Das Drei-Säulen-System im deutschen Bankenmarkt - ein zukunftsfähiges Modell?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stephan Scholz, Andre Krupp, Christian Hillers, Stefan Pahlke
- Abgabedatum: Februar 2008
- Umfang: 50 Seiten
- Dateigröße: 598,5 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Frankfurt School of Finance & Management Deutschland
- Bibliografie: ca. 67
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3310-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stephan Scholz, Andre Krupp, Christian Hillers, Stefan Pahlke Februar 2008: Das Drei-Säulen-System im deutschen Bankenmarkt - ein zukunftsfähiges Modell?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Bankensystem, Bankenmodell, Drei-Säulen-System, Bankenmarkt, Finanzmarkt
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Diplomarbeit von Stephan Scholz, Andre Krupp, Christian Hillers, Stefan Pahlke
Einleitung:
Problemaufriss Das deutsche Bankensystem ist in die drei Säulen der privaten, genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute eingeteilt.
Die damit einhergehende strikte Trennung zwischen den Säulen ist seit Langem Grund für heftig geführte Diskussionen. Darüber hinaus heizt die seit Mitte des Jahres 2007 die Schlagzeilen beherrschende Finanzmarktkrise (‘Subprime-Krise’) diese Debatten erneut an.
‘Wenn die Banken wie die IKB oder die SachsenLB im Kerngeschäft augenscheinlich nicht mehr genug Marge erwirtschaften und deshalb hochspekulative Geschäfte eingehen, muss man nach der Existenzberechtigung des Drei-Säulen-Systems fragen’.
Für ein florierendes Wirtschaftssystem - ob auf nationaler, europäischer oder globaler Ebene - ist als Grundlage ein funktionierendes und stabiles Bankwesen unerlässlich. Dies wiederum bedingt eine Struktur, die dementsprechende Voraussetzungen hierfür schafft bzw. nachhaltig gewährleistet. Insbesondere gilt dies für das hiesige Bankensystem, welches aufgrund Deutschlands Stellung als eine der weltweit führenden Wirtschaftsnationen umso mehr globalen Einflüssen ausgesetzt ist.
Wie das angeführte Zitat des Bundesfinanzministers deutlich macht, erschüttert die von den USA ausgehende Subprimekrise das Vertrauen in den gesamten Finanzsektor und ist darüber hinaus geeignet, auch die bestehende heimische Bankenordnung infrage zu stellen.
Da eine etwaige Änderung am Drei-Säulen-System tief greifende Auswirkungen auf jedes hier tätige Kreditinstitut haben kann, erscheint es sinnvoll, sich über die möglichen Entwicklungsprozesse und ihre Tragweite bewusst zu werden. Nur dann besteht die Chance, vom Betroffenen zum Beteiligten zu werden und somit an der Weiterentwicklung des Bankensystems aktiv mitwirken zu können.
Demzufolge birgt die künftige Entwicklung des Bankensystems eine hohe Brisanz für sämtliche deutsche Kreditinstitute und hat weiterhin nichts von seiner Aktualität eingebüßt.
Zielsetzung:
Ziel dieser Studienarbeit ist es, die Existenzberechtigung bzw. Zukunftsfähigkeit des bestehenden Systems zu untersuchen. Zum Vergleich werden weitere in der öffentlichen Diskussion stehende Szenarien untersucht. Darüber hinaus ist es Ziel der Ausarbeitung, drei nachfolgend beschriebene Modelle auf die Erfüllung der in Kapitel 4.2 erläuterten Kriterien hin zu überprüfen. Es soll schließlich jenes Modell identifiziert werden, welches die gewählten Kriterien am besten erfüllt.
Der Einfluss sich wandelnder rechtlicher Rahmenbedingungen sowie das detaillierte Eingehen auf konkrete Fusionspläne einzelner Institute kann aufgrund der offenen Entwicklung nicht berücksichtigt werden.
Überblick:
Ausgehend von der Skizzierung historischer Ursachen der Säulenstruktur werden im Kapitel 2.2 häufig diskutierte Kritikpunkte am System dargestellt. Die aktuelle Finanzmarktkrise führt mitunter zu einer Verstärkung der Kritikpunkte. Insofern werden die Ursachen dieser Subprime-Krise und ihre Auswirkungen für den deutschen Bankenmarkt ebenfalls beleuchtet.
Teilweise wurden von Kritikern bereits Angriffsversuche auf das bestehende System zur Durchbrechung seiner strikten Trennung durchgeführt. Die bekanntesten Fälle werden zur Veranschaulichung im Kapitel 2.3 kurz dargelegt.
Weiterhin wurden mithilfe einer empirischen Studie neben Fragen zur Leistungsfähigkeit des aktuellen Bankenmarktes auch seine in der öffentlichen Diskussion stehenden Kritikpunkte hinterfragt. Außerdem wurden die Zukunftsszenarien zur Diskussion und Bewertung gestellt. Kapitel 3.2 enthält eine Interpretation der erzielten Ergebnisse.
Diese bilden neben weiteren Quellen die Grundlage für unsere in Kapitel 4 dargestellten Gestaltungsempfehlungen. Hier werden die aus unserer Sicht für eine Bewertung der Zukunftsfähigkeit entscheidenden Kriterien benannt. Dieser Teil endet mit einer Überprüfung der Systementwürfe auf die Erfüllung der gewählten Kriterien. Im Fazit wird seitens der Verfasser das favorisierte Modell benannt.
Abschließend werden im Ausblick mögliche Widerstände bei einer Umsetzung und weitere Umweltfaktoren benannt, welche maßgeblichen Einfluss auf zukünftige Entwicklungen im Finanzsektor haben können.
Inhaltsverzeichnis:
| I | Abbildungsverzeichnis | III |
| II | Abkürzungsverzeichnis | IV |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemaufriss | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung | 2 |
| 1.3 | Überblick | 2 |
| 2. | Ausgangssituation am deutschen Bankenmarkt | 4 |
| 2.1 | Historie und Prägung des Drei-Säulen-Systems | 4 |
| 2.1.1 | Privater Sektor | 5 |
| 2.1.2 | Öffentlich-rechtlicher Sektor | 6 |
| 2.1.3 | Genossenschaftlicher Sektor | 8 |
| 2.2 | Kritikpunkte am deutschen Bankensystem | 9 |
| 2.2.1 | Fragmentierung des Marktes | 9 |
| 2.2.2 | Hohe Staatsquote | 10 |
| 2.2.3 | Fehlende säulenübergreifende Konsolidierungsmöglichkeiten | 10 |
| 2.2.4 | Wettbewerbsintensität / Ertragsschwäche | 11 |
| 2.2.5 | Fehlen eines nationalen Bankenchampions | 12 |
| 2.3 | Öffnungsversuche der Säulenstruktur | 13 |
| 2.3.1 | Sparkasse Stralsund | 13 |
| 2.3.2 | Bankgesellschaft Berlin | 13 |
| 2.3.3 | HSH Nordbank AG | 14 |
| 2.3.4 | Einschätzung der Öffnungsversuche | 14 |
| 2.4 | Finanzmarktkrise | 15 |
| 2.4.1 | Ursachen und Verlauf | 15 |
| 2.4.2 | Auswirkungen der Subprime-Krise auf die weltweite Finanzwirtschaft | 16 |
| 2.4.3 | Einfluss auf das Bankensystem in Deutschland | 17 |
| 2.4.4 | Aktuelle Stimmen zu den Auswirkungen der Finanzmarktkrise | 18 |
| 3. | Empirie | 19 |
| 3.1 | Einführung | 19 |
| 3.2 | Darstellung und Interpretation der Ergebnisse | 21 |
| 4. | Gestaltungsempfehlungen | 27 |
| 4.1 | Einführung | 27 |
| 4.2 | Maßgebliche Kriterien für ein zukunftsfähiges Bankenmodell | 28 |
| 4.2.1 | Rentabilität | 28 |
| 4.2.2 | Stabilität | 29 |
| 4.2.3 | Innovationsfähigkeit | 30 |
| 4.2.4 | Wechselwirkung zwischen den Kriterien | 31 |
| 4.3 | Mögliche Zukunftsszenarien | 32 |
| 4.3.1 | Weitere Konsolidierung innerhalb der Säulen unter Beibehaltung der Säulenstruktur | 32 |
| 4.3.2 | Öffnung der Sektoren für eine säulenübergreifende Konsolidierung | 33 |
| 4.3.3 | Säulenübergreifende Kooperationen in diversen Geschäftsbereichen unter Beibehaltung der Säulenstruktur | 34 |
| 4.4 | Fazit | 36 |
| 5. | Ausblick | 39 |
| III | Literaturverzeichnis | V |
| III.I | Bücher | V |
| III.II | Sammelwerke | V |
| III.III | Zeitschriften | VI |
| III.IV | Gesetzestexte | VII |
| III.V | Internetquellen | VIII |
Textprobe:
Kapitel 4.3, Mögliche Zukunftsszenarien:
Im Folgenden werden in der Öffentlichkeit häufig diskutierte Zukunftsszenarien vorgestellt und bewertet:
Weitere Konsolidierung innerhalb der Säulen unter Beibehaltung der Säulenstruktur:
Dieses Szenario geht grundsätzlich von einer Beibehaltung des bisherigen Bankensystems aus. Optimierungen sollen hierbei durch weitere Konsolidierungsprozesse innerhalb der einzelnen Säulen erfolgen. Im öffentlich-rechtlichen Sektor wie auch im Bereich der Privatbanken sind sowohl in der Vergangenheit wie auch heute bereits vielfache Fusionen bzw. Zusammenschlüsse erfolgt.
Im Hinblick auf das Kriterium Rentabilität muss dieses Szenario differenziert bewertet werden. So lassen sich durch Konsolidierungen innerhalb der Säulen Skaleneffekte realisieren, die durch Fixkostendegression zu einer Erhöhung der Ertragskraft führen können. Im Gegensatz dazu wird gerade die Drei-Säulen-Struktur mit seiner hohen Fragmentierung des Marktes und der damit einhergehenden Wettbewerbsintensität als einer der Hauptgründe für die im internationalen Vergleich geringe Profitabilität des deutschen Bankenmarktes angesehen. Darüber hinaus führt der Wettbewerb zwischen den hauptsächlich gewinnorientierten Kreditbanken und den durch abweichende Geschäftsmodelle geprägten Genossenschaftsbanken sowie Sparkassen zu einem Preiskampf, der für die Teilnehmer kaum ausreichende Margen ermöglicht. Zudem belastet dieses Modell die einzelnen Institutsgruppen mit hohen Fixkosten, da keine weitgehenden, säulenübergreifenden Kooperationen vorgesehen sind.
Die Stabilität ist bei diesem Modell stark ausgeprägt. Die Deutsche Bundesbank sowie der Internationale Währungsfonds bescheinigen dem deutschen Bankenwesen eine hohe Krisenfestigkeit. Da die strikt getrennten Institutsgruppen verschiedene Geschäftsmodelle verfolgen, seien ‘Herdeneffekte’ sowie die Bildung von Klumpenrisiken weniger wahrscheinlich. Die regionale Ausrichtung, insbesondere von Sparkassen und Genossenschaftsbanken, führt im Kreditbereich zu einer höheren Informationstiefe und damit besseren Risikoeinschätzung. Ergebnis dieser Konstellation sind tendenziell geringere Ausfallquoten. Dabei wird die pluralistische Bankenstruktur in Deutschland von vielen Experten als Grund für die Stabilität des Drei-Säulen-Systems angeführt. Das defensive Marktverhalten von Sparkassen und Genossenschaftsbanken hat sich im Hinblick auf die Subprime-Krise nach aktuellem Kenntnisstand als Vorteil erwiesen. Diese Institute blieben weitestgehend verschont, da spekulative Geschäfte in überschaubarem Umfang eingegangen wurden.
Der Wettbewerb um den gleichen Kundenmarkt durch drei, im Idealfall weitgehend in sich konsolidierte Sektoren führt zu einem hohen Innovationsdruck. Um die Innovationsfähigkeit zu gewährleisten, müssen die hierfür erforderlichen Kostenblöcke parallel zueinander in jedem Sektor vorgehalten werden.
Öffnung der Sektoren für eine säulenübergreifende Konsolidierung:
Aufgrund ihrer Eigentümerstruktur stehen öffentlich-rechtliche Institute und Genossenschaftsbanken bisher nicht für säulenübergreifende Konsolidierungen zur Verfügung. Dieses Szenario würde ein Aufbrechen der bisherigen Säulenstruktur bedeuten. Diese Forderung wird insbesondere von den Vertretern der privaten Banken bevorzugt. Hier ist man der Meinung, dass die Versorgung der Volkswirtschaft mit Finanzdienstleistungen auch ohne eine Aufteilung in verschiedene Kreditinstitutsgruppen gewährleistet sei.
Durch eine derartige Öffnung des Marktes ist zunächst ein ausgeprägter Konzentrationsprozess zu erwarten, der die Bildung einiger großer Bankenkonzerne zur Folge haben könnte. Ähnliche Entwicklungen sind unter anderem in Großbritannien zu erkennen, wo die Abschaffung staatlicher Banken bereits vor einigen Jahren vollzogen wurde und sich die Institute weitgehend aus der Fläche zurückgezogen haben. Eine Defragmentierung des Marktes wäre die Folge. Für die verbleibenden Institute würde diese Entwicklung zu einer Erhöhung der Ertragskraft führen, da sich aus der geringeren Zersplitterung Synergie- und Skaleneffekte ergeben könnten. Durch die damit einhergehende Verringerung der Wettbewerbsintensität in der Fläche können wie bereits in Großbritannien zu erkennen ist höhere Margen durchgesetzt werden. Ein Anbieterwechsel wäre für die Kunden nur schwer zu realisieren. Insgesamt ist bei diesem Szenario nach einem Konsolidierungsprozess bei den verbleibenden Instituten eine deutliche Steigerung der Ertragskraft zu erwarten. Es sollte jedoch beachtet werden, dass Fusionen nicht automatisch zu einer Steigerung der Ertragskraft führen müssen. Ertragspotenziale können nur gehoben werden, wenn die übernommenen Institute in die künftige Gesamtbankstrategie implementiert werden. Insbesondere sollte auch eine ‘Excellence in Execution’ auf der operativen Ebene im Sinne einer effizienten und prozessorientierten Zusammenführung der bisherigen Unternehmen erfolgen.
Eine gesteigerte Rentabilität führt durch tendenziell höhere Sicherheitspuffer zu einer Erhöhung der Stabilität. Jedoch ist anzumerken, dass sich hierbei große Bankenkonzerne bilden könnten, die ein Klumpenrisiko darstellen. Bei Instituten dieser Größe ist womöglich eine größere Risikoneigung anzutreffen, da sie sich womöglich als ‘too big to fail’ ansehen. Dies bedeutet, dass sich ein Institut im Krisenfall aufgrund seiner Größe und damit verbundener Arbeitsplätze auf ein politisch motiviertes Eingreifen der öffentlichen Hand verlassen kann. Unterstrichen wird diese Tatsache dadurch, dass gerade große Bankenkonzerne durch die Subprime-Krise in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Durch den Rückgang der Wettbewerbsintensität auf dem nationalen Bankenmarkt ist ein Rückgang des Innovationsdrucks zu erwarten. Dies wird sich unseres Erachtens bei der Entwicklung neuer Produkte insbesondere im Service- und Dienstleistungsbereich auswirken. Innovationsdruck wird sich künftig verstärkt auf internationale Märkte verlagern, daher ist auf dem nationalen Heimatmarkt ein Rückgang der Innovationsfähigkeit zu erwarten.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836633109
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Stephan Scholz, Andre Krupp, Christian Hillers, Stefan Pahlke Februar 2008: Das Drei-Säulen-System im deutschen Bankenmarkt - ein zukunftsfähiges Modell?, Hamburg: Diplomica Verlag
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Bankensystem, Bankenmodell, Drei-Säulen-System, Bankenmarkt, Finanzmarkt



