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Sekundarschullehrer in Nairobi

Erwartungen und Realitäten

Sekundarschullehrer in Nairobi
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ralf Neuner
  • Abgabedatum: August 1998
  • Umfang: 124 Seiten
  • Dateigröße: 596,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2959-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2959-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2959-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Neuner, Ralf August 1998: Sekundarschullehrer in Nairobi, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lehrermotivation, Entwicklung des Bildungssystems, Status, Rollenverteilung

Diplomarbeit von Ralf Neuner

Einleitung:

In dieser Arbeit werden Faktoren untersucht, die die Haltung von Sekundarschullehrern in Nairobi zu ihrem Beruf beeinflussen. Die Ergebnisse beruhen auf Ergebnissen eines dreimonatigen Forschungsaufenthalts. 30 Interviews mit Rektoren und Lehrern, sowie Fragebögen und teilnehmender Beobachtung deuten an, daß sich aufgrund des Prinzips der geschlechtsunabhängigen Entlohnung vor allem die jüngeren männlichen Lehrer unter einem relativen Statusverlust leiden. Sie sind deswegen die am wenigsten motivierten und streben am ehesten einen Berufswechsel an. Als Erklärung bietet sich die sozioökonomische Situation und die Unvereinbarkeit der Erwartungshaltung dieser Gruppe mit den tatsächlichen Aufstiegsmöglichkeiten an. Überraschend ist, daß in diesem Kontext die direkten Arbeitsbedingungen keinen entscheidenden Einfluß auf die Einstellung der Lehrer zu haben scheinen.

Gang der Untersuchung:

In einem ersten Teil (Kapitel 1) wird die allgemeine Diskussion über die Expansion und die Krise des Bildungswesens in der Dritten Welt aufgegriffen. Darauf folgend (Kapitel 2) wird die Geschichte von Bildung in Kenia und die sich wandelnde Stellung der Lehrer innerhalb der Gesellschaft beschrieben. Dies dient als Zugang zu meinem Forschungsgegenstand. In diesem Zusammenhang soll aufgezeigt werden, von welchen Motiven die Berufsentscheidung in Kenia bestimmt werden kann (Kapitel 5).

Das Kapitel 4 werden die in der Forschung verwandten Methoden, die Probleme während des Aufenthaltes und bei der Auswertung des Materials dargelegt. Anknüpfend befaßt sich der empirische Teil zunächst mit dem direkten Umfeld in Nairobi, das die Arbeitsbedingungen der Lehrer konstituiert (Kapitel 6). Im zweiten empirischen Teil der Arbeit werden die Wahrnehmung und die Einstellung der befragten Lehrer zu ihrem Umfeld beschrieben (Kapitel 7). Darauf folgend soll versucht werden, geschlechts- und altersspezifische Unterschiede in der Einstellung zum Beruf aufzuzeigen und die dafür denkbaren Zusammenhänge zu finden. Die Synthese von Motiven und dem empirischen Material mündet schließlich in die Bildung von Typen (Kapitel 9), wofür die Konzeption von Max Weber einen fruchtbaren Ansatzpunkt bietet. Abschließend folgen einige Gedanken über das erarbeitete Konzept und seine Tauglichkeit.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Einleitung VI
1. Bildung und Entwicklung I: Die globale Debatte 1
1.1 Das Zeitalter des Bildungsoptimismus 3
1.2 Einführung „berufsrelevanter“ Elemente 4
1.3 Erste Ernüchterung: die 70er Jahre 7
1.4 Neue Realitäten: die 80er Jahre 9
1.5 Die ratlosen 90er Jahre 10
2. Bildung und Entwicklung II: Die historische Entwicklung in Kenia 12
2.1 Der Islam 14
2.2 Die Anfänge formaler Bildung in der Kolonialzeit 14
2.3 Die ersten Jahre nach der Unabhängigkeit 17
2.4 Ein neues Schulsystem: 8-4-4 19
2.5 Zusammenfassung 22
3. Begriffsbestimmung und theoretischer Rahmen 24
3.1 Einige Grundbegriffe der Soziologie Max Webers 25
3.2 Motiv und Motivation 26
3.3 Der Rollenbegriff 27
3.4 Überblick 30
4. Methoden 30
4.1 Der Verlauf der Forschung 31
4.2 Geführte Interviews 33
4.3 Verteilte Fragebögen 35
4.4 Sonstiges 36
5. Motive für die Berufswahl 37
5.1 Lehrer aus Passion 37
5.2 Die Alternativlosen 38
5.3 Die Realisten 39
5.4 Zusammenfassung 41
6. Empirie I: Allgemeine Rahmenbedingungen 42
6.1 Die Bedeutung Nairobis 42
6.2 Besuchte Schulen 43
6.3 Unterschiedliche Welten - Zwei Beispiele 44
6.4 Die übergeordnete Bürokratie 46
6.4.1 Die Teacher Service Commission 47
6.4.2 Die Teacher Service Commission empirisch 48
6.5 Die Verwaltung und Betrieb der Schulen 49
6.6 Der Rektor - Die Macht im Hause 50
6.7 Zeitmanagement 52
6.8 Die Schüler 52
6.8.1 Arbeitsbelastung - „Some just give up“ 54
6.8.2 Sprachbeherrschung - „They don't learn to express themselves“ 55
6.8.3 Negative Vorbilder - Die Touts 57
6.8.4 Leistung - „The issue is performance“ 57
6.8.5 Motivation - „They don't have a perspective“ 59
6.9 Der Überschuß an Personal 60
6.10 Zusammenfassung 61
7. Empirie II: Subjektive Realitäten 63
7.1 Die Öffentlichkeit - „In society teachers are portrayed as devil worshippers“ 63
7.2 Die Eltern 64
7.3 Tagesablauf eines Wochentages 65
7.4 Unterrichtsstil 68
7.5 Freude am Lehren - „I like to deal with the young“ 69
7.6 Einkommen - „Too little for a comfortable life“ 70
7.6.1 Einzelverdiener 72
7.6.2 Mehrfachverdiener 74
7.6.3 Zusammenfassung 75
7.7 Aufstiegsmöglichkeiten 75
7.8 Versetzungen - „Teachers don't have any influence“ 76
8. Zwischenbetrachtung 78
9. Ein Beruf - drei unterschiedliche Realitäten 80
9.1 Die Etablierten 82
9.2 Die jungen Frauen - ein Ziel vor Augen 83
9.3 Die jungen Männer - „looking for an opportunity to leave“ 85
9.4 Zusammenfassung 87
10. Resümee 89
Anhang 93
Anhang A: Struktur der Interviews 93
Anhang B: Struktur der Fragebögen 96
Anhang C: Fächer und Stundenanzahl 99
Anhang D: Faksimile der K.C.S.E.-Ergebnisse der registrierten Schulen in Nairobi 101
Anhang E: Faksimile der Ergebnisse der Testprüfungen an der Murray High School 103
Anhang F: Statistische Angaben 104
Literaturverzeichnis 107

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Errungenschaften der letzten 40 Jahre sind unzweifelhaft bemerkenswert. Die politische Bedeutung von formaler Erziehung und das Bemühen, den Analphabetismus zu beseitigen, haben ihre Wichtigkeit nicht eingebüßt. Offiziell wird weiterhin an Expansion und UPS festgehalten, trotz der Vertrauenskrise in die eigene wirtschaftliche Potenz, verbunden mit Finanzierungsproblemen, die sich naturgemäß belastend auf den Erhalt des aufgebauten Erziehungssystems auswirken. Das immer noch relativ hohe Wachstum der Bevölkerung ist Anlaß zur Besorgnis. So dürfte das Hauptaugenmerk der Regierungen auf Effizienzsteigerungen, Finanzierung und relevanten Curricula liegen. Obwohl eine massive Expansion des Bildungswesens auch in Afrika stattfand, sind die sozialen Ungleichheiten des Bildungszugangs und der sozialen Folgen des Erwerbs schulischer Zertifikate zwar zum Teil abgemildert (z.B. Anstieg der Mädchen im Primarschulwesen), aber nicht wesentlich behoben worden (Adick 1992: 89). Bildung ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für gesellschaftliche Entwicklung. Das Dilemma, immer mehr Schüler mit knapper werdenden Mitteln und Arbeitsplätzen zu versorgen, führte in 10 [...]

terial. Neben diesen Maßnahmen wurde unter anderem versucht, die vorhandenen Gebäude durch zusätzliche Unterrichtsschichten, bzw. kürzere Ferienzeiten intensiver zu nutzen. Auf Hochschulniveau wurden Fernkurse eingeführt. Die Einführung von Schulgebühren war ein anderer Versuch, die leeren Staatskassen zu entlasten. In einigen Gebieten Nigerias z.B. wird eine "education tax" erhoben. Mehrere Länder Afrikas und Asiens greifen verstärkt auf die Eigenfinanzierung der Schulen durch die Gemeinden zurück. Diese Entwicklungen entsprachen auf theoretischer Ebene dem wiedererstarkten Modernisierungskonzept neoliberaler Ausrichtung. Unnötige und somit unproduktive Investitionen sollten möglichst unterbunden werden. Marktkräfte sollten für die Allokation von Ressourcen und damit für größtmögliche Effizienz sorgen. Etwas überspitzt ausgedrückt: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit (Modernisierungstheorie) stand mit dem sozialen Ausgleich (Dependenztheorie) im Widerstreit. [...]

sungsprogramme (SAPs) zu implementieren. Dies hatte erhebliche Einsparungen im Bildungsbereich zur Folge. In den 80er Jahren kam es in Afrika zu einer massiven Krise der Bildungsfinanzierung. [...] Daraus resultiert eine Qualitätskrise angesichts der Frage, ob ein weiterer Ausbau ohne ein Aufstocken der Ressourcen nicht notwendig mit verminderter Qualität einhergeht. Die steigende Bildungsbeteiligung führt weiterhin zu einer Selektionskrise (Adick 1992: 78). Die Finanzierung und der weitere Ausbau des in den zwei Jahrzehnten zuvor aufgebauten Systems erschien zunehmend problematisch. 1980 schätzte die UNESCO, daß ein Wirtschaftswachstum von jährlich 7% nötig wäre, um das Niveau der Bildungsinvestitionen halten zu können (Watson 1988: 159f). Daß dies nicht erreicht wurde, ist allgemein bekannt. Viele Regierungen waren gezwungen, Einsparungsmaßnahmen zu einzuführen. Mit am stärksten davon betroffen waren die Gehälter der Lehrer. Durch Aussetzen von Gehaltserhöhungen waren diese einer schleichenden Inflation unterworfen. Weitere Folgen der Einsparungen waren wachsende Klassengrößen und sich verschlechternde Ausstattung mit Lernma9 [...]

Arbeit zitieren:
Neuner, Ralf August 1998: Sekundarschullehrer in Nairobi, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lehrermotivation, Entwicklung des Bildungssystems, Status, Rollenverteilung

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