Das Scheitern der Zentralen Planwirtschaft am Beispiel der Tschechoslowakei von 1945 bis 1989
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Andreas Hödl
- Abgabedatum: Juni 2001
- Umfang: 139 Seiten
- Dateigröße: 2,9 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6061-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6061-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6061-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hödl, Andreas Juni 2001: Das Scheitern der Zentralen Planwirtschaft am Beispiel der Tschechoslowakei von 1945 bis 1989, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Planwirtschaft, Tschechoslowakei, Geschichte 1945-1989
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Diplomarbeit von Andreas Hödl
Einleitung:
1989 - das Jahr, in dem der Kalte Krieg beendet, der „Eiserne Vorhang“ demontiert, die Zweiteilung der Welt aufgehoben wurde und die kommunistische Herrschaft über Osteuropa zusammenbrach, wird in der zukünftigen Geschichtsschreibung bestimmt als ein Jahr gelten, das eine neue Epoche eingeleitet hat.
Mit dem Zusammenbruch der sowjetischen Satellitenstaaten in Osteuropa verschwand nicht nur der Ostblock und mit ihm der Warschauer Pakt , dessen Truppen die freiheitlich - demokratisch gesinnten Länder Westeuropas über 40 Jahre lang bedroht hatten, sondern es ging auch ideologisch ein System zu Grunde, welches über 70 Jahre lang in Rußland und über 40 Jahre lang in Osteuropa alle Lebensbereiche beherrscht hatte und sich totalitär über die dortigen Gesellschaften hinweg mit allen nur erdenklichen Mitteln an der Macht hielt. Während der Westen demokratisch und marktwirtschaftlich orientiert war, stellte der Ostblock ein Kommandosystem unter der Ägide Moskaus dar, dessen Hauptziel die Ausdehnung des Kommunismus auf die ganze Welt war – die Weltrevolution.
Eine wichtige Komponente des Ost-Westkonfliktes war auch die ideologisch - propagandistische Auseinandersetzung im wirtschaftlichen Bereich. Während die westlichen Staaten marktwirtschaftlich geprägt waren, hatten die Sowjetunion und deren Satellitenstaaten in Osteuropa die Zentrale Planwirtschaft eingeführt, wie sie in der Theorie von Karl Marx aufgezeigt und von den späteren bolschewistischen Parteiführern Lenin und Stalin in die Realität umgesetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg den osteuropäischen Ländern aufgezwungen wurde. Die Zentrale Planwirtschaft war das wirtschaftlich - ideologische System, mit dem gemäß der marxistisch – leninistisch – stalinistischen Theorie der Sozialismus aufgebaut werden konnte. Überall wo die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg einmarschierte, wurden nach und nach – manchmal sogar unter formaler Einhaltung demokratischer Spielregeln - Volksdemokratien errichtet, die letztlich in eine Einparteiendiktatur der jeweils nationalen kommunistischen Partei mündete. Diese waren wiederum Moskau gegenüber verantwortlich. Somit war der Machtbereich der Sowjetunion nicht nur militärisch durch den Warschauer Pakt und die Stationierung von Truppen der Roten Armee gesichert, sondern auch politisch durch die Absicherung von Einparteiendiktaturen, welche ihre Richtlinien und Befehle aus Moskau erhielten.
Die nationalen kommunistischen Parteien Osteuropas sorgten dafür, daß der Sozialismus, wie er in der Sowjetunion aufgebaut worden war, auch in Osteuropa eingeführt wurde. Sie erhielten dabei umfangreiche Unterstützung aus Moskau. Alle sowjetischen Satellitenstaaten führten auch die Zentrale Planwirtschaft ein und organisierten ihre Wirtschaft nach dem Vorbild der Sowjetunion. Daß dieses Wirtschaftssystem eigentlich nicht dazu geeignet war, die Bedürfnisse der Menschen abzudecken, hätte ein Blick in die Geschichte der Entstehung der Sowjetunion gezeigt. Daß die Realität der Zentralen Planwirtschaft gänzlich anders aussah, lehrt uns die Geschichte. Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, daß die Zentrale Planwirtschaft gerade am Beispiel der ČSSR bereits von der Theorie her zum Scheitern verurteilt war.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Abschnitt wird die Theorie der Zentralen Planwirtschaft anhand der Thesen von Karl Marx, Friedrich Engels und von Lenin und Stalin dargestellt. Weiters werden mit der theoretischen Kritik an der Zentralen Planwirtschaft, wie sie beispielsweise von Sir Karl Popper, Friedrich A. von Hayek und anderen aufgestellt wurde, die Mängel und Funktionsschwächen der Zentralen Planwirtschaft aufgezeigt.
Im zweiten Abschnitt wird anhand der praktischen Umsetzung der Zentralen Planwirtschaft in der Tschechoslowakischen Volksrepublik dargestellt, daß diese Wirtschaftsordnung vom Prinzip her nicht funktionieren konnte und als wirtschaftliches System die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht abdeckte bzw. sich die Zentrale Planwirtschaft nur dann etablieren konnte, wenn diese durch ein totalitäres System, wie es der Kommunismus war, aufgebaut und durchgesetzt wurde.
Als Quellen für die Arbeit wurden hauptsächlich Artikel aus der Reihe „Osteuropa Wirtschaft“, aus der Reihe „Österreichische Osthefte“, Artikel aus der Zeitschrift „Economist“ und einige Forschungsberichte des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche herangezogen.
Zusätzlich stützt sich die Arbeit auf Sekundärliteratur aus der Hauptbibliothek der Universität Wien, der Hauptbibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien, der Wiener Städtischen Büchereien, der Wiener Landesbibliothek, der Österreichischen Nationalbibliothek, der Institutsbibliothek des Osteuropa-Instituts und der Institutsbibliothek des Instituts für Staats- und Politikwissenschaft.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 4 | |
| Danksagung | 8 | |
| I. Abschnitt | ||
| Die Zentrale Planwirtschaft – Das Wirtschaftssystem des Kommunismus | ||
| 1. | Die Theorie der Zentralen Planwirtschaft | 9 |
| 2. | Kritik an der Theorie der Zentralen Planwirtschaft | 28 |
| II. Abschnitt | ||
| Die Tschechoslowakei - Musterschüler der Zentralen Planwirtschaft? | ||
| 3. | Die Tschechoslowakei, ein hochindustrialisierter Staat | 36 |
| 4. | Erste Vorboten der kommunistischen Machtergreifung | 46 |
| 5. | Die Einführung der Zentralen Planwirtschaft | 56 |
| 6. | Die Auswirkungen der Zentralen Planwirtschaft | 68 |
| 7. | Der „Prager Frühling“ | 82 |
| 8. | „Normalisierung“ - die Wiederherstellung der Zentralen Planwirtschaft | 92 |
| 9. | Die wirtschaftliche Entwicklung in den achtziger Jahren | 107 |
| Schlußwort | 112 | |
| Anhang | 116 | |
| Bibliographie | 128 |
Zentralen Organe erarbeiteten mit Hilfe von Mitarbeitern aus den verschiedenen wirtschaftlichen Ministerien die Planziele für den Zweijahresplan aus. Hierbei handelte es sich noch nicht um die Aufstellung von Planauflagen für die einzelnen Wirtschaftszweige bzw. in Folge einzelner Betriebe, sondern vornehmlich um die Abstimmung der Investitionsvorhaben, der Exporttätigkeit, der Forschung und Entwicklung.122 Wenn auch der Zweijahresplan noch nicht die Charakteristika der Zentralen Planwirtschaft zur Gänze erfüllte, so ließ sich an der konkreten Wirtschaftspolitik in den nächsten zwei Jahren, besonders nach der totalen Machtergreifung der Kommunisten deutlich erkennen, daß die Volkswirtschaft der Tschechoslowakei auf dem Weg zur Zentralen Planwirtschaft nach dem Vorbild der Sowjetunion war. Laut offiziellen Angaben konnte die Tschechoslowakei mit Hilfe des Zweijahresplanes in nur drei Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg das Vorkriegsniveau von 1937 in puncto Volkseinkommen erreichen und in der industriellen Produktion sogar um 10 Prozentpunkte überschreiten. Nur die landwirtschaftliche Produktion [...]
Durch die Vertreibung der Sudetendeutschen gingen der tschechoslowakischen Industrie nicht nur 450 000 Industriearbeiter verloren, die für die Wiederaufbau dringend benötigt worden wären, sondern auch 400 000 Bauern. Dies bedeutete für die Tschechoslowakei einen Verlust von 28 Prozent aller bisherigen landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. 116 Am 26. Mai 1946 fanden in der Tschechoslowakei die letzten freien und geheimen Wahlen zur Nationalversammlung vor 1990 statt. Diese Wahlen waren jedoch bereits durch die Auflage beschränkt, daß nur die Parteien der Nationalen Front zugelassen waren. Somit wurde die in der Ersten Republik so bedeutende Agrarpartei wie auch andere politische Gruppierungen von der Wahl ausgeschlossen. Mit 37,4 Prozent wurden die Kommunisten die stärkste Partei, ein Umstand, der mit Sicherheit einerseits mit dem Verbot der Agrarpartei zu [...]
Vertreibung der Sudetendeutschen unter Arbeitskräftemangel litt und anderseits auf Rohstofflieferungen, vor allem auf Erdöl, angewiesen war. Auch brauchte die ČSR Finanzkredite, die durch die UNRRA gewährt wurden. Jedoch hatte sich im industriellen Bereich in zwei Hinsichten ein grundlegender Strukturwandel vollzogen. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg und durch die Vertreibung der Sudetendeutschen, die einen Großteil der Spezialisten und Facharbeiter für die Leichtindustrie gestellt hatten, hatte sich der Schwerpunkt der tschechoslowakischen Industrie eindeutig zur Schwerindustrie verlagert. Der zweite Strukturwandel war durch die Beneš-Dekrete eingetreten, die gesamte Grundindustrie sowie der Finanzsektor waren nationalisiert und damit dem Eigentum der nationalen Minderheiten entzogen worden. 110 Auch in der Landwirtschaft sollten die nationalen Minderheiten - allen voran die Deutschen - ihr Eigentum verlieren. In Ergänzung zum Präsidialbeschluß des 19. Mai 1945 über die Beschlagnahmung des deutschen und ungarischen [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832460617
Arbeit zitieren:
Hödl, Andreas Juni 2001: Das Scheitern der Zentralen Planwirtschaft am Beispiel der Tschechoslowakei von 1945 bis 1989, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Planwirtschaft, Tschechoslowakei, Geschichte 1945-1989



