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Selbstregulierung von Unternehmen als Instrument der Umweltpolitik

Selbstregulierung von Unternehmen als Instrument der Umweltpolitik
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Daniel Argyropoulos
  • Abgabedatum: August 2002
  • Umfang: 191 Seiten
  • Dateigröße: 2,2 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6251-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6251-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6251-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Argyropoulos, Daniel August 2002: Selbstregulierung von Unternehmen als Instrument der Umweltpolitik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Freiwillige umweltpolitische Ansätze, Selbstverpflichtung, ökologische Modernisierung, kollektives Handeln, Marktversagen

Diplomarbeit von Daniel Argyropoulos

Zusammenfassung:

Das Thema der Arbeit ist die Selbstregulierung von Unternehmen. Davon ausgehend, dass Umweltpolitik mit einer neuen Problemlage konfrontiert ist, und dass das herkömmliche ordnungsrechtliche Instrumentarium dabei an seine Grenzen stößt, wird nach dem Beitrag von freiwilligen umweltpolitischen Ansätzen zur Modernisierung von Umweltpolitik gefragt. Es wird die These vertreten, dass freiwillige Ansätze einen größeren Beitrag zur Bekämpfung persistenter, komplexer und globaler Umweltprobleme leisten können als bisher angenommen.

Nach der Erarbeitung einer Definition und einem Überblick über die Existenz freiwilliger Ansätze in der EU – insbesondere in Deutschland und den Niederlanden – und den USA wird das heterogene Feld der freiwilligen Ansätze anhand zentraler Unterscheidungskriterien strukturiert.

Anschließend werden freiwillige Ansätze aus der Perspektive der Theorie des kollektiven Handelns und des Konzeptes der ökologischen Modernisierung diskutiert. Daraus werden Hypothesen abgeleitet, die auf die durch freiwillige Ansätze gegebenen Möglichkeiten abzielen, Marktversagen einerseits und Staatsversagen andererseits zu vermeiden. Diese werden an zwei Fallbeispielen aus der chemischen Industrie überprüft.

Die Ergebnisse bestätigen die eingangs aufgestellte These nur bedingt. Es lassen sich mehrere „Designfehler“ identifizieren, die verhindern, daß freiwillige Ansätze in der vorhandenen Form als ein Instrument der Umweltpolitik beurteilt werden können, das den Staat bei der Aufgabe des Umweltschutzes entlastet.

Abschließend werden Vorschläge formuliert, wie der zwar vielgenutzte, aber unsystematisch eingesetzte Instrumententypus in einen wirkungsvollen Instrumentenmix der Umweltpolitik eingegliedert werden können.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Freiwillige Ansätze: Eine Systematisierung 5
2.1 Umweltpolitische Instrumente und freiwillige Ansätze 5
2.2 Begriffe und Definitionen 7
2.3 Verbreitung und Anwendungsfelder von freiwilligen Ansätzen 10
2.3.1 Die Europäische Union: Negotiated Agreements 10
2.3.2 Deutschland: Selbstverpflichtungen und freiwillige Vereinbarungen 12
2.3.3 Die Niederlande: Der Sonderfall der covenants 13
2.3.4 USA: Public Voluntary Schemes 15
2.4 Motive für freiwillige Ansätze 16
2.5 Die zentralen Unterscheidungskriterien freiwilliger Ansätze 18
2.5.1 Anzahl und Art der Akteure 18
2.5.2 Maß an Freiwilligkeit 22
2.5.3 Legaler Status 23
2.5.4 Verhältnis zu anderen umweltpolitischen Normen 24
2.5.5 Reichweite und Laufzeit 25
2.5.6 Eingrenzung für den weiteren Verlauf der Untersuchung 27
3. Theoretische Erklärungsansätze 28
3.1 Die Auswahl der theoretischen Ansätze 28
3.2 Die Theorie des kollektiven Handelns 29
3.2.1 Kollektives Handeln und die Umweltproblematik 29
3.2.2 Soziales Dilemma und free-rider-Problem 31
3.2.3 Lösungsansätze: Kleine Gruppengröße und selektive Anreize 32
3.2.4 Die Kritik an der Theorie 36
3.2.5 Hypothesen 38
3.3 Ökologische Modernisierung 40
3.3.1 Entstehung und inhaltliche Ausrichtung des Konzepts 40
3.3.2 Der technische Lösungsansatz 41
3.3.3 Politische Modernisierung 43
3.3.4 Netzwerke als Merkmal politischer Modernisierung 48
3.3.5 Freiwillige Ansätze zwischen politischer Modernisierung und Korporatismus 51
3.3.6 Hypothesen 52
4. Fallbeispiele 53
4.1 Selbstverpflichtungen der chemischen Industrie 53
4.2 Die Klimaschutzverpflichtung der chemischen Industrie 54
4.2.1 Die Klimaschutzverpflichtung der deutschen Wirtschaft 54
4.2.2 Inhalt und Umsetzung der Selbstverpflichtung des VCI 55
4.2.3 Einordnung anhand der entwickelten Typologie 57
4.2.4 Überprüfung der Hypothesen 60
4.2.5 Zusammenfassung 64
4.3 Die Vereinbarung zwischen der deutschen chemischen Industrie und dem Hafen von Rotterdam 65
4.3.1 Hintergrund und Entwicklung der Vereinbarung 65
4.3.2 Inhalt und Umsetzung der Vereinbarung 67
4.3.3 Einordnung anhand der Typologie 69
4.3.4 Überprüfung der Hypothesen 70
4.3.5 Zusammenfassung 74
5. Fazit 75
5.1 Ergebnisse der Untersuchung 75
5.2 Notwendige Weiterentwicklung von freiwilligen Ansätzen 78
6. Literaturverzeichnis 82

Automatisiert erstellter Textauszug:

erfüllt wurde, die im Energieausschuß des VCI sitzen. Diese machen 65% des Energieverbrauchs der chemischen Industrie aus (ebd.: 31). Die Selbstverpflichtung konzentriert sich demnach in der Formulierung wie in der Implementation auf wenige große Unternehmen, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden wesentlich weniger beteiligt. Es kann also gesagt werden, daß die eingangs festgestellte Struktur des zweistufigen Modells tatsächlich eine Mischform darstellt. Maß an Freiwilligkeit Die Vermutung, daß Selbstverpflichtungen auf nicht freiwilliger bzw. eingeschränkt freiwilliger Basis entstehen, wird bestätigt. Im Falle der Klimaschutzverpflichtung ist ein massiver Druck seitens des Staates, aber auch die internationale Entwicklung als mitentscheidender Faktor festzustellen. Der erste Vorschlag für eine Reduzierung der THG-Emissionen erfolgte als Reaktion auf den Vorstoß des Umweltministers Töpfer, im Rahmen des Klimaschutzprogramms 199068 eine CO2-Abgabe von 10 DM/t einzuführen. Die Bundesregierung verhandelte nach dem ersten Vorschlag drei Jahre mit der Wirtschaft, die Verhandlungen führten jedoch nicht zum Erfolg (von Flotow/Schmidt 2001: 71)69. Ein Beamter des BMWi, Ressing, bemerkt, daß ein Schreiben des Staatssekretärs Würzen an die Vorsitzenden von VDEW und VIK der „Startschuß“ für die Selbs tverpflichtung kurz vor dem Berliner Klimagipfel 1995 war. [...]

Akteure Die Verpflichtung wurde durch den VCI abgegeben. Ein Wesensmerkmal der chemischen Industrie ist, daß ihr Organisationsgrad sehr hoch ist64. Zwar ist der VCI nicht in der Lage, für seine Mitglieder bindende Beschlüsse zu fassen, jedoch wird sein Einfluß auf die Unternehmen als groß eingeschätzt. Der VCI beschäftigt 200 Mitarbeiter, 25 in der Umweltabteilung (Jacob 1997: 71f)65. Schneider bezeichnet den VCI aufgrund der hohen Organisationsdichte und der großen wirtschaftlichen Bedeutung der chemischen Industrie als den politisch einflußreichsten Verband und als den Hauptkontrahenten des BMU (Schneider 1988). Auf der Seite des staatlichen Akteurs ist das BMU federführend, weiterhin ist das BMWi beteiligt. Unterschrieben wird die aktualisierte Selbstverpflichtung neben dem Umwelt- und Wirtschaftsminister durch den Bundeskanzler, was die prominente Stellung der Klimaschutzverpflichtung der deutschen Wirtschaft unterstreicht. Die Existenz eines kollektiven privaten Akteurs charakterisiert die Verpflichtung der chemischen Industrie zunächst als zweistufiges Modell66. Wie in Abschnitt 2.5.1 erwähnt, ist auch nach der Rolle der Unternehmen im Verband zu fragen. Innerhalb des VCI ist ein großer Einfluß der drei größten Chemieunternehmen festzustellen67. Allerdings ist deren Einfluß in der Satzung des VCI formal begrenzt, die drei Unternehmen dürfen zusammengenommen nicht mehr als 45 % der Gesamtbeiträge des VCI ausmachen (Jacob 1997: 72). Es wird darauf hingewiesen, daß Probleme zwischen dem Verband und den Unternehmen nicht aufgetreten sind. Als Grund dafür wird angeführt, daß die Unternehmen, die zur Erfüllung der Selbstverpflichtung beigetragen haben, stark in die Verbandsarbeit einbezogen sind und die Selbstverpflichtung von Anfang an mitgestaltet haben (von Flotow/Schmidt 2001: 33). Die in der Studie befragten Unternehmen geben an, daß die Selbstverpflichtung im wesentlichen von den Unternehmen [...]

sich belastend auf die CO2-Bilanz aus62. Nach der Wende fand in den 90er Jahren die Abwicklung großer Teile der ostdeutschen Industrie statt: Damit verbunden waren starke CO2-Emissions-Senkungen. Diese sogenannten wall-fall-profits trugen in starkem Maße dazu bei, daß die Verpflichtung des VCI 1998, nur 2 Jahre nach der Aktualisierung der Selbstverpflichtung, bereits zu 80% erfüllt war (Buttermann/Hillebrand 2000: 128). Ein Großteil der Reduktion, die nicht auf den ökologischen Gratiseffekt des ostdeutschen Strukturwandels zurückzuführen ist, beruht auf Maßnahmen zur Energieeinsparung und Erhöhung der Energieeffizienz. Den mit Abstand größten Einzelbeitrag ergab die Ersetzung einer kohlebefeuerten Kraft-Wärme-Koppelungs-Anlage der BASF durch ein effizienteres Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk am Standort Ludwigshafen. Allein diese Maßnahme führte zu einer Ersparnis von 1,2 Mio. t CO2 für 1998 und 2 Mio. t CO2 ab 1999 (Buttermann/Hillebrand 2000: 121f) 63. Dieses Beispiel verdeutlicht die Bedeutung der Anpassung der Klimaschutzmaßnahmen an den unternehmerischen Investitionszyklus. Es handelt sich um eine Maßnahme, die zwei Jahre vor Abgabe der Selbstverpflichtung begonnen wurde, also nicht klimaschutzmotiviert war. (von Flotow/Schmidt 2001: 31). Die Reduktionen, die nicht klimaschutzmotiviert waren sondern aus betriebswirtschaftlichen Gründen stattfanden, betragen 6,17 Mio. t CO2/Jahr, das sind 26% der insgesamt vom VCI gemachten Zusagen (ebd.: 30). Wird dieser Anteil um die wall-fall-profits ergänzt, so wird deutlich, daß Klimaschutz im Fall der Selbstverpflichtung hauptsächlich durch no-regrets-Maßnahmen stattfindet. Der einzige Hinweis darauf, daß vom businessas-usual-Pfad abgewichen wird, ist, daß durch das Vorhandensein der Selbstverpflichtung in einigen Fällen längere Amortisationszeiten akzeptiert wurden (ebd.: 31). [...]

Arbeit zitieren:
Argyropoulos, Daniel August 2002: Selbstregulierung von Unternehmen als Instrument der Umweltpolitik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Freiwillige umweltpolitische Ansätze, Selbstverpflichtung, ökologische Modernisierung, kollektives Handeln, Marktversagen

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