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Schulkleidung in Deutschland

Analyse und Wertung von Schülermeinungen zwischen dem 10. und 16. Lebenjahr

Schulkleidung in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Britt Gaab
  • Abgabedatum: Juli 2002
  • Umfang: 148 Seiten
  • Dateigröße: 2,0 MB
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6444-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6444-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6444-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gaab, Britt Juli 2002: Schulkleidung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schuluniform, Unterrichtsklima, Prosoziales Verhalten, Gleichaltrigengruppen, symbolischer Interaktionismus

Diplomarbeit von Britt Gaab

Einleitung:

Die Schule als Lern- und Entwicklungsraum für Kinder und Jugendliche ist auch der soziale Platz, an dem sie ihre Wirkung auf andere testen und ihre eigene Identität beginnen zu entwickeln. Dabei spielt das äußere Erscheinungsbild, welches zu einem großen Teil über die Kleidung mitbestimmt wird, eine bedeutende Rolle. Der heute oft zu beobachtende Markenzwang hinsichtlich der Kleidung wird gerne von den Schülern mit Individualität erklärt. Längst geht es nicht mehr nur um das Markenzeichen, sondern das Label bestimmt den Wert des Menschen. Altersspezifische Normen, die durch die Medien, durch die Kleidungsindustrie, aber auch durch die Gleichaltrigengruppe propagiert und transportiert werden, bewirken u. a., dass die vestimentäre Kommunikation das Vorzeigen wirklicher Leistungen überlagert. Mit dem Tragen bestimmter Kleidung gehen dabei oft Akzeptanz bzw. Nicht-Akzeptanz in der Schulklasse einher. Dieses führt letztlich auch zu einer teilweise mit negativen Effekten einhergehenden Beeinflussung des Unterrichts- und Klassenklimas.

Die vorliegende Arbeit zum Thema „Schulkleidung“ geht Fragen nach, die sich mit der Situation und den Beziehungsgeflechten in Schulklassen befassen: „Ist die Schulkleidung ein geeignetes Instrument, den Markenzwang in der Schule abzubauen?“ und „Kann die Schulkleidung den Zusammenhalt in der Klasse stärken und das Klassen- und Unterrichtsklima fördern?“ sollen zentrale Fragestellungen dieser Arbeit sein.

Gang der Untersuchung:

Die Ausführungen untergliedern sich in fünf Kapitel. Das zweite Kapitel befasst sich mit Erklärungsmodellen der Modenutzung im Jugendalter. Darin werden zunächst historische Bezüge der Schulkleidung in Deutschland dargestellt. Fragen wie: „Welche pädagogischen Kleidungsstücke hat es in der Vergangenheit gegeben?“, „Welche pädagogische Absicht stand dahinter?“ und „Hat es in Deutschland überhaupt schon einmal eine einheitliche Schulkleidung gegeben?“ werden hier analysiert. Anschließend wird Mode im Sinne des Symbolischen Interaktionismus behandelt. Mode als Symbol bietet eine Handlungsgrundlage und ist demnach geeignet dem Gegenüber etwas mitzuteilen. Vertiefend werden Strukturen des Kaufverhaltens analysiert und das Phänomen der Konformität im Kleidungsverhalten unter kinder- und jugendsoziologischer Perspektive beleuchtet. Dabei spielen auch die Verhaltensweisen und Strukturen in den altersspezifischen Gruppen eine wichtige Rolle. Es werden Rollenverhalten, Normen und die Bedeutung der Gleichaltrigengruppe, insbesondere in der Schule, betrachtet. Der nachfolgende Abschnitt befasst sich dahingehend mit jugendpsychologischen Fragen zur Identitätsentwicklung, zur Attraktivität in der Schule und zum prosozialen Verhalten. Identität als lebenslanger Prozess soll u. a. einen Einblick geben in die Übernahme verschiedener Rollen und den damit verbundenen Konflikten. Fragen wie: „Welche Rolle spielt die Kleidung bei der Identitätsfindung?“ sollen hier u.a. beantwortet werden. Hinsichtlich der Attraktivitätsforschung werden dabei Ergebnisse aufgezeigt, die Zusammenhänge erklären zwischen dem Aussehen, dem Selbstbewusstsein, der sozialen Anerkennung bzw. Ablehnung etc.. Die Analyse prosozialen Verhaltens befasst sich primär mit Motiven helfenden Verhaltens und der sozialen Zugehörigkeit oder Randständigkeit in der Schulklasse. Im letzten Teil des Kapitels wird ein Überblick gegeben, über Aspekte des Unterrichtsklimas.

Im dritten Kapitel werden Beispiele für schulbezogene Veränderungen der Modenutzung genannt. Ein Hamburger Projekt, in dem eine Schulklasse seit fast zwei Jahren eine einheitliche Schulkleidung trägt und das Berliner Projekt, in dem zwei Schulklassen über einen begrenzten Zeitraum eine einheitliche Kleidung getestet haben, werden hier vorgestellt. In beiden Projekten wurden die empirischen Erhebungen durchgeführt. Im Anschluss erfolgt eine Medienrezeption, in der politische Meinungen, Meinungen der Schüler und der Lehrer zum Ausdruck kommen.

Das vierte Kapitel widmet sich den speziellen Einstellungen der Schüler zur Schulkleidung. Es sind sowohl in den beiden Berliner Klassen als auch in der Hamburger Schule drei Klassen zum Thema der Schulkleidung mit Hilfe von Fragebögen untersucht worden. Die Untersuchung in Berlin diente primär als Pilotstudie, wobei zentrale Ergebnisse sowie das Instrument diskutiert werden. In der als Hauptuntersuchung anzusehenden Studie in Hamburg werden die Ergebnisse detailliert aufgezeigt. Dabei wird die Beantwortung der im Mittelpunkt der Arbeit stehenden Fragestellungen angestrebt.

Im letzten Kapitel werden zusammenfassend die zuvor dargestellten Ergebnisse interpretativ zum Theoretischen Teil in Bezug gesetzt.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 5
2. ERKLÄRUNGSMODELLE DER MODENUTZUNG 7
2.1 HISTORISCH - PÄDAGOGISCHE BEZÜGE DER SCHULKLEIDUNG 7
2.1.1 KLEIDER MACHEN LEUTE 7
2.1.2 DIE KADETTENUNIFORM 7
2.1.3 INTERNATSKLEIDUNG 8
2.1.4 DER BLAUE MANTEL ALS SCHÜLERKENNZEICHEN HÖHERER SCHULEN 9
2.1.5 DIE SCHULSCHÜRZEN 9
2.1.6 DIE SCHÜLERMÜTZEN 9
2.1.7 DER MATROSENANZUG 10
2.1.8 DIE TURNKLEIDUNG 11
2.1.9 DIE WANDERVOGELKLUFT 11
2.1.10 DIE UNIFORM DER HITLERJUGEND 12
2.1.11 DIE UNIFORM DER PIONIERORGANISATION UND DERFDJ 13
2.1.12 ZUSAMMENFASSUNG 14
2.2 MODE IM SINNE DES SYMBOLISCHEN INTERAKTIONISMUS 15
2.2.1 MODE ALS SYMBOL 15
2.2.2 SOZIALISATIONS- UND ENTWICKLUNGSPROZESSE IM VERSTÄNDNIS DESSYMBOLISCHEN INTERAKTIONISMUS 15
2.2.3 INTERAKTIONISTISCHER ANSATZ 16
2.3 KINDER- UND JUGENDSOZIOLOGIE 17
2.3.1 MARKENKONSUM 17
2.3.1.1 Kaufverhalten 17
2.3.1.2 Uniformierung durch Konformität 19
2.3.2 DIE GLEICHALTRIGENGRUPPE 20
2.3.2.1 Soziale Normen und Rollenverhalten 20
2.3.2.2 Der Charakter der Gleichaltrigengruppe 22
2.3.2.3 Die Bedeutung der Gleichaltrigengruppe in der Schule 23
2.3.2.4 Meinungsführer in der Schulklasse 24
2.4 KINDER- UND JUGENDPSYCHOLOGIE 25
2.4.1 IDENTITÄT 25
2.4.1.1 Identität als lebenslanger Prozess 25
2.4.1.2 Identitätsarbeit im Jugendalter nach Erikson 26
2.4.1.3 Soziale Identität in der Adoleszenz 27
2.4.1.4 Besonderheiten in der Jugendphase 28
2.4.1.5 Identitätsentwicklung in der Schule 28
2.4.1.6 Kleidung als Teil der Identität 29
2.4.2 ATTRAKTIVITÄT DER SCHÜLER 30
2.4.2.1 Attraktivitätsforschung 30
2.4.2.2 Auswirkungen der äußeren Erscheinung auf die soziale Akzeptanz 31
2.4.3 PROSOZIALES VERHALTEN IN DER SCHULE 34
2.4.3.1 Motive und Standardsprosozialen Verhaltens 34
2.4.3.2 Aspekte prosozialen Verhaltens 35
2.4.3.3 Soziale Beliebtheit und soziale Randständigkeit in der Schule 36
2.5 SCHULPÄDAGOGIK 38
2.6 UNTERRICHTSKLIMA 38
2.6.1.1 Definition und Aspekte des Unterrichtsklimas 38
2.6.1.2 Schulklasse als soziales System 39
2.6.1.3 Geschlechtsspezifische Beziehungsmuster der Schüler - Schüler - Interaktion 41
2.6.1.4 Geschlechtsspezifische Tendenzen der Lehrer - Schüler - Interaktion 41
2.6.1.5 Gewalt an der Schule 42
2.6.1.6 Die Bedeutung sozialer Anerkennung in der Schulklasse 43
2.6.1.7 Wirkungen einzelner Klimamerkmale auf das Verhalten der Schüler 43
2.6.1.8 Forschungsmethoden 44
2.6.2 CORPORATE IDENTITY IN SCHULEN 45
2.6.2.1 Das Beziehungssystem in der Schulklasse 45
2.6.2.2 Ganzheitliche Identitätsbildung 46
3. BEISPIELE FÜR SCHULBEZOGENE VERÄNDERUNG DER MODENUTZUNG: EINFÜHRUNG DER SCHULKLEIDUNG 48
3.1 DAS HAMBURGER PROJEKT 48
3.2 BERLINER PROJEKT 49
3.3 MEDIENREZEPTION UND POLITISCHES MEINUNGSBILD 50
3.3.1 SCHULKLEIDUNG GEGEN MARKENWAHN, GEWALTPRÄVENTION UND MOBBING IN DER SCHULE 50
3.3.2 MEINUNGEN DER SCHÜLER 52
3.3.2.1 Die Klasse 6b der Schule Sinstorf 52
3.3.2.2 Die Klasse 8a des Willi-Graf-Gymnasium Steglitz 52
3.3.2.3 Die Klasse 10c der Heinrich-Ferdinand-Eckert-Schule 53
4. SPEZIELLE EINSTELLUNG DER SCHÜLER ZUR SCHULKLEIDUNG 54
4.1 ASPEKTE DER EINSTELLUNGSBILDUNG 54
4.1.1 OPERATIONALISIERUNG DER MERKMALE IM SCHÜLERFRAGEBOGEN UND DER LANDAUER SKALA ZUM SOZIALKLIMA (LASSO) 55
4.1.1.1 Pilotstudie Berlin 55
4.1.1.2 Untersuchung Hamburg 55
4.2 DATENERHEBUNG 55
4.2.1 DURCHFÜHRUNG DER STICHPROBE (PILOTSTUDIE BERLIN) 55
4.2.2 UNTERSUCHUNGSZEITPUNKTE DER HAMBURGER SCHULKLASSEN 56
4.2.3 ERLÄUTERUNG DES FORSCHUNGSDESIGNS 56
4.3 ZU DEN ERGEBNISSEN DER „PILOTSTUDIE BERLIN“ 57
4.3.1 DARSTELLUNG UND INTERPRETATION DER PILOTSTUDIE BERLIN 57
4.3.1.1 Sozio-ökonomische Daten 57
4.3.1.2 Einflüsse auf das Tragen von Markenkleidung 59
4.3.1.3 Wirkungserwartung der Markenkleidung 60
4.3.1.4 Bedeutungsstrukturen der Kleidung 62
4.3.1.5 Wirkungserwartung der Schulkleidung 64
4.3.1.6 Zusammenfassung der Ergebnisse der Berliner Pilotstudie 69
4.3.1.7 Zur Einschätzung des Fragebogens 70
4.4 ZU DEN ERGEBNISSEN DER „UNTERSUCHUNG HAMBURG“ 71
4.4.1 DARSTELLUNG UND INTERPRETATION DERUNTERSUCHUNG HAMBURG 71
4.4.1.1 Sozio-ökonomische Daten 71
4.4.1.2 Bedingungsstruktur der Markenkleidung 72
4.4.1.3 Wirksamkeitserwartung der Markenkleidung 75
4.4.1.4 Zufriedenheit in der Klasse und Cliquenbildung in Bezug zur äußeren Erscheinung 78
4.4.1.5 Wirksamkeitserwartung der Schulkleidung 80
4.4.1.6 Skalen der Landauer Skala zum Sozialklima 82
4.4.1.7 Praxisumsetzung der Schulkleidung 85
4.4.1.8 Zusammenfassung 87
5. ZUSAMMENFASSUNG 90
6. LITERATURVERZEICHNIS 92
7. VERZEICHNIS: ABBILDUNGEN, TABELLEN UND NEBENTABELLEN 96
8. ANHANG 100
8.1 FRAGEBOGEN ZUR SCHULUNIFORM , JULI 2001, PILOTSTUDIE BERLIN 100
8.2 FRAGEBOGEN HAMBURGER UNTERSUCHUNG 102
8.3 AUSZUG AUS DER LANDAUER SKALA ZUM SOZIALKLIMA 104
8.4 NEBENTABELLEN 106
8.4.1 TABELLEN, ABBILDUNGEN UND GRAFIKEN DER PILOTSTUDIE BERLIN 106
8.4.2 TABELLEN ABBILDUNGEN UND GRAFIKEN DER UNTERSUCHUNG HAMBURG 113
8.4.3 ERGEBNISSE DER LANDAUER SKALA ZUM SOZIALKLIMA 120
8.4.3.1 Skala zur Cliquenbildung in der Klasse 120
8.4.3.2 Skala zur Hilfsbereitschaft in der Klasse 124
8.4.3.3 Skala zur Aggression in der Klasse 127
8.4.3.4 Skala zur Zufriedenheit in der Klasse 129
8.5 DISKUSSIONSTHEMA ,,SCHULUNIFORM“ - ZWEI DURCHFÜHRUNGSVARIANTEN FÜR DIE KLASSENSTUFEN 7/8 UND 9-11 133
8.6 ROHDATEN 144

Automatisiert erstellter Textauszug:

der Schüler der Meinung, die Schulkleidung, sei geeignet ein neutrales Klima in der Institution Schule herbeizuführen. Gleichzeitig spricht sich jedoch die Mehrheit der Schüler für eine eher untergeordnete Bedeutung der Kleidung in der Anerkennung aus. Obwohl die Projektklassen wie auch die Klasse C der Hauptschule teilweise eine positive Veränderung bezüglich einzelnen Fragestellungen zur Schulkleidung angeben, lehnen sie die Schulkleidung insgesamt mehrheitlich ab. Möglicherweise stehen diese sich in gewisser Weise widersprechenden Aussagen im Zusammenhang mit der intensiven Auseinandersetzung der Schüler mit dem Stellenwert der Kleidung und der „besonderen“ Rolle der Klasse innerhalb ihrer Schule während des Projektes. Da der Berliner Modellversuch zum Tragen von Schulkleidung lediglich über den Zeitraum von acht Wochen durchgeführt wurde und die Klassen sehr unterschiedlich in ihrer Zusammensetzung hinsichtlich des Geschlechts und der Klassenstärke wie auch der Anzahl zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten sind, lassen sich vor dem Hintergrund der eher kleinen Stichprobe keine klaren Aussagen zum Einfluss des Tragens einheitlicher Schulkleidung und den Zusammenhängen zum Tragen von Markenkleidung machen. Insgesamt gesehen scheint es eher Unterschiede bezüglich des Stellenwerts von Kleidung zwischen den Hauptschülern und den Gymnasiasten zu geben. Diese schulartspezifische Untersuchung stand nicht im Mittelpunkt der vorliegenden Erhebung, wobei es nicht uninteressant wäre, diesen Effekten in weiteren Befragungen differenzierter nachzugehen. 4.3.1.7 Zur Einschätzung des Fragebogens Da die Stichprobe auch in Hamburg zu klein ist, wäre es aussagekräftiger, von der Fünferskalierung zu einer Dreierskalierung zu wechseln, um ein klareres Antwortverhalten herbeizuführen und innerhalb dieser kleinen Stichprobe hohe Streuungen zu vermeiden. Fragestellungen mit mehrfachen Kategorien stellen sich in der Berliner Studie als eher ungünstig heraus (siehe Fragestellung zum Taschengeld). In der Fragestellung „Was bedeutet für dich Kleidung?“ sind Mehrfachnennungen möglich. Auch hier besteht wieder das Problem einer zu breiten Streuung bei einer zu kleinen Stichprobe. Günstiger erscheint es auch hier, die Frage in einzelne Teilfragen umzuwandeln. Ein Teil des Berliner Fragebogens richtet sich ausschließlich an die Projektklassen. Will man jedoch einen Vergleich zwischen den Klassen mit und ohne Schulkleidung durchführen, müssen für alle teilhabenden Schüler die gleichen Fragen gelten. Nach Rücksprache mit Prof. Arnold kann dies z. B. in Form einer hypothetischen Fragestellung geschehen, zumindest in dem Bereich, der die Schulkleidung speziell umfasst. Gleichzeitig bietet es sich an, Statements zu formulieren. Offene Fragen erweisen sich als ungünstig, da viele Schüler diese nicht beantworten und die Auswertung zudem schwieriger hinsichtlich einer Kategorisierung ist. Um einen möglichen Unterschied zwischen den Klassen mit und ohne Schulkleidung herauszustellen, muss eine intensivere Fragestellung zum Umgang der Schüler innerhalb der Klasse erfolgen, wie z. B.: Gibt es Unterschiede in den sozioökonomischen Vorraussetzungen? Sind die Begründungen zum Tragen von Markenkleidung in den Klassen unterschiedlich? Wie wichtig ist die Kleidung für die eigene Person und im Umgang mit den Mitschülern? Welche Wirkungserwartung stellt sich an die Kleidung? Macht es Spaß am Unterricht teilzunehmen und gibt es Cliquen in der Klasse ? Verbessert, oder verschlechtert die Schulkleidung den Zusammenhalt? Wie sollte die Umsetzung der Schulkleidung in die Praxis erfolgen? 70 [...]

Wie auch die Begründungen in den vorangegangenen Fragestellungen zum neutralen Klima, zum Zusammenhalt und zum Schulalltag sind die Äußerungen sehr kontrovers. Die Wahrnehmung der einzelnen Schüler innerhalb einer Klasse sind sehr unterschiedlich. Dennoch lässt sich eine positive Tendenz feststellen. Vielfach werden die Verbesserung des Zusammenhalts, weniger Cliquen und eine angenehmere Atmosphäre genannt. Nur in der Klasse A überwiegt die negative Tendenz der Einstellung zur Schulkleidung. 4.3.1.6 Zusammenfassung der Ergebnisse der Berliner Pilotstudie In den vorangegangenen Abschnitten wurden die wesentlichen Ergebnisse der Berliner Untersuchung hinsichtlich der Bedeutung von Marken- bzw. Schulkleidung am Beispiel von vier Schulklassen dargestellt. Es handelt sich dabei um je zwei Klassen einer Hauptschule und eines Gymnasiums, wobei in den einzelnen Institutionen jeweils eine Klasse mit und eine Klasse ohne Schulkleidung befragt wurde. Es zeigt sich: Fast alle Schüler geben an, Markenkleidung zu tragen. Aus der Sicht der Jugendlichen scheinen dabei für den Erwerb dieser Kleidung die Höhe des Taschengeldes, der Einfluss von Werbung sowie der von den jeweiligen Marken transportierte Lifestyle beim Kauf dieser Kleidung keine entscheidende Rolle zu spielen. Dem Tragen von Markenkleidung in bestimmten Gruppen bzw. Cliquen wird von mehr als 80% der Schüler ebenfalls keine Bedeutung beigemessen. Bei denjenigen, für die Markenkleidung eine Rolle bezüglich der Anerkennung bei Freunden oder in Gruppen spielt, handelt es sich primär um Schüler der Hauptschule. Ein „Klamottenzwang“ kann jedoch in keiner der Klassen festgestellt werden. Weiterhin wird Markenkleidung vorwiegend wegen damit einhergehender positiver Effekte auf das Wohlbefinden sowie als Ausdruck der persönlichen Identität und des Lebensgefühls getragen. Dabei scheint die mit dieser Kleidung verbundene persönliche Identität insbesondere für die Mädchen eine große Rolle einzunehmen. Die Schulkleidung selbst wird von mehr als der Hälfte aller Befragten negativ eingeschätzt. Dabei befinden sich die Schüler, die sich positiv für die Schulkleidung aussprechen, wiederum vorwiegend in der Hauptschule. Weiterhin ist mehr als die Hälfte 69 [...]

Als Begründung, warum die Schulkleidung ein neutrales Klima erzeugen könnte, wurde vorwiegend von allen Klassen genannt: • Unterschiede zwischen Arm und Reich fallen weg • Beurteilung der Person nicht über die Marken • gleiche Behandlung für alle • Eindämmen des „Klamottenzwangs“ • Eindämmen der Hänseleien, des Herziehens und des Geredes • keine Angst mehr in die Schule zu kommen • das Aussehen wird dann nicht am Äußeren festgemacht, Cliquenbildung zumindest vermindert • bessere Klassengemeinschaft und Team • keine Vorurteile gegenüber einzelnen Personen In der Begründung warum Schulkleidung nicht geeignet ist, ein neutrales Klima herzustellen heißt es vorwiegend in der Klasse A: • • • • • • • • • • • Marken werden über andere Dinge gezeigt (Handys, Schmuck etc.) weil neutrales Klima schon vorhanden ist egal was man trägt, jeder hat seinen eigenen Stil es wäre wie sonst, da keiner wegen der Kleidung fertiggemacht wird jeder darf tragen was er will Uniform sieht mit der Zeit langweilig aus „Klamottenzwang“ gibt es dann erst weil die Leute dann ihre Persönlichkeit nicht über die Kleidung ausdrücken können es gibt keine Unterschiede in der Kleidung innerhalb der Klasse weil sich die Schüler deshalb nicht anders verhalten weil die Uniform nicht die Persönlichkeit verändert [...]

Arbeit zitieren:
Gaab, Britt Juli 2002: Schulkleidung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schuluniform, Unterrichtsklima, Prosoziales Verhalten, Gleichaltrigengruppen, symbolischer Interaktionismus

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