Sanierungskredite in der Restrukturierungsfinanzierung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Tobias Weigl
- Abgabedatum: Februar 2004
- Umfang: 141 Seiten
- Dateigröße: 881,4 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: European Business School Schloß Reichartshausen, Oestrich-Winkel Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8221-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8221-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8221-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Weigl, Tobias Februar 2004: Sanierungskredite in der Restrukturierungsfinanzierung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Restrukturierung, Finanzierung, Kredit, Sanierung, Krisenunternehmen
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Diplomarbeit von Tobias Weigl
Problemstellung:
Seit der Jahrtausendwende ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen durchschnittlich um ca. 10,5 Prozent per annum gestiegen und hat im Jahr 2003 mit rund 39.700 Insolvenzen abermals einen neuen Höchststand erreicht. Neben überwiegend kleinen und mittelgroßen Firmen waren auch große (Traditions-)Unternehmen wie Aero Lloyd, Babcock Borsig, Fairchild Dornier, Grundig, Herlitz, Kirch Media oder Philipp Holzmann in den Jahren 2001 bis 2003 von der Insolvenz betroffen. Der gesamtwirtschaftliche Schaden ist enorm. Im Jahr 2003 betrugen die Insolvenzschäden in Deutschland rund 40 Mrd. EUR, wobei infolge der Unternehmensinsolvenzen über 613.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren. Die Zahl der Insolvenzanträge zeigt jedoch nur die „Spitze des Eisbergs“, da die Insolvenz das vorläufige Endstadium einer krisenhaften Entwicklung von Unternehmen ist. Die Anzahl der Unternehmen, die sich in den letzten Jahren tatsächlich in einer Krise befanden, ist folglich um ein Vielfaches höher. Neben der konjunkturellen Schwäche der letzten Jahre, wird gerade bei kleinen bis mittleren Unternehmen die unzureichende Kapitalausstattung als Hauptgrund der Unternehmenskrisen identifiziert.
Die Schlüsselrolle bei der Finanzierung einer Krisenbewältigung obliegt in Deutschland bis heute den Banken, da sie in der Regel die Großgläubiger der Krisenunternehmen sind und sich die Frage der Krisenbewältigung unter anderem auf die Gewährung neuer Finanzmittel, insbesondere von Sanierungskrediten, konzentriert. Die Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2003 verdeutlichen jedoch, dass die Bereitschaft der Banken, Sanierungskredite zu vergeben, selektiver und restriktiver geworden ist.
Diese Erkenntnis begründet die hohe Relevanz der vorliegenden Arbeit für die Praxis. Grundsätzlich basiert die Entscheidung zur Sanierungskreditvergabe unter Sicherheit auf einem Barwertvergleich. In der Praxis respektive unter Unsicherheit kommt es aber zu Abweichungen von dieser Entscheidungsregel. Daher stellt die Arbeit einen Versuch dar, das Entscheidungsproblem mittels mehrdimensionaler und interdependenter Einflussfaktoren zu erfassen.
Ziel soll es sein, Banken, Krisenunternehmen und Dritten eine Parameterfunktion an die Hand zu geben, die das einzelfallspezifische Entscheidungsproblem der Sanierungskreditvergabe annäherungsweise konzeptionalisiert. Darüber hinaus soll die Arbeit aktuelle Entwicklungstendenzen aufzeigen und so unter Verwendung der ermittelten Ergebnisse einen Anstoß für weitere Forschungsaktivitäten geben.
Aufbau der Arbeit:
Die vorliegende Arbeit ist in sieben Kapitel untergliedert. Im ersten Kapitel wird die Problemstellung des Themas aufgezeigt sowie die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit definiert. Des Weiteren wird der Aufbau beschrieben und Anmerkungen zum methodischen Vorgehen gemacht.
Im zweiten Kapitel werden die konzeptionellen Grundlagen zu Unternehmenskrisen und der Restrukturierung als Instrument zur Bewältigung solcher Krisen genannt. Dazu werden die bestehenden Erkenntnisse der Forschung systematisiert und für die Arbeit relevante Abgrenzungen vorgenommen.
Das dritte Kapitel baut auf den vorherigen Erkenntnissen auf und beschreibt den Sanierungskredit als bedeutsame finanzwirtschaftliche Restrukturierungsmaßnahme. Die Ausführungen basieren dabei auf existierenden theoretischen Grundlagen und auf Erkenntnissen aus der Praxis. Das zweite und dritte Kapitel bilden den konzeptionellen Bezugsrahmen für den weiteren Verlauf der Arbeit.
Basierend auf der theoretischen Herleitung des Entscheidungsproblems, ist es Ziel des vierten Kapitels, die wesentlichen Entscheidungsparameter für eine Sanierungskreditvergabe zu identifizieren und zu gewichten, um Transparenz im Entscheidungskalkül der Sanierungskreditgeber zu gewährleisten. Ferner soll in Abhängigkeit der erzielten Erkenntnisse eine Parameterfunktion aufgestellt werden, die das einzelfallspezifische Entscheidungsproblem der Banken konzeptionalisiert.
Im fünften Kapitel wird die Praxis der Sanierungskreditvergabe untersucht und die Bedeutung der erarbeiteten spezifischen Entscheidungsparameter im Kontext mit realen Restrukturierungsfällen aufgezeigt. Außerdem ist es das Ziel, die erarbeitete Parameterfunktion auf die betrachteten Unternehmen anzuwenden, um Tendenzen für ihre praktische Anwendbarkeit und Aussagekraft zu erhalten.
Im sechsten Kapitel sollen Veränderungen im Rahmen der Sanierungskreditvergabe aufgrund aktueller Entwicklungstendenzen und innovativer Vorgehensweisen zur Finanzierung von Krisenunternehmen, identifiziert werden. Entgegen vereinzelten Meinungen soll die weiterhin hohe Bedeutung von Sanierungskrediten herausgestellt sowie auf mögliche Einsatzfelder der erarbeiteten Erkenntnisse hingewiesen werden.
Neben der Zusammenfassung des Erkenntnisgewinns widmet sich das siebte Kapitel den Schlussfolgerungen für Theorie und Praxis und endet mit einen Ausblick über zukünftige Forschungsfelder im Rahmen des betrachteten Untersuchungsgegenstandes.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit | 1 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 2 |
| 1.3 | Methodische Vorbemerkungen | 3 |
| 2. | Unternehmenskrisen und Restrukturierung | 4 |
| 2.1 | Unternehmenskrisen | 4 |
| 2.1.1 | Begriffliche Abgrenzung | 4 |
| 2.1.2 | Ursachen für Unternehmenskrisen | 4 |
| 2.1.3 | Arten von Unternehmenskrisen | 5 |
| 2.2 | Restrukturierung als Instrument zur Krisenbewältigung | 7 |
| 2.2.1 | Begriffliche Abgrenzung | 7 |
| 2.2.2 | Träger der Restrukturierung von Krisenunternehmen | 8 |
| 2.2.3 | Ablauf der Restrukturierung von Krisenunternehmen | 8 |
| 2.2.4 | Maßnahmen im Rahmen der Restrukturierung | 10 |
| 2.2.4.1 | Strategische und operative Maßnahmen in der Restrukturierung | 10 |
| 2.2.4.2 | Finanzwirtschaftliche Maßnahmen in der Restrukturierung | 11 |
| 3. | Sanierungskredit als finanzwirtschaftliche Maßnahme im Rahmen der Restruktuierung | 13 |
| 3.1 | Grundlagen zum Sanierungskredit | 13 |
| 3.1.1 | Begriffliche Abgrenzung | 13 |
| 3.1.2 | Charakteristika eines Sanierungskredites | 13 |
| 3.2 | Banken als wesentliche Sanierungskreditgeber | 14 |
| 3.3 | Gründe für die Vergabe von Sanierungskrediten | 15 |
| 3.4 | Probleme und Haftungsrisiken bei der Sanierungskreditvergabe | 17 |
| 3.4.1 | Probleme | 17 |
| 3.4.2 | Haftungsrisiken | 19 |
| 4. | Konzeptionalisierung des Entscheidungsproblems | 21 |
| 4.1 | Entscheidungsproblem der Sanierungskreditgeber | 21 |
| 4.2 | Entscheidungsparameter bei der Restrukturierungsfinanzierung durch Sanierungskredite | 24 |
| 4.2.1 | Qualitative Entscheidungsparameter | 25 |
| 4.2.1.1 | Endogene Parameter | 25 |
| 4.2.1.2 | Exogene Entscheidungsparameter | 29 |
| 4.2.2 | Quantitative Entscheidungsparameter | 32 |
| 4.3 | Erstellung der Parameterfunktion | 36 |
| 5. | Empirische Untersuchung zur Sanierungskreditvergabe | 38 |
| 5.1 | Methodische Vorgehensweise und Datenerhebung | 38 |
| 5.1.1 | Methodik | 38 |
| 5.1.2 | Auswahl der Stichprobe | 39 |
| 5.1.3 | Profil der Stichprobe | 39 |
| 5.2 | Auswertung und Interpretation der Ergebnisse | 41 |
| 5.2.1 | Häufigkeit der Vergabe von Sanierungskrediten innerhalb der Stichprobe | 41 |
| 5.2.2 | Statistische Auswertung und Interpretation der einzelnen Parameter | 42 |
| 5.2.3 | Statistische Auswertung und Interpretation der Parameterfunktion | 47 |
| 5.3 | Kritische Würdigung der empirischen Ergebnisse | 49 |
| 6. | Zukünftige Bedeutung des Sanierungskredites | 50 |
| 6.1 | Entwicklungstendenzen und der Einfluss auf die Sanierungskreditvergabe | 50 |
| 6.2 | Alternativen zum Sanierungskredit | 53 |
| 6.3 | Auswirkungen auf die Entscheidungsparameter | 56 |
| 7. | Schlussbemerkungen und Ausblick | 57 |
| Anhangsverzeichnis | 60 | |
| Literaturverzeichnis | 115 |
sen Investitionspolitik der Banken wird in diesem Fall künftig immer häufiger einem Verkauf des bestehenden Engagements bzw. der Insolvenz Vorzug geben. In diesem Zusammenhang betrachten die Entscheidungsträger oftmals den Verschuldungsgrad (Ø 3,0) des Krisenunternehmens, wobei Kreditanalytiker zwischen dem statischen Verschuldungsgrad [Fremdkapital/Gesamtkapital] und dem Bankverschuldungsgrad [Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten/Gesamtkapital] unterscheiden.181 Empirische Studien belegen, dass Unternehmen in der Liquiditätskrise in der Regel einen Verschuldungsgrad von 50-80 Prozent aufweisen.182 Bei der Entscheidung zur Sanierungskreditvergabe steht das Sicherheitsstreben der Banken einer zu hohen Verschuldung entgegen, da mit steigendem Verschuldungsgrad das Leverage-Risiko183 zunimmt. Deckt die Rendite des investierten Kapitals nicht mehr die Fremdkapitalzinsen, so verringert sich die Eigenkapitalrentabilität, wodurch die Haftungssubstanz des Unternehmens sinkt und das Insolvenzrisiko steigt.184 Im Gegensatz zum Entschuldungsgrad ist die Relation Effektivverschuldung zur Dauer bis Free-Cash-Flow positiv [Effektivverschuldung/Dauer bis CF positiv] weniger bedeutsam (Ø 2,8). Die Dauer sollte aufgrund des Risiko- und Unsicherheitspotenzials maximal drei Jahre betragen. Auch die Cash-burn rate [Liquide Mittel/negativer CF] ist für das Entscheidungsproblem bei der Sanierungskreditvergabe weniger bedeutsam (Ø 2,7). Diese Kennzahl sagt aus, wann bei einem Unternehmen mit dem Verbrauch der vorhandenen Liquidität zu rechnen ist.185 Im Fall der Sanierungskreditvergabe entspricht der Posten „Liquide Mittel“ dem Betrag des Neukredites, so dass man erfährt, wann möglicherweise die Höhe des Sanierungskredites (wieder) aufgebraucht ist. Angaben über das Ausfallrisiko bzw. den Grad der Besicherung können durch das Verhältnis zwischen der Höhe des Sanierungskredites und dem Wert der freien Vermögensgegenstände [Neukreditengagement/Wert d. freien VG] getroffen werden, weshalb diese Verhältniszahl als Parameter aufgeführt wird (Ø 2,2). Für die Entscheidung zur Sanierungskreditvergabe ist vor allem der Marktwert der Vermögensgegenstände im Fall einer erfolgreichen Restrukturierung und der Insolvenz ausschlaggebend. Die Höhe der Insolvenz- bzw. Liquidationskosten wird aus der Differenz zwischen Fortführungs181 182 183 184 185 [...]
nen.177 Der Free-Cash-Flow ist eine unentbehrliche Kennziffer für den Nachweis der (künftigen) Ertrags-, Expansions- und Selbstfinanzierungskraft des Krisenunternehmens.178 Aus Sicht des Sanierungskreditgebers ist vor allem seine Liquiditätsgenerierungs- und somit seine Tilgungsfähigkeit von maßgeblichem Interesse. Der Free-CashFlow spiegelt die im Geschäftsjahr geschaffene Liquiditätsreserve wider. In diesem Zusammenhang ist für die Sanierungskreditgeber vor allem die Höhe des zukünftigen Entschuldungsgrades [CF/Effektivverschuldung] (Ø 3,3) bedeutsam. Dieses Verhältnis drückt aus, wie viel Prozent der Nettoverschuldung ceteris paribus zurückgezahlt werden könnte. Die Kennzahl ist als quantitativer Parameter gut geeignet, da in Krisensituationen als Folge der häufig schlechten Absatzlage die Effektivverschuldung steigt, während aufgrund der geringeren Umsatzerlöse bzw. des niedrigeren Jahresüberschusses der Cashflow sinkt.179 Von hoher Relevanz ist ebenfalls die Betrachtung des Ausfallrisikos bzw. des Besicherungsgrades des Kreditengagements bei Insolvenz (Ø 3,2). Generell lässt sich vermuten, dass, je höher das Ausfallrisiko des Altengagements ist, desto höher ist die Bereitschaft der Banken, ihr Kreditengagement auszuweiten. Diese Entscheidung wird bestimmt durch die individuelle Risikoaffinität der Banken. Vereinzelt betonen die Experten, dass bei prognostiziertem positivem Cashflow ein Sanierungskredit gewährt wird, und zwar unabhängig von der Höhe des Ausfallrisikos und der Bereitstellung von Sicherheiten. Des Weiteren wird ein sehr gut besicherter Gläubiger weniger bereit sein, dem Unternehmen bezüglich des Neukreditengagements sowie dessen Besicherung Zugeständnisse zu machen. Ein weiterer wichtiger Entscheidungsparameter ist der relative Kapitalbedarf [Neukreditengagement/Altkreditengagement] (Ø 3,2). Dass die (anteilige) Höhe des Sanierungskredites geringer sein muss als die (anteilige) Höhe des Altengagements ist einstimmiger Konsensus aller befragten Experten. In der Regel sollte der zusätzliche Liquiditätsbedarf nicht mehr als 10-15 Prozent des bestehenden Kreditengagements betragen; in der aktuellen Entwicklung sogar weniger.180 Aufgrund der konservativen und risikoaver- [...]
Die Berechnung und Auswertung von finanz- und ertragswirtschaftlichen Kennzahlen174, in Verhältnis- oder absoluten Zahlen, ist eine entscheidende Aufgabe der Kreditanalytiker von Banken, um die Kreditwürdigkeit des Krisenunternehmens und daraus ableitend, die eigene Risikoverbesserungsstrategie zu bestimmen.175 Durch sie können komplizierte betriebliche Strukturen auf komplexreduzierende Weise dargestellt werden.176 Jedoch erscheint es unzweckmäßig, die Entscheidung zur Sanierungskreditvergabe einzig auf bestimmten Verhältnissen basieren zu lassen, da es sich in der Regel um eine Einzelfallentscheidung handelt. Wichtigstes Kriterium in Bezug auf die Sanierungskreditvergabe ist die Entwicklung des Free-Cash-Flows (Ø 4,9). Dieser lässt sich direkt durch eine Gegenüberstellung aller betrieblichen Ein- und Auszahlungen einer Periode oder indirekt durch die Korrektur des geplanten Jahresüberschusses um zahlungswirksame Erfolgspositionen, berech- [...]
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Weigl, Tobias Februar 2004: Sanierungskredite in der Restrukturierungsfinanzierung, Hamburg: Diplomica Verlag
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Restrukturierung, Finanzierung, Kredit, Sanierung, Krisenunternehmen



