Scheitern von Entrepreneuren
Analyse möglicher Faktoren für das Nicht-Gelingen von Jungunternehmen mithilfe biographisch-narrativer Interviews
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Mona I. Thraen
- Abgabedatum: Juli 2010
- Umfang: 67 Seiten
- Dateigröße: 525,6 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft Deutschland
- Bibliografie: ca. 59
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0981-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Thraen, Mona I. Juli 2010: Scheitern von Entrepreneuren, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Entrepreneurship, Scheitern, Biographie, Interview, Michael E. Gerber
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Bachelorarbeit von Mona I. Thraen
Einleitung:
In jedem Bereich des Lebens und des gemeinsamen Miteinanders finden Dinge entweder ungewollt oder aber Geplantes nicht oder anders statt. Es wird jeden Tag ein wenig gescheitert.
Das früheste Scheitern unserer Geschichte ist wohl die Verbannung von Adam und Eva aus dem Paradies. Aber auch jüngere Ereignisse, wie der Untergang der DDR oder die heutige Finanzkrise, können als Scheitern gesehen werden.
Neben solchen geschichtlich-gesellschaftlichen Situationen gibt es jedoch auch ganz privates Scheitern. So führte im Jahr 2008 jede zweite Ehe in Deutschland zu einer Scheidung und 7,8% der zivilen Erwerbspersonen waren arbeitslos gemeldet. Dies sind nur einige Gebiete in unserer Gesellschaft, die im Volksmund als gescheitert bezeichnet werden.
Besonders in den Jahren der Finanzkrise 2008/09 findet Scheitern vermehrt im beruflichen Umfeld statt. Dies kann die Kündigung eines Angestelltenverhältnisses sein, aus Sicht des Unternehmers aber auch in Form einer Insolvenzanmeldung stattfinden.
In den Zeitungen wird viel über Insolvenzen von Großunternehmen berichtet, da diese eine große Gefahr des Arbeitsplatzverlustes für viele Arbeitnehmer bedeutet.
Diese Großunternehmen bilden jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Bei der genauen Betrachtung der Zahlen ist festzustellen, dass 99,7% aller sich in Deutschland befindenden Unternehmen Kleine- und Mittelständische Unternehmen (KMUs) sind. Laut dem Institut für Mittelstandsforschung in Bonn gewähren diese 70,5% der Arbeitsplätze in Deutschland.
Die Wichtigkeit von KMUs wird jedoch nicht nur angesichts dieser hohen Beschäftigtenzahlen deutlich, sondern auch durch die Mehrheit der Neugründungen, die meist als solche beginnen.
Laut dem Statistischen Bundesamt betrug im Jahr 2009 die Zahl der neu angemeldeten Unternehmen rund 412.600. Gleichzeitig mussten insgesamt 32.687 Unternehmen und Kleingewerbe zur Insolvenz angemeldet werden. Das sind 11,6% mehr als im Vorjahr.
Da die Gründungstendenz gerade in Krisenzeiten wegen der steigenden Arbeitslosenzahl im Allgemeinen höher liegt, ist in den kommenden Jahren von einer vermehrten Zahl an Neugründungen auszugehen. Diese wird im Gegenzug jedoch voraussichtlich auch zu einer höheren Insolvenzrate führen, da sich die Jungunternehmen gegenseitig vom Markt verdrängen.
Nach einer Studie von 1983 bis 2002 überleben gerade einmal knapp mehr als die Hälfte der Neugründungen ihre ersten fünf Jahre. Über 75% der Unternehmen werden innerhalb der ersten 18 Jahre zur Insolvenz angemeldet. Ähnliche Zahlen bestätigt auch der Wirtschaftswissenschaftler Günter Faltin für die Gegenwart. Er geht von einem momentanen 80-prozentigen Scheitern von Neugründungen in den ersten 10 Jahren aus.
In Anbetracht dieser finsteren Prognosen, erscheint es wichtig, die Gründe für das Nicht- Gelingen eines Jungunternehmens genauer zu analysieren.
Weshalb werden so viele Jungunternehmen noch vor der Erreichung ihres zehnten, fünften oder gar schon dritten Lebensjahres aufgegeben?
Anhand der Betrachtung von gescheiterten Jungunternehmen sollen in dieser Arbeit mögliche Gründe zur Beantwortung dieser Frage erarbeitet werden. Ziel ist es, anhand ausgewählter qualitativer Interviews mit gescheiterten Unternehmensgründern mögliche Ursachen für den Misserfolg ihrer Unternehmen zu analysieren.
Das Thema Unternehmensgründung soll hier anhand der seit einigen Jahren auch in Deutschland zunehmenden Entrepreneurship-Forschung dargelegt werden. Daher soll im ersten Teil der Arbeit auf die Definitionen und Grundlagen von Entrepreneurship sowie dessen unterschiedliche Betrachtungsweisen eingegangen werden.
Auch soll die Bedeutung von Scheitern näher betrachtet werden. Diese soll später helfen, etwaige Zusammenhänge zwischen externen Faktoren des Unternehmensscheiterns, sowie der inneren Grundhaltung des Unternehmer-Individuums herstellen zu können.
Teil B stellt den empirischen Teil der Arbeit, anhand von biographisch-narrativen Interviews, dar. Nach einer Erläuterung der Forschungsmethodik folgt die Auswertung und Interpretation der mit gescheiterten Entrepreneuren geführten Interviews. Die Interpretation schließt an den Grundlagen von Entrepreneurship und Scheitern an.
Die abschließende Diskussion der Ergebnisse soll die beiden Fälle A und B vergleichen. Die daraus erlangten Erkenntnisse dienen als Grundlage für das endgültige Fazit und dienen als Forschungsausblick.
Inhaltsverzeichnis:
| TABELLENVERZEICHNIS | III | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| MANAGEMENT SUMMARY | ||
| TEIL A: Theoretischer Teil | ||
| 1. | EINFÜHRUNG | 2 |
| 2. | GRUNDLAGEN: ENTREPRENEURSHIP | 4 |
| 2.1 | Definition ‘Entrepreneurship’ | 4 |
| 2.2 | Klassische vs. Alternative Ansätze der Entrepreneurship-Forschung | 5 |
| 2.2.1 | Der Business Plan Ansatz | 5 |
| 2.2.2 | Der Schumpeter’sche Ansatz | 5 |
| 2.2.3 | Der Gerber’sche Ansatz | 6 |
| 2.2.4 | Fazit aus den einzelnen Ansätzen | 7 |
| 3. | GRUNDLAGEN DES SCHEITERNS | 8 |
| 3.1 | Definition: Was ist Scheitern? | 8 |
| 3.1.1 | Externe Faktoren des Scheiterns | 9 |
| 3.1.2 | Interne Faktoren des Scheiterns | 12 |
| 3.2 | Gesellschaftlicher Umgang mit Scheitern | 16 |
| 3.3 | ‘Erfolgreich Scheitern’ | 18 |
| TEIL B: Empirischer Teil | ||
| 4. | METHODEN-DESIGN | 19 |
| 5. | ANALYSE FALL A | 21 |
| 5.1 | Biographisches Portrait | 21 |
| 5.2 | Ausgangslage des Interviews | 23 |
| 5.3 | Analytische Deskription | 24 |
| 5.4 | Interpretation und Diskussion | 30 |
| 6. | ANALYSE FALL B | 36 |
| 6.1 | Biographisches Portrait | 36 |
| 6.2 | Ausgangslage des Interviews | 37 |
| 6.3 | Analytische Deskription | 38 |
| 6.4 | Interpretation und Diskussion | 43 |
| 7. | DISKUSSION | 49 |
| 8. | FAZIT | 55 |
| 9. | LITERATUR | 58 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, ‘Erfolgreich Scheitern’:
Dass Scheitern ein subjektives Erleben ist, beschreibt auch Stefan Zahlmann, indem er das Scheitern als ‘wahrgenommene Differenz zum gelungenen Leben’ bezeichnet.
Doch bedeutet Scheitern damit auch die Unmöglichkeit eines ‘gelungenen Lebens’? Wie findet das gescheiterte Individuum aus einer Spirale des Scheiterns wieder heraus? Und gibt es das ‘erfolgreiche Scheitern’, wie es in vielen Ratgebern beschrieben wird, wirklich? Wie kann man sich dieses Oxymoron vorstellen?
In der Wissenschaft wird die Wichtigkeit des Scheiterns schon von Popper beschrieben. Nach seiner Erkenntnis sind Forschungsergebnisse nur durch den Einbezug von falsifizierenden Faktoren möglich. Ohne diese ist auch keine Verifikation und Entwicklung möglich.
Genauso stellt sich daher die Frage, ob Scheitern nicht auch allgemein für die menschliche Entwicklung wichtig ist. Dies wird von Scheiter-Experten wie Claus Eurich oder Hans Scharmer eindeutig bejaht. Zwar ist es nicht zwangsweise notwendig zu scheitern, doch kann der Mensch sich bei einer solchen Erfahrung positiv entwickeln. Allerdings nur, solange er sein Scheitern nicht umdeutet und es retrospektiv für die Ursache eines späteren Erfolges umwandelt. Erfolgreich Scheitern bedeutet also nicht ‘Glück im Unglück’ oder aus einem Misserfolg einen Erfolg machen.
Vielmehr bedeutet ‘erfolgreich Scheitern’, sich dem Scheitern zu stellen. Die Betrachtung der eigenen Wahrnehmung sowie dem eigenen Umgang mit der Gesellschaft und derer mit einem selbst. Die Akzeptanz, dass es ein eigenes Scheitern gibt. Dass Scheitern erkannt, durchlebt und damit gearbeitet wird. Scheitern muss als ein Teil des eigenen Lebens angenommen werden. Es kann kein Erfolg ohne Misserfolg geben.
Auch muss Abstand genommen werden von der Einteilung in Gut und Böse. Erfolg und Scheitern, bei dem das Böse, das Scheitern, unter allen Umständen verhindert werden muss.
Scheitern ist daher nicht der Antagonist zu Erfolg, sondern hat seine ganz eigene Qualität. Durch die Verarbeitung von Scheitern kann ein ganz neues, (selbst)bewussteres Lebensgefühl, ein spirituelles Erwachen stattfinden, wie es Eurich in seinem Buch ‘die heilende Kraft des Scheiterns’ beschreibt. Ein Beispiel einer solchen Metamorphose findet sich beispielsweise in einem der Interviews in Teil B dieser Arbeit.
Die obigen Erläuterungen lassen nun das absolute Scheitern sowie dessen Abhängigkeit von der subjektiven Wahrnehmung, welche zum Teil durch das gesellschaftliche Urteil geprägt ist, verständlicher werden.
Demnach gibt es genau genommen kein absolutes Scheitern. Denn selbst wenn das angestrebte Ziel (z.B. das eigene Unternehmen) absolut scheitert, nichts mehr zu machen ist und der Gescheiterte keinen Ausweg mehr sieht, so kann sich das Individuum trotzdem weiterentwickeln. Nur wenn der Gescheiterte stehen bleibt und sich sogar zurück entwickelt, wenn er sich seinen Depressionen hingibt, resigniert und das Geschehene nicht verarbeitet, dann kann von einem absoluten, da inneren, Scheitern gesprochen werden. Absolutes Scheitern ist also wieder nur von der Wahrnehmung des Einzelnen abhängig und kann so auch zu einem graduellen Scheitern werden und zu einer kreativen Neuausrichtung des Lebens führen.
TEIL B: Empirischer Teil:
4, METHODEN-DESIGN:
Ausgehend von der bisherigen Theorie zu Entrepreneurship und Scheitern aus Teil A werden in Teil B nun Ergebnisse aus der Praxis mit einbezogen. Hierzu wurden vereinzelte Interviews mit gescheiterten Jungunternehmern aus Deutschland gehalten. Im Folgenden soll kurz auf das Methoden-Design eingegangen werden:
Es wurde sich bewusst für eine qualitative Befragung entschieden, da davon auszugehen ist, dass diese genug Raum für den Vertrauensaufbau zum Befragten gibt. Dies erleichtert es, detaillierte Schilderungen über den Lebensweg und das Scheitern des Informanten zu erhalten. Durch die Konzentration auf eine Einzelperson kann daher ein besserer Einblick in den Charakter erlangt werden, und es können sowohl externe sowie mögliche interner Scheiter-Gründe aufgestellt werden.
Als Methode für diese Arbeit wurde die biographisch-narrative Interviewmethode nach Fritz Schützes sozialwissenschaftlichen Erhebungsverfahren angewendet.
Narrativ bedeutet ‘erzählend’ und geht auf den Erzählcharakter der Interviews ein. Durch den Einbezug von lebensgeschichtlichen Aspekten wird diese Methode biographisch. Somit lassen sich zum einen die verschiedenen Lebensphasen des Interviewten nachvollziehen, zum anderen kann auf einzelne Erlebnisse, die dem Informanten besonders wichtig erscheinen, eingegangen werden.
Diese Art des Interviews ‘basiert auf sprach-soziologischen Analysen der inneren Wirkmechanismen von kommunikativen Interaktionen, insbesondere des Stegreiferzählens’ und soll eine intuitive, spontane Erzählung der eigenen Geschichte hervorrufen. Die Erzählungen sollen in einer entspannten Atmosphäre von Angesicht zu Angesicht entstehen, in der dem Interviewten das Gefühl vermittelt wird, verstanden zu werden.
Durchführung:
Das biographisch-narrative Interview besteht aus folgenden drei Phasen: die Spontanerzählung, der tangentiale Nachfrageteil und der ‘bilanzierende’ Nachfrageteil.
Der Forschende stellt zunächst eine sogenannte Erzählaufforderung und bittet den Interviewten um eine ausführliche und freie Erzählung seiner persönlichen Erfahrungen hinsichtlich des Objektbereichs. Sobald der Befragte beginnt zu erzählen, ist es wichtig, dass ihn der Befragende nicht unterbricht, seinen Erzählungen jedoch intensiv zuhört. Die Aufgabe des Forschenden ist es, sein Interesse nonverbal deutlich zu machen und dadurch den Erzählfluss des Informanten zu fördern.
Erst wenn der Erzählende dem Zuhörer ein Signal (Coda) gibt, das deutlich macht, dass er dem Erzählten nichts mehr hinzuzufügen hat, kann der narrative Teil beendet werden.
Es folgt der tangentiale Nachfrageteil, in dem noch einmal auf Verständnisfragen sowie eventuelle Lücken oder Widersprüche innerhalb der Erzählung eingegangen werden kann.
Im letzten Teil des Interviews kann der Forschende weitere, seine Forschung interessierende Fragen stellen. Generell sollte darauf geachtet werden, dass ausschließlich retrospektive Fragen gestellt werden, da sonst die Reflexionsqualität der Antworten zu bezweifeln ist. Auch soll dies gewährleisten, dass die Betroffenheit des Interviewten hinsichtlich der Aktualität des Themas nicht zu sehr beansprucht wird.
Bei der analytischen Deskription und späteren Interpretation der Interviews soll ganz auf den Menschen eingegangen und versucht werden, seine Erlebnisse und Erfahrungen von innen heraus zu verstehen. Auch auf Pausen, Intonation und Ausdrücke der Informanten wird geachtet. Oftmals sagen diese mehr aus als der sprachliche Ausdruck zulässt.
Im Folgenden werden die Ergebnisse zweier biographisch-narrativen Interviews gegeben. Diese sollen in der Diskussion miteinander verglichen werden und Hinweise auf mögliche Faktoren des Scheiterns der beiden Informanten geben.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842809819
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Entrepreneurship, Scheitern, Biographie, Interview, Michael E. Gerber



