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Schussgeschwindigkeit beim Vollspannstoß im Frauenfußball

Zum Zusammenhang von maximalen Momenten und der Momententwicklungen der beteiligten Muskulatur

Schussgeschwindigkeit beim Vollspannstoß im Frauenfußball
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Corinna Paul
  • Abgabedatum: Januar 2010
  • Umfang: 90 Seiten
  • Dateigröße: 2,3 MB
  • Note: 2,4
  • Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0822-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Paul, Corinna Januar 2010: Schussgeschwindigkeit beim Vollspannstoß im Frauenfußball, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Fußball, Schussgeschwindigkeit, Momente, Momententwicklung, Muskulatur

Diplomarbeit von Corinna Paul

Einleitung:

‘Das Runde muss in das Eckige’ (Sepp Herberger).

Wie Sepp Herberger salopp formuliert, lebt der Fußball vom Tore schießen. Die Faszination dieser Sportart ist die Spannung und diese entsteht durch die erzielten Tore. Wenn ein Spiel 0:0 endet, hat dies oft keinen so hohen Unterhaltungswert wie ein Spiel, in dem viele Tore fallen. Es gibt viele Einflussfaktoren, wovon der Erfolg eines Tores abhängt. Ein Einflussfaktor für den Torerfolg ist die Schusshärte, also eine möglichst hohe Ballgeschwindigkeit mit der der Ball auf das Tor zufliegt. Dies verringert die Zeit für den Torwart ein Tor zu verhindern. Andere Faktoren, wie Schusstechnik, Anlaufwinkel zum Ball, Ermüdungserscheinungen während eines Fußballspiels, psychische Belastung bei beispielsweise einem Elfmeter, Einfluss des Gegners, Taktik um nur einige zu nennen, müssen ebenfalls beachtet werden. Dazu kommt, dass ein harter geschossener Torschuss noch keinen Torerfolg ausmacht, sondern lediglich die Wahrscheinlichkeit erhöht.

In dieser Diplomarbeit wird der Teilaspekt der Schusshärte herausgegriffen und untersucht. Die Idee dieser Thematik kam von einem Dozenten, die ich mit großem Interesse aufnahm. Die nachfolgende Literaturrecherche zeigte, dass auf diesem Gebiet Nachholbedarf in der Forschung zu sein schien, so dass es eine sinnvolle Aufgabe war sich mit diesem Teilaspekt auseinanderzusetzen. Da ich selbst aktive Fußballspielerin bin, war es für mich leicht, einen Eingang zu diesem Thema zu finden.

Es wurde in dieser Untersuchung erforscht, inwiefern Zusammenhänge zwischen den Momenten der beteiligten Muskulatur beim Vollspannstoß und der Ballgeschwindigkeit bestehen. Hierzu wurden verschiedene Messungen durchgeführt, um die Schussgeschwindigkeit und Momente der Muskulatur zu ermitteln. Im Nachfolgenden werden diese Tests eingehend erläutert.

Zunächst werden die theoretischen Grundlagen der Thematik erläutert, um ein besseres Verständnis für bestimmte Aspekte der Untersuchungen zu schaffen.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
TABELLENVERZEICHNIS VII
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VIII
1. Einleitung 1
1.1 Einführung in die Thematik 1
1.2 Grundlagen der Stoßarten 2
1.2.1 Einführung und Darstellung der Stoßarten 2
1.2.2 Erläuterungen zur Ausführung eines harten Schusses 9
1.2.2.1 Bewegung des Schussbeines 10
1.2.2.2 Treffen des Balles 11
1.3 Grundlagen der beteiligten Muskulatur beim Vollspannstoß 11
1.3.1 Muskelbeteiligung beim Vollspannstoß 12
1.3.2 Einfluss der Muskelfaserzusammensetzung 14
1.4 Forschungsstand 15
2. Problemstellung 18
2.1 Fragestellung und erwartete Ergebnisse 18
2.2 Hypothesen 20
3. Methodik 21
3.1 Stichprobe 21
3.2 Versuchsplan 22
3.2.1 Erster Messzeitpunkt 24
3.2.1.1 Schussgeschwindigkeitsmessung beim Vollspannstoß 24
3.2.1.2 Schusspräzisionstest beim Vollspannstoß 26
3.2.2 Zweiter Messzeitpunkt 28
3.2.2.1 Messung der Kraftwerte von Beinstrecker und Beinbeuger an der Biodex 28
3.2.2.2 Messung vom Hüftbeuger mittels DigiMax 32
3.3 Äußere Bedingungen 34
3.4 Testgeräte 35
3.5 Variablenauswahl 41
3.6 Berechnung der Momentparameter 42
4. Ergebnisse 45
4.1 Schusstests 45
4.2 Maximale Momente 50
4.3 Momententwicklung 53
4.4 Korrelationen 56
5. Diskussion 59
6. Zusammenfassung 63
LITERATURVERZEICHNIS X
ANHANG XIII

Textprobe:

Kapitel 1.3.2, Einfluss der Muskelfaserzusammensetzung:

Des Weiteren ist es notwendig, sich mit der Muskelfaserzusammensetzung zu befassen, da diese bei der Entwicklung hoher Kräfte eine bedeutende Rolle spielt.

‘Für scharfe Schüsse, weite Pässe und Flanken braucht der Spieler eine schnellkräftige Schussmuskulatur’. Auf diesen Sachverhalt ging Kollath in seinen Ausführungen genauer ein. Er stellt fest, dass ein hohes Maß an Kraftfähigkeit nötig ist, um einen scharfen Schuss zu erzielen. Die Kraft ist allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt trainierbar. Ab einer individuell unterschiedlichen Grenze ist durch Krafttraining der am Fußballstoß beteiligten Muskulatur keine weitere Leistungssteigerung in Form von höheren Schussgeschwindigkeiten möglich.

Dies liegt an der jeweiligen, größtenteils genetisch bedingten, Zusammensetzung der Muskulatur. Es bestehen im Wesentlichen drei verschiedene Muskeltypen:

1. langsam kontrahierende Fasern (ST Fasern).

Die ST Fasern sind sehr ausdauernd, entwickeln aber keine hohen Kräfte.

2. schnellzuckende Muskeln (FT Fasern).

Die FT Fasern können hohe Kräfte entwickeln, ermüden aber auch viel schneller.

3. Intermediärtyp (Mischtyp aus den Erstgenannten).

Die schnellzuckenden Muskeln sind demnach für eine schnellkräftige Schussbewegung notwendig. Durch gezieltes Training sind eine Verdickung der schnellen Fasern und eine Umwandlung eines Teiles des Mischtyps möglich. Zusätzlich lässt sich das Zusammenspiel der Muskeln verbessern, wodurch die Schussgeschwindigkeit auch erhöht werden kann. Bei einem Spieler mit übermäßig hohem Anteil an ST Fasern sind demnach die Möglichkeiten jedoch begrenzt. Diese Bedeutsamkeit schnellkräftiger Schussmuskulatur soll in dieser Arbeit unter Beweis gestellt werden.

Allerdings ist noch zu erwähnen, dass eine gute Technik hilft, vorhandene Kraftpotentiale ökonomisch einzusetzen. Daher benötigt ein technisch guter Fußballspieler weniger Kraft als ein weniger talentierter Spieler oder ein Spieler welcher weniger gut geschult ist.

Die nachfolgende Untersuchung konzentriert sich auf die Hauptkinetoren der Spielbeinseite konzentriert. Dies sind Beinstrecker, Beinbeuger und Hüftbeuger.

1.4, Forschungsstand:

In der Literaturrecherche der Studien finden sich verschiedene Untersuchungen, welche sich mit der Problematik befassen, ob ein Krafttraining einen positiven Einfluss auf die Schussleistung beim Fußballstoß hat. Bis auf eine Studie von Trolle et al konnten in allen Forschungsarbeiten zumindest einige signifikante Zusammenhänge ermittelt werden. Es werden verschiedene Studien, geordnet nach ihrem Erscheinungsjahr, mit ihrem Resümee kurz dargestellt, nachfolgend wird auf die aktuelleren Studien genauer eingegangen.

De Proft et al nahmen an, dass Krafttraining im Fußball die Schussleistung, aufgrund der Zunahme der Kraft, verbessern kann. Sie untersuchten die ‘muscle activity in the soccer kick’. Trolle et al gaben an, dass ein hohes Widerstandstraining nicht die Schussgeschwindigkeit verbesserte. Cabri et all gaben an, dass isokinetisches Krafttraining wirkungsvoll sein könne, um die Schussleistung zu verbessern. Taina et al berichteten dies ebenso bei einem Maximalkrafttraining, womit die Schussgeschwindigkeit erhöht werden konnte.

Dutta & Subramanium führten eine Studie mit dem Titel ‘Effects of six weeks of isokinetic training combined with skill training on football kicking performance” durch. Es wurden 22 Nationalspieler in 2 Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe absolvierte ein spezifisches Krafttraining kombiniert mit einem Fußballtraining und die zweite Gruppe, welche die Kontrollgruppe darstellte, führte ein Fußballtraining ohne spezifisches Krafttraining durch. Vor und nach der Studie wurden Kraftmessungen und Schusstests (Überprüfung der Schusspräzision und –genauigkeit) durchgeführt. In den Resultaten zeigt sich, dass isokinetisches Krafttraining von sechs Wochen das maximale Drehmoment und das explosive Drehmoment der Beuge- und Streckmuskeln der Hüfte, der Kniebeuger und der Streck- und Beugemuskeln des Fußes signifikant verbessern konnte. Außerdem konnte durch spezifisches Krafttraining eine signifikante Verbesserung in der Schussleistung erzielt werden.

Masuda et al untersuchten das Verhältnis zwischen der Muskelkraft in verschiedenen isokinetischen Bewegungen und der Schussleistung unter Fußballspielern. Sie überprüften das Verhältnis von Muskelkraft und der Schussgeschwindigkeit aus drei verschieden Schusswinkeln unter Fußballspielern mit verschiedenen Fertigkeitsniveaus. Gemessen wurden die Ballgeschwindigkeit und die Erfolgsrate beim Treffen des Ziels. Bei den Kraftmessungen wurden die Knieextensoren und –flexoren, Hüftextensoren und –flexoren und die Hüftadduktoren und -abduktoren mithilfe eines isokinetischen Dynamometers gemessen. Die folgenden Zusammenhänge konnten in dieser Untersuchung herausgestellt werden:

Die Ballgeschwindigkeit bei freiem Anlauf und bei 1,57 Rad (etwa 90 Grad) Anlaufwinkel zum Ball war signifikant mit den Hüftadduktoren, korreliert aber nicht mit den Kniestreckern des Schussbeines. Die Ballgeschwindigkeit bei einem Anlaufwinkel mit 2,36 Rad (etwa 135 Grad) zum Ball korrelierte signifikant mit den Kniestreckern und den Hüftbeugern des Schussbeines. Die Ballgeschwindigkeit bei freiem Anlauf und bei 1,57 Rad Anlaufwinkel zum Ball zeigte keine Beziehungen zur Kraft des Stützbeines. Die Ballgeschwindigkeit bei 2,36 Rad Anlaufwinkel zeigte signifikante Beziehungen zu Kniebeuger, Hüftstrecker und Hüftabduktoren des Schussbeines. Die leistungsstärkere Gruppe zeigte außerdem allgemein höhere Kraftwerte als die durchschnittliche Gruppe. Die Forscher zogen das Resümee, dass die verschiedenen Stellungen zum Ball die Muskelanforderungen des Schuss- und Stützbeines verändern. Besonders eine Annäherung an die Stoßrichtung führt zu einer größeren Hüftverlängerung und Abduktionskraft auf das Stützbein, welches eine höhere Fähigkeit für das Stabilisieren der Körperbalance erfordert. Außerdem kann ein höheres Fertigkeitssniveau die Muskelanforderungen für die Schussbewegung ändern. Abschließend zu dieser Studie lässt sich feststellen, dass vereinzelt Zusammenhänge zwischen der Schussgeschwindigkeit und der Muskelkraft nachgewiesen werden konnten und dass die spezifische Innervation der Muskeln ebenso vom jeweiligen Anlaufwinkel abhängig ist.

Manolopoulos et al untersuchten die Effekte eines kombinierten Kraft- und Techniktrainings auf die Biomechanik des Schusses bei Fußballspielern aus dem Amateurbereich. Die Experimentalgruppe (n=10) führte 10 Wochen lang ein spezifisches Kraft- und Techniktraining durch. Vor und nach der Intervention wurde die EMG-Aktivität von jeweils 6 Muskeln beider Beine beim Vollspannstoß gemessen, ein 10m Sprint wurde absolviert, die maximale Schussgeschwindigkeit wurde gemessen und die isometrische Maximalkraft an der Beinpresse wurde erhoben. Die Experimentalgruppe konnte die Schussgeschwindigkeit beim Vollspannstoß und die Winkelgeschwindigkeiten aller Muskeln, die in der Endphase des Stoßes beteiligt sind, signifikant verbessern. Daher empfehlen Manolopoulos et al ein fußballspezifisches Krafttraining in der Vorbereitungsphase der Saison.

Desweiteren zu erwähnen ist eine Studie von Barfield et al, welche die Kinematik vom Vollspannstoß zwischen Fußballerinnen und Fußballern der Elite erforscht haben. Bei dieser Untersuchung ist herauszustellen, dass ‘ the males generally kicked the ball faster than the females and displayed greater kinematics variables, including maximum toe velocity, ball contact velocity, mean toe velocity, mean toe acceleration and ankle velocity at the ball contact, all of which contributed to faster ball speed’. Die Männer wiesen also generell die höhere Schussgeschwindigkeit und auch die schnellkräftigere Bewegungen im Schussbein auf.

Arbeit zitieren:
Paul, Corinna Januar 2010: Schussgeschwindigkeit beim Vollspannstoß im Frauenfußball, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Fußball, Schussgeschwindigkeit, Momente, Momententwicklung, Muskulatur

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