Schattenwirtschaft in Deutschland
Eine Analyse unter Berücksichtigung der neuesten wirtschaftspolitischen Maßnahmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marcel Sarman
- Abgabedatum: August 2003
- Umfang: 89 Seiten
- Dateigröße: 548,0 KB
- Note: 2,7
- Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7628-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7628-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7628-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Sarman, Marcel August 2003: Schattenwirtschaft in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Ich-AG, Meisterbrief, Schwarzarbeit, Agenda 2010, Mini-Job
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Diplomarbeit von Marcel Sarman
Einleitung:
„Wenn es gelingt die Schwarzarbeit einzudämmen, ist viel erreicht, und das wird unterm Strich eher mehr als weniger Staatseinnahmen bringen.“ Diese Aussage von Bundeskanzler Schröder macht deutlich, dass die Bekämpfung der Schwarzarbeit von der Bundesregierung als wichtig angesehen wird, um unter anderen die Sozialversicherungen zu sanieren und die Staatsschulden zu senken. Der Vergleich der Wachstumsraten von offizieller und inoffizieller Wirtschaft ist ein weiteres Indiz für die Dringlichkeit des Problems. Während die offizielle Wirtschaft seit Jahren nur Wachstumsraten von 1 bis 2 Prozent aufweist, wuchs die Schattenwirtschaft 2003 um 5,6 Prozent. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit dem Phänomen der Schattenwirtschaft bzw. Schwarzarbeit.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Kapitel wird im Rahmen einer kurzen Einleitung ein Überblick über die Thematik gewährt. Im zweiten Kapitel erfolgt eine präzise wissenschaftliche Definition des Begriffs Schattenwirtschaft, wobei die Schattenwirtschaft im engeren Sinne und die Schattenwirtschaft im weiteren Sinne gegeneinander abgegrenzt werden.
Das dritte Kapitel besteht aus drei Statistiken: die Entwicklung der Schattenwirtschaft in Deutschland, der Umfang der Schattenwirtschaft im internationalen Vergleich und die Aufteilung der Schattenwirtschaft auf die einzelnen Bereiche (Bauwirtschaft, haushaltsnaher Bereich, etc.). Anschließend werden drei theoretische Ansätze der Schattenwirtschaft kurz dargestellt: Das Grundmodell der Steuerhinterziehung, die Guttmann-Kurve und die Exit-Voice Theorie.
Da derjenige, der schwarz arbeitet, logischerweise alles tut, um sein Tun zu verheimlichen, werden im fünften Kapitel einige Messmethoden erläutert, anhand derer es dennoch möglich ist den Umfang der Schattenwirtschaft relativ präzise abzuschätzen.
Aufbauend auf einer Studie des bekannten Ökonomen Friedrich Schneider werden im sechsten Kapitel die wichtigsten Ursachen der Schattenwirtschaft dargestellt.
Im siebten Kapitel werden die positiven und negativen Aspekte des Phänomens gegenübergestellt, wodurch sich der Leser sein eigenes Urteil zur Schattenwirtschaft bilden kann.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt im achten Kapitel, in dem der Bezug zu den aktuellen Gesetzesänderungen hergestellt wird, wobei diese im Hinblick auf ihre Wirksamkeit bei der Bekämpfung der Schattenwirtschaft kritisch durchleuchtet werden. Zunächst wird erläutert, inwieweit Kontrollen bzw. Strafverschärfungen dazu geeignet sind die Schwarzarbeit einzudämmen und welche organisatorische Änderungen nötig sind, um eine effizientere Bekämpfung zu ermöglichen. Anschließend wird dargestellt, wie eine Steuerreform wirkt bzw. welche Rolle Subventionen in diesem Kontext spielen. Im Kapitel 8.3 wird ein radikales Konzept des DIW vorgestellt, dass vorsieht die Lohnnebenkosten auf 5,5 Prozent zu drücken und somit entscheidend dazu beitragen kann, den Kostenunterschied zwischen Schwarzarbeit und legaler Arbeit zu senken.
Sind Ich-AGs und Mini-Jobs dazu geeignet die Flucht in die Schwarzarbeit zu stoppen, oder sind sie Schlagworte, die nichts bewirken? Diese Frage wird im nächsten Abschnitt behandelt.
Mit der Zinsabgeltungssteuer wird ein Instrumentarium vorgestellt, um die Kapitalflucht rückgängig zu machen. Das Handwerk ist der Bereich, in dem Schwarzarbeit in Deutschland am häufigsten zu finden ist. Als eine der wichtigsten Ursachen hierfür gilt der große Befähigungsnachweis (Meisterbrief). Warum dem so ist und welche Argumente für bzw. gegen den Meisterbrief sprechen, wird in Kapitel 8.7 erläutert.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Definition der Schattenwirtschaft | 3 |
| 3. | Empirischer Befund | 6 |
| 4. | Theorien der Schattenwirtschaft | 9 |
| 4.1 | Grundmodell der Steuerhinterziehung | 12 |
| 4.2 | Die Laffer- bzw. Gutmannkurve | 14 |
| 4.3 | Die Exit-Voice-Theorie | 16 |
| 5. | Messmethoden der Schattenwirtschaft | 16 |
| 5.1 | Direkte Verfahren | 16 |
| 5.1.1 | Befragungen | 17 |
| 5.1.2 | Erhebungen zur Steuerhinterziehung | 17 |
| 5.2 | Indirekte Verfahren | 18 |
| 5.2.1 | Die Ausgaben überschreiten die Einnahmen | 18 |
| 5.2.2 | Der Unterschied zwischen den Erwerbsquoten | 19 |
| 5.2.3 | Bargeldnachfrageansatz | 20 |
| 5.2.4 | Elektrizitätsverbrauchsansatz | 22 |
| 6. | Ursachen der Schattenwirtschaft | 23 |
| 6.1 | Hohe Steuerbelastung | 24 |
| 6.2 | Hohe Sozialbeiträge (Lohnnebenkosten) | 28 |
| 6.3 | Staatliche Regulierungen | 31 |
| 6.3.1 | Beispiel Bauwirtschaft | 35 |
| 6.4 | Schlechte Steuermoral | 36 |
| 6.5 | Fehlanreize im Transfersystem | 39 |
| 7. | Wirkungen der Schattenwirtschaft | 41 |
| 7.1 | Positive Wirkungen | 41 |
| 7.2 | Negative Wirkungen | 44 |
| 8. | Maßnahmen gegen die Schattenwirtschaft | 48 |
| 8.1 | Erhöhung der Kontrollen bzw. Strafverschärfung | 48 |
| 8.2 | Steuerreform | 52 |
| 8.2.1 | Wirkungen einer Steuerreform | 55 |
| 8.3 | Senkung der Lohnnebenkosten | 56 |
| 8.4 | Ich-AG und Mini-Jobs | 60 |
| 8.4.1 | Ich-AG | 60 |
| 8.4.2 | Mini-Jobs | 63 |
| 8.5 | Zinsabgeltungssteuer | 65 |
| 8.6 | Maßnahmen im Wohnungsbau | 68 |
| 8.7 | Einschränkung der Meisterbriefpflicht | 69 |
| 9. | Fazit | 72 |
| Literatur | 74 |
Es erscheint zun¨ chst fragw¨ rdig im Rahmen einer wirtschaftswissenschaftlichen a u ¨ Arbeit auf den Aspekt der Steuermoral einzugehen. Wenn man allerdings den okonomischen Ansatz als allgemeinen Ansatz zur Erkl¨ rung menschlichen Verhaltens a ¨ begreift, gibt es keinen Grund die Steuermoral nicht okonomisch zu analysieren. Der zentrale Unterschied zu den Modellen mit rationalem Verhalten ist, dass an¨ stelle der ublichen Modellannahme des Eigennutzes die Annahme moralischen Verhaltens tritt [Kirchg¨ ssner 1999, S. 426]. a Der Zusammenhang zwischen Schattenwirtschaft und Moral wird an folgen¨ der Uberlegung deutlich: Weil keine Sozialbeitr¨ ge entrichtet werden, bedeuten a Aktivit¨ ten in der Schattenwirtschaft eine Ausnutzung des Sozialstaates. Es ist a unmoralisch den Sozialstaat auszunutzen. Daraus folgt, dass es unmoralisch ist in der Schattenwirtschaft zu arbeiten und als Schlussfolgerung daraus, dass das Ausmaß der Schattenwirtschaft umso geringer ist, je h¨ her der moralische o Standard einer Gesellschaft ist [Kirchg¨ ssner 1999, S. 425]. a Eine Studie der Forschungsstelle f¨ r empirische Sozial¨ konomik hat 1997 u o [Forschungsstelle 1997] herausgefunden, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen Steuermoral und Steuerhinterziehung besteht [Frey 2002, S. 131]. Damit wurde die schon 1992 von Pommerehne aufgestellte Hypothese best¨ tigt: Je niedriger die Steuermoral ist, desto eher werden die Steuera pflichtigen unter sonst gleichen Bedingungen bereit sein Steuern zu hinterziehen [Pommerehne 1992, S. 445]. Die Finanzpsychologie geht davon aus, dass es f¨ r die Durchsetzung eines u Steuersystems ein Mindestmaß an Einsicht in die Notwendigkeit eines staatlichen ¨ Wesens bedarf. Diese als Steuermoral bezeichnete Einsicht, außert sich in korrekter und gewissenhafter Bezahlung der Steuerschuld und wird von einer Vielzahl von Variablen beeinflusst [Giersberg 1988, S. 10]: • Alter, Bildungsniveau • Einstellung zum Staat ¨ • okonomische Schichtzugeh¨ rigkeit o • Verh¨ ltnis von geleisteter Steuerzahlung zu empfangenen Leistungen. a Um die Steuermoral quantitativ erfassen zu k¨ nnen, wird durch Umfragen o das Steuerbelastungsgef¨ hl ermittelt, welches durch zwei Komponenten bestimmt u wird [Giersberg 1988, S. 10]: 1. die Steuermentalit¨ t (gepr¨ gt durch die allgemeine Grundeinstellung zum a a Staat und die Beurteilung der Leistungsf¨ higkeit des Staates) a 36 [...]
Am Beispiel der Bauwirtschaft, die ja einen wesentlichen Anteil an der Schattenwirtschaft hat, kann dargestellt werden, welche Regulierungen existieren und wie sinnvoll bzw. unsinnig diese sind. Die Paragraphen beziehen sich auf die Bauordnung Sachsen-Anhalt, wobei es zumindest zweifelhaft erscheint, warum in Sachsen-Anhalt andere Vorschriften als in Nordrhein-Westfalen gelten m¨ ssen. u In der Bauwirtschaft m¨ ssen eine ganze Reihe von Vorschriften beachtet weru den [Grabau 2003, S. 38–41]: • Ein Geb¨ ude darf nur errichtet werden, wenn es in angemessener Breite an a ¨ einer befahrbaren offentlichen Verkehrsfl¨ che liegt (§ 4 BauO LSA). a • Gefahrenzonen sind abzugrenzen bzw. mit Warnzeichen zu kennzeichnen (§ 14 BauO LSA). • Vor der Errichtung einer Baustelle muss ein Sicherheitsplan erstellt werden, wenn beispielsweise in einem geringerem Abstand als 5 Meter von Hochspannungsleitungen entfernt gearbeitet wird oder bei Arbeiten mit Sprengstoff. Bei den hier genannten Reglementierungen ist logisch, dass sie nicht abgeschafft werden k¨ nnen, da der Schutz der Gesundheit der Arbeiter bzw. Bewohner Zweck o dieser Regularien ist. Der Sinn dieser Vorschriften wird allgemein nicht angezweifelt, so dass sie sicher nicht die Ursache f¨ r das große Ausmaß der Schwarzarbeit u in der Bauwirtschaft darstellen. Gr¨ ßere Akzeptanzprobleme haben sicher die Umweltschutzbestimmungen o (z.B. Kosten f¨ r die Verpflichtung zur Ersatzbepflanzung oder die Ersatzbeschafu fung von Mutterboden). Diese Vorschriften treiben die Kosten in die H¨ he und o ¨ sind h¨ ufig auch nicht logisch, so dass der Bauherr eventuell dazu ubergeht, an a anderer Stelle zu sparen und in die Schattenwirtschaft abwandert [Grabau 2003, S. 43]. [...]
¨ Obwohl der Anteil der im offentlichen Dienst Besch¨ ftigten in USA h¨ her als in a o Deutschland ist, ist der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP weitaus geringer. ¨ Dies kann zum einen daran liegen, dass der Anteil der im offentlichen Dienst Besch¨ ftigten kein geeigneter Indikator f¨ r das Ausmaß der Regulierung ist, oder a u zum anderen, dass der Umfang der Regulierung keinen geeigneten Maßstab f¨ r u das Ausmaß der Regulierungsdichte darstellt [Miller 1985, S. 92]. Allerdings ist beispielsweise die Staatsquote auch kein geeigneter Maßstab, da sie sich nur auf Ausgaben bezieht und staatliche Aktivit¨ t auch in Geboten bzw. a Verboten ihren Niederschlag findet [Miller 1985, S. 92]. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832476281
Arbeit zitieren:
Sarman, Marcel August 2003: Schattenwirtschaft in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Ich-AG, Meisterbrief, Schwarzarbeit, Agenda 2010, Mini-Job



