Sabine Christiansen: Talkshow-Monographie
- Art: Seminararbeit
- Autor: Michael Hainzinger
- Abgabedatum: März 2001
- Umfang: 25 Seiten
- Dateigröße: 429,0 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4553-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4553-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4553-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hainzinger, Michael März 2001: Sabine Christiansen: Talkshow-Monographie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Medienkompetenz, Medienpädagogik, Diskursrituale, Netzdialoge, Kommunikation
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Seminararbeit von Michael Hainzinger
Einleitung:
Bereits im Rahmen eines fachwissenschaftlichen Seminars zum Thema „Medien und Sozialarbeit“ wurde ich auf den Umstand aufmerksam, dass infolge innovativer Konzepte wie jenes von „Big Brother“ oder von Nachmittagstalks gesellschaftlich wieder allgemein über Fernsehdesigns und besonders über die soziologische Relevanz von Talksendungen diskutiert wird. „,Talk’ - das ist im weitesten Sinne gesprochenes Wort. Mediale Sprechsituationen unterliegen wesentlich anderen Voraussetzungen als die sprachliche Alltagskommunikation“. Wird aus diesem konzeptionellen Inhalt nun eine Fernsehsendung produziert, so entsteht eine „Sendeform des Bildmediums Fernsehen, die unmittelbar auf ursprünglich orale Kulturtechniken des Erzählens zurückgreift“, um somit Talk und Show zu einer Synthese zusammenzuführen. „Dabei steht der ’Talk’ im Mittelpunkt, während die Show-Elemente ... als Übergang und Rahmenprogramm dienen“. Den Begriff der Talkshow allerdings definitorisch einzugrenzen, fällt dem Analysator dieser Gattung schwer. „Synonyme wie Schau-Plauderei, Plauderei-Schau, Gerede-Schauen, Prominenten-Plausch, Plauderstunde, Schwatzbude oder Sprechstunde bleiben allenfalls Hilfskonstruktionen“.
Bemerkenswert bleibt über solche Überlegungen allerdings der enorme Zuwachs dieser Sendeform, beispielsweise zwischen 1980 und 1993. „Nimmt man den relativen Anteil der Talkshow am Gesamtprogrammvolumen als Grundlage, so ist der Umfang der Talkshow im Verlauf dieser 13 Jahre nach erheblichen Schwankungen um 65% angewachsen“. Interessant gestaltet sich unter diesem Gesichtspunkt die Frage nach den sozialen Auswirkungen einer Dominanz der Talkshow in der Rezeption audiovisueller Medien. Wenn nämlich „der Talk dem Alltagsgeschehen so nahe ist, wenn sich Strukturen des Gesprächs hier wie dort wiederholen, dann ist ungewiß, ob die Zuschauer beide Ebenen voneinander trennen können, ob es nicht zu einem ,Downloaden’ der elektronischen Programme in die Programme der Lebenswelt kommt“. Dass sich „Fernsehentertainment und persönliches Gespräch in informellen Zusammenhängen“ in solchem Maße verquickt darstellen bzw. einer Konkurrenz ausgesetzt sehen, hat im Bereich politisch beeinflussender Sendungen darüberhinaus Auswirkungen auf die diesbezügliche Meinungsbildung des Fernsehpublikums, welches sich durch eine Steigerung der Informationsgewinnungsmöglichkeiten eine Intensivierung der demokratischen Partizipation erhofft. Somit gewinnt die funktionale Sinnhaftigkeit politischer Talkshows ebenso an gesamtgesellschaftlicher Bedeutung wie deren Imagebildung und Gestaltung, welche ich am Beispiel von „Sabine Christiansen“ im folgenden näher beleuchten will.
Nach einer einführenden Klärung der formalen Daten ist es zunächst sinnvoll, den Trailer der Sendung zu analysieren, um anschließend deren umfassenden Inhalt in chronologischer Reihenfolge zu erläutern. Zur verständlicheren Veranschaulichung des programmatischen Konzepts weise ich darauffolgend auf die vielfältigen Aspekte des Studioambiente und auf die formalen Merkmale hin, bevor ich abschließend ein Fazit ziehe und einen Ausblick auf die Zukunft von politischen Talkshows im Zusammenhang ihrer gesellschaftlichen Funktion gewähre.
Bei der Erstellung dieser Arbeit war mir neben der Lektüre von Fachliteratur zudem ein Besuch auf der Internet-Homepage der Sendung behilflich.
Inhaltsverzeichnis:
| 0. | Einführung | 3 |
| 1. | Daten zur Sendung | 4 |
| 2. | Traileranalyse | 4 |
| 3. | Kurzinhalt der Einzelsendung | 5 |
| 3.1 | Anmoderation | 5 |
| 3.2 | Gäste | 5 |
| 3.3 | Filmbeitrag | 6 |
| 3.4 | Gesprächsverlauf | 6 |
| 3.5 | Stimmung im Studio | 8 |
| 3.6 | Neutralitäts- und Identifikationsfunktion | 8 |
| 3.7 | Gesprächsleitung | 9 |
| 3.8 | Kommunikationsverhalten der Hauptgäste | 10 |
| 3.9 | Abmoderation | 11 |
| 3.10 | Ziel | 11 |
| 4. | Studioambiente | 12 |
| 4.1 | Architektur | 12 |
| 4.2 | Anordnung der Akteure | 13 |
| 4.3 | Innengestaltung | 14 |
| 5. | Formale Merkmale | 15 |
| 7. | Fazit und Ausblick | 16 |
| 8. | Literaturverzeichnis | 19 |
eine Belastung des Straßenverkehrs sowie allgemeine Äußerungen zur Verbesserung des Klimaschutzes durch Beifall unterstützte. Doch auch die Zuschauer vor dem Fernseher zuhause konnten sich mit der Moderatorin verbunden fühlen. Christiansen bemühte sich nämlich zwar, allumfassend informiert und grundsätzlich kompetent zu wirken, berief sich aber niemals auf eigene Recherchen, die schließlich auch dem Publikum nicht möglich sind. Stattdessen stellte sie ihre Fragen auf die Basis von vermuteter öffentlicher Meinung und von in der Presse verbreiteten und damit allseits bekannten Fakten, beispielsweise über Pläne der Bundesregierung und Probleme der Bahn. So hat man es zwar zunächst „mit einem (interpersonalen) Kommunikationsprozeß zu tun, der zwischen den ... diskutierenden Personen abläuft, .... das dieses Gespräch [aber] ‚öffentlich’ ist, d.h. von einer potentiell unbegrenzten Anzahl von Personen empfangen werden kann, handelt es sich darüberhinaus um einen Massenkommunikationsprozeß: viele Menschen versuchen nämlich an der Diskussion Anteil zu nehmen, ohne direkt an ihr teilnehmen zu können“ (Burkart, 1983, S.5). Nach Vilhelm Flusser findet im Rahmen einer Fernsehtalkshow eine Synergie von dialogischen mit diskursiven Medien statt, da Kreisdialoge durch den Fernseher übertragen werden. Infolge dieses Zusammenwirkens beider Medienaspekte wird suggeriert, jeder könne mit jedem sprechen, und die eigenen Gedanken könnten sowohl aus der Sicht des Studiogastes als auch aus der des Rezipienten mit der ganzen Welt geteilt werden. Durch das Einbringen von laienhaftem Wissen über die Thematik durch die Moderatorin konnte sich also eine breite Bevölkerungsschicht vor dem Fernseher wirklich in der Runde von hochkarätigen Entscheidungsträgern, inmitten einer parasozialen Interaktion, vertreten fühlen. 3.7. Gesprächsleitung Infolge einer durchschnittlich etwa zweieinhalbminütigen Redezeit jedes Diskutanden gewann die gästezentrierte Gruppengesprächsform der Diskussion zunehmend an Bedeutung. Die Lenkungsinstanz durch die Moderatorin erfuhr damit einhergehend eine durchaus beabsichtigte Beeinträchtigung hinsichtlich der Lebhaftigkeit, welche die Plenumsteilnehmer entwickelten, denn „der Anspruch von Planer und Realisatoren von Talkshows lautet, statt Interviews ’Gespräche’ (im engeren Sinne) zu bieten (Mühlen, 1985, S.70). Da sich die Gäste nun in der zweiten Hälfte der Sendung engagiert und an der Gesprächsleitung vorbei miteinander austauschten, musste ihnen Christiansen zur Wahrung ihrer Lenkfunktion wiederholt ins Wort fallen oder verständnisvolle Empathie vortäuschen, um sich selbst irgendwie äußern zu können, denn zuvorderst gilt es „für den Moderator, was tendenziell auf alle Teilnehmer einer Gesprächsrunde zutrifft: Die Herstellung einer angemessenen Gesprächspräsenz erfordert einen größeren Aufwand an Nervenkraft als die Darlegung eigener Standpunkte“ (Schneider, 1989, S.143), beispielsweise zum letztendlichen [...]
sei als eine ökologische Aggression gegenüber den Entwicklungsländern anzusehen, da diese zwar keinen Nutzen daraus zögen, die CO2-Emissionen allerdings zuvorderst auf deren territorialen Gebieten das Klima beeinflussten. So wollte Töpfer zwar nicht die Bahn angreifen, warb jedoch für eine Rückführung des Streitpunktes auf die Bewältigung des gesamten Verkehrs hinsichtlich der Trends zu Verkehrsballungszentren und Urbanisierung sowie für Visionen einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung. Es sei mehr Fantasie nötig, z.B. eine kostengünstige Lagerhaltung, um Transporte unnötig zu machen, oder Teleshopping, womit er zudem das Schlusswort gestaltete. 3.5. Stimmung im Studio Trotz einer reißerischen Intensität des vorangestellten Filmbeitrags benötigten die Diskussionsteilnehmer etwa die Hälfte der Sendung, um das Konzept eines gästeorientierten Gruppengesprächs anzunehmen, was bei aller Suggestion einer persönlichen Konversation in geselliger Runde zunächst zur Verstärkung der Hierarchie in der Kommunikation zwischen der Moderatorin und dem jeweiligen Diskutanden beitrug. Kühle Distanz wahrte Christiansen in den direkten Dialogen zudem durch das Siezen ihrer Gäste, die infolge des formalen Rahmens ihre Argumente bei allem Engagement sachlich und überlegt zu präzisieren wussten. 3.6. Neutralitäts- und Identifikationsfunktion Die Wahrung strikter Neutralität gegenüber allen Gesprächspartnern durch die Moderatorin ließ durch die bereits erläuterte Sonderrolle des UN-Umweltdirektors Töpfer eine dramaturgisch bedeutsame Ausnahme zu. An ihn richtete sie überproportional oft das Wort, um, bisweilen längere Monologe des Vorredners oder verfahrene Streitsituationen zwischen Mehdorn und einem der anderen Teilnehmer auf dem Forum unterbrechend, das Thema auf den weniger konfliktbeladen scheinenden Teilaspekt des globalen Klimaschutzes zurückgeführt zu wissen, bevor ein weiterer Problemkomplex behandelt wurde. Darüberhinaus fiel eine der Rolle des Moderators als Identifikationsfigur für Fernseh- und Studiopublikum entsprechende starke Zuschauerorientierung von Christiansen auf, welche die Neutralität weiter beeinträchtigte. So wurden nicht „Aussagen, Meinungen und Argumente verschiedener Gesprächspartner miteinander konfrontiert, um ... zu einer Problematisierung, Kontroverse oder zumindest zu einer mehrperspektivischen Behandlung eines Themas zu gelangen“ (Troesser, 1986, S.226), stattdessen ließ Christiansen bisweilen im Rahmen von Fragestellungen und Überleitungen eine zweifelnde bzw. positiv gestimmte Einstellung gegenüber des angesprochenen Diskussionsgegenstandes in bloßer Übereinstimmung mit den emotionalen Bekundungen des Präsenzpublikums erkennen, welches nahezu generell Aussagen auf dem Forum gegen die Bahn und gegen [...]
den Umweltschutz zurückführte. Auch war er der einzige Teilnehmer in der Runde, der die Bahn gegen die Vorwürfe seiner Gesprächspartner verteidigte, während Klimmt von der Bahn forderte, den fortgesetzten milliardenschweren Subventionen durch sein Verkehrsministerium nun eine weitere Professionalisierung aus eigener Kraft folgen zu lassen. „Nach jüngsten Analysen des Medienspiegels verfolgen die Talkshow-Gäste bei ihren Fernsehauftritten vor allem drei Absichten: - Vermittlung politischer Botschaften in einem unterhaltenden Senderahmen, - Möglichkeit zur ausgiebigen Selbstdarstellung mit dem gewünschten Effekt, einen hohen Bekanntheitsgrad zu erreichen, - Werbung für ... gemeinnützige Ziele (Steinbrecher & Weiske, 1992, S.73). So lag beispielsweise der argumentative Schwerpunkt Johannes Hübners vom Automobilclub von Deutschland auf der Organisation eines visionären Modulverkehrs, welche die Bahn zu leisten hätte, um die Verkehrsteilnehmer im Zuge einer andauernden Kostendiskussion nicht weiter durch die Politik zu belasten. Manfred Boes vom Bundesverband Spedition und Logistik dagegen ging, anstatt Lösungen anzubieten, in seiner Kritik weiter und griff die Bahn ob ihrer Unwirtschaftlichkeit gegenüber des Güterverkehrs auf der Straße scharf an, verteidigte letzteren gegen den Vorwurf der mangelnden Umweltverträglichkeit und lehnte eine von Klimmt geforderte Schwerlastabgabe zur Umsetzung seines Anti-Stau-Programms ab. Der Gesprächsteilnehmer, der die ungünstigste Ausgangsposition in diesem Streitgespräch innehatte, war naturgemäß Hartmut Mehdorn, der die Deutsche Bahn AG sowie seine Mitarbeiter leidenschaftlich in Schutz zu nehmen wusste. Der ehemalige Staatsbetrieb auf dem Weg zur privatwirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit habe nicht nur mit einem ungerechtfertigt schlechten Image zu kämpfen, was beispielsweise auch dazu führe, dass der Bahn nur Müll, Gift und Sperrgüter zu transportieren aufgetragen werde, viele Unternehmer ihr jedoch für gewöhnliche Fracht weniger bezahlen wollten als LKW-Spediteuren, sondern darüberhinaus noch mit einem signifikant höheren Maß an Treibstoffkosten als die umweltschädlicheren Fluggesellschaften. Daraus ergebe sich eine durch äußere Faktoren determinierte Chancenungleichheit, während die Bahn jedoch ihre Bahnhöfe großzügig ausbaue, mit einer Pünktlichkeit von 97% das Anschlusssystem aufrechterhalte und die genannten Schwierigkeiten fortlaufend evaluiere und bearbeite. Demgegenüber kam dem frühere Bundesbauund Umweltminister Klaus Töpfer im Rahmen der Kontroverse eine Sonderrolle zu. Als einziger Diskussionsteilnehmer, der zurzeit in Deutschland an keinem politischen Prozess beteiligt ist oder irgendgeartete finanzielle bzw. ideologische Interessen durchzusetzen hat, und sich als UN-Mitarbeiter sogar nichteinmal parteipolitisch äußern darf, hatte er die Möglichkeit, sich als übergeordnete moralische Instanz darzustellen. So konnte er das Thema im gesamten Verlauf des Abends immer wieder auf seine Kritik lenken, die derzeitige Verkehrspolitik der westlichen Industrienationen [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832445539
Arbeit zitieren:
Hainzinger, Michael März 2001: Sabine Christiansen: Talkshow-Monographie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Medienkompetenz, Medienpädagogik, Diskursrituale, Netzdialoge, Kommunikation



