Besonderheiten wirtschaftlicher Termini gegenüber gemeinsprachlichen Lexemen | 51 |
| 3.1 | Zum Begriff „wirtschaftlicher Terminus“ und seiner Abgrenzung vom gemeinsprachlichen Lexem | 52 |
| 3.1.1 | Terminologienormung | 56 |
| 3.1.2 | Zur Definition von Termini und gemeinsprachlichen Lexemen | 59 |
| 3.1.2.1 | Zum Begriff „Definition“ | 62 |
| 3.1.2.2 | Definitionsarten | 63 |
| 3.1.2.3 | Semantische Unterschiede zwischen Alltagsdefinition und wissenschaftlicher Definition | 65 |
| 3.1.3 | Schlussfolgerungen aus Kapitel 3.1 | 70 |
| 3.2 | Zur Beschreibung lexikalischer Bedeutungskomponenten von wirtschaftlichen Termini und gemeinsprachlichen Lexemen | 71 |
| 3.2.1 | Die denotative Bedeutung | |
| 3.2.2 | Die konnotative Bedeutung | 73 |
| 3.2.3 | Die aktuelle (kontextabhängige) Bedeutung | 78 |
| 3.2.4 | Die prototypische Beschreibung | 82 |
| 3.2.5 | Die stereotypische Beschreibung | 86 |
| 3.2.6 | Schlussfolgerungen aus Kapitel 3.2 | 89 |
| 3.3 | Zu paradigmatischen Beziehungen in der Wirtschaftsterminologie | 91 |
| 3.3.1 | Hyperonym-, Hyponymrelationen bei wirtschaftlichen Termini | 92 |
| 3.3.2 | Synonymie bei wirtschaftlichen Termini | 95 |
| 3.3.3 | Polysemie und Homonymie bei wirtschaftlichen Termini | 100 |
| 3.3.4 | Schlussfolgerungen aus Kapitel 3.3 | 105 |
| Resümee mit tabellarischer Zusammenfassung der empirischen Untersuchungsergebnisse |
bung eines Substantivs (der häufigsten Wortart der Termini) zwangsläufig mehr oder weniger die Züge einer Sachbeschreibung bekommt, was jedoch nicht bedeutet, dass Sach- und Bedeutungsbeschreibungen gleichzusetzen sind.139 Langner tendiert zu der strikten Trennung zwischen Begriff und Bedeutung und nennt vier Gründe dafür, die teilweise bereits oben angedeutet wurden:140 1. Die Bedeutungen entstehen im Prozess der Entwicklung einer Sprache, sind also an eine bestimmte Sprache gebunden, während die Begriffe im Prozess der Erkenntnis unabhängig von einer bestimmten Sprache entstehen und als Kategorie des Denkens interlingual sind. 2. Die Bedeutungen sind meistens polysem, während die Begriffe stets monosem sind; 3. Die Bedeutungen schließen sehr oft wertende, emotionale und voluntative Komponenten ein, während die Begriffe in der Regel nur rationale Elemente umfassen; 4. Die Bedeutungen sind Gegenstand der Untersuchung der Sprachwissenschaft, während die Begriffe Gegenstand der Untersuchung der Logik und Erkenntnistheorie sind. Im Rahmen dieser Arbeit wird die Auffassung vertreten, dass Bedeutung und Begriff nicht völlig identisch sind, aber zwischen beiden deutliche Parallelen bestehen – die beiden Kategorien sind Abbilder von Gegenständen und Erscheinungen der Wirklichkeit, ebenfalls liegen Begriffen wie auch Bedeutungen die gleichen Strukturbildungsprozesse zugrunde. Dieser Ansicht nach wird die Bedeutung der Termini durch Definitionen festgelegt, und Begriffe sind Komponenten der Wortbedeutung. Diese Definitionen werden als terminologische Definitionen bezeichnet. 141 [...]
chenkörper und außersprachlicher ‘Sache‘ dargestellt wird, wird in der Terminologiearbeit über Begriffsdefinitionen gesprochen, die eine Beziehung zwischen Benennung und Begriff präsentiert.135 Definitionen sollen dazu dienen, einen möglichst eindeutigen Zusammenhang zwischen Begriffen und Benennungen herzustellen. Sie grenzen einen Begriff ab, indem er zu anderen in Verbindung gebracht wird.136 Wenn aber auch die Definitionen in der Praxis in dem Sinne als Bedeutungen von Termini fungieren, dass sie die Denotate, d. h. die potentiellen Referenten der Termini angeben, sind sie keine Beschreibungen dieser Bedeutungsrelationen, sondern höchstens Beschreibungen von Bedeutungen im Sinne von Wüster, nämlich von außersprachlichen Begriffen.137 Aus der in den linguistischen Veröffentlichungen existierenden Vielfalt der Ansichten zum Verhältnis zwischen Begriff und Bedeutung hebt Viehweger drei Grundrichtungen hervor:138 • • Bedeutung und Begriff sind nicht gleichzusetzen, weil den Bedeutungen der Wortschatzelemente keine Begriffe entsprechen. Bedeutung und Begriff sind inhaltlich identisch, die Differenz zwischen diesen Kategorien besteht nur darin, dass an beide von verschiedenen, wenn auch untrennbar miteinander verbundenen Seiten herangegangen wird: vom Gesichtspunkt des Denkprozesses in dem einen, vom Gesichtspunkt des sprachlichen Prozesses in dem anderen Falle. • Bedeutung und Begriff sind nicht gleichzusetzen, jedoch bildet der Begriff die wesentliche Komponente der Wortbedeutung, die durch weitere, d. h. nicht begriffliche Komponenten ergänzt sein kann. Die Gleichsetzung vom Begriff und Bedeutung in der Terminologie kann sich darauf beziehen, dass die Funktion der sprachlichen Bedeutung nicht erkannt worden ist, wobei zwischen Bedeutung und dem durch die Bedeutung angezeigten Inhalt nicht unterschieden wird. Als zweiter Grund könnte gelten, dass die Bedeutungsbeschrei135 136 [...]
3.1.2. Zur Definition von Termini und gemeinsprachlichen Lexemen Dem vorangegangenen Kapitel lässt sich entnehmen, dass Begriffe, Benennungen und Definitionen im Mittelpunkt der Terminologiearbeit stehen. Nikula bemerkt, dass für Terminologen der Begriff und für Linguisten dagegen die Bedeutung der Untersuchungsgegenstand ist. Unter dem Begriff verstehen Terminologen eine Denkeinheit, die einem abstrakten Gegenstand zugeordnet ist und diesen im Denken vertritt. Er besteht aus einer Menge von Merkmalen, die identischen Eigenschaften einer Menge von Gegenständen zugeordnet sind.133 Die unterschiedliche Arbeitssituation sei Grund dafür. Die Aufgabe eines Terminologen ist, die Begriffe zu definieren, bevor er die Bedeutungen der entsprechenden Termini angibt, denn in den meisten Fällen ist es so, dass keine genügend explizit definierten Begriffe und Begriffssysteme vorliegen, die als Denotate der Termini angegeben werden können.134 Für Terminologen besteht eine Benennungseinheit aus einem ‘Wort‘, dem ein Begriff als Bedeutung zugeordnet ist, während für die meisten Linguisten das Wort eine Einheit aus Wortgehalt und Wortinhalt ist. Während die Bedeutung aus linguistischer Sicht als eine Beziehung zwischen Zei- [...]
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Krämer, Lina Februar 2001: Semantische Spezifik der wirtschaftlichen Termini gegenüber den gemeinsprachlichen Lexemen, Hamburg: Diplomica Verlag
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