Screening und Identifizierung allelopathischer Substanzen aus Nährlösungen der Cyanobakterie Nodularia spumigena
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Bettina Scholz
- Abgabedatum: Februar 2006
- Umfang: 141 Seiten
- Dateigröße: 1,6 MB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven, Standort Wilhelmshafen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9577-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9577-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9577-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Scholz, Bettina Februar 2006: Screening und Identifizierung allelopathischer Substanzen aus Nährlösungen der Cyanobakterie Nodularia spumigena, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: SC/MS, Algenkultivierung, Dünnschichtchromatographie, Säulenchromatographie, Bioassay
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Diplomarbeit von Bettina Scholz
Einleitung:
Von Cyanobakterien ist aus pharmakologischen Studien bekannt, dass sie Sekundärmetabolite mit algizider, fungizider sowie antibakterieller Wirkung bilden können. Mittlerweile sind über 330 Sekundärmetabolite aus unterschiedlichen Taxa isoliert worden, allerdings nur wenige mit bekannter ökologischer Funktion. Am Beispiel des gut untersuchten cyano-bakteriellen Toxins Microcystin aus Microcystis aeruginosa ist erkennbar, dass pharma-kologische Fragestellungen oft bevorzugt betrachtet werden. So ist der Mechanismus der Toxinwirkung auf höhere, warmblütige Vertebraten bis auf Zellebene aufgeklärt. Dagegen ist der ökologische Nutzen der Microcystine für die Cyanobakterien bis jetzt unbekannt.
Evolutionsbiologisch lässt sich die Toxizität gegen höhere Vertebraten nicht mit einem adaptiven Wert der Toxinbildung für M. aeruginosa erklären. Ein möglicher Grund für die bisherige Vernachlässigung ökologischer Untersuchungen ist, dass die zu untersuchenden Substanzen in der Regel nur in sehr geringen Mengen vorkommen. Dies stellt experimentell hohe Anforderungen an die Nachweisanalytik und gleichzeitig bedarf es einer hohen Biomasse des produzierenden Cyanobakteriums bei der gezielten Untersuchung der bioaktiven Komponente. Die meist komplexen Interaktionen im Freiland erschweren gleichzeitig die exakte Zuordnung der produktiven Spezies zu der detektierten biogenen Substanz.
Wertvolle Hinweise auf einen möglichen ökologischen Nutzen der Cyanobakterienmetabolite für ihre Produzenten ergaben sich aus der Untersuchung benthischer Cyanobakterien in photoautotrophen Biofilmen. Neben der Konkurrenz um abiotische Faktoren, wie z.B. Licht, spielt der Schutz vor Herbivorie eine wichtige Rolle. Für beides stellen biochemische Interaktionen eine geeignete Strategie für Cyanobakterien dar, um ihre Kon-kurrenzstärke zu erhöhen. Hierbei ermöglicht es der enge Kontakt zwischen benthischen Primärproduzenten wie Cyanobakterien und Algen in Biofilmen, dass biochemische Wechselwirkungen zwischen konkurrierenden Arten effizient sein können. Nach der Definition von MOLISCH (1937) werden solche Interaktionen als Allelopathie bezeichnet, eine biochemische Wechselwirkung sowohl intra- als auch inter-spezifischer Natur. Allelopathisch aktive Substanzen aus Cyanobakterien wirken bereits in geringen Konzentrationen gegen andere Cyanobakterienarten und Chlorophyceen, wobei das Angriffsziel häufig das Photosystem II ist.
Allelopathisch aktive Substanzen sind Sekundärmetabolite, die von den Zellen nicht für ihren Grundstoffwechsel benötigt werden. Daher wird vermutet, dass ihre Produktion durch Umwelt-faktoren gesteuert wird. Abiotische Faktoren wie Stresssituationen durch Nährstoffmangel oder Lichtlimitation können eine gesteigerte Produktion bewirken. Um die Auswirkungen von Nährstoffmangel zu untersuchen, wurden in Laborexperimenten vor allem die Makronährstoffe Phosphor und Stickstoff limitiert. Während Phosphatmangel in vielen Fällen zu einer gesteigerten Produktion an Sekundärmetaboliten in Cyanobakterien und Dinoflagellaten führte, variierten die Auswirkungen von Stickstoffmangel.
Mikroalgen und Cyanobakterien sind offensichtlich in der Lage, unterschiedliche Metaboliten in ihr Kulturmedium abzugeben. So konnten bereits biogene Amine, Aminosäuren, Exopolysaccharide und cytotoxische sowie algizide Verbindungen in den Nährlösungen isoliert werden. Dennoch ist bisher nur wenig über solche extrazellulären Metaboliten in den Kulturüberständen bekannt.
Bei der Untersuchung des Nährlösungsfiltrats einiger Cyanobakterienspezies hinsichtlich ihrer wachstumshemmenden Wirkung gegenüber anderen in einer Planktonpopulation vorkommenden Mikroalgen erwies sich Nodularia spumigena als effektiver Produzent allolopathisch wirkender Verbindungen. Die detektierbare Aktivität dieser Substanzen war hierbei auf die exponentielle Wachstumsphase beschränkt. Eine maximale Konzentration des Hepatotoxins Nodularin konnte allerdings erst in der stationären Phase der Kultur beobachtet werden. Diese Beobachtung lässt die Schlussfolgerung zu, dass eventuell auch andere Verbindungen mit allelopathischem Effekt als das Toxin Nodularin von dieser Spezies synthetisiert werden könnten.
Gang der Untersuchung:
Auf dieser Vermutung basierend sollten nun im Rahmen dieser Diplomarbeit Verbindungen, die durch ein chemisches Vorscreening, nachgewiesen werden konnten, aus den Nährlösungen von Nodularia spumigena extrahiert, die biologische Wirksamkeit getestet und - wenn möglich - die Strukturen dieser biogenen Substanzen aufgeklärt werden.
Einen einleitenden Überblick in die Vielfalt bisher detektierter und isolierter extra-zellulärer Verbindungen aus Cyanobakterien und speziell aus Kulturen von Nodularia spumigena soll in dem folgenden Kapitel vermittelt werden.
Zuvor soll in einem Exkurs in die Morphologie und Systematik der im Mittelpunkt dieser Untersuchung stehende Organismus vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Danksagung | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| Zusammenfassung | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Stand des Wissens | 3 |
| 2.1 | Morphologie und Systematik der Cyanobakterien – mit besonderer Berücksichtigung von Nodularia spumigena | 3 |
| 2.2 | Cyanobakterielle Sekundärmetabolite aus Nährlösungen | 10 |
| 2.2.1 | Exopolysaccaride | 10 |
| 2.2.2 | Fett- und Aminosäuren | 12 |
| 2.2.3 | Cyanobakterielle Toxine | 13 |
| 3. | Problemstellung | 16 |
| 4. | Material und Methoden | 17 |
| 4.1 | Nodularia spumigena | 17 |
| 4.1.1 | Stammhaltung und Vorkultivierung von N. spumigena | 18 |
| 4.1.2 | Up scale und Versuchsbedingungen | 19 |
| 4.1.3 | Beprobung der 6 L-Batchkulturen | 19 |
| 4.1.4 | Auswertung der Zellzählungen | 20 |
| 4.1.5 | Ernte der Nährlösungen von N. spumigena | 21 |
| 4.1.6 | Aufarbeitung der Nährlösungen | 22 |
| 4.1.6.1 | Extraktion mit Methanol | 22 |
| 4.1.6.2 | Extraktion mit Ethanol | 22 |
| 4.1.6.3 | Extraktion mit Dichlormethan und Methanol | 24 |
| 4.1.6.4 | Abtrennung der Fettsäuren | 25 |
| 4.2 | Chemisches Screening | 27 |
| 4.2.1 | Alkaloide | 27 |
| 4.2.2 | Flavonoide | 29 |
| 4.2.3 | Saponine | 30 |
| 4.2.4 | Tannine und andere phenolische Komponenten | 30 |
| 4.3 | Testsysteme auf biologische Wirksamkeiten 32 | |
| 4.3.1 | Algizide Aktivität | 32 |
| 4.3.2 | Antibakterielle Aktivität | 33 |
| 4.3.3 | Fungizide Aktivität | 34 |
| 4.3.4 | Cytotoxische Aktivität | 35 |
| 4.3.4.1 | Der Leuchtbakterien Test | 35 |
| 4.3.4.2 | Cytotoxizitätstest mit Artemia salina LEACH | 36 |
| 4.4 | Screening der Nährlösungen von N. spumigena mittels instrumenteller Analytikmethoden | 38 |
| 4.4.1 | Analytische Dünnschichtchromatographie | 38 |
| 4.4.2 | HPLC | 40 |
| 4.4.3 | Gaschromatographie (GC/FID) | 40 |
| 4.4.4 | Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (GC/MS) | 41 |
| 5. | Ergebnisse und Diskussion | 42 |
| 5.1 | Wachstumskurven: Ergebnisse und Diskussion | 42 |
| 5.2 | Ergebnisse und Diskussion des chemischen Screenings | 43 |
| 5.2.1 | Alkaloide | 43 |
| 5.2.2 | Flavonoide und Saponine | 44 |
| 5.2.3 | Tannine und andere phenolische Komponenten | 45 |
| 5.2.4 | Zusammenfassung und Diskussion | 46 |
| 5.3 | Ergebnisse und Diskussion der Tests auf biologische Wirksamkeiten | 47 |
| 5.3.1 | Algizide Aktivität | 47 |
| 5.3.2 | Antibakterielle Aktivität | 48 |
| 5.3.3 | Fungizide Aktivität | 49 |
| 5.3.4 | Cytotoxische Aktivität | 50 |
| 5.3.4.1 | Der Leuchtbakterien Test | 50 |
| 5.3.4.2 | Cytotoxizitätstest mit Artemia salina LEACH | 51 |
| 5.3.5 | Zusammenfassung und Diskussion | 53 |
| 5.4 | Ergebnisse und Diskussion des Screenings der Nährlösungen von N. spumigena mittels Instrumenteller Analytikmethoden | 55 |
| 5.4.1 | Analytische Dünnschichtchromatographie | 55 |
| 5.4.2 | HPLC | 59 |
| 5.4.3 | Gaschromatographie (GC/FID) | 60 |
| 5.4.4 | Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (GC/MS) | 60 |
| 5.4.5 | Diskussion des Screenings mittels Instrumenteller Analytikmethoden | 71 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 76 |
| 6.1 | Das Screening nach allelopathischen Substanzen in Nährlösungen der Cyanobakterie N. spumigena – Methoden und Ergebnisse | 76 |
| 6.2 | Bioaktive sekundäre Naturstoffe | 83 |
| 6.3 | Allelochemikalien aus Nährlösungen von N. spumigena | 87 |
| 6.4 | Flavonoide und Alkaloide aus Nährlösungen von N. spumigena | 90 |
| 6.5 | Effekte der identifizierten allelopathischen Substanzen sowie deren ökologische Relevanz | 93 |
| 7. | Ausblick | 96 |
| 8. | Literaturverzeichnis | 97 |
| 9. | Anhang | 116 |
und bei 70 C im Trockenschrank für eine Stunde derivatisiert. Die Möglichkeit, chemische Derivate zu bilden, wurde hierbei genutzt, um extreme Störungen der charakteristischen Ionen im niedrigen Massenbereich, die im Untergrund von der biologischen Matrix erzeugt wurden, zu eliminieren (die Massenspektren wurden durch die Derivatisierung zu Gunsten höherer Fragmentierungen verändert und erlaubten somit eine eindeutigere Identifizierung der Verbindungen). Weiterhin wurde durch Einsatz des MSTFA eine Verbesserte gaschromatographische Trennung bzw. Erfassung der Verbindungen durch Veresterung und/oder Veretherung der funktionellen Gruppen erreicht. Die Gaschromatographie wurde mit einem Agilent 6890 Series GC System Gaschromatographen und einer SEG HTS-Kapillarsäule, von 25 m Länge, 0,22 mm Innendurchmesser und 0,1 µm Beschichtungsdicke der Fa. Supelco durchgeführt. Als Trägergas wurde Helium mit einer Flußrate von 1,5 mL min-1 verwendet. Das Temperaturprogramm (FAST38) verlief folgendermaßen: 3 Minuten lang wurde eine Temperatur von 170 °C gehalten, dann stieg die Temperatur mit einer Heizrate von 5 °C min-1 auf ca. 300 °C, die dann isotherm bis zum Ende der Laufzeit von 40 Minuten gehalten wurde. Die Injektor- (Agilent 7683 Series Injektor) sowie die Detektortemperatur betrugen 280 °C. Die Detektion erfolgte mit einem Flammenionisationsdetektor, und die Integration wurde mit dem [...]
Die HPLC wurde mit einer ProntoSIL ODS2 (5 µm) C18–Säule durchgeführt. Die mobile Phase, eine Mischung aus Methanol und bidest. Wasser (linearer Methanol/Wasser-Gradient 80% → 100%), wurde von einer La Chrom HPLC-Pumpe (L-7100, Fa. Merck/Hitachi) mit der Flußrate 1 mL min –1 und einer Laufzeit von 120 min durch die Säule gepumpt. Von den aufzutrennenden Extrakten wurden 0,8 bis 1 mg Extrakt in 150 µL Methanol gelöst und durch einen SP Thermo Separation Products Injector (Spectra Series AS100) auf eine 100 µl fassende Dosierschleife aufgebracht. Die Detektion wurde bei einer Wellenlänge von 295 nm mit einem Photo Dioden Array Detektor (L 3000, Fa. Merck/Hitachi) durchgeführt. Der Scanbereich lag zwischen 200 bis 700 nm. Die Auswertung erfolgte mit einem HPLCSoftware-Programm (Chromatographie Data Stations Software, HPLC System Manager, Version 4.0, Fa. Merck/Hitachi). [...]
Zwei Tage vor Testbeginn wurden ca. 200 mg Eier von Artemia salina in 1000 ml Seewasser in einem hohen Becherglas bei 18 oC in der Klimakammer angesetzt. Ventilation wurde durch Lufteinströmung mittels einer Aquarienpumpe erreicht. Die Organismen für den Test wurden etwa 12 h nach dem Schlüpfen entnommen. Eine Fütterung war bei diesem Test nicht notwendig. Der Test auf akute Toxizität auf Artemia-Larven wurde in Petrischalen durchgeführt. Je Probe wurden drei parallele Ansätze betrieben. Ebenfalls dreifach wurden die Positivblindprobe mit 500 µL Quecksilberchloridlösung (1 %ig) und die Negativblindprobe mit 5 mL Ethanol angesetzt. Von der jeweiligen Probe wurden je Ansatz 5 mL eingesetzt. Diese wurde zu jeweils 40 mL Seewasser, das bereits in die Petrischalen pipettiert worden war, hinzugefügt. Abschließend wurden die Larven, ca. 30-40 Organismen, eingebracht. Nach 6 h wurden die tot am Boden liegenden Larven ausgezählt und die Gesamtzahl festgestellt (modifiziert nach SAM, 1993). Hierzu wurden die Petrischalen auf einen Projektor gestellt, somit konnte leichter eine Auszählung der Organismen durchgeführt werden. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832495770
Arbeit zitieren:
Scholz, Bettina Februar 2006: Screening und Identifizierung allelopathischer Substanzen aus Nährlösungen der Cyanobakterie Nodularia spumigena, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
SC/MS, Algenkultivierung, Dünnschichtchromatographie, Säulenchromatographie, Bioassay



