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Science-Fiction, Fantasy oder Mystery?

Die Auswirkung unterschiedlicher Genreangaben auf die Bewertung einer Fernsehserie durch den Rezipienten am Beispiel der US-Serie "Heroes"

Science-Fiction, Fantasy oder Mystery?
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Katrin Hüttepohl
  • Abgabedatum: Oktober 2008
  • Umfang: 145 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • Bibliografie: ca. 200
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2708-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hüttepohl, Katrin Oktober 2008: Science-Fiction, Fantasy oder Mystery?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Genre, Fernsehserie, Science-Fiction, Mystery, Fantasy

Magisterarbeit von Katrin Hüttepohl

Problemstellung:

Im deutschen Fernsehsystem laufen seit Beginn an Fernsehserien der Genres Science-Fiction, Fantasy und Mystery, welchen sogar feste Sendeplätze (z.B. Pro7 – Mystery-Montag) im Programm zugeschrieben werden. In der Regel handelt es sich bei Fernsehserien dieser Genres um amerikanische Produktionen, die über Lizenzrechte von den einzelnen Sendeanstalten eingekauft und vermarktet werden. Bei der Vermarktung neuer Fernsehserien werden unter anderem Genre-Etiketten verwendet, um den Zuschauern einen einfachen Zugang zu den Serien zu verschaffen und erste Erwartungen an diese zu wecken, die das Publikum anschließend bei der Rezeption der Serie erfüllt sehen will. Der durch die Genre-Etikettierung entstehende Kontrakt zwischen Programmanbieter und Zuschauer erlaubt es beiden Parteien, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Bei der Einführung der US-amerikanischen Fernsehserie HEROES auf den deutschen Fernsehmarkt konnte man feststellen, dass anders als es zu erwarten gewesen wäre, keine einheitliche Verwendung der Genrebegriffe in den Medien erfolgte. Während der Sender RTL2 HEROES nach wie vor als Mystery-Serie vermarktet, betiteln Zeitungen, Zeitschriften sowie internetbasierte Periodika und Fan-Foren die Serie sowohl als Fantasy wie auch als Science-Fiction-Serie. Hinzu kommt, dass die amerikanische Vermarktung und Kategorisierung der Serie gleichzeitig über das Genre Drama läuft. Dass aber für einen erfolgreichen Serienstart und eine Etablierung im Fernsehprogramm dem potentiellen Publikum ein stimmiges Bild vermittelt werden muss, scheint naheliegend. Ein Produkt kann nur dann Erfolg versprechend sein, wenn es die Erwartungen, die es vorab beim Rezipienten ausgelöst hat, auch erfüllen kann.

Forschungsgegenstand und theoretische Einordnung:

Innerhalb der Literatur- und Kommunikationswissenschaft gibt es wenige bis gar keine Untersuchungen zu den Genres Science-Fiction, Fantasy und Mystery aus Rezipientensicht. Die meisten thematischen Auseinandersetzungen beschäftigen sich mit den Gegenständen der Cultural Studies wie der Analyse von Sub- bzw. Fan-Kulturen oder der Betrachtung geschlechterspezifischer Unterschiede in medialen Texten. Auch in den einzelnen Mediennutzungstheorien wie dem Uses & Gratification Ansatz wurde noch nicht näher auf die Rezeption und den Nutzen dieser Genres für die Zuschauer eingegangen. Richtungweisend für diese Untersuchung sind die im Folgenden kurz vorgestellten empirischen Untersuchungen von Gehrau und Hoffmann.

Hoffmanns Untersuchung verbrechensbezogener TV-Genres aus Sicht der Rezipienten aus dem Jahr 2006 konnte durch die Bewertung von vorgegebenen Eigenschaftsurteilen und über eine freie Sortierung von Sendungen klar differenzierbare Gruppierungen innerhalb des Genres hervorbringen. Zudem konnte Hoffmann aufzeigen, dass die von den Zuschauern gebildeten Gruppen weitestgehend mit den Gruppierungen bzw. Klassifizierungen der Genreforscher übereinstimmten, was ihrer Ansicht nach in erster Linie auf die kontinuierliche Verwendung der Begrifflichkeiten über die Metamedien zurückzuführen ist. Hoffmanns Vorschlag, eine inhaltliche Ausweitung ihrer Arbeit auf andere Bereiche vorzunehmen soll mit dieser Arbeit ansatzweise nachgegangen werden.

Mit der Verwendung von Genrebegriffen, der dadurch entstehenden Beziehung und Abhängigkeit zwischen Rezipient und Zuschauer sowie dem Versuch, durch die Begriffsverwendung bei den Beteiligten Unsicherheit abzubauen, beschäftigt sich Gehrau. Unsicherheit kann seiner Beschreibung nach in den vier Bereichen Kultur, Ökonomie, Psychologie und Soziologie begegnet bzw. abgebaut werden. In seiner Studie geht Gehrau diesen Überlegungen empirisch nach. Die Hypothese, dass Zuschauer Genreangaben besonders dann bei der Kommunikation über Medienangebote verwenden, wenn sie sich ihrer Sache nicht sicher sind, konnte durch seine Befragung bestätigt werden. ‘Demnach werden Genreangaben in alltäglichen Gesprächen über fiktionale Fernsehangebote benutzt, und zwar vor allem dann, wenn das Angebot nicht über den Titel identifiziert wird’.

Eben diese Unsicherheit herrscht auch dann, wenn neue Serien ausgestrahlt werden und mit dem Titel der neuen Serie noch nichts oder besonders wenig in Verbindung gebracht werden kann. Demnach kann der richtigen Wortwahl bei der Kommunikation zwischen Sender und Rezipient große Bedeutung zugeschrieben werden.

Gang der Untersuchung:

Da in dieser Studie die Wahrnehmung und Bewertung der Genres Science-Fiction, Fantasy, Mystery und Drama sowie im speziellen die Fernsehserie HEROES aus Sicht der Rezipienten untersucht werden, gilt es im zweiten Kapitel zunächst, die kognitiven Abläufe bei der Wissensrepräsentation darzustellen. Über den Prototypenansatz (2.1) sowie schwerpunktmäßig über kognitive Schemata (2.2) wird erklärt, wie Schemata und damit auch Genrekonstrukte sich aufbauen, erkennen, anwenden und verändern lassen. Im dritten Kapitel wird nach einer Begriffsbestimmung des Genres (3.1) auf dessen Eigenschaften und Funktionen (3.2) eingegangen. Grundlegende Funktion der Genres ist es, mediale Angebote nach verschiedenen Kriterien zu klassifizieren (3.2.1.1). Dabei unterliegen sie einem ständigen Wandel (3.2.1.2), welcher neben der Neubildung von Genres auch Hybrid-Formen hervorbringen kann (3.2.1.3). Da Genres für jeden Teilnehmer des medialen Kommunikationsprozesses unterschiedliche Funktionen erfüllen können, werden sowohl die rezipienten- und produzentenorientierten Funktionen (3.2.2 und 3.2.3) als auch die aktantenverbindenden Funktionen (3.2.4) vorgestellt.

Der Schwerpunkt wird dabei auf der Sicht der Rezipienten liegen, wodurch die beiden letztgenannten Kapitel etwas weniger Gewichtung erhalten. Im vierten Kapitel werden Auszüge theoretischer Ansätze vorgestellt, die für das Verständnis des Forschungsgegenstandes zweckdienlich sind. Dabei werden zunächst der rituelle und der ideologische Ansatz der Genreforschung vorgestellt (4.1), welche für die Entwicklung der Genres, ihrer Motive und Themen Begründungen zweierlei Art liefern. Um das Verständnis für den durchaus komplexen Aufbau von Genres zu erleichtern, wird ferner der semantisch-syntaktische Ansatz von Altman erläutert (4.2). Im letzten Unterkapitel wird der Forschungsstand der Genres Science-Fiction, Fantasy und Drama wiedergegeben (Kap 4.3). Um die Funktionen und Eigenschaften der Genres innerhalb der Kommunikationswissenschaft thematisch zu fundieren, werden im fünften Kapitel der Uses & Gratification Ansatz (5.1) wie auch der dynamisch-transaktionale Ansatz (5.2) vorgestellt. Da der Uses & Gratification Ansatz von einem aktiven Rezipienten ausgeht, wird in diesem Kapitel näher beleuchtet, wie und aus welchen Gründen der Rezipient Medien, insbesondere Fernsehserien der hier thematisierten Genres, nutzt. Ebenfalls wird gezielt auf gesuchte und erhaltene Gratifikationen im Sinne des Diskrepanz-Ansatzes eingegangen. Die Ausführungen des dynamisch-transaktionalen Ansatzes beziehen sich auf die grundlegenden Denkmuster (5.2.1), die transaktionale (5.2.2), dynamische (5.2.3) sowie die molare Perspektive (5.2.4). Dabei soll insbesondere der Leser auf die Transaktionen zwischen Produzent und Rezipient fokussiert werden. Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit dem Untersuchungsgegenstand Fernsehserie. Zunächst soll vermittelt werden, was unter dem Begriff zu verstehen ist und welche Unterscheidungen man im Bereich der Fernsehserie treffen kann (6.1). Bevor die Serie HEROES vorgestellt wird (6.3), werden die Fernsehgenres Science-Fiction, Fantasy und Mystery definiert und von einander abgegrenzt (6.2). Dem theoretischen Teil folgt in Kapitel 7 die Darstellung der methodischen Umsetzung der Studie. Dabei werden zunächst die forschungsleitenden Fragen und Hypothesen sowie die Forschungsmethode und das –design vorgestellt (7.1). Die Durchführung des Pretests sowie der Hauptuntersuchung werden in den Kapiteln 7.2 und 7.4 erläutert, die Zusammensetzung der Stichprobe wird in Kapitel 7.3 definiert. Im vorletzten Kapitel (8) werden die Ergebnisse der Studie vorgestellt, welche im letzten Kapitel (9) zusammengefasst und reflektiert werden (9.1), woraufhin ein Ausblick auf zukünftige Forschungsvorhaben folgt (9.2).

Das Ziel dieser Untersuchung besteht zunächst darin, aufgrund der widersprüchlichen Genrezuweisungen zu HEROES durch die Medien die Genres Science-Fiction, Fantasy und Mystery sowie Drama von einander abzugrenzen und eine rezipientengerichtete Definition für jedes Genre zu erhalten (8.1). Dies soll über eine halbstandardisierte Rezipientenbefragung herausgefunden werden, indem erforscht wird, welche Elemente (inhaltliche, formal-ästhetische, funktionelle) für die einzelnen Genres prägend sind und welche Serien die Rezipienten als gute Vertreter eines Genres im Sinne der Prototypentheorie sehen. Weiterhin wird in einem zweiten Schritt auf Basis der Genrevorstellungen erhoben, wie die Rezipienten HEROES wahrnehmen und aufgrund vorhergehender Genreangaben bewerten. Zudem soll herausgefunden werden, ob durch eine falsche Genreangabe die vom Rezipienten wahrgenommene Diskrepanz zu einem negativen Fernseherlebnis führen kann (8.2). Für den Produzenten einer Serie hätte dies zur Folge, dass nach dem Ausstrahlen weniger Sendeminuten oder der ersten Serienfolge das durch ein Genre-Etikett angesprochene Publikum aufgrund der nicht erhaltenen Gratifikationen abschaltet.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 5
1.1 PROBLEMSTELLUNG 5
1.2 FORSCHUNGSGEGENSTAND UND THEORETISCHE EINORDNUNG 5
1.3 VORGEHEN, AUFBAU UND ZIEL DIESER ARBEIT 6
2. KOGNITIVE WISSENSREPRÄSENTATION 8
2.1 PROTOTYPENANSATZ 9
2.2 KOGNITIVE SCHEMATA 9
2.2.1 Einordnung und Definition 9
2.2.2 Medienschemata 13
2.2.3 Genreschemata 14
3. GENRE UND GENREWISSEN 15
3.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG 15
3.2 EIGENSCHAFTEN UND FUNKTIONEN 17
3.2.1 Genrekonstitution 17
3.2.1.1 Klassifikation von Medienprodukten 17
3.2.1.2 Dynamik 18
3.2.1.3 Hybridgenres 20
3.2.2 Rezipientenorientierte Funktionen 22
3.2.3 Produzentenorientierte Funktionen 24
3.2.4 Aktantenverbindende Funktionen 25
4. GENREFORSCHUNG: EIN AUSZUG AUS EINIGEN THEORETISCHEN ANSÄTZEN 27
4.1 SEMANTISCH-SYNTAKTISCHER ANSATZ 28
4.2 RITUELLER UND IDEOLOGISCHER ANSATZ 29
4.3 FORSCHUNGSSTAND:SCIENCE-FICTION, FANTASY UND MYSTERY 31
5. MEDIENTHEORIEN 35
5.1 USES & GRATIFICATION ANSATZ 35
5.1.1 Entwicklung des Ansatzes und zentrale Annahmen 35
5.1.2 Bedürfnistypologie und -evaluation 36
5.1.3 Gesuchte und erhaltene Gratifikationen 37
5.1.4 Publikumsaktivität und Phasen des Kommunikationsprozesses 39
5.2 DYNAMISCH-TRANSAKTIONALER ANSATZ 41
5.2.1 Grundlegende Denkmuster 41
5.2.2 Die transaktionale Perspektive 42
5.2.3 Die dynamische Perspektive 44
5.2.4 Diemolare Perspektive 45
6. FERNSEHSERIEN 47
6.1 DEFINITION FERNSEHSERIE UND IHRE FORM 47
6.2 DEFINITION VON SCIENCE-FICTION, FANTASY UND MYSTERY 50
6.3 HEROES 54
6.3.1 Die Serienhandlung 54
6.3.2 Serienformat 55
6.3.3 Der Serienerfolg 57
6.3.4 Heroes in der Presse 58
7. STUDIE ZU DEN GENRES SCIENCE-FICTION, FANTASY UND MYSTERY UND ‘HEROES’ 59
7.1 FORSCHUNGSLEITENDE FRAGEN UND HYPOTHESEN 60
7.2 FORSCHUNGSMETHODE UND -DESIGN 61
7.3 PRETEST 66
7.3 STICHPROBE 67
7.4 HAUPTUNTERSUCHUNG 68
8. ERGEBNISSE 69
8.1 GENRE-SCHEMATA AUS REZIPIENTENSICHT 69
8.1.1 Semantische Eigenschaftsurteile 70
8.1.2 Typische Serienvertreter 79
8.1.2.1 Freie Assoziierung zu Genres 79
8.1.2.2 Seriengruppierungen über Genres 81
8.1.3 Genrespezifische Erwartungen 87
8.2 HEROES AUS REZIPIENTENSICHT 95
8.2.1 Serienbeschreibende Elemente 96
8.2.1.1 Semantische Eigenschaftsmerkmale 96
8.2.1.2 Nutzenorientierte Eigenschaftsmerkmale 98
8.2.2 Begründete Genrezuschreibung 100
8.2.3 Heroes in der räumlichen Anordnung 106
9. SCHLUSSBETRACHTUNG 107
9.1 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE 107
9.2 FORSCHUNGSAUSBLICK 111
10. LITERATUR 113
10.1 WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE 113
10.2 INTERNETQUELLEN ZU SERIENINHALTEN 121
ANHANG 125

Textprobe:

Kapitel 5.2.3, Die dynamische Perspektive Aufgrund der Tatsache, dass der DTA die Dynamik der Prozesse mit einbezieht und sie nicht in seiner Betrachtung stilllegt, ist der DTA auch ein dynamischer Ansatz. ‘Er rückt Prozesse als Beobachtungseinheiten in den Blickpunkt, ohne die Möglichkeit der statischen Betrachtung einzelner Aspekte auszuschließen.’ Weiter noch ist nicht die Darstellung von Prozessen als Ausnahme zu betrachten, sondern vielmehr ihre statische Betrachtung, welche lange Zeit als Standard gehandhabt wurde. Da ein Genre aus unterschiedlichen aneinander gereihten und ineinander übergreifenden Zuständen besteht, mag es erheblich schwieriger sein, Veränderungen von Genres im Stillstand auszumachen. Hinzu kommt, dass Momentaufnahmen von Genres sich bei einer nächsten Betrachtung wieder verändert haben können. Somit erscheint eine wie vom DTA postulierte dynamische Betrachtung genauso wichtig wie eine statische. Dennoch lässt sich, entgegen der am DTA ausgeübten Kritik, der gesamte Prozess in einzelne Sequenzen bzw. Abschnitte teilen, um sie untersuchen zu können. Das Ganze ist dabei aber immer im Auge zu behalten.

Diemolare Perspektive:

Neben der dynamischen und transaktionalen Perspektive binden Früh und Schönbach in den DTA auch eine molare Perspektive ein, welche sich den forschungsleitenden Fragen widmet. Durch sie soll der Offenlegung des Forschungsgegenstandes Rechnung getragen sowie der relevante Kontext eingegrenzt und die Variablen zweckmäßig zusammengefasst werden.

Die Offenlegung des Forschungsgegenstandes erfolgt, indem dieser zunächst eindeutig definiert und kritisch hinterfragt wird. Dabei ist stets davon auszugehen, dass das Forschungsobjekt immer abhängig von seiner Messung bzw. Betrachtung ist. Deswegen besteht auch die Möglichkeit, dass ein Objekt vor der Messung gar nicht in eben dieser Form existiert hat. So wird jedes Forschungsobjekt ‘bei jeder aktuellen Verwendung neu konstruiert’. Da bei jeder Analyse des Medienhandlungsprozesses neben dem Untersuchungsobjekt auch der Forscher als Einflussgröße berücksichtigt werden muss, sollte versucht werden, diesen möglichst außen vor zu lassen. Bei Inhaltsanalysen oder bei der späterer Stelle behandelten Erhebung von Genreeigenschaften und –ver-tretern ist bei der Herauslösung bedeutungsträchtiger Elemente seitens des Forschers von der Wirkung auf diesen und nicht von der Wirkung auf den Rezipienten auszugehen.

Die im Rahmen des DTA verwendeten Variablensets werden nicht vorgegeben, sondern sollen erst im konkreten Untersuchungsrahmen auf der Ebene von Theorien und Modellen entwickelt werden. ‘Allerdings sind nach dem DTA einige globale Variablengruppen als wirksame Faktoren zu beachten: ‚objektive’ Medienmerkmale, ‚subjektive’ Medienmerkmale, Publikumsmerkmale und diverse Kontextmerkmale auf verschiedenen Ebenen.’ Zudem sollte man versuchen, mehrere Variablen zu einer zusammenzufassen, um dadurch ein neues, komplexeres Merkmal entstehen lassen zu können, mit welchem eine fortlaufende Untersuchung einfacherer gestaltet werden könnte. ‘Der DTA fordert dazu auf, gezielt nach solchen Möglichkeiten der Komplexion zu suchen und mit so gebildeten Syndromen zu argumentieren.’ Da bei der Untersuchung eines Objektes in der Regel alle Einflussgrößen betrachtet und mit einbezogen werden müssten, würde dies jedoch im Widerspruch zu dem Wunsch stehen, Komplexität zu verringern und Schlussfolgerungen zu treffen, um einfache Erklärungen bzw. Beschreibungen eines Sachverhaltes zu erhalten. Um dies angemessen tun zu können, fordert der DTA auf, nah am Forschungsobjekt zu bleiben und sich nicht durch wissenschaftliche Grenzen aufhalten zu lassen. Da es selten möglich ist, den Untersuchungsgegenstand auf einen Fachbereich einzuschränken, ist in der Regel von einer interdisziplinären Betrachtung des Gegenstandes auszugehen.

Früh und Schönbach merken an, dass ihr Ansatz nicht 1:1 in ein empirisches Forschungsdesign umgesetzt werden muss. So kann je nach Forschungsinteresse der Ansatz minimiert oder aber auch größer und komplexer angesetzt werden. Jedoch darf bei der Reduktion des Ansatzes die dynamische wie auch transaktionale Komponente nicht vernachlässigt werden. Denn dann, so Früh und Schönbach, ‘hat es seinen originären und heuristischen Wert eingebüßt, wird damit zwar nicht unbrauchbar, aber verzichtbar, weil es sich durch einfachere Modelle ersetzen ließe’.

‘Bei internalen Konstrukten wie beispielsweise ‚Wissen’ oder ‚Einstellungen’ geht man i.d.R. davon aus, dass sie jede Person ‚in sich trägt’ und man sie durch Messung lediglich externalisiert und sie so erfassen kann.’ Doch was passiert mit internalen Konstrukten, die im Unterbewussten manifestiert sind und durch einfache Befragung nicht abgerufen werden können? Wie die beiden Autoren anmerken, können selbst die besten Befragungsmethoden nicht garantieren, dass wahrnehmungs-psychologische Prozesse en detail aufgezeichnet oder gar wahrnehmbar werden. Zu diesem Zweck wird vorgeschlagen, physiologische Messverfahren einzuführen. Diese sind in ihrer Anwendung jedoch sehr umständlich, zeitaufwendig und können zudem Messfehler in sich bergen.

Arbeit zitieren:
Hüttepohl, Katrin Oktober 2008: Science-Fiction, Fantasy oder Mystery?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Genre, Fernsehserie, Science-Fiction, Mystery, Fantasy

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