Selbstorganisation und Führung - ein Widerspruch?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Mirjam Puppe
- Abgabedatum: September 2000
- Umfang: 95 Seiten
- Dateigröße: 814,4 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Bremen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5841-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5841-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5841-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Puppe, Mirjam September 2000: Selbstorganisation und Führung - ein Widerspruch?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Systemtheorie, Arbeitsgruppen, Teilautonomie, hierarchische Strukturen, autonome Strukturen
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Diplomarbeit von Mirjam Puppe
Gang der Untersuchung:
Im Fokus der Arbeit steht Selbstorganisation in Arbeitsgruppen und ihre Führung. Es werden zunächst aus psychologischer Perspektive Arbeitsgruppen in Organisationen beschrieben. Ein historischer Überblick über die Entwicklung arbeits- und organisationspsychologischer Konzepte wird gegeben, dabei wird das heute vorherrschende Menschenbild skizziert.
Um das Konzept der Selbstorganisation für den Leser nachvollziehbar zu machen, wird zunächst der soziotechnische Systemansatz skizziert, der als ein Ansatz der Systemtheorie gilt und das Konzept der Selbstorganisation beinhaltet. Das Konzept der Selbstorganisation wird erläutert und Kriterien der Selbstorganisation werden auf Arbeitsgruppen übertragen.
Mit Hilfe dieser Kriterien für selbstorganisierte Arbeitsgruppen werden Prinzipien alternativer Arbeitsgruppen, die formal führerlos sind, betrachtet. Arbeitsgruppen der Alternativbewegung gelten als Vorläufer für Selbstgestaltungsmöglichkeiten und lehnen herkömmliche hierarchische Führungsstrukturen ab. Alternative Arbeitsgruppen erscheinen in der heutigen Arbeitswelt als Minderheit, weil aktuell wenig über sie publiziert wird. Dieser scheinbaren Minderheit stelle ich teilautonome Arbeitsgruppen gegenüber, die in großen Unternehmen eingeführt wurden und ebenfalls als führerlos gelten. Eine Gegenüberstellung von Selbstorganisation und Führung in diesen Arbeitsgruppen wird vorgenommen.
Da Führung ein komplexer Sachverhalt ist, werden nicht nur einzelne Aspekte von Führung aufgegriffen, sondern Führungskonzeptionen betrachtet.
Erneut bestimmt die systemtheoretische Perspektive die Wahl der dargestellten Führungskonzepte. Systemorientierte Führungskonzepte wie das Konzept der Superführung und Möglichkeiten der Selbststeuerung werden erläutert.
Letztendlich werden die gewonnen Ergebnisse bezüglich der Frage abgewogen, ob Selbstorganisation und Führung ein Widerspruch ist, was eindeutig verneint wird.
Inhaltsverzeichnis:
| 0. | Einleitung | 1 |
| 0.1 | Persönlicher Hintergrund | 1 |
| 0.2 | Vorgehensweise | 1 |
| 1. | Arbeitsgruppen in Organisationen | 3 |
| 1.1 | Organisation | 3 |
| 1.2 | Historischer Überblick über die Entwicklung arbeits- und organisationspsychologischer Konzepte | 4 |
| 1.3 | Schlussfolgerung | 7 |
| 2. | Selbstorganisation | 8 |
| 2.1 | Annäherung an das Konzept der Selbstorganisation | 8 |
| 2.2 | Das Konzept der Selbstorganisation | 9 |
| 2.3 | Der sozio-technische Systemansatz als theoretische Grundlage zur Betrachtung von selbstorganisierten Arbeitsgruppen | 10 |
| 2.4 | Merkmale einer Arbeitsgruppe | 20 |
| 2.5 | Kriterien für selbstorganisierte Arbeitsgruppen | 21 |
| 2.6 | Abschließende Bemerkungen | 25 |
| 3. | Alternative und teilautonome Arbeitsgruppen | 27 |
| 3.1 | Alternative Arbeitsgruppen | 28 |
| 3.2 | Teilautonome Arbeitsgruppen | 36 |
| 3.3 | Selbstorganisation in alternativen und teilautonomen Arbeitsgruppen – eine Gegenüberstellung | 46 |
| 4. | Führung selbstorganisierter Arbeitsgruppen | 50 |
| 4.1 | Führungskonzeption | 52 |
| 4.2 | Das Konzept der systematischen Führung | 59 |
| 4.3 | Begriffswandel: von „Führung“ zu „Selbststeuerung“ | 62 |
| 4.4 | Das Konzept der Superführung | 63 |
| 4.5 | Selbststeuerung | 70 |
| 5. | Selbstorganisation und Führung – ein Widerspruch? | 76 |
| 5.1 | Fazit | 76 |
| 5.2 | Ausblick | 79 |
| Literaturverzeichnis | 82 |
Mitglieder teilautonomer Arbeitsgruppen können innerhalb ihres Arbeitssystems ebenfalls Aufgaben gleichberechtigt übernehmen und die Gruppe kann zwischen Alternativen selbst entscheiden. Hier wird von Selbstregulation gesprochen. Beide Arbeitsgruppenformen erfüllen demnach innerhalb bestimmter Grenzen meine oben erarbeiteten Kriterien für Selbstorganisation als Autonomieprozess, wobei die Grenzen bei teilautonomen Arbeitsgruppen deutlich enger gesteckt sind als bei alternativen Arbeitsgruppen. Diese Begrenzung ist von Gruppe zu Gruppe verschieden. Eine Organisation, die selbst die Kriterien erfüllt, könnte man als selbstorganisierte Organisation bezeichnen. In ihr wäre der vereinbarte Zielrahmen vermutlich so weit gesteckt, dass der Unterschied einer teilautonomen Arbeitsgruppe zu einer alternativen Arbeitsgruppe mit diesen Kriterien kaum oder nicht mehr zu ent- decken wäre. 3.3.2 Selbstorganisation als Reflexionsprozess [...]
Die Überprüfung der Autonomiekriterien nach GULOWSEN ergibt, dass in beiden Arbeitsgruppenformen vollständige Aufgaben bearbeitet werden. Bei der Zielsetzung sind teilautonomen Arbeitsgruppen engere Grenzen gesetzt als alternativen Arbeitsgruppen, da über einen Koordinator mit der Organisation ein Zielrahmen vereinbart werden muss. Innerhalb dieses Rahmens kann die Gruppe dann über weitere Ziele selbst entscheiden. Auch bei der Entscheidung über Ort, Zeit und Umfang der Arbeit sowie über Produktionsmethoden kann sich die teilautonome Arbeitsgruppe nur in einem vorher abgesteckten Rahmen bewegen. Bei alternativen Arbeitsgruppen liegt die Ausgestaltung der Arbeit in der Hand der MitarbeiterInnen und ist in das Ziel des gesellschaftlichen Nutzens eingebettet. Die Aufgabenverteilung erfolgt in beiden Gruppen selbstbestimmt, meist in Form von Rotation. Die Mitgliedschaft erfolgt in alternativen Arbeitsgruppen über Sympathie und Übereinstimmung in Normen und Wertvorstellungen. Teilautonome Arbeitsgruppen hingegen erfüllen weitgehend die Aufgabe, Stellen selbstbestimmt zu besetzen, bekommen aber beispielsweise einen Koordinator von der Organisationsleitung zugewiesen. Dieser kann zumindest abgewählt werden, so dass ein gewisses Maß an Kontrolle gewährleistet ist. Führungsaufgaben werden in alternativen Arbeitsgruppen eher informell und nicht geregelt auf mehrere Personen verteilt, wobei alle nach dem Gleichheitsgrundsatz die Verantwortung für die Gruppe tragen. Innerhalb ihres Arbeitssystems regeln die Gruppenmitglieder teilautonomer Gruppen Führungsaufgaben eigenverantwortlich. Nach außen hin gibt es den vom Management eingesetzten Koordinator und damit sind nicht alle Gruppenmitglieder gleich wie bei alternativen Arbeitsgruppen. Hier zeigt sich die praktische Ausgestaltung des Demokratieprinzips, weil die alternative Arbeitsgruppe durch Gleichberechtigung sämtliche Aufgaben selbst übernimmt. [...]
nerhalb des Arbeitssystems der Gruppe, zum Beispiel auch bei der Besetzung von Stellen, und ist demnach relativ autonom. Der eigenverantwortlichen Aufgabenausführung und damit der Selbstregulation sind Grenzen gesetzt. Dennoch fördern zielorientierte Führung und Partizipation die Selbstregulation einer Arbeitsgruppe. Zur externen Koordination wird ein Gruppenmitglied gewählt oder eingesetzt und ist dann zumindest abwählbar. Die Regelung der Beziehungen zwischen der Gruppe und ihrem Umfeld wird von eben diesem Bindeglied so geregelt, dass die Gruppe sich innerhalb des vereinbarten Rahmens selbst steuern kann, ohne externe Kontrolle. Die interne Koordination läuft i.d.R. über die betroffenen Mitarbeiter selbst. Mit der Organisation vereinbarte Rahmenbedingungen betreffen die Arbeitsaufgabe, den Gruppenarbeitsbereich, Kennzahlen für die Gruppenleistung und entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen. Koordinatoren sind in dieser Funktion von der Rotation ausgeschlossen und heben sich dadurch von anderen Gruppenmitgliedern ab. Eine weitere Grenze neben den vereinbarten Rahmenbedingungen ist die Existenzsicherung, der eigene Ziele und Vorstellungen untergeordnet werden. Die Überprüfung eigener Vorstellungen, Normen und Rollen, sowie der Kommunikation, Zielvorgabe und -erreichung setzt ein hohes Maß an Vertrauen voraus und dient dem Fortbestand, also der Existenzsicherung teilautonomer Gruppen. Demnach findet Selbstorganisation als Reflexionsprozess statt. Die dafür nötige Redundanz wird geschaffen durch Mehrfachqualifikation der Mitglieder, u.a. durch Job Rotation und durch netzförmige Kontroll- und Kommunikationsstrukturen, in die jedes Mitglied eingebunden ist. Wie diese Strukturen aussehen, hängt von der jeweiligen Arbeitsgruppe und Organisation ab. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832458416
Arbeit zitieren:
Puppe, Mirjam September 2000: Selbstorganisation und Führung - ein Widerspruch?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Systemtheorie, Arbeitsgruppen, Teilautonomie, hierarchische Strukturen, autonome Strukturen



