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Selbstgesteuertes Lernen mit Web 2.0 gestützten Szenarien in der beruflichen Bildung

Selbstgesteuertes Lernen mit Web 2.0 gestützten Szenarien in der beruflichen Bildung
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Juliane Götze
  • Abgabedatum: Juli 2009
  • Umfang: 104 Seiten
  • Dateigröße: 3,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 68
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4409-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Götze, Juliane Juli 2009: Selbstgesteuertes Lernen mit Web 2.0 gestützten Szenarien in der beruflichen Bildung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Selbstgesteuertes Lernen, Selbstbestimmtes Lernen, Web 2.0, Wiki, Blog

Staatsexamensarbeit von Juliane Götze

Einleitung:

‘Heute verdoppelt sich das Weltwissen alle fünf Jahre, die Suchmaschine Google durchforstet 30 Milliarden Webseiten im Internet, deutsche Buchverlage bringen jährlich über 70 000 neue Titel auf den Markt, und die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet mehr als 6300 verschiedene Berufe, viele davon hochspezialisiert’.

…und das war im Jahr 2006.

Weitestgehend unbestritten ist die Auffassung, dass wir in einer Wissensgesellschaft mit all ihren Konsequenzen leben: Orientierung hin zum Individuum, Unabwägbarkeiten, Risiken und Ambiguitäten. Umso wichtiger wird das Wissensmanagement: das Beschaffen von Wissen (Wissensgenerierung), das Bewahren (Wissensrepräsentation), das Verteilen (Wissenskommunikation) und das Umsetzen in Handlung und Entscheidung (Wissensnutzung).

Gleichzeitig verlangen globalisierte und dynamische Märkte eine rasche Reaktion auf Veränderungen. Gefragt sind flexible, umfassend verfügbare, hochmotivierte und breit qualifizierte Mitarbeiter. Der erlernte Beruf bietet dabei kaum mehr lebenslange Beschäftigungsgarantie. Es wird vermutet, dass sich die traditionelle Arbeit auf Grundlage der Vollbeschäftigung auflösen wird und sich verschiedene Formen der flexiblen Arbeit durchsetzen. Zunehmend gibt es eine Tendenz zu gering formalisierter, ständig wechselnder Aufgabenverteilung in zeitlich befristeten Projekten und selbstgesteuerten Teams. Dadurch kommt es zu einer Notwendigkeit die erworbenen Kenntnisse ständig an die geforderten Qualifikationen anzupassen. Lebenslanges Lernen wird in der globalisierten Welt notwendig.

Lebenslanges Lernen fordert das Individuum auf die Verantwortung für die eigene Qualifikation zu übernehmen. Von den Individuen wird verlangt, dass sie die eigenen Kompetenzen entwickeln und die eigene Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Es wird erforderlich ein eigenes Bildungsleben zu entwerfen und dieses dem Markt anpassen zu können.

Die Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen wird vor diesem Hintergrund auch von den Bildungsbehörden als zentrale fächerübergreifende Kompetenz angesehen. Selbstgesteuertes Lernen heißt, dass der Einzelne die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wie und woraufhin er lernt, gezielt und weitreichend beeinflusst. Selbstgesteuertes Lernen gilt als neues Leitmotiv der methodisch-didaktischen Diskussion der Berufspädagogik. Doch selbstgesteuertes Lernen muss gelernt werden. Es sind dafür bestimmte Fähigkeiten und Einstellungen nötig. Diese müssen bereits in der Schule angelegt und in der beruflichen Bildung weiterentwickelt werden.

Viele Indizien sprechen dafür, dass neue Medien selbstgesteuertes Lernen besonders gut unterstützen. Es kann theoretisch zeit- und ortsunabhängig, eigenständig und autonom, in individuell gestalteten Lernprozessen, mit eigener Lernerfolgskontrolle gelernt werden. Doch müssen die Medien didaktisch sinnvoll eingesetzt und aufbereitet werden, um Lernende an selbstgesteuertes Lernen heranzuführen und dieses zu fördern. In Web 2.0 Anwendungen, den Technologien des ‘neuen Internets’, können Menschen miteinander kommunizieren, zusammen arbeiten oder auf andere Art interagieren. Bei den Anwendungen stehen Individuen oder Gruppen im Mittelpunkt, die selbstorganisiert interagieren und kooperieren.

Eine kontroverse Situation findet man in der derzeitigen Situation vorrangig in der beruflichen Schule, die hier dargestellt werden soll als eine Generationskluft zwischen Schülern und Lehrern und einen Kontrast zwischen langjährigen Lehrern und Neueinsteigern in den Beruf.

Die Mehrheit der Lehrkräfte gehört einer Generation an, die sich die neuen Medien mühselig erarbeiten müssen und auch in der Lehrerfortbildung über Jahre hinweg im Stich gelassen wurden. Die Mehrheit der Schüler in der Berufsschule hingegen gehören zur sogenannten ‘Net Generation’, die digitale Medien instinktiv und mit Begeisterung nutzen. Der Einfluss neuer Medien beeinflusst auch die Lernvoraussetzungen der Net Generation. Ihnen wird nachgesagt, dass sie gegenüber der vorherigen Generation über eine schnellere Informationsaufnahme und Reaktionszeit verfügen, eher multitaskingfähig sind, hingegen ihre Aufmerksamkeitsspanne niedriger sei und das zur Informationsaufnahme Bilder favorisiert werden. MARC PRENSKY formuliert den Konflikt provokant: ‘Our students have changed radically. Today’s students are no longer the people our educational system was designed to teach.’ Es drängt sich deshalb die Frage auf, ob man diese Erfahrungskluft zwischen den Generationen nicht nur überbrücken sondern auch die Lehr- Lernmethoden an diese neue Generation anpassen sollte.

Während einige Lehrkräfte begeistert neue Medien nutzen, wenden andere die Technologien sehr zögerlich oder gar nicht an. Dies konnte auch anhand einer von der Autorin dieser Arbeit durchgeführten Befragung an kaufmännischen Berufsschulen in Hamburg nachvollzogen werden. Die Mehrheit berichtete, dass derzeit keine Web 2.0 Anwendungen genutzt werden. Hindernisse für den Einsatz gibt es zahlreiche: großer organisatorischer Aufwand, fehlende mediendidaktische Qualifikation, Überfrachtung mit ‘Modekonzepten’. In der Berufsschule ist der Einsatz neuer Medien deshalb häufig auf den Unterricht einzelner technisch versierter Lehrkräfte beschränkt. Unerfahrenheit und Unwissenheit in Bezug auf die Anwendung neuer Medien scheinen jedoch zu überwiegen.

Die Entwicklung neuer Konzepte, Prinzipien, Methoden und die Präsenz neuer Medien wird von den Lehrkräften unterschiedlich aufgenommen. Man benötigt erhebliche Zeit und Arbeitskraft, um sich beispielsweise ein Unterrichtskonzept anzueignen und im Unterricht umzusetzen. Deshalb tendieren verständlicherweise Lehrkräfte mit langer Berufserfahrung dazu, einmal angewandte Konzepte und Prinzipien auch weiter zu verfolgen. Wieder andere, insbesondere Referendare und Studienanfänger, begegnen Neuerungen mit größerer Offenheit und Faszination. Beide Seiten sind für sich genommen verständlich, basieren sie doch auf unterschiedlichen Erfahrungen und Einstellungen. Jedoch bildet sich hier eine kontroverse Situation bezüglich der Lehrmethoden ab.

Problemstellung:

Neuere Lernkonzepte berücksichtigen, dass Wissen nicht direkt von einem Menschen auf den anderen übertragen werden kann. Lernen ist aus heutiger Sicht vielmehr eine aktive Verarbeitung von Informationen, die im Lerner selbst stattfindet. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte sich eine Abkehr von der lehrerzentrierten Stoffvermittlung hin zum lernerzentrierten Lernen. Einen Teilbereich der lernerzentrierten Wissensaneignung stellt das selbstgesteuerte Lernen dar. Argumentiert man konsequent, so könnte man das selbstgesteuerte Lernen als den ‘Königsweg des lernerzentrierten Lernens’ bezeichnen, da der Lernende hier aktiv und im Mittelpunkt des Lernens selbst über sein Lernen entscheidet. Die praktische Umsetzung dieses Konzepts ist jedoch keineswegs einfach. In der Praxis geschätzte Prinzipien des lernerzentrierten Lernens sind die Problemorientierung, die Handlungsorientierung und die Kooperation. Eine Herausforderung ist es nun diese erfolgreichen Prinzipien auch beim selbstgesteuerten Lernen umzusetzen. Gesellschaftliche Veränderungen und die Verbreitung neuer Medien schaffen neue Rahmenbedingungen.

Web 2.0 bezeichnet die neue Nutzung und Wahrnehmung des Internets. Während das Web 1.0 von einigen wenigen Experten erstellt und von den meisten nur konsumiert wurde, steht beim Web 2.0 die Aktivität und die Initiative der Nutzer im Vordergrund. Die Anwendungen ermöglichen es durch relativ einfache Bedienung selbst technisch weniger versierten Nutzern, aktiv zu werden. Im Web 2.0 können Inhalte selbst erstellt und laufend korrigiert, verbessert und wieder entfernt werden.

‘We are no longer limited to being independent readers or consumers of information (…) we can be collaborators in the creation of large storehouse of information. In the process, we learn much about ourselves and our world. In almost every area of life, the Read/Write Web is changing our relationship to technology and rewriting the age old paradigms of how things work’.

Gerade diese aktiven und kooperativen Möglichkeiten machen das Web 2.0 für selbstgesteuertes Lernen interessant. In der Praxis und in Kooperation von Praxis und Wissenschaft wird inzwischen getestet einige dieser neuen Instrumente anzuwenden. Es werden derzeit insbesondere Weblogs und Wikis eingesetzt. Eine optimale Lösung zur Integration dieser neuen Medien und erfolgreichen Lernprinzipien ist jedoch noch nicht gefunden.

Gang der Untersuchung:

Ziel dieser Arbeit ist es selbstgesteuerte Lernszenarien vorzustellen, die Web 2.0 Anwendungen integrieren. Die Kernfrage dabei lautet, ob die Anwendungen selbstgesteuertes Lernen auch unter den Prämissen moderner Lernprinzipien ermöglichen und unterstützen. Es wird weiter ausgeführt, was sie besonders gut fördern und was gegebenenfalls nicht mit unterstützt wird.

Kapitel 2 stellt die Entwicklung der Annahmen des Lernens dar. Während sich aus behavioristischer Vorstellung eher ein lehrerzentrierter Ansatz ableitete, bestimmen heute moderne Ansichten des Kognitivismus und des Konstruktivismus die Vorstellungen von Lernen. Neuere Lerntheorien sehen Lernen als einen aktiven, individuellen Prozess. Aus dieser Ansicht entwickelte sich eine lernerzentrierte Sicht, dem auch selbstgesteuertes Lernen zuzuordnen ist. Die didaktischen Prinzipien lernerzentrierten Lernens sind zahlreich. In dieser Arbeit sollen Handlungsorientierung, Problemorientierung und Kooperation als zentrale Prinzipien dargestellt werden. Da in Kapitel 2 allgemeine Konzepte und Prinzipien erläutert werden, wird hier auch auf Sekundärliteratur zurückgegriffen, die einen guten Überblick bieten.

In Kapitel 3 steht das selbstgesteuerte Lernen im Fokus. Der Begriff selbstgesteuertes Lernen wird derzeit etwas inflationär genutzt und teilweise unzureichend abgegrenzt. Für die folgende Arbeit werden verschiedene Definitionen vorgestellt und die für die berufliche Bildung praktikabelste herausgearbeitet. Danach erfolgt die Darstellung, warum in der beruflichen Bildung selbstgesteuert gelernt werden soll. Nicht nur mit den bereits in der Einleitung angeführten gesellschaftlichen, wirtschaftspolitischen und arbeitsorganisatorischen Gründen gewinnt selbstgesteuertes Lernen an Bedeutung. Auch bildungstheoretisch und lerntheoretisch lässt sich selbstgesteuertes Lernen begründen. Danach wird auf Fähigkeiten der Lernenden eingegangen über die diese verfügen müssen, um selbstgesteuert zu lernen. Abschließend wird erläutert, wie selbstgesteuertes Lernen erlernt und wie es vermittelt werden kann.

In Kapitel 4 steht das Medium Web 2.0 im Mittelpunkt der Betrachtung. Zuerst wird ein kurzer Einblick gegeben, welche Potenziale die Internetanwendungen für das Lernen bieten. Web 2.0 gilt als grundlegende Veränderung des Internets. Die Anwendungen ermöglichen das aktive Mitmachen. Sie sind unter dem Begriff Social Software zusammengefasst. Der Begriff betont die neuartige Ausrichtung an sozialen Prinzipien. Anschließend werden zwei signifikante Social Software Anwendungen vorgestellt: Weblogs und Wikis. Weblogs sind digitale Tagebücher, die potentiell individuelle Wissenskonstruktion ermöglichen und daneben die Möglichkeit bieten mit anderen in Kontakt zu treten. Als eine Art von Blog konnte auch die auditive Variante mittels Podcasts identifiziert werden, welche ebenfalls ähnliche Potentiale aufweist. Wikis sind kollaborativ erstellte Webseiten, für die verschiedene Einsatzszenarien denkbar sind.

In Kapitel 5 erfolgt die Analyse von drei Beispielen für Lernszenarien mit Blogs und Wikis. Zunächst werden die Recherche und deren Ergebnisse dargestellt. Die Recherche soll so für Interessierte nachvollziehbar gemacht werden. Zur Analyse wurde ein bemerkenswertes Lernszenario, in dem problemorientiert Podcasts zum Themenfeld Lagerhaltung erstellt werden ausgewählt. Weiter wird ein Beispiel eines Selbstlernkurses untersucht, bei dem ein Blog das Grundgerüst bietet, um aktiv Web 2.0 Anwendungen kennen zu lernen. Zuletzt erfolgt die Analyse eines aufwändig gestalteten Lernszenarios, dass sich mit Hilfe einer Wikitechnologie das Ziel gesetzt hat, kooperativ ein Glaskompendium zu erstellen. Es werden Nutzen, Grenzen und Gefahren aus den jeweiligen Beispielen abgeleitet.

Um sich Web 2.0 bezogene Fachtermini schnell erschließen zu können, ist im Anhang ein Glossar beigefügt.

Es kann sich aufgrund der Vielfalt der Angebote nicht mit jeder Web 2.0 Anwendung umfassend beschäftigt werden. Web 2.0 Anwendungen reichen von Google, Skype, XING, StudiVZ, MySpace, Twitter bis hin zu Wikis und Blogs. Es scheint sich bisher noch keine eindeutige Tendenz in der Anwendung der Web 2.0 Tools in der Bildung abzuzeichnen. Zum einen für Wikis und zum anderen für Weblogs existieren derzeit jedoch deutlich mehr Unterrichtsanregungen als für andere Web 2.0 Anwendungen. Deshalb wurden in dieser Arbeit diese beiden Anwendungen für die Untersuchung der Praxistauglichkeit ausgewählt, in der Hoffnung hier aussagekräftige und bewährte Beispiele zu finden. Die Arbeit kann damit einen Beitrag zum aktuellen Stand selbstgesteuerten Lernens mit Web 2.0 Anwendungen in der beruflichen Bildung liefern.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Relevanz des Themas 1
1.2 Problemstellung 4
1.3 Ziele und Aufbau der Arbeit 5
2. Vom lehrer- zum lernerzentrierten Lernen 8
2.1 Entwicklung der theoretischen Annahmen 8
2.1.1 Behaviorismus 8
2.1.2 Kognitivismus 10
2.1.3 Konstruktivismus 11
2.2 Prinzipien lernerzentrierten Lernens 13
2.2.1 Handlungsorientierung 13
2.2.2 Problemorientierung 14
2.2.3 Kooperation 15
3. Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Bildung 18
3.1 Darstellung der beruflichen Bildung 18
3.2 Begriffsdefinition Selbstgesteuertes Lernen 18
3.3 Begründung selbstgesteuerten Lernens 21
3.4 Voraussetzungen der Lerner 22
3.5 Selbstgesteuertes Lernen entwickeln 24
4. Web 2.0 27
4.1 Potentiale für das Lernen 27
4.2 Begriffsdefinition Web 2.0 28
4.3 Die Entwicklung des Internets 29
4.4 Social Software 30
4.5 Ausgewählte Web 2.o Anwendungen 32
4.5.1 Weblogs 32
4.5.1.1 Merkmale und Aufbau 32
4.5.1.2 Arten von Weblogs 34
4.5.2 Wikis 36
4.5.2.1 Merkmale und Aufbau 36
4.5.2.2 Arten von Wikis 37
5. Web 2.0 gestützte Lernszenarien in der beruflichen Bildung 39
5.1 Darstellung der Suche nach Lernszenarien 39
5.2 Ergebnisse der Suche 41
5.3 Kriterien zur Beurteilung: Handlungsorientierung, Problemorientierung, Kooperation 43
5.4 Podcast-Lernszenario Lagerhaltung 44
5.4.1 Beschreibung 44
5.4.2 Nutzen 45
5.4.3 Grenzen 47
5.4.4 Gefahren 48
5.5 ‘13 Dinge’ Selbstlernkurs für das Bibliothekswesen 49
5.5.1 Beschreibung 49
5.5.2 Nutzen 51
5.5.3 Grenzen 53
5.5.4 Gefahren 54
5.6 Glaskompendium Wiki im Modellversuch KooL 55
5.6.1 Beschreibung 55
5.6.2 Nutzen 59
5.6.3 Grenzen 62
5.6.4 Gefahren 64
6. Zusammenfassende Betrachtung 66
6.1 Fazit 66
6.2 Ausblick 67

Textprobe:

Kapitel 3.5, Selbstgesteuertes Lernen entwickeln:

Zunehmend verlagern sich Maßnahmen zur Förderung von Selbstlernkompetenz in die Schule und die berufliche Erstausbildung. Dementsprechend beobachten KONRAD und TRAUB:

‘Die Betonung verlagert sich damit vom Faktenwissen stärker auf den Erwerb von kognitiven Fähigkeiten und von kognitiven Strategien, die als Voraussetzung für erfolgreiches Lernen angesehen werden können’.

Es lassen sich zwei Konzepte zur Förderung selbstgesteuerten Lernens unterscheiden. Zum einen das direkte Training von Strategien und Techniken des selbstgesteuerten Lernens, zum anderen ein indirektes Training bei dem die Lernumgebung so gestaltet wird, dass sie den Lernenden implizit die Möglichkeit für selbstgesteuertes Lernen eröffnet.

Beim direkten Training sollten die Lernstrategien möglichst nicht abstrakt und kontextunabhängig vermittelt werden. Vielmehr sollen die Ausbildung von Arbeits- und Lernstrategien durch die Reflexion der eigenen Arbeits- und Lernerfahrungen vermittelt werden. Dadurch sollen die Lernenden in die Lage versetzt werden, die geeignete Strategie auf die konkrete Lernsituation anzuwenden (Metakognition). Es wird dabei betont, dass der Erwerb und die Nutzung von Lernstrategien kein kurzfristiger Lernprozess ist, sondern eine langfristige Gewohnheitsbildung.

Beim indirekten Training finden keine ausdrücklichen Strategietrainings statt. Vielmehr wird die Lernumgebung so gestaltet, dass sie den Lernenden implizit die Möglichkeit für selbstgesteuertes Lernen eröffnet. Es gibt nach LANG und PÄTZOLD verschiedene Gütekriterien, die von einer solchen Lernumgebung gefordert werden können: Die Lernumgebung sollte über ein gewisses Maß an Gestaltbarkeit und Handlungsspielräumen verfügen. Weiter soll sie zur Eigeninitiative motivieren und individuelle Entscheidungen der Lernenden hinsichtlich Lernziele, -wege und -tempo ermöglichen. Besonders gut sollen hierfür Lernumgebungen passen, die dem Paradigma des Konstruktivismus folgen. Die Lernumgebung für das indirekte Training soll so gestaltet sein, dass sie den Umgang mit realen Problemstellungen und authentischen Situationen ermöglicht. Sie soll verschiedene Situationen aus mehreren Blickwinkeln anbieten. Die Lernumgebung soll auch soziale Lernarrangements anbieten, um kooperatives Lernen und Problemlösen zu fördern. Zuletzt soll sie auch über instruktionale Anleitung und Unterstützung verfügen.

Die Autoren leisten einen Transfer auf das Lernen mit neuen Medien. E-Learning Konzepte mit multimedialen Strukturen eignen sich nach ihrer Auffassung zur Umsetzung des indirekten Förderansatz besonders. Durch die medienbezogenen Charakteristika wie freie Wahl des Lernweges, des Lerntempos, des Ortes und der Zeit sowie der Multimodalität und kognitiven Flexibilität, bieten diese weitreichende Möglichkeiten der Selbststeuerung. Daher wird im nächsten Kapitel auf die Potentiale für das Lernen mit Web 2.0 Anwendungen eingegangen.

Arbeit zitieren:
Götze, Juliane Juli 2009: Selbstgesteuertes Lernen mit Web 2.0 gestützten Szenarien in der beruflichen Bildung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Selbstgesteuertes Lernen, Selbstbestimmtes Lernen, Web 2.0, Wiki, Blog

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