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Selbstgesteuertes Lernen bei Studierenden

Eine empirische Studie mit qualitativer Inhaltsanalyse von Lerntagebüchern

Selbstgesteuertes Lernen bei Studierenden
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Tanja Greiner
  • Abgabedatum: Oktober 2005
  • Umfang: 106 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Pädagogische Hochschule Ludwigsburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 87
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9913-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9913-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9913-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Greiner, Tanja Oktober 2005: Selbstgesteuertes Lernen bei Studierenden, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: selbstreguliert, lebenslanges Lernen, Lernstrategie, Tagebuch, Lerntagebuch

Diplomarbeit von Tanja Greiner

Einleitung:

Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem selbstgesteuerten Lernen von Studierenden. Die Bedeutung des selbstregulierten Lernens ist in der heutigen Zeit durch gesellschaftliche Entwicklungen enorm gestiegen. Selbstständigkeit im Lernprozess ist die Vorraussetzung für lebenslanges Lernen, welches heutzutage schon fast als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird. Durch die Lerntagebuch-Analysen soll das selbstgesteuerte Lernen erforscht werden. Die meisten Lernmodelle in der Literatur sind sehr stark vereinfacht.

Diese Studie soll das komplexe Lerngeschehen differenzierter und umfangreicher erfassen. Dabei steht die Reflexionsfähigkeit, die durch das Tagebuchschreiben trainiert werden soll, im Mittelpunkt des Interesses. Sie wird als wichtigste Komponente des selbstgesteuerten Lernens angesehen. Es wird mit der Forschungsmethode Qualitative Inhaltsanalyse gearbeitet. Zusätzlich kommt ein quantitatives Erhebungsinstrument zum Einsatz. Auf diese Weise können die gewonnenen qualitativen Ergebnisse mit den quantitativen Daten verglichen werden.

Gang der Untersuchung:

Der theoretische Teil umfasst vier Hauptkapitel. Kapitel 1 erläutert das Konzept „selbstgesteuertes Lernen“, Gründe für die aktuelle Bedeutung dessen, die kognitiven und motivationalen Komponenten des selbstgesteuerten Lernens sowie Überlegungen zu deren Erfassung. In Kapitel 2 wird das lebenslange Lernen und die Bedeutung des selbstgesteuerten Lernens für dieses thematisiert. Kapitel 3 beinhaltet eine kurze Einführung in das Tagebuchschreiben. Der Sinn des Lerntagebuchs, das Entwickeln der Reflexivität, wird erläutert. Das Lerntagebuch dient als Dokumentationsmethode des selbstgesteuerten Lernens bei den Studierenden. In Kapitel 4 wird die Forschungsmethode der Tagebuch-Auswertung, die Qualitative Inhaltsanalyse kurz dargestellt; aus welchen Materialien sie entwickelt worden ist und welche Techniken sie umfasst.

Der empirische Teil gliedert sich in fünf Hauptkapitel. In Kapitel 5 werden die Fragestellungen formuliert sowie eine Darstellung der Untersuchung und ihrer Stichprobe vorgenommen. Kapitel 6 erläutert die eingesetzten qualitativen und quantitativen Erhebungsinstrumente. Kapitel 7 behandelt die Auswertung mit Qualitativer Inhaltsanalyse, wozu auch die Entwicklung des Kriterienkatalogs gehört. In Kapitel 8 werden die Ergebnisse aus der Lerntagebuch- und Fragebogenauswertung dargestellt. Kapitel 9 hat die Qualität der qualitativen und quantitativen Daten zum Thema. Es findet ein Vergleich dieser Daten statt.

Im abschließenden Teil dieser Diplomarbeit geht es im 10. Kapitel um weiterführende Gedanken zum selbstgesteuerten Lernen. Es werden Möglichkeiten zur Verbesserung des Lerntagebuch- Einsatzes diskutiert. Kapitel 11 bildet die Zusammenfassung dieser Arbeit.

Zusammenfassung:

Das Zentrum der vorliegenden Diplomarbeit stellt die Analyse des selbstgesteuerten Lernens Studierender dar. Da es nur wenige Forschungen zum Einsatz des Lerntagebuchs gibt, soll die Studie einen Beitrag zu diesem Thema leisten. Mit Hilfe der empirischen Studie soll herausgefunden werden, wie Studenten selbstgesteuert lernen. Es wurde davon ausgegangen, dass die Selbstreflexion von besonderer Bedeutung für das selbstregulierte Lernen ist, was diese empirische Untersuchung bestätigt. Des Weiteren wurde bei dieser Studie deutlich, dass das Lerntagebuch ein geeignetes Instrument für die Entwicklung metakognitiver Strategien darstellt. Die Reflexionsleistung im Sinne eines Lerntagebuchs fordert eine neue Sichtweise von Leistungsbewertung. Der komplexe Prozess des Reflektierens sollte verstärkt Beachtung und Anerkennung erfahren.

Die Bedeutung des selbstregulierten Lernens ist in der heutigen Zeit durch gesellschaftliche Entwicklungen enorm gestiegen. Selbstständigkeit im Lernprozess ist die Vorraussetzung für lebenslanges Lernen, welches heutzutage schon fast als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Durch die Lerntagebuch-Analysen soll das selbstgesteuerte Lernen erforscht werden. Die meisten Lernmodelle in der Literatur sind sehr stark vereinfacht. Diese Studie soll das komplexe Lerngeschehen differenzierter und umfangreicher erfassen. Dabei steht die Reflexionsfähigkeit, die durch das Tagebuchschreiben trainiert werden soll, im Mittelpunkt des Interesses. Sie wird als wichtigste Komponente des selbstgesteuerten Lernens angesehen.

Die qualitativen Daten wurden mit Qualitativer Inhaltsanalyse (nach Mayring) ausgewertet. Mit Hilfe des aus der Theorie entwickelten Kategoriensystems wurden die Aussagen zum selbstgesteuerten Lernen in den Lerntagebüchern kodiert.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass das Lerntagebuch ein geeignetes Instrument ist, um die Reflexion anzuregen. Es eignet sich sowohl zur bewussten Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernverhalten als auch zur Reflexion der Seminarinhalte. Aufgrund der Erkenntnis durch die Selbstkontrollprozesse kann das Lernen evaluiert und weiterentwickelt werden. Die große Bedeutung der Reflexionsfähigkeit für das selbstgesteuerte Lernen wurde durch die Lerntagebuch-Analyse deutlich. Metakognitive Strategien sind der ausschlaggebende Punkt im erfolgreichen selbstorganisierten lebenslangen Lernprozess.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse dieser empirischen Studie werden Verbesserungsvorschläge für die Optimierung des Lerntagebuch-Einsatzes formuliert. Das Einführen und der angeleitete Umgang mit dem Lerntagebuch sind entscheidende Elemente für das Gelingen der Reflexionsleistung.

Inhaltsverzeichnis:

1. Selbstgesteuertes Lernen 3
1.1 Ursachen für die aktuelle Bedeutung Selbstgesteuerten Lernens 3
1.2 Was ist Selbstgesteuertes Lernen? 5
1.3 Kognitive und motivationale Komponenten Selbstgesteuerten Lernens 9
1.4 Erfassung der Komponenten Selbstgesteuerten Lernens 15
2. Lebenslanges Lernen 16
2.1 Definition Lebenslanges Lernen 17
2.2 Die Bedeutung Selbstgesteuerten Lernens für das Lebenslange Lernen 23
3. Lerntagebücher 25
4. Qualitative Inhaltsanalyse 30
4.1 Materialien zu einer Qualitativen Inhaltsanalyse 30
4.2 Techniken qualitativer Inhaltsanalyse 33
5. Fragestellung und Beschreibung der Untersuchung 37
6. Eingesetzte Erhebungsinstrumente 39
6.1 Instrumente der qualitativen Erhebung 39
6.1.1 Lerntagebücher 39
6.1.2 Fragebögen: offene Fragen 45
6.2 Instrument der quantitativen Erhebung 48
6.2.1 Fragebogen: geschlossene Fragen 48
7. Auswertung mit Qualitativer Inhaltsanalyse 48
7.1 Entwicklung des Kriterienkatalogs 49
7.2 Deduktive inhaltsanalytische Auswertung der Lerntagebücher 61
7.3 Induktive inhaltsanalytische Auswertung der Fragebögen 62
8. Darstellung der Ergebnisse 62
8.1 Ergebnisse der deduktiven Inhaltsanalyse der Lerntagebücher 62
8.2 Ergebnisse der qualitativen Fragebogenauswertung 67
8.3 Ergebnisse der statistischen Auswertung der Fragebögen 70
8.4 Zusammenfassung der Ergebnisse 78
9. Abschließende Diskussion und Ausblick 80
10. Zusammenfassung 83
11. Erklärung 85
12. Bibliographie 86
13. Anhang 92

Automatisiert erstellter Textauszug:

Im Tagebuch verknüpft der Diarist Beobachtungen mit Stimmungen und den daraus entstehenden Meinungen. Durch das Niederschreiben werden die Erfahrungen geordnet und auf den Punkt gebracht; in dieser strukturierten Form erscheint vieles klarer und kann einfacher verarbeitet werden. Das Tagebuch ist ein Instrument, um die Reflexivität der Schreibenden zu entwickeln (Fischer, 2003). Durch das Tagebuchschreiben werden die Personen zum intensiven Nachdenken über ihren eigenen Lernprozess angeregt und das Lernverhalten wird durch den Schreibprozess bewusst gemacht. Auf dieser Basis kann das Lernen verbessert und weiterentwickelt werden. Es kann z.B. herausgefunden werden, welche Lernstrategien für eine Aufgabe als persönlich sinnvoll erachtet werden. Durch das Lerntagebuch soll die Fähigkeit zum eigenständigen Lernen gefördert werden. Das Tagebuch eröffnet die Möglichkeit, den Erkenntnisweg zurückzuverfolgen und nach Faktoren der Effizienz zu überprüfen (Fischer, 2003). Der Dozent kann durch das Tagebuch neue Einblicke in die Studenten bekommen. Es ist eine Hilfe für Personen, die sich im Seminar nicht getrauen sich frei zu äußern. Der Lehrer kann auf diese Art erkennen, was in dem Schüler vor geht und dessen kognitive Prozesse realistischer einschätzen. Das Lerntagebuch kann als Grundlage für ein Gespräch herangezogen werden, in dem die Lernschwierigkeiten des Schülers geklärt werden. Im Lerntagebuch können die Arbeitsweisen analysiert und eine Selbsteinschätzung vollzogen werden. Das Selbstbeobachtungs-Tagebuch kann einerseits als Erinnerungshilfe für die eigene Biographie dienen und andererseits eine Quelle für den interessierten Forscher sein (Fischer, 2003). Viele Tagebücher haben eine offene Form; d.h. sie dürfen auf unterschiedliche Art und Weise geführt werden. Die Aufzeichnungen können beliebig, ausführlich oder pointiert dargestellt sein (Fischer, 2003). Das Lerntagebuch sollte persönlich geschrieben werden, es geht um die eigenen Eindrücke, Gedanken und Gefühle. Es stellt eine Anregung dar, Gedanken zu verknüpfen und Ideen zu entwickeln. Des Weiteren können im Lerntagebuch Zielsetzungen formuliert werden. Durch die Auswertung von über 100 Lerntagebüchern konnten die folgenden Inhaltskategorien gewonnen werden (Winter, 2004): Inhaltliche Notizen Offene Fragen, Unerledigtes Eigene Ziele Bericht über den Ablauf einer Sitzung und der Arbeitsformen Vermutungen über die Ursachen des Ablaufs Bericht über die eigenen (Lern-)Aktivitäten bzw. Arbeitsmethoden 32 [...]

Die Tradition der Tagebuchforschung beginnt in den zwanziger Jahren mit der Wiener Entwicklungspsychologin Charlotte Bühler (1922). Durch die Tagebuch-Studien wollte sie das Wissen um das Seelenleben Jugendlicher erweitern. Charlotte Bühlers Anliegen war, generalisierte Typen aus den diversen Jugendtagebüchern zu bilden. Bei ihren insgesamt 130 gesammelten Tagebüchern überwog der Mädchenanteil deutlich. Das Tagebuch wurde von ihr als zentrale Quelle der Erforschung Jugendlicher entdeckt und zum ersten Mal als wichtig angesehen. Durch ihre Analysen versuchte Charlotte Bühler eine entwicklungspsychologische Anthropologie des Jugendalters herauszuarbeiten. In den zwanziger Jahren entstanden ebenfalls zu Charlotte Bühlers Generalisierungen entgegen gesetzte wissenschaftliche Arbeiten, die ihre Spezifizierung auf die Individualität jugendlicher Persönlichkeiten richteten. Die reichhaltige, von Charlotte Bühler inspirierte Deutungsarbeit hielt bis in die Mitte der dreißiger Jahre an. In den fünfziger Jahren erschienen noch einige weitere Forschungsarbeiten in ihrer Tradition, bis diese 1964 vorläufig endete. Erst in den achtziger Jahren wird die Jugendtagebuchforschung fortgesetzt. Die Forschungsarbeit von Marianne Soff (1989) reihte sich wieder in die Tradition Charlotte Bühlers ein. Durch Tagebücher verschiedener Generationen wollte sie die Theorie der Ich-Entwicklung von Jane Lovinger bestätigen. Noch immer bedeutend ist der Beitrag des Jugendforschers und Psychoanalytikers Siegfried Bernfeld aus dem Jahre 1931. Er kritisierte die Intention Charlotte Bühlers und warnte vor vereinfachenden Deutungen. Für Bernfeld ist das Tagebuch ein Dokument der individuellen Einbettung des Jugendlichen in seine Kultur. Jürgen Zinnecker (1985) erforschte in der Shell-Jugendstudie `85 das Tagebuchschreiben als kulturell-produktive Leistung; es dient als ästhetischsymbolische Verarbeitungsform der Adoleszenz. Damit kommt Zinnecker dem Bern- [...]

kann als Lebenshilfe aus der Abhängigkeit gesehen werden, es soll die eigenen Grenzen ausweiten. „Darüber hinaus scheint die Frage auf, wie Lernzeiten im Verhältnis zu anderen Tätigkeitsbereichen in die gesellschaftlichen Formen der Zeitverwendung eingefügt werden. Zum Lernen braucht man Zeit. Unter Druck und Hetze werden Lernwiderstände provoziert. Deshalb müssen für Lernansprüche Anteile gesellschaftlicher Zeitverwendung gesichert werden. Mit dem Konzept „lifelong-learning“ stößt man deshalb auf die gesellschaftliche Kernfrage nach der Nutzung von Zeit und der Verfügung über menschliche Lebenszeit“ (Faulstich, 2003: S. 262). Eigenständig geplantes Lernen muss oft zusätzlich zum Broterwerb erfolgen und ist somit für einige Personen eine Form von Luxus. Wer sich beim Wissenserwerb beeilt, kann zu keinen guten Ergebnissen kommen. Beim Lernen ist Wohlüberlegtheit und Weiterdenken gefragt. Durch Zeitdruck können Stress und Überforderung entstehen – es entwickelt sich ein negatives Verhältnis zum Lernen, Furcht vor dem nicht Bewältigbaren kann die Folge sein. Die Anforderungen sind heutzutage enorm, der Mensch kann sich durch selbstbestimmte Eigenaktivität ständig weiterentwickeln, hat jedoch auch seine Grenzen und ist nicht unendlich belastbar. Hier gilt es Balance zu halten, um aus diesem Dilemma einen Weg zu finden. [...]

Arbeit zitieren:
Greiner, Tanja Oktober 2005: Selbstgesteuertes Lernen bei Studierenden, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
selbstreguliert, lebenslanges Lernen, Lernstrategie, Tagebuch, Lerntagebuch

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