Schwerpunkte eines Ausbildungscurriculums zur optimalen Ausbildung von Rettungsassistenten im Praktikum an Lehrrettungswachen in Brandenburg
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Roland Hauke
- Abgabedatum: Januar 2010
- Umfang: 145 Seiten
- Dateigröße: 3,2 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Technische Fachhochschule Wildau Deutschland
- Bibliografie: ca. 34
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4223-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hauke, Roland Januar 2010: Schwerpunkte eines Ausbildungscurriculums zur optimalen Ausbildung von Rettungsassistenten im Praktikum an Lehrrettungswachen in Brandenburg, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Curriculum, Rettungsdienst, SWOT Analyse, Lehrrettungswache, Brandenburg
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Diplomarbeit von Roland Hauke
Einleitung:
Beim Beruf des Rettungsassistenten handelt es sich um ein Berufsbild, das es in Deutschland seit 20 Jahren gibt. Geregelt ist es im Rettungsassistentengesetz vom 10. Juli 1989.
In diesem Gesetz sind die Ausbildungsziele formuliert und zu deren Erreichung eine Ausbildungsdauer, bei Ableistung in Vollzeitform, von insgesamt 24 Monaten festgelegt. Auf diese Zeit entfällt im ersten Teil der Ausbildung ein mindestens 1200 Stunden umfassender Lehrgang an einer staatlich anerkannten Rettungsdienstschule in den ersten 12 Monaten. Im Anschluss daran folgt die praktische Tätigkeit an einer von der zuständigen Behörde zur Annahme von Praktikanten ermächtigten Einrichtung des Rettungsdienstes (Lehrrettungswache) im Umfang von mindestens 1600 Stunden und einer Dauer von ebenfalls 12 Monaten.
Nach §10 RettAssG \\2\\ wird der Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit u.a. ermächtigt, Mindestanforderungen an den Lehrgang und die anschließende praktische Tätigkeit zu regeln. Dieses erfolgte mit Hilfe der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten vom 7. November 1989, zuletzt geändert durch Artikel 20 des Gesetzes vom 2. Dezember 2007.
Während die Ausbildungsinhalte der theoretischen und praktischen Ausbildung an einer autorisierten Schule in den ersten 12 Monaten in Anlage 1 dieser Verordnung wenigstens grob geregelt sind, wird auf die praktische Ausbildung im 2. Ausbildungsjahr an der Lehrrettungswache inhaltlich nicht umfassend genug eingegangen.
Dies hat in der Praxis dazu geführt, dass die Vorgaben nach den RettAssG sowie der RettAssAPrV an den verschiedenen Lehrrettungswachen, zum Teil sogar schon innerhalb einer Wache, sehr unterschiedlich ausgelegt und gehandhabt werden. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Qualität der praktischen Ausbildung.
Diese beschriebene Situation gab mir den Anlass, mich in meiner Diplomarbeit mit der Thematik auseinanderzusetzen und Möglichkeiten zur Verbesserung aus berufspraktischer Sicht aufzuzeigen. Die unzureichend formulierten Vorgaben durch die Gesetzgebung bieten Spielräume. Diese sind zur Verbesserung der praktischen Ausbildung nutzbar. Ich denke dabei an bundesweite oder zunächst bundeslandweite, in unserem Fall Brandenburg, Rahmenbedingungen, bei denen einerseits bestimmte Verfahrensweisen einzuhalten sind und andererseits genügend Freiräume für eine situations- und persönlichkeitsabhängige Praktikumsgestaltung bleiben.
Folgende Punkte kommen u.a. in Betracht:
- ein zu protokollierendes ausführliches Einführungsgespräch zusammen mit dem Wachenleiter, dem verantwortlichen LRA, dem anleitenden LRA sowie dem Praktikanten noch vor dem 1. Praktikumstag.
- mindestens ein Zwischengespräch im Quartal und zusätzlich bei Bedarf, jeweils mit Protokoll.
- genau definierte Aufgabenbereiche und Verantwortlichkeiten der an der Ausbildung beteiligten Mitarbeiter der Lehrrettungswache wie Wachenleiter, verantwortlicher LRA, anleitender LRA, übriges Rettungsdienstpersonal.
- Anfertigen und Evaluieren von Prozessbeschreibungen der Ausbildung im Rahmen des Qualitätsmanagements.
- gezielte Weiterbildungen der LRA zur Entwicklung ihrer für die Ausbildung benötigten Kompetenzen, die geeignet sind, diese zu optimieren.
- Schaffung von Freiräumen in der Praktikumsgestaltung zur Stärkung der Motivation, der Selbstständigkeit und des eigenverantwortlichen Arbeitens der Praktikanten.
- situationsorientierte Themenvermittlung und Dokumentation dieser, um zu den Zwischengesprächen einen Überblick über noch zu bearbeitende Themengebiete zu erhalten.
- Förderung der Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienstschule und Rettungswache.
- Bildung und Nutzung von Netzwerken durch Praktikanten und LRA.
- Dokumentation des gesamten Praktikums in Form eines einheitlichen Berichtsheftes.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Abgrenzung | 3 |
| 3. | Organisation und Aufgaben des deutschen Rettungsdienstes | 3 |
| 3.1 | ZUSTÄNDIGKEITEN | 3 |
| 3.2 | NICHTÄRZTLICHES PERSONAL | 3 |
| 3.2.1 | Rettungshelfer (RH) | 4 |
| 3.2.2 | Rettungssanitäter (RS) | 4 |
| 3.2.3 | Rettungsassistent (RA) | 5 |
| 3.3 | ÄRZTLICHES PERSONAL | 5 |
| 3.3.1 | Notarzt | 7 |
| 3.3.2 | Ärztlicher Leiter Rettungsdienst | 7 |
| 3.4 | RETTUNGSMITTEL | 8 |
| 3.4.1 | Bodengebundene Rettungsmittel | 8 |
| 3.4.2 | Luftrettungsmittel | 9 |
| 3.4.3 | Wasserrettungsmittel | 9 |
| 3.5 | RETTUNGSDIENSTBEREICHE UND -EINRICHTUNGEN | 9 |
| 3.6 | AUFGABEN DES RETTUNGSDIENSTES | 12 |
| 4. | Anforderungen und Ausbildungsziel | 13 |
| 4.1 | ANFORDERUNGEN AN DEN RETTUNGSASSISTENT | 13 |
| 4.2 | AUSBILDUNGSZIEL ‘OPTIMALE RETTUNGSASSISTENTENAUSBILDUNG’ | 14 |
| 5. | Ausgangssituation der praktischen Rettungsassistentenausbildung | 16 |
| 5.1 | MIND MAP UMFELD UND EINFLUSSFAKTOREN ZU DER RA AUSBILDUNG | 16 |
| 5.2 | AUSGANGSSITUATION BUNDESWEIT NACH RETTASSG | 17 |
| 5.2.1 | Zugangsvoraussetzungen | 17 |
| 5.2.2 | Dauer des Rettungswachenpraktikums | 17 |
| 5.2.3 | Mindestanforderungen an die praktische Tätigkeit | 17 |
| 5.2.4 | Ausbildungsort | 17 |
| 5.2.5 | Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung Rettungsassistent | 18 |
| 5.3 | SPEZIELLE REGELUNGEN FÜR BRANDENBURG | 18 |
| 5.4 | STELLUNGNAHMEN VERSCHIEDENER ÄRZTLICHER UND NICHTÄRZTLICHER INTERESSENGRUPPEN ZU EINER NOVELLIERUNG DES RETTASSG | 20 |
| 5.4.1 | Ständige Konferenz für den Rettungsdienst | 20 |
| 5.4.2 | Deutscher Berufsverband Rettungsdienst (DBRD) e.V. | 20 |
| 5.4.3 | Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften Notärzte Deutschlands (BAND) e.V. | 21 |
| 5.4.4 | Bundesärztekammer | 21 |
| 5.4.5 | Arbeitsgemeinschaft Rettungsassistentenschulen Deutschland (AgRD) | 22 |
| 5.4.6 | Übersicht | 22 |
| 5.4.7 | Weitere Entwicklung der Diskussion | 26 |
| 6. | Problemstellung und Vorgehen | 27 |
| 6.1 | CURRICULUMSBEGRIFF | 28 |
| 6.2 | SWOT-ANALYSE | 29 |
| 6.3 | VERNETZTES DENKEN | 30 |
| 6.4 | VERLÄSSLICHKEITSORIENTIERTE HOCHLEISTUNGSFORSCHUNG | 30 |
| 6.4.1 | High Reliability-Forschung | 31 |
| 6.4.2 | HUMAN FACTORS/CREW-RESOURCE-MANAGEMENT-FORSCHUNG | 32 |
| 6.5 | FÜHRUNGSFORSCHUNG | 32 |
| 6.6 | QUALITÄTSMANAGEMENT NACH DONABEDIAN | 33 |
| 6.7 | LERNTHEORIEN, LERNFORMEN, LERNMETHODEN, KOMPETENZVERMITTLUNG UND DIDAKTIK | 34 |
| 7. | Das Praktikum an der Lehrrettungswache | 35 |
| 7.1 | EINFLUSSFAKTOREN | 35 |
| 7.1.1 | Praktikant | 35 |
| 7.1.2 | Ausbilder | 35 |
| 7.1.3 | Gesetzliche Vorgaben | 35 |
| 7.1.4 | Ausbildungsort | 35 |
| 7.1.5 | Organisation | 36 |
| 7.2 | WIRKUNGSBEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN EINFLUSSFAKTOREN | 36 |
| 7.3 | WIRKUNGSMATRIX | 39 |
| 7.4 | WECHSELWIRKUNGEN | 39 |
| 7.5 | INTENSITÄTSPORTFOLIO | 40 |
| 7.6 | TEILKETTENANALYSE | 42 |
| 7.6.1 | Zielvariable Ausbilder (2) | 42 |
| 7.6.2 | Zielvariable Organisation (5) | 43 |
| 7.6.3 | Zielvariable Ausbildungsort (4) | 44 |
| 8. | Erfassen und Interpretieren der Veränderungsmöglichkeiten der Ausbildungssituation | 46 |
| 9. | Abklären von Lenkungsmöglichkeiten | 49 |
| 9.1 | STEUERBARE FAKTOREN | 49 |
| 9.2 | WIRKSAM STEUERBARE FAKTOREN | 49 |
| 9.3 | NICHTSTEUERBARE FAKTOREN | 49 |
| 9.4 | FRÜHWARNINDIKATOREN | 50 |
| 10. | Planung von Strategien und Maßnahmen | 51 |
| 10.1 | LERNPROZESS UND LERNTHEORIEN | 51 |
| 10.1.1 | Lernprozess | 51 |
| 10.1.2 | Lerntheorien | 56 |
| 10.2 | DIDAKTIK | 63 |
| 10.3 | KOMPETENZEN DES RA | 64 |
| 10.3.1 | Definition und Einteilung | 65 |
| 10.3.2 | Kompetenzentwicklung | 66 |
| 10.3.2 | Kompetenzidentifizierung und -messung | 67 |
| 10.4 | ERKENNTNISSE DER VERLÄSSLICHKEITSORIENTIERTEN HOCHLEISTUNGSFORSCHUNG | 68 |
| 10.4.1 | Faktoren, die das Handeln im Rettungsdiensteinsatz erschweren | 71 |
| 10.4.2 | Verlässlichkeitsbeeinflussende Faktoren | 73 |
| 10.5 | OPTIMALITÄT IN DER RA-AUSBILDUNG | 77 |
| 10.5.1 | Qualitätsdimensionen nach Donabedian | 77 |
| 10.5.2 | Ansätze zur Qualitätssicherung nach BIBB | 78 |
| 10.6 | AUSBILDER ALS FÜHRUNGSPERSON/EINBEZIEHUNG VON GEEIGNETEN ASPEKTEN DER FÜHRUNG | 79 |
| 10.6.1 | Aufgabe der Personalführung | 80 |
| 10.6.2 | Person des Führenden | 81 |
| 10.6.3 | Führungsverhalten | 81 |
| 10.6.4 | Richtungen der Führung | 87 |
| 10.6.5 | Personalführung im Wandel | 88 |
| 10.7 | FEEDBACK EHEMALIGER PRAKTIKANTEN | 89 |
| 10.7.1 | Inhalt und Ablauf der Befragung | 89 |
| 10.7.2 | Auswertung der Befragung | 90 |
| 11. | Empfehlungen für die Praxis/Schwerpunkte für ein Ausbildungscurriculum | 92 |
| 11.1 | AUSBILDER | 92 |
| 11.2 | ORGANISATION | 94 |
| 11.3 | AUSBILDUNGSORT | 98 |
| 11.4 | PRAKTIKANT | 99 |
| 11.5 | GESETZLICHE VORGABEN | 100 |
| 12. | Bewertung der Empfehlungen nach Wichtigkeit/Dringlichkeit und Ermittlung der Priorität | 104 |
| 13. | Fazit | 107 |
| Literaturverzeichnis | VI | |
| Gesetze und Verordnungen | VIII | |
| Onlinequellen | IX | |
| Abbildungsverzeichnis | XI | |
| Abkürzungsverzeichnis | XII | |
| Tabellenverzeichnis | XIII | |
| Softwarequellen | XIII | |
| Anhang | XIV |
Textprobe:
Kapitel 10, Planung von Strategien und Maßnahmen:
Alle Strategien und Maßnahmen, die die Grundlage für die Schwerpunkte eines Ausbildungscurriculums für die optimale Rettungsassistentenausbildung bilden sollen, müssen geeignet sein, um die Ergebnisqualität der Rettungsassistentenausbildung zu erhöhen.
Dabei werden Ergebnisse der Punkte 7 bis 9 berücksichtigt. Weiter ist die Einbeziehung der unter den Punkten 6.2 bis 6.7 genannten wissenschaftlichen Grundlagen und Ergebnisse erforderlich. Auf die Aspekte, die für die Optimierung der praktischen Ausbildung relevant sind, wird im Folgenden eingegangen.
Lernprozess und Lerntheorien:
Der zukünftige Rettungsassistent hat während der Ausbildung viel zu lernen. Dies beginnt in der Rettungsdienstschule, in der die theoretischen Grundlagen erlernt werden, und erstreckt sich bis zur Lehrrettungswache, in der die praktische Umsetzung der Lerninhalte trainiert wird. Im Ausbildungsprozess sollte aber nicht nur der Praktikant dazulernen. Auch alle anderen daran Beteiligten lernen mit jedem Praktikanten dazu. Auch die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen entwickeln sich ständig weiter, so dass alle an der Ausbildung Beteiligten sich in einem permanenten Lernprozess befinden. Relevant sind in diesem Zusammenhang folgende Fragen:
- Welche Mittel und Methoden eignen sich am besten, um mit einem vertretbaren Aufwand Lerninhalte zielorientiert und anwendungsbereit zu erwerben bzw. zu vermitteln?
- Welches Umfeld ist dafür nötig?
Lernprozess:
Zum Verständnis, welche Methoden sich besonders eignen, hilft die Beschreibung des Lernprozesses von Colin Rose. Er gliederte den Lernprozess in sechs Schritte, die immer wieder durchlaufen werden müssen.
Lernen ist ein individueller Prozess. Durch den Einsatz von verschiedenen Methoden und deren ständigen Wechsel sollen diese individuellen Lernstile nach dem M.A.S.T.E.R.–Learning angesprochen werden.
Im Folgenden wird auf die sechs Punkte der einzelnen Schritte näher eingehen, die in Bezug auf das Thema der Arbeit von Bedeutung sind und dies wird unter dem Aspekt der Rettungsassistentenausbildung erläutert.
Mentale Vorbereitung – Gute Gefühle zu Beginn:
Da unsere Merkfähigkeit auch von unseren Gefühlen abhängt, ist es wichtig, diese durch gezielte Maßnahmen positiv zu beeinflussen. Dazu müssen die Bedürfnisse der am Lernprozess Beteiligten berücksichtigt werden.
Die Schaffung einer günstigen Lernatmosphäre liegt dabei in Verantwortung der Lehrrettungswache und des Ausbilders. Dies fängt mit den örtlichen Gegebenheiten auf der Rettungswache an (entsprechende Räume), geht über die materielle Ausstattung (Trainingsmodelle, Fachliteratur, Internetzugang) weiter und reicht hin bis zu klar definierten Rahmen und zu konkreten Aufgaben und Themen. Wenn möglich, sollte der Praktikant die Möglichkeit haben, sich auf die bevorstehende Thematik oder Aufgabe einzustimmen. Dies schafft ein Gefühl der Sicherheit beim Auszubildenden und beim Ausbilder und bewirkt eine positive Lerneinstellung.
Grenzen zeigen sich durch die spezielle Situation im Rettungsdienst aber auch auf. So hat weder der Praktikant noch der RA zu Beginn der Schicht die Möglichkeit, sich auf spezielle Notfalleinsätze vorzubereiten, da nicht vorhergesagt werden kann, was im Verlauf einer Schicht für Notfalleinsätze abzuarbeiten sind. Ein sicheres Gefühl beim Praktikanten erreicht der LRA trotz der Unkenntnis über den nächsten Einsatz u.a., indem er die von ihm durchzuführenden Aufgaben während des Einsatzes, Beispiele sind Anamneseerhebung, Blutdruck messen oder die Dokumentation, entsprechend seines Ausbildungsstandes vorher genau definiert.
Die örtlichen Gegebenheiten der Rettungswache lassen sich im Sinne der Ausbildung beeinflussen, die am Einsatzort dagegen nicht (Siehe auch Punkt 7.1.4).
Aufnehmen der Lerninhalte – Sehen, Hören, Fühlen:
Informationen werden vom Menschen über unterschiedliche sensorische Kanäle aufgenommen. Da Lerninhalte möglichst viele sensorische Inputs bedienen sollten, ist es wichtig, diese visuell, akustisch und kinästhetisch anzusprechen.
Bei der Arbeit des Rettungsassistenten sind diese Sinne zur schnellen Analyse von Einsatzsituationen und bei der Patientenbeförderung und Betreuung enorm wichtig. Hinzu kommt noch das Riechen, das bei bestimmten Einsätzen eine besondere Rolle spielt. So kann Acetongeruch beim diabetischen Koma und Bittermandelgeruch bei einer Cyanidvergiftung wahrgenommen werden. Ein intensiver Benzingeruch bei Verkehrsunfällen deutet auf eine zusätzliche Gefährdung des Notfallpatienten und des Einsatzpersonals hin, auf die zum Schutz für Patient und Einsatzpersonal entsprechend reagiert werden muss. Der Praktikant muss für diese sensorischen Inputs sensibilisiert werden.
Die Kenntnisse dieser unterschiedlichen Wege der Aufnahme des Lernstoffs helfen dem Ausbilder bei der Vermittlung von Lerninhalten im Rahmen von Weiterbildungen und Trainings auf der Rettungswache. Dies kann durch den Einsatz gezielter Reize geschehen. Reizüberflutung sollte vermieden werden.
So kann im Rahmen einer Einsatznachbesprechung beispielsweise durch den Einsatz eines anatomischen Modells (optische und kinästhetische Reize) noch einmal das zuvor angetroffene Krankheitsbild erläutert werden und durch unterschiedliche Betonungen (akustische Reize) kann dabei besonders Wichtiges hervorgehoben werden.
Suche nach Sinn und Bedeutung – Ist es für mich persönlich bedeutsam?
Ein Empfänger merkt sich eine Information besonders gut, wenn sie für ihn persönlich bedeutsam ist.
Im Rahmen der RA-Ausbildung heißt das für den Ausbilder, dass er nicht nur die Informationen, die der Praktikant für die Ausführung einer Aufgabe benötigt zur Verfügung stellt, sondern auch den besonderen Nutzen dieser für den Praktikanten hervorhebt. So stellt der Einsatz und die Anwendung einer bestimmten Tragetechnik nicht nur den Transport des Patienten von A nach B dar, sondern hat gleichzeitig für die Anwender den Nutzen einer den Rücken schonenden Arbeitsweise. Der Ausbilder muss also nicht nur auf den fachgerechten Umgang mit der Tragetechnik, sondern auch auf den Nutzen, den ihr Einsatz für den Praktikanten bringt, eingehen.
Aber auch für den Ausbilder bringt die Betreuung von Praktikanten einen Nutzen. Er kann so seine fachlichen und nicht fachlichen Kompetenzen ständig weiter-entwickeln.
Treibstoff für das Gedächtnis – Zündung der Erinnerungsrakete:
Vieles von dem, was wir lernen, vergessen wir auch wieder. Die Frage ist, wie wir den Anteil von dem, was wir uns dauerhaft merken, erhöhen können.
Dies kann durch Wiederholungen oder durch eine Aktivierung des Gelernten erfolgen. Lerninhalte, die mit anderen verknüpft oder mit Vergleichbarem assoziiert werden, bleiben besser haften. Die Verwendung von ‘Eselsbrücken’ kann ebenfalls weiterhelfen. Zur besseren Verankerung im Gedächtnis führt auch eine Nachbearbeitung der Lerninhalte z.B. durch das Anfertigen eines Einsatzberichtes.
Beim Vermitteln von Fähigkeiten und Fertigkeiten durch den Ausbilder im Rettungsdienst bedeutet dies, dass er besonders schwierige Lerninhalte entsprechend aufarbeitet. So stellt beispielsweise das Anlegen eines 12-Kanal EKG’s regelmäßig eine schwierige Aufgabe für Praktikanten dar. Wo genau müssen die EKG-Klebeelektroden mit den entsprechend farbig markierten Kabeln am Patienten angebracht werden? Für das Anbringen des braunen Kabels gebe ich den Praktikanten die ‘Eselsbrücke’ - braun wie Brustwarze -(die Elektrode mit dem braunen Kabel wird unterhalb der linken Brustwarze angebracht) oder für die Elektrode mit dem lila Kabel – lila, der letzte Versuch – (diese Elektrode wird linksseitig als Letztes angebracht) als Hilfestellung. Solche Aspekte sind für ein schnelles und richtiges Handeln wichtig.
Einsatz des Gelernten – Übung macht den Meister:
Wichtig für das Behalten von Lerninhalten ist der zeitnahe Einsatz des Gelernten. Das Wissen wird dadurch gefestigt. Der erste erfolgreiche Einsatz gibt den Praktikanten ein positives Gefühl. Der Lernerfolg steigt durch die Anwendung des Gelernten stark an und erreicht in Kombination mit den anderen Faktoren 90% des vermittelten Lernstoffs.
In Richtung der theoretischen Berufsausbildung ist dies ein klares Votum gegen den Einsatz von Frontalunterricht. Stattdessen müssen mehr den Teilnehmer aktivierende Methoden wie das Rollenspiel oder Gruppenarbeit eingesetzt werden.
Die praktische Ausbildung auf der Lehrrettungswache, im realen Einsatz, mit Simulationen oder praktischen Übungen eignet sich durch die sofortige Umsetzung und Anwendung von Lerninhalten in besondere Weise für die Erzielung eines guten Lernerfolgs. Im realen Einsatz muss der Ausbilder besonders darauf achten, dass Fehler, die dabei passieren können, nicht zu einer Patientenschädigung führen. Deshalb werden insbesondere invasive Maßnahmen im Vorfeld an Modellen trainiert. Fehler, die dabei unterlaufen, müssen analysiert werden. Das führt zu einem besonders guten Lernerfolg, ohne dass die Gefahr einer Patientenschädigung besteht.
Auf den Umgang mit Fehlern wird im Punkt 10.4.4 genauer eingegangen.
Reflexion – Blick in den Rückspiegel:
Am Ende eines Lernprozesses gehören die Lerninhalte und die Methoden der Vermittlung noch einmal auf den Prüfstand. Auf diese Weise werden schlechte von guten Handlungsmustern getrennt. Was war gut? Was lief nicht so gut und könnte in Zukunft anders im Sinne von besser gemacht werden? Diese Fragen sollten sich sowohl Ausbilder als auch der Praktikant immer wieder stellen, um so den Lernprozess zu optimieren.
Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang die gründliche Einsatznachbesprechung (ENB) nach jedem Notfalleinsatz mit dem Praktikanten. Nur so ist es möglich, die Fähigkeiten und Fertigkeiten immer weiter zu optimieren und eine adäquate Patientenversorgung zu garantieren. Bei der Reflexion des Einsatzes ist darauf zu achten, dass der Praktikant dadurch nicht demotiviert wird.
Aus diesen sechs Schritten wird deutlich, dass es für ein erfolgreiches Lernen sehr wichtig ist, den vermittelten Lernstoff nicht nur zu hören oder zu sehen (also passiv zu verfolgen), sondern ihn auch selbst nachzubearbeiten, darüber zu diskutieren, ihn anzuwenden und zu reflektieren (aktives Tun).
Die Verantwortung für den Lernerfolg liegt somit nicht nur beim Ausbilder, der durch die Schaffung von einer positiven Lernatmosphäre und die Auswahl der jeweils angebrachten (aktivierenden) Methoden zum Lernerfolg beiträgt, sondern auch beim Praktikanten, der selbst aktiv werden muss und so auch selber für seinen Lernerfolg Verantwortung übernimmt.
Sollte er dazu nicht bereit sein, muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er für diesen verantwortungsvollen Beruf des Rettungsassistenten geeignet ist.
Wie will er später im realen Einsatz als Rettungsassistent seiner Verantwortung dem Patienten gegenüber gerecht werden, wenn er im Vorfeld nicht bereit oder fähig ist, Verantwortung für sein eigenes Praktikum zu übernehmen?
Ist diese Bereitschaft vorhanden, bestehen durch die praxisnahe Vermittlung und Anwendung der Fertigkeiten und Fähigkeiten und deren ständigen Wiederholungen im Training wie im realen Einsatz gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Praktikumsergebnis. Einzig die Frage, ob dazu ein Jahr ausreicht, um alle für die spätere Berufsausübung benötigten Fertigkeiten und Fähigkeiten sicher zu beherrschen, steht dem noch entgegen. Alle an der Ausbildung beteiligten Interessengruppen und Verbände beantworten diese Frage mit nein, da durchweg eine Verlängerung der Ausbildungszeit gefordert wird. Diese ist für eine Qualitätserhöhung der Ausbildung dringend geboten.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836642231
Arbeit zitieren:
Hauke, Roland Januar 2010: Schwerpunkte eines Ausbildungscurriculums zur optimalen Ausbildung von Rettungsassistenten im Praktikum an Lehrrettungswachen in Brandenburg, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Curriculum, Rettungsdienst, SWOT Analyse, Lehrrettungswache, Brandenburg



