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Selbstgesteuertes Lernen – Leitidee künftiger Bildungsarbeit?

Konzeptionelle und strategische Überlegungen zur Umsetzung in die Pflegeausbildung

Selbstgesteuertes Lernen – Leitidee künftiger Bildungsarbeit?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Uwe Porrmann
  • Abgabedatum: Juni 2004
  • Umfang: 144 Seiten
  • Dateigröße: 611,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Ludwigshafen Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8628-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8628-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8628-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Porrmann, Uwe Juni 2004: Selbstgesteuertes Lernen – Leitidee künftiger Bildungsarbeit?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: handlungsorientiertes Lernen, Curriculum, Lernfeldkozept, selbstorgansisiertes Lernen, Didaktik

Diplomarbeit von Uwe Porrmann

Zusammenfassung:

Schwerpunktthema dieser Diplomarbeit war die praktische Umsetzung von Konzepten zum selbstgesteuerten Lernen in der Pflegeausbildung. Im Zentrum standen dabei die Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Probleme des selbstgesteuerten Lernens mit Blick auf die Lernenden, den theoretischen und praktischen Lernort und das pädagogisch tätige Lehrpersonal. In diesem Zusammenhang kann diese Diplomarbeit einen Beitrag zur Klärung der Wechselbeziehungen zwischen selbstgesteuertem und planmäßig organisiertem Lernen leisten. Mit der Ablösung behavioristischer Lerntheorien durch kognitive wird der Blick auf personeninterne Abläufe beim Lernen gelenkt.

Diese Diplomarbeit folgt aktuellen Forschungsansätzen zum Aufbau und zur Förderung selbstgesteuerten Lernens, die dem Individuum die Kompetenz der Selbstregulierung und Selbststeuerung zusprechen. Behavioristische Lerntheorien haben den Menschen als passives, manipulierbares, extern gesteuertes Wesen angesehen. Mit der „kognitiven Wende“ wird ein Menschenbild sichtbar, das den Menschen als aktiv-reflexiven, intern gesteuerten zeichnet, der zu selbstreguliertem Lernen fähig ist.

Diese Faktoren erhalten bei Konzepten des selbstgesteuerten Lernens eine zentrale Bedeutung. Versteht man selbstgesteuertes Lernen als Prinzip oder Haltung einer veränderten Lernkultur, so folgt daraus, dass neue Formen der gesamten Lernorganisation gefunden werden müssen. Diese neue Lernkultur muss eng mit der Organisations- und Personalentwicklung verzahnt werden. Wenn z.B. selbstgesteuertes Lernen als Ziel definiert wird, so muss konsequenterweise der gesamte Ausbildungsprozess dazu anleiten und auf dieses Ziel hin ein inhaltlich und methodisch-didaktisches adäquates Konzept entwickelt werden.

Dies bedeutet einen Abschied vom Stundenhalten. Unsinnig ist eine Pflegeausbildung, die selbstgesteuertes Lernen zunächst fördert, sie dann aber auf den eigentlichen Arbeitsplätzen nach der Ausbildung nicht zulässt. Das selbstgesteuerte Lernen ermöglicht im Rahmen des neuen Krankenpflegegesetzes ein neue Lernkultur zu begründen.

Hauptaufgabe der Pädagogik muss es sein, ihren Stellenwert für die Organisationsentwicklung und Ausbildung zu verdeutlichen und eine „Pädagogisierung“ der praktischen Lernorte einzufordern. Notwendig ist eine verstärkte Akademisierung der in der Pflegeausbildung Lehrenden, denen ein humanistisches Menschenbild als Leitziel dient, dass das pädagogische Handeln steuert. Diesem Verständnis nach wird es Menschen zugetraut, dass sie prinzipiell über Voraussetzungen für selbständiges, eigenverantwortliches und reflektiertes Handeln verfügen. Natürlich sind eigenverantwortlich handelnde und kritische Menschen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und anderswo oft unbequem und stellen Strukturen in Frage.

Dieses Spannungsverhältnis gilt es aber auszuhalten, da gerade dies Reform- und Innovationspotenziale beinhaltet. Es gilt in der öffentlichen Diskussion ein verändertes Verständnis von Qualifikation und Persönlichkeitsbildung einzufordern.

Inhaltsverzeichnis:

Berufsbegleitender Studiengang „Pflegepädagogik“ I
Selbstgesteuertes Lernen - Leitidee künftiger Bildungsarbeit? II
Konzeptionelle und strategische Überlegungen zur Umsetzung in die Pflegeausbildung III
Erklärung IV
Inhaltsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VI
Vorwort VII
1. Einleitung 1
2. Begriffliche Klärung - Was ist selbstgesteuertes Lernen? 6
2.1 Abgrenzung des selbstgesteuerten Lernens vom fremdgesteuerten Lernens 10
3. Selbstgesteuertes Lernen -eine reformpädagogische Idee und Entwicklungen der Gegenwart 12
4. Zum Stand der Diskussion - Warum ist selbstgesteuertes Lernen derzeit so interessant? 17
4.1 Lerntheoretische Begründung 18
4.2 Gesellschaftliche Begründung 19
4.2.1 Die Shell-Studie 21
4.3 Bildungstheoretische Begründung 21
5. Das selbstgesteuerte Lernen als partizipatives Lernkonzept 23
5.1 Didaktische Prinzipien selbstgesteuerten Lernens 23
5.1.1 Konstruktivistische Didaktik 24
5.1.1.1 Merkmale einer konstruktivistischen Konzeption von Unterricht 25
5.1.2 Neurodidaktik 28
5.1.3 Subjektorientierte Didaktik 31
5.1.4 Kritisch-konstruktive Didaktik 35
5.2 Folgerungen für das Konzept des selbstgesteuerten Lernens 39
6. Kriterien des selbstgesteuerten Lernens 39
6.1 Welche Anforderungskriterien stellt selbstgesteuertes Lernen? 40
6.1.1 Kognition 40
6.1.2 Motivation 41
6.1.3 Nutzung von Ressourcen 43
6.1.4 Soziale Interaktion 45
7. Lernarrangements mit erhöhter Selbststeuerung 46
7.1 Leittextmethode 47
7.2 Lernquellenpool 49
7.3 Lernwerkstatt 52
7.4 Lerninsel 54
7.5 Projektarbeit 57
8. Weitere Konzepte, die selbstgesteuertes Lernen unterstützen 60
8.1 Der Begriff des „handlungsorientierten Lernens“ versus selbstgesteuertes Lernens 60
8.2 Lernberatung und selbstgesteuertes Lernen: Eine komplementäre Beziehung 63
9. Das Konzept des selbstgesteuerten Unterrichts in der Pflegeausbildung 71
9.1 Übertragung des Konzepts in die Pflegeausbildung 71
9.2 Rahmenbedingungen für die Umsetzung selbstgesteuerten Lernens 72
9.2.1 Anforderungen an die Personalentwicklung 72
9.2.2 Anforderungen an die Organisationsentwicklung 75
9.3 Auswirkungen auf den Lehrenden 77
9.3.1 Die veränderte Rolle der Lehrenden 77
9.4 Auswirkungen auf den Lernenden 82
10. Vorüberlegungen zur Implementierung selbstgesteuerten Lernens in der Pflegeausbildung 84
10.1 Neues Krankenpflegegesetz 84
10.2 Rahmenrichtlinien NRW als Chance 86
10.3 Das Lernfeldkonzept 87
11. Ideen zur Umsetzung des Konzeptes „Selbstgesteuertes Lernen“ in die theoretische und praktische Pflegeausbildung 89
11.1 Überlegungen zur Konstruktion eines curricularen Rahmens für die Pflegeausbildung 89
11.2 Didaktisch-methodische Entscheidungsfelder selbstgesteuerten Lernens 95
11.2.1 Integrierte Ansätze-Balance zwischen Instruktion und Konstruktion 99
11.2.2 Konstruktion eines dynamischen Prozessmodells 102
11.3 Konsequenzen für die Umsetzung in der Theorie 105
11.3.1 Lernen in komplexen Lernarrangements 110
11.4 Konsequenzen für die praktische Pflegeausbildung 113
11.5 Lernförderung durch strukturierte Reflexion 117
11.6 Problematik der Konzepte des selbstgesteuerten Lernens 121
11.7 Bedeutung des Konzepts für die Pflege 124
12. Zusammenfassung und Schlussbemerkungen 126
Literaturverzeichnis 130
Abbildungsverzeichnis

Automatisiert erstellter Textauszug:

tion auf zu vermutende anfängliche Fragen und Unsicherheiten von Seiten der Lernenden, schlage ich deshalb vor, dies offensiv anzugehen, das heißt über Zielsetzung von Reflexion mit den Lernenden zu sprechen und explizit den Zusammenhang mit Lernen herauszustellen. Mit didaktischen Hinweisen im Umgang mit dem Lerntagebuch, wie der Bearbeitung der persönlichen Seiten entscheiden die Lernenden selbst, sowie über die Inhalte über die sie sich austauschen wollen, können erste Hemmungen abgebaut werden. Um sich der „Mitsteuerung“ und damit der (Eigen)Verantwortung über den Lernprozess bewusst zu werden, schlagen Kemper/Klein außerdem vor, das Lerntagebuch um zusätzliche (offene) Arbeitsblätter zu ergänzen, diese Rückmeldung ist erwünscht und kann als weitere Steuergrundlage für die Auswahl neuer Lerninhalte dienen (a.a.O.). Auf eine ausführlichere Darstellung der Arbeit mit dem Lerntagebuch, soll hier verzichtet werden, dies jedoch nicht ohne auf einen Literaturhinweis Kemper/Klein 1998, S. 87-97 zu verweisen. Die oben genannten Aufgabenfelder beziehen sich zunächst auf das Individuum. Beim Lernen in der Gruppe treten aber zusätzlich zu diesen individuellen Erfordernissen Aufgabenfelder für die Lernberatung hinzu, die die Aufrechterhaltung bzw. Herstellung der Arbeitsfähigkeit der Gruppe betreffen, wie z.B. Gruppenfindung, Rollenverhalten in Gruppen und Teamprozesse. Die Lernkonferenz stellt eine solche Form dar, indem die Lernenden gemeinsam mit einem Lernberater ihre bislang gewonnenen Erfahrungen und Interessen reflektieren und sich in der Gruppe ziel- und ergebnisorientiert darüber austauschen. Die Arbeit in der Lernkonferenz zielt, so die Definition von Kemper/Klein (1998): auf eine gemeinsame Beratung aller an einem (Lern-) Prozess Beteiligten. Die Arbeit in der Lernkonferenz bezweckt dabei nicht nur auf die Entwicklung eines Bewusstseins für die Mitgestaltung des Lernprozesses und die Notwendigkeit der Teamarbeit, sondern auch auf Verständnis für die vielfältigen Rückkoppelungsprozesse zwischen dem eigenen Lernverhalten und dem Lernen in der Gruppe. In diesem Sinne ist die Lernkonferenz ein zentraler Ort für die Förderung der Selbstlernkompetenzen des Einzelnen (ebd., S. 98ff.). In der praktischen Umsetzung schlagen die Autorinnen einen systematischen Weg mit vier Prozessschritten vor: • Persönliche Reflexion, hilft Erfahrenes und Erlerntes für sich selbst durchschaubarer zu machen. Der eigene Standpunkt in der Lernsituation wird überprüft. [...]

erfährt. Reflexionsorientierung: Reflexion und Lernerfahrung ist nach dem Verständnis von Lernberatung ein Bestandteil von Lernen. Mit der Reflexion können Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander in Verbindung gesetzt und auf Wechselwirkungen hin überprüft werden. Mit diesen Reflexionsangeboten können dann u.a. gezielt lebensbiographisch erworbene Kompetenzen wieder ins Bewusstsein gerufen werden, und bezogen auf den Lernprozess heißt dies, dass die Lernziele mit der aktuellen Lernsituation in Beziehung gesetzt werden können. Reflexionen sind demnach stark motivationsfördernd, da sie einer Stabilisierung und/oder Wiedergewinnung von Selbstvertrauen in die eigene Lernleistung dienen. In der Verzahnung von Selbstreflexion mit gemeinsamer Lernreflexion in der Lerngruppe oder in Lernpartnerschaften entsteht die Dynamik von Lernen als interaktiver Prozess, ist also geerdet in dem Selbstverständnis, dass Lernberatung auch in einem sozialen Kontext stattfindet. [...]

Das Lernberatungskonzept versucht in diesem Verständnis Lernprozesse neu auszubalancieren. Lehren wird nicht nebensächlich oder gar überflüssig, sondern wird mit den Selbstlernkompetenzen der Lernenden verknüpft. Da jeder Mensch anders lernt, es ist wichtig, ein individuelles Konzept zu erarbeiten, um die eigene Lernmotivation optimal zu entfalten, Voraussetzung dafür ist es, dass die Lernenden mit ihren Voraussetzungen, Interessen, Zielen und eigenen Lernwegen systematisch wahrund ernstgenommen werden. Kernstück des Konzepts der Lernberatung ist die zugrundeliegende pädagogische Haltung des Lehrenden, die sich durch eine Subjektorientierung und dem Selbstverständnis der Mündigkeit von Lernenden im Zentrum ausdrückt (a.a.O.). Auf dieser Grundhaltung, nämlich die Lernenden mit ihren Voraussetzungen, ihren Lerninteressen, Lernzielen und in ihren Lernwegen ernst zu nehmen, bauen die didaktisch-methodischen Prinzipien auf. Lernberatung versteht sich dabei als ein offenes pädagogisches Konzept, dessen didaktisch-methodische Umsetzung sich in Abhängigkeit von Zielgruppe, Maßnahmetyp, Trägerressourcen usw. durchaus verschieden gestalten kann und wird (a.a.O.). Die dem Konzept zugrunde liegenden didaktischen Prinzipien verstehen sich als Ausgangsbasis, auf der sich die pädagogische Haltung von Lernberatung entfaltet. Prinzipien sind Orientierungen, des professionellen Handelns Lehrender, die Lernberatung zum und im selbstgesteuerten Lernen als zentrales neues Lernkonzept unterstützt. Diesem liegt, wie bereits oben effektuiert, das Leitprinzip der Teilnehmerorientierung zugrunde, das genährt durch den Paradigmenwechsel vom Lehren zum Lernen sich zur Teilnehmerzentrierung entwickelt: Alles dreht sich um den Lernenden. Man kann von einer neuen Suchbewegung (Tietgens) sprechen, den alten Begriff der Teilnehmerorientierung mit neuem Leben zu füllen. In der Konsequenz ergeben sich Bildungsziele, die über eine berufliche, fachlich-funktionale Qualifizierung weit hinausgehen. Das Lernen mit Lebensperspektive zu verbinden, biographie- und kompetenzorientierten Prinzipien zu folgen sind Ausdruck einer stärkeren Ausrichtung auf eine Stärkung der Persönlichkeiten. Das ist im Feld der Erwachsenenbildung nicht neu, erhält jedoch eine eindeutig höhere Bewertung in der Lernberatung (a.a.O.). In Anlehnung an Kemper/Klein (1998) liegen der Lernberatungskonzeption folgende Prinzipien zugrunde, die nun im folgenden schlaglichtartig herausgestellt werden sollen. [...]

Arbeit zitieren:
Porrmann, Uwe Juni 2004: Selbstgesteuertes Lernen – Leitidee künftiger Bildungsarbeit?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
handlungsorientiertes Lernen, Curriculum, Lernfeldkozept, selbstorgansisiertes Lernen, Didaktik

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