Die SS-Totenkopfverbände im Konzentrationslager Buchenwald
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Steffen Grimm
- Abgabedatum: Februar 2010
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 535,8 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Deutschland
- Bibliografie: ca. 40
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0604-7
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Grimm, Steffen Februar 2010: Die SS-Totenkopfverbände im Konzentrationslager Buchenwald, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: SS-Totenkopfstandarte, Weimar, Terror, 3. Reich, Adolf Hitler
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Diplomarbeit von Steffen Grimm
Einleitung:
Als das Thema dieser Arbeit fest stand, galt es zunächst, einen fast unüberschaubaren Fundus an Literatur zu sichten, zu lesen und zu bearbeiten. Viele Bücher waren zu beschaffen, Archive mussten aufgesucht und durchforstet werden. Selbst das Internet schien da eine schier unerschöpfliche Quelle zu sein. Für die Arbeit Wichtiges musste vom Unwichtigen getrennt werden. Aber was war wichtig, und was war weniger relevant?
Ein Großteil dieser Epoche deutscher Geschichte wurde bereits in der Vergangenheit erforscht und durchleuchtet. Viele Fragen wurden innerhalb der letzten über sechs Jahrzehnte beantwortet, viele blieben jedoch unbeantwortet - und werden es wohl auch bleiben.
Als erstes galt es festzustellen, wie sich der Forschungsstand darstellt. Welche Fragen sind noch offen und was bedarf noch einer expliziteren Aufarbeitung?
Thema der Arbeit waren also ‘Die SS-Totenkopfverbände im KZ Buchenwald’.
Sicher ist, wie bereits festgestellt, ein umfangreiches Literaturangebot zu diesem Thema vorhanden und man könnte meinen, die Thematik wäre erschöpft. Doch stellten sich selbst bei der Auswahl des Themas und der späteren Bearbeitung noch jede Menge Fragen, die dazu veranlassten, sich eingehender damit zu beschäftigen.
‘Sie trugen eine schwarze Uniform und waren der Schrecken einer ganzen Nation. Sie führten den Totenkopf an ihrer Mütze und schworen dem Führer ewige Treue. Sie folgten der doppelten Sigrune und ermordeten Millionen von Menschen’.
Doch wer waren die SS-Totenkopfverbände? Bekannt ist, dass über den Zeitraum des Bestehens des Lagers die SS-Verbände nahezu ständig wechselten und nicht ausschließlich eine SS-Einheit für das Geschehene verantwortlich ist. Doch welche SS-Truppen befanden sich tatsächlich von 1937 bis 1945 auf dem Ettersberg?
Welche Menschen steckten hinter der Fassade der einzelnen Führungspersönlichkeiten der Totenkopfverbände, speziell im Konzentrationslager Buchenwald? Waren alle von ihrer Tätigkeit überzeugt und machten alle aus reiner Loyalität, und vor allem freiwillig, mit?
Oder gab es Widerstände, gar Auflehnung, gegen das, was sie da taten? Hatten sie Skrupel, Abscheu oder sogar Mitleid mit ihren Opfern? Welchen Bevölkerungsschichten gehörten die Angehörigen der SS-Einheiten an? Und vieles mehr.
Eine Antwort auf all diese Fragen sollte gefunden werden. Dies stellte sich auf Grund der Komplexität des Themas, jedoch auch wegen des Mangels an Zeitzeugen, als große Herausforderung dar.
Als äußerst interessant erschien im Vorfeld auch die Frage, wie sich der Alltag der SS, sowohl in dienstlicher Hinsicht als auch außerhalb des Dienstes, abspielte.
Nach einem kurzen Überblick über die SS im Allgemeinen sowie das Konzentrationslager Buchenwald selbst in den Jahren seiner Existenz - von der Entstehung im Jahre 1937 bis zu seinem Ende 1945 - erfolgt der Einstieg in das eigentliche Thema und der Versuch der Beantwortung der genannten Fragen.
Je mehr man sich mit dem Thema befasste, umso interessanter waren die Einblicke, die man bei seiner Arbeit erhielt. Immer mehr und immer tiefer sah man sich selbst in den Strudel der Ereignisse von damals hineinversetzt - und man wollte mehr wissen.
‘Wir müssen forschen, dokumentieren und erinnern - auch weil die Lügner, Verschleierer, Relativierer und Schlussstrich-Befürworter weiter am Werk sind’.
Als historisch noch nie zuvor dagewesenes Ereignis stellte sich der Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama am Freitag dem 5. Juni 2009 dar, der an diesem Tag das Konzentrationslager Buchenwald als erster US-Präsident überhaupt betrat.
Der mächtigste Mann der Welt - in Buchenwald schweigt er nur. Tief bewegt und nachhaltig beeindruckt bezeichnete Barack Obama Buchenwald trotz aller Schrecken auch als Möglichkeit der Versöhnung, Vergebung und Hoffnung.
‘Die Täter dieses Bösen waren auch Menschen. Und wir müssen das Böse in uns selbst bekämpfen’.
‘Dieser Ort lehrt uns”, so Obama weiter, ‘dass wir immer aufmerksam sein müssen, auch gegenüber dem Bösen heutzutage. Wir dürfen uns nicht dem falschen Komfort hingeben, das Leiden der anderen gehe uns nichts an. Wir müssen uns verpflichten, nicht denjenigen nachzugeben, die andere für ihre Ziele unterjochen’.
Mit diesem Besuch wurde deutlich, welche Brisanz das Thema und welche Bedeutung das Konzentrationslager Buchenwald nach wie vor auch vor internationalem Hintergrund hat.
Das Anliegen dieser Arbeit war es also, die SS-Totenkopfverbände im Konzentrationslager Buchenwald im Folgenden umfassend und ausführlich darzustellen. Die umfangreichen Archivrecherchen und mehrere Gespräche mit den Mitarbeitern der Gedenkstätte Buchenwald machten deutlich, dass die Geschichte der Häftlinge bereits tiefgründig erforscht und aufgearbeitet wurde. Zu den SS-Totenkopfverbänden stellten sich die Erkenntnisse jedoch als äußerst lückenhaft dar.
Mit dieser Arbeit soll nun versucht werden, einen Teil dieser Lücken zu schließen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| Abkürzungsverzeichnis | ||
| Vorwort | ||
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Die SS | 4 |
| 2.1 | Die SS – eine allgemeine Betrachtung in Zahlen und Fakten | 4 |
| 2.2 | Die Konzentrationslager als Terrorwerkzeug der SS | 8 |
| 2.3 | Die organisatorische Stellung der SS-Totenkopfverbände | 12 |
| 2.3.1 | Größenentwicklung der SS-Totenkopfverbände 1935 – 1938 | 17 |
| 2.3.2 | Dienstliche Verwendung von an SS-Junkerschulen ausgebildeten SS-Führern 1936 – 1938 | 17 |
| 2.3.3 | SS-Beitritte nach Altersgruppen | 18 |
| 2.3.4 | Zeitpunkt des SS-Beitritts nach schulischem Bildungsgrad | 19 |
| 3. | Das Konzentrationslager Buchenwald – ein Überblick | 21 |
| 3.1 | Die Entstehung des Lagers | 21 |
| 3.2 | Die Insassen – Zahlen und Fakten | 22 |
| 3.3 | Das Strafsystem | 24 |
| 4. | Die SS in Buchenwald | 28 |
| 4.1 | Die Lager-SS – eine Einführung | 28 |
| 4.2 | Die Organisationsstruktur der SS im KZ Buchenwald | 30 |
| 4.3 | SS-Totenkopfverbände auf dem Ettersberg | 35 |
| 5. | Biographien | 47 |
| 6. | Alltagsgeschichten | 67 |
| 7. | Schlussbemerkung | 86 |
| Quellen- und Literaturverzeichnis | ||
| Namenregister | ||
| Gegenüberstellung SS-Ränge / Heeresränge |
Textprobe:
Kapitel 4.2, Die Organisationsstruktur der SS-Lagerverwaltung im KZ Buchenwald:
An oberster Stelle der SS-Hierarchie, und das galt selbstverständlich auch für das Konzentrationslager Buchenwald, stand der Reichsführer-SS Heinrich Himmler. Dies und im Weiteren auch die allgemeine Gliederung der SS wird an dieser Stelle jedoch nur zur Vollständigkeit im Hinblick auf die anschließend darzustellende Organisationsstruktur der Lagerverwaltung im Konzentrationslager Buchenwald erwähnt.
Dem Reichsführer-SS unterstanden direkt das Reichssicherheitshauptamt sowie das SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt. Dem RSHA direkt unterstellt waren das Amt IV - die Geheime Staatspolizei mit den angegliederten Staatspolizeidienststellen -, sowie das Amt V - das Reichskriminalpolizeiamt mit den unterstellten Kriminalpolizeistellen. Diesen beiden Stellen wiederum unterstand die Abteilung II – die Politische Abteilung in den jeweiligen Konzentrationslagern. Dem WVHA unmittelbar angeschlossen waren die Amtsgruppe A (Truppenverwaltung), die Amtsgruppe B (Truppenwirtschaft), die Amtsgruppe C (Bauwesen), die Amtsgruppe D (Konzentrationslager) sowie die Amtsgruppe W (SS-Wirtschaftsunternehmen).
Die Amtsgruppe D war also für die Verwaltung aller Konzentrationslager im gesamten deutschen Reich zuständig.
Diese Amtsgruppe D untergliederte sich wiederum in D I (Zentralamt), D II (Arbeitseinsatz), D III (Sanitätswesen und Lagerhygiene) und D IV (KZ-Verwaltung).
Im Konzentrationslager Buchenwald stellte sich die Organisation wie folgt dar:
Die Abt. I beinhaltete die Lagerkommandantur. Leiter dieser Abt. I war der Adjutant. Er unterrichtete unter anderem den Lagerkommandanten von allen wichtigen Vorgängen und Ereignissen im Lager, bearbeitete den Schriftverkehr mit anderen Dienststellen im Reich, führte das Geheimtagebuch und leitete die Dienstpost an die anderen Abteilungen weiter. Als Chef der Stabskompanie unterstanden ihm zudem alle zum Kommandanturstab gehörenden SS-Unterführer und SS-Männer, außerdem die Post- und Fernschreibstelle, die Fahrbereitschaft, die Ausweisstelle, der SS-Arrest, die Schreibstube und die Waffenkammer des Kommandanturstabes.
Abt. II war die Politische Abteilung. Die Politische Abteilung, die eine Einrichtung der Gestapo und damit formal selbständig gegenüber der SS-Lagerführung war, arbeitete eng mit dem Lagerkommandanten zusammen. Der Leiter und der Stellvertreter der Politischen Abteilung im Konzentrationslager Buchenwald wurden vom Reichssicherheitshauptamt eingesetzt. Ihre Aufgabe bestand darin, die Neuzugänge zu erfassen, die Häftlingsakten zu führen, standesamtliche Vorgänge zu bearbeiten und Häftlinge zu Gestapostellen und Gerichtsterminen zu überstellen. Die Haupttätigkeit jedoch beinhaltete, Widerstandsaktivitäten und Fluchtvorbereitungen von Häftlingen zu unterbinden und zu bekämpfen. Verhöre und Folterungen waren zu diesem Zweck an der Tagesordnung und ein das ganze Lager überspannendes Spitzelnetz ging von dieser Abteilung aus.
Bei der Abt. III handelte es sich um das Schutzhaftlager, an dessen Spitze der Schutzhaftlagerführer mit seinen Stellvertretern stand. Diese Abteilung regelte das alltägliche Terror- und Zwangsarbeitsregime im Häftlingslager. Der Schutzhaftlagerführer hatte die Aufsicht über die Behandlung der Häftlinge, die tägliche Stärkemeldung sowie über den Umfang und die Qualität des Essens. Er setzte Funktionshäftlinge ein und leitete Strafmeldungen an die Kommandantur weiter. Der Rapportführer des Schutzhaftlagers war für die tägliche Stärkemeldung, die Diensteinteilung der Block- und Kommandoführer und für den Vollzug der vom Lagerkommandanten angeordneten Strafen zuständig. Für Abrechnung und Organisation der Häftlingszwangsarbeit trug der Arbeitsdienstführer des Schutzhaftlagers die Verantwortung. Aufgrund der gewachsenen Bedeutung der Häftlingsarbeit für die Kriegswirtschaft kam ab 1942 ein Arbeitseinsatzführer für die Gesamtorganisation zum Einsatz. Besonders rohe und brutale Männer wählte die SS-Führung für den Dienst als Blockführer in den Wohnbereichen der Häftlinge und als Kommandoführer an den Arbeitsstellen aus.
Diese vollzogen in ihrer Funktion auch Strafen und Exekutionen.
Abt. III E koordinierte den Arbeitseinsatz im Konzentrationslager Buchenwald.
Der Abt. IV oblag die Verwaltung. Dieser Abteilung stand ein Verwaltungsführer vor, der die Verantwortung für die Bekleidung und Verpflegung der Häftlinge, die Ausstattung der Häftlingsunterkünfte und die Verwaltung von Häftlingseigentum trug. Der Aufgabenbereich der Verwaltung erstreckte sich jedoch nicht nur auf das Hauptlager Buchenwald, sondern auch auf die ständig wachsende Zahl der Außenkommandos. Neben den genannten Aufgaben war der Verwaltungsführer außerdem für die Unterkunft, Verpflegung, Bekleidung und Besoldung des Kommandanturstabes zuständig.
Abt. V war das Sanitätswesen. Dem SS-Standortarzt, den ihm unterstellten SS-Truppenärzten, SS-Lagerärzten und Sanitätsdienstgraden, den SS-Zahnärzten und SS-Lagerapothekern oblag die medizinische Betreuung der Häftlinge, aber auch gleichzeitig der SS-Angehörigen. Die SS-Lagerärzte beaufsichtigten die hygienischen und sanitären Einrichtungen des Lagers, die hygienische Gesamtsituation, die Trinkwasserversorgung, die Zubereitung und Qualität der Verpflegung im Hauptlager und in den Außenkommandos.
Die genannten einzelnen Abteilungen im Konzentrationslager Buchenwald unterstanden selbstverständlich als solche den jeweils übergeordneten obersten SS-Dienststellen.
Aus Gründen der Genauigkeit und Vollständigkeit sollen diese Strukturen und Verbindungen an dieser Stelle kurz dargelegt werden.
So unterstand also die Kommandantur dem Zentralamt (D1) als übergeordneter SS-Stelle. Die Abt. III E, also der Arbeitseinsatz, war dem Arbeitseinsatz (D 2) unterstellt. Der übergeordneten SS-Dienststelle KL-Verwaltung (D IV) gliederte sich die Verwaltung im Konzentrationslager Buchenwald, also die Abt. IV, an. Die Abt. V, Sanitätswesen, wiederum unterstand der SS-Stelle Sanitätswesen und Lagerhygiene (D III). Die Politische Abteilung, Abt. II im KZ Buchenwald, war sowohl der Kommandantur angegliedert, unterstand aber, wie bereits genannt, auch direkt dem RSHA mit seinen untergeordneten Dienststellen.
Die Blockführer im Lager waren der Abt. III, Schutzhaftlager, untergeordnet, welche wiederum der Kommandantur untergliedert war. Die jeweiligen Kommandoführer in den Arbeitskommandos gehörten zur Abt. III E (Arbeitseinsatz).
Für die Art und Weise der Durchsetzung verbrecherischer Richtlinien trug jedoch der Lagerkommandant die Hauptverantwortung. In seinem Ermessenspielraum lagen die Existenzbedingungen des Lagers, die Praxis des täglichen Terrors und der Strafen sowie die Ermordung einzelner Personen oder ganzer Gruppen von Häftlingen. Hinzu kam bis 1941 auch der Umfang und die Intensität der Zwangsarbeit. In den Anfangsjahren des Lagers entschied er allein über die Zusammensetzung bzw. Aufstieg und Fall innerhalb seines Stabes.
Der erste Lagerkommandant des Lagers Buchenwald war der wegen seiner Grausamkeit besonders gefürchtete und berüchtigte Karl Koch. SS-Standartenführer Koch wurde am 2. August 1897 in Darmstadt geboren. Er hatte in den Jahren 1937 - 1941 die Herrschaft über das Lager. Während dieser Zeit entstand ein Regime des Schreckens, der Ausbeutung und der Korruption. Er wurde jedoch wegen Korruption und Mordes an drei Häftlingen angeklagt, zum Tode verurteilt und am 5. April 1945 im Lager Buchenwald hingerichtet.
Nachfolger als Lagerkommandant war Hermann Pister. Er leitete das Lager von 1941 bis April 1945. Hermann Pister, geboren am 21. Februar 1885, trug die SS-Nummer 29892 und wurdeam 30. Januar 1945 zum SS-Standartenführer befördert. In den Dachau-Prozessen verurteilte man Hermann Pister zum Tode.
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http://www.diplom.de/ean/9783842806047
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Grimm, Steffen Februar 2010: Die SS-Totenkopfverbände im Konzentrationslager Buchenwald, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
SS-Totenkopfstandarte, Weimar, Terror, 3. Reich, Adolf Hitler



