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Die Rolle der institutionellen Investoren in der deutschen Corporate Governance

Die Rolle der institutionellen Investoren in der deutschen Corporate Governance
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Raimar Diekmann
  • Abgabedatum: Februar 2003
  • Umfang: 123 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7111-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7111-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7111-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Diekmann, Raimar Februar 2003: Die Rolle der institutionellen Investoren in der deutschen Corporate Governance, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kapitalmarkt, Unternehmensführung, Finanzierung, Wirtschaftprüfung, Rechnungswesen

Diplomarbeit von Raimar Diekmann

Einleitung:

Einer der bedeutendsten Trends an den globalen Finanzmärkten ist die zunehmende Institutionalisierung der Kapitalanlage, d.h. die verstärkte Verwaltung privater Ersparnisse durch Pensionsfonds, Versicherungen und Investmentfonds. In Deutschland konnten in den letzten zehn Jahren insbesondere Kapitalanlagegesellschaften (KAG) eine stetige Zunahme ihres Anlagevolumens verzeichnen. Der Bedeutungszuwachs dieses Anlegersegments hat dazu geführt, dass professionelle Anleger sich verstärkt um die Gestaltung der Corporate Governance der Unternehmen ihrer Portfolios bemühen. Corporate Governance, verstanden als das System der Unternehmensleitung und -kontrolle einer Aktiengesellschaft, stellt für professionelle Anleger inzwischen ein eigenständiges Bewertungskriterium im Investmentprozess dar. Institutionelle Investoren gehen dabei von der Grundannahme aus, dass die Qualität der Unternehmenskontrolle einen wesentlichen Einfluss auf den ökonomischen Erfolg einer Aktiengesellschaft hat.

Die jüngsten Bilanzskandale großer US-amerikanischer Unternehmen haben jedoch das Vertrauen der Investoren in die internationalen Kapitalmärkte nachhaltig erschüttert. Auch in Deutschland gab es spektakuläre Unternehmenszusammenbrüche, die die Defizite im deutschen Corporate Governance-System aufzeigten. Corporate Governance gewann daraufhin in der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion an großer Bedeutung.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen verabschiedete der deutsche Gesetzgeber ein umfassendes Reformpaket zur Modernisierung des Finanzplatzes Deutschland. So beauftragte das Bundesministerium der Justiz im September 2001 eine Kommission unter der Leitung von Dr. Gerhard Cromme mit der Ausarbeitung des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK). Der DCGK - nach angelsächsischem Vorbild konzipiert - enthält in Form eines sogenannten Code of Best Practice rechtlich unverbindliche Grundsätze guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung. Mit der Verabschiedung des Transparenz- und Publizitätsgesetzes (TransPuG) im Juli 2002 erfuhr der DCGK eine aktienrechtliche Einbindung in §161 Aktiengesetz (AktG), die alle börsennotierten Gesellschaften zu einer faktischen Anerkennung des Kodex verpflichtet. Insbesondere angelsächsische institutionelle Investoren drängten auf die Einführung eines deutschen Verhaltenskodex, da sie in der Regel ihre Investitionsentscheidungen an der Anerkennung eines Verhaltenskodex durch die jeweiligen Unternehmen ausrichten.

Gang der Untersuchung:

Das Ziel dieser Arbeit ist, die Rolle der institutionellen Investoren in der deutschen Corporate Governance zu untersuchen. Sind institutionelle Investoren die treibenden Kräfte des Wandels im deutschen Kapitalmarkt- und Gesellschaftsrecht? Welche Forderungen stellen professionelle Anleger an eine anspruchsvolle Corporate Governance? Sind institutionelle Investoren in der Lage, eine wirksame Unternehmensüberwachung auszuüben, die weitere spektakuläre Unternehmenszusammenbrüche à la Enron vermeiden kann? Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich weiterhin aufzeigen, welchen Stellenwert Corporate Governance aus Sicht der professionellen Anleger einnimmt und mit welchen Instrumenten Investoren Einfluss auf Portfoliounternehmen (PU) ausüben. In einer Fallstudie werde ich die Corporate Governance-Aktivitäten des US-amerikanischen Pensionsfonds CalPERS analysieren, weil dieser weltweit als Vorreiter in Fragen der Corporate Governance gilt. In diesem Zusammenhang werde ich vor allem darauf eingehen, inwieweit die Tätigkeiten von CalPERS Perspektiven für deutsche institutionelle Anleger aufzeigen. Darüber hinaus werde ich analysieren, wie deutsche Fondsgesellschaften die Rolle von CalPERS und die Entwicklung der Corporate Governance in Deutschland beurteilen. Die hier aufgezeigten Fragestellungen sollen im Rahmen dieser Arbeit dezidiert beantwortet werden, wobei die Bewertung der Rolle der institutionellen Investoren im System der deutschen Corporate Governance den Schwerpunkt meiner Analyse bildet.

Den Ausgangspunkt meiner Arbeit bildet eine Einführung in die Agency-Theorie. Untersuchungsgegenstand der Agency-Theorie sind die Interessenkonflikte zwischen Managern und Anteilseignern, die aufgrund der Trennung von Eigentum und Verfügungsgewalt in einer Publikumsgesellschaft zur Entstehung von Agency-Kosten führen. Im deutschen und im angelsächsischen Corporate Governance-System stehen verschiedene interne und externe Instrumente zur Verfügung, die eine Reduzierung der Agency-Kosten anstreben. Während im angelsächsischen System die Kontrolle durch Marktmechanismen im Vordergrund steht, überwiegen im deutschen Modell traditionell die internen Mechanismen. Die jüngsten Reformen beider Corporate Governance-Systeme bedeuten eine Annäherung beider Modelle aneinander. Ob diese Entwicklungen eine Konvergenz beider Corporate Governance-Systeme bewirkt haben, werde ich in Abschnitt 2.4. erörtern.

Im dritten Kapitel wird die Entwicklung der Corporate Governance in Deutschland seit Einführung des Gesetzes zur Transparenz und Kontrolle im Unternehmensbereich (KonTraG) im Mai 1998 untersucht. Zunächst werde ich auf die gesetzlichen Grundlagen der deutschen Corporate Governance eingehen und die Rolle der Verhaltenskodizes im angelsächsischen Rechtssystem behandeln. Den Schwerpunkt des dritten Kapitels bildet eine Analyse des Reformpakets des deutschen Gesetzgebers zur Modernisierung des Finanzplatzes Deutschland. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf das KonTraG und auf den Deutschen Corporate Governance Kodex gelegt. Das dritte Kapitel schließt mit einer Bewertung des deutschen Corporate Governance-Systems.

Untersuchungsgegenstand des vierten Abschnitts ist die Rolle der institutionellen Investoren in der Corporate Governance. In einem ersten Schritt werde ich die Forderungen institutioneller Investoren an eine effiziente Corporate Governance vorstellen. In einem zweiten Schritt werde ich versuchen, die Forderungen sowie die Einflussnahme institutioneller Investoren auf Portfoliogesellschaften anhand verschiedener theoretischer Erklärungsmodelle zu validieren. Weiterhin gilt es, die Restriktionen einer potentiellen Einflussnahme auf PU aufzuzeigen und zu bewerten. In Kapitel 4.6. werde ich den theoretischen Überlegungen empirische Erkenntnisse zur Corporate Governance gegenüberstellen. Ich werde aufzeigen, welche Bedeutung institutionelle Investoren Corporate Governance beimessen, mit welchen Instrumenten sie Einfluss auf ein PU ausüben und wie die Qualität der Corporate Governance einer Aktiengesellschaft gemessen werden kann. Weiterhin möchte ich anhand empirischer Daten analysieren, ob institutionelle Investoren bereit sind, eine anspruchsvolle Corporate Governance mit einer Kursprämie zu honorieren. Abschließend werde ich einen Vergleich zwischen dem Corporate Governance-Verständnis der Investoren und dem von börsennotierten Unternehmen ziehen.

Das fünfte Kapitel behandelt anhand eines Fallbeispiels die Corporate Governance-Aktivitäten des weltweit drittgrößten Pensionfonds CalPERS. Das Fondsmanagement von CalPERS geht von der Grundannahme aus, dass ein positiver Wirkungszusammenhang zwischen der Einflussnahme auf eine Portfoliogesellschaft und der erzielten Rendite eines Investments besteht. So verfolgt CalPERS verschiedene Corporate Governance-Aktivitäten, die auf eine nachhaltige Steigerung der Rendite der PU abzielen. Im Rahmen der Fallstudie werde ich die wichtigsten Instrumente von CalPERS vorstellen, eine Bewertung dieser vornehmen und aufzeigen, ob die Ansätze auf den deutschen Kapitalmarkt übertragbar sind. Die Arbeit schließe ich mit einer Schlussbetrachtung im sechsten Kapitel ab.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Anhangsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis VIII
1. Einleitung 1
1.1 Einführung in die Thematik 1
1.2 Gang der Arbeit 3
2. Theoretische Grundlagen 5
2.1 Begriffsabgrenzung 5
2.2 Grundlagen der Agency-Theorie 8
2.2.1 Einführung in die Agency-Theorie 8
2.2.2 Agency-Theorie und Corporate Governance 11
2.3 Corporate Governance-Systeme im Vergleich 14
2.3.1 Das angelsächsische Shareholder-System 15
2.3.1.1 Shareholder Value-Orientierung 15
2.3.1.2 Aktionärsstruktur 16
2.3.1.3 One-Tier Modell 17
2.3.1.4 Market for Corporate Control 18
2.3.1.5 Bedeutung von Anreizsystemen 19
2.3.2 Das kontinentaleuropäische und japanische Stakeholder-System 19
2.3.2.1 Stakeholder-Orientierung 20
2.3.2.2 Aktionärsstruktur 21
2.3.2.3 Two-Tier Modell 21
2.3.2.4 Institutionenorientierung 22
2.3.2.5 Macht der Banken 22
2.4 Anzeichen einer Konvergenz beider Systeme 23
3. Entwicklung der Corporate Governance in Deutschland 26
3.1 Grundlagen 26
3.2 Kodifiziertes Recht als Basis deutscher Corporate Governance 28
3.3 Funktion der Verhaltenskodizes im angelsächsischen Rechtssystem 29
3.4 Bedeutung des KonTraG 30
3.5 Initiativen zur Entwicklung von Corporate Governance-Grundsätzen 33
3.5.1 OECD Principles of Corporate Governance 34
3.5.2 Regierungskommission Corporate Governance 35
3.5.3 Deutscher Corporate Governance Kodex 36
3.6 Funktion des TransPuG 38
3.7 Bewertung des Entwicklungsstands 39
4. Einflussnahme institutioneller Investoren 43
4.1 Institutionelle Investoren 43
4.1.1 Begriffsabgrenzung 43
4.1.2 Bedeutung institutioneller Investoren im internationalen Vergleich 44
4.1.3 Veränderung der Rahmenbedingungen in Deutschland 47
4.1.3.1 Institutionalisierung der Kapitalanlage 48
4.1.3.2 Bedeutungszunahme deutscher Investmentfonds 49
4.2 Forderungen institutioneller Investoren 50
4.2.1 CalPERS 51
4.2.2 DWS 53
4.3 Erklärungsansätze zur Einflussnahme institutioneller Investoren 54
4.3.1 Exit versus Voice 55
4.3.2 Monovariate Erklärungsansätze 55
4.3.2.1 Größe des Anteilsbesitzes und Agency-Kosten 56
4.3.2.2 Diversifikation 56
4.3.2.3 Rechtliche Rahmenbedingungen 57
4.3.2.4 Art des Portfoliomanagements 57
4.3.3 Multivariate Erklärungsansätze 59
4.3.4 Corporate Governance und Corporate Performance 62
4.4 Restriktionen 62
4.4.1 Legislative Restriktionen 62
4.4.2 Free-Riding-Problematik 64
4.4.3 Langfrist- versus Kurzfristorientierung 65
4.4.4 Sekundärmarktliquidität 66
4.5 Zwischenbewertung 66
4.6 Empirische Erkenntnisse 68
4.6.1 Methoden zur Bewertung von Corporate Governance 68
4.6.2 Bedeutung von Corporate Governance aus Investorensicht 70
4.6.3 Bewertung einzelner Instrumente 72
4.6.4 Corporate Governance als Anlagekriterium 73
4.6.5 Bedeutung von Corporate Governance aus Unternehmenssicht 74
5. Fallstudie: CalPERS und Corporate Governance 76
5.1 Unternehmensprofil 76
5.2 Focus List 77
5.3 „CalPERS Effect“ of Corporate Governance 78
5.4 Corporate Governance-Fonds 78
5.5 Einflussnahme auf den Gesetzgeber 79
6. Schlussbetrachtung 82
Anhang IX
Literaturverzeichnis XXXII
Gesprächsverzeichnis XXXIX

Automatisiert erstellter Textauszug:

Umständen vermeiden möchten. Jedoch sind die Befragten bezüglich der Rolle, die der DCGK im Investmentprozess der KAG einnehmen wird, geteilter Meinung. So reicht das Spektrum der Antworten auf diese Frage von „nice to have“166 bis „zwingend erforderlich“167. Ob der DCGK im Investmentprozess tatsächlich eine entscheidende Rolle spielt, ist fraglich. So ergaben die Interviews, dass die Fondsmanager im Regelfall ihre Investitionsentscheidung in erster Linie an finanziellen Kennzahlen ausrichten. Die Mehrzahl der Befragten war sogar bereit, in Einzelfällen bewusst eine „schlechte“ Corporate Governance einer Aktiengesellschaft in Kauf zu nehmen, wenn so eine überdurchschnittliche Rendite erzielen werden kann. Als Motivation für dieses Verhalten nannten die Befragten die Attraktivität der jeweiligen Branche sowie eine überdurchschnittliche Positionierung der Aktiengesellschaft im Wettbewerb. Als weiteres Problemfeld wurde angeführt, dass die Qualität von Corporate Governance und die Auswirkungen einer Anerkennung des DCGK nur bedingt messbar seien.168 Den Entwicklungsstand des deutschen Corporate Governance-Systems beurteilt die Mehrzahl der interviewten Investoren als modern. Insbesondere im Vergleich zum USamerikanischen wettbewerbsfähig Modell sei das deutsche zu Corporate anderen Governance-System Mitgliedsstaaten der geworden. Im Vergleich [...]

Die Reformen des Gesetzgebers haben eine umfangreiche Modernisierung des deutschen Gesellschafts- und Kapitalmarktrechts bewirkt. Diese Entwicklung hat gezeigt, dass Deutschland durchaus „ ... in der Lage ist, die hohen Erwartungen der Kapitalmärkte an eine funktionierende Corporate Governance ... zu erfüllen“.164 Trotz aller Kritik angelsächsischer Investoren hat der Gesetzgeber an den Besonderheiten des deutschen Corporate Governance-Systems, wie zum Beispiel dem Two-Tier Modell, festgehalten und das deutsche Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht gleichzeitig weiterentwickelt.165 Auch institutionelle Investoren bewerten die Reformen des deutschen Kapitalmarktund Gesellschaftsrechts als positiv. Insbesondere die Einführung des DCGK wird als logischer Folgeschritt der zunehmenden Internationalisierung der Kapitalmärkte interpretiert. Die Mehrheit der interviewten Fondsgesellschaften erwartet, dass der DCGK durch die aktienrechtliche Einbindung in § 161 AktG eine breite Anerkennung finden wird. Eine Nicht-Beachtung des DCGK würde nach Aussagen der interviewten Fondsmanager zu einem Kursabschlag führen, den Aktiengesellschaften unter allen [...]

AktG), eine Verbesserung der Rechnungslegung (§§ 321 Abs. 1, 2; 297 HGB) erreichen und den Einsatz neuer Kommunikationsmedien zulassen (§§ 25; 90 Abs. 5; 118; 170 Abs. 3 AktG).160 So wurde zum Beispiel der Vorstand verpflichtet, dem Aufsichtsrat zukünftig über eine Abweichung von Planzahlen zu berichten (sogenannte Follow-upBerichterstattung).161 Der Aufsichtsrat wird gehalten, zum Konzernabschluss eine Stellungnahme abzugeben und zu erklären, ob er diesen billigt. Die Einführung des elektronischen Bundesanzeigers ist in § 25 AktG geregelt, die Übertragung der Hauptversammlung im Internet ist Gegenstand des § 118 AktG.162 Für die Rechnungslegung bedeuten die Neuerungen des TransPuG eine inhaltliche Erweiterung der Abschlussprüfung. Beispielsweise muss der Prüfungsbericht jegliche Beanstandungen enthalten, auch wenn sie für eine Einschränkung des Prüfungstestats nicht ausreichen.163 3.7. Bewertung des Entwicklungsstands [...]

Arbeit zitieren:
Diekmann, Raimar Februar 2003: Die Rolle der institutionellen Investoren in der deutschen Corporate Governance, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kapitalmarkt, Unternehmensführung, Finanzierung, Wirtschaftprüfung, Rechnungswesen

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