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Die Rolle der WTO in der Integrationsstrategie von Entwicklungsländern

Eine Analyse am Beispiel China

Die Rolle der WTO in der Integrationsstrategie von Entwicklungsländern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Claudia Müller
  • Abgabedatum: April 2001
  • Umfang: 95 Seiten
  • Dateigröße: 790,5 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5254-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5254-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5254-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Müller, Claudia April 2001: Die Rolle der WTO in der Integrationsstrategie von Entwicklungsländern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Entwicklungsländer, Handelsreformen, Politische Ökonomie, China, WTO-Beitritt

Diplomarbeit von Claudia Müller

Ziel der Arbeit ist es zu analysieren, inwieweit die WTO Entwicklungsländern helfen kann, sich in die Weltwirtschaft zu integrieren. Dabei geht es um die Frage, ob ein WTO-Beitritt zur Sicherung bereits durchgeführter (als Lock-in) oder als Antrieb für weitere Handels- und allgemeine Wirtschaftsreformen (als Katalysator) dient. Die theoretischen, für Entwicklungsländer aufgestellten Überlegungen sollen anschließend für den WTO-Beitritt Chinas überprüft werden.

Die Fragestellung ist relevant, weil Entwicklungsländer nach einer langen Periode von Protektion und Importsubstitution seit Ende der 1980er Jahre zunehmend Handelsreformen durchführen. Dies resultiert zum einen aus der Erkenntnis, dass Länder mit hohem Protektionsgrad signifikant niedrigere Wachstumsraten der Bruttoinlandsprodukts hinnehmen mussten als jene, die einer eher liberalen Handelspolitik folgten. Zweitens veranlasste der Erfolg der exportorientierten, ostasiatischen Tigerstaaten viele Regierungen zur Nachahmung.

Entwicklungsländer stehen grundsätzlich drei Alternativen der weltwirtschaftlichen Integration zur Auswahl:

Erstens können sie Handelsreformen unilateral, d.h. unabhängig von der Handelspolitik anderer Länder durchführen. Zweitens können sie einem regionalen Integrationsabkommen (z.B. Mercosur, APEC) beitreten. Eine dritte Option ist die multilaterale Liberalisierung im Rahmen von GATT/WTO. In dieser Arbeit werden insbesondere die regionale und die multilaterale Integration vergleichend analysiert, da unilaterale Liberalisierung allein oft keine ausreichende Strategie ist.

Gang der Untersuchung:

Zwar steigern Handelsreformen die allokative Effizienz und erhöhen damit die Wohlfahrt der Gesellschaft als Ganze. Gleichzeitig bewirken sie jedoch Umverteilungseffekte zu Lasten kleiner Gruppen, die durch das protektionistische Handelsregime begünstigt wurden. Wie die politökonomische Analyse in Kapitel B.I zeigt, ist es daher für Politiker rational, Liberalisierung entweder gar nicht erst durchzuführen oder später wieder zurückzunehmen, da auf diese Weise Partikularinteressen bedient und politische Macht gewonnen werden kann.

In Kapitel B.II und B.III soll daher analysiert werden, ob regionale und multilaterale Verpflichtungen als Lock-in dienen, d.h. reformorientierten Politikern Mechanismen bieten können, um protektionistische „Rückfälle“ zu vermeiden und damit Reformen abzusichern. Ergebnis dieser Analyse ist, dass die Lock-in Funktion der WTO gegenüber dem alten GATT entscheidend gestärkt wurde. Auch die neuen regionalen Handelsabkommen können die Lock-in-Funktion erfüllen, unter bestimmten Bedingungen sogar besser als die WTO. Jedoch sind regionale Handelskommen aus anderen (allokationstheoretischen und politökonomischen) Gründen kritisch zu beurteilen und stellen daher keine Alternative zu einem WTO-Beitritt dar.

In Kapitel B.III wird dann untersucht, inwieweit die WTO den Reformprozess in Entwicklungsländern beschleunigen kann. Es werden die Wirkungen eines WTO-Beitritts für weitere Handelsreformen und für allgemeine Wirtschaftsreformen geprüft. Dieser Teil bezieht sich sowohl auf Entwicklungs- als auch auf Transformationsländer, da China Charakteristika beider Ländertypen auf sich vereint.

Nach einer Zusammenfassung der Ergebnisse in B.IV widmet sich Kapitel C dem Anwendungsfall China. Für die Auswahl Chinas spricht erstens die Aktualität. So wird China Anfang 2002 nach 15-jährigen Beitrittsverhandlungen endlich WTO-Mitglied. Zweitens ist China eines der letzten Entwicklungsländer, dessen Handelsregime noch durch einen „Importsubstitutionsbias“ gekennzeichnet ist. So gehörten die chinesischen Zölle noch Anfang der 1990er noch zu den höchsten in der Welt. Trotz seit 1992 eingeführter Reformen ist das Handelssystem immer noch durch zahlreiche Verzerrungen und Beschränkungen gekennzeichnet.

In Kapitel C.1 wird die Integrationsstrategie Chinas dargestellt, d.h. bisher durchgeführte unilaterale Handelsreformen, die Liberalisierung im Rahmen der APEC und die GATT-/WTO-Beitrittsbemühungen. Anschließend wird in C.II mit Hilfe eines politökonomischen Modells, das explizit den politischen Prozeß in China charakterisiert, die wichtigste Interessengruppe identifiziert. Dies dient als Basis für die in C.III durchzuführende Analyse, ob die chinesische Regierung den bevorstehenden WTO-Beitritt als Lock-in oder als Katalysator nutzen möchte. Es sollen auch auf Gefahren im Zusammenhang mit dem WTO-Beitritt hingewiesen werden. Die Arbeit endet mit einem Fazit in Kapitel D.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS III
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
SYMBOLVERZEICHNIS V
A. EINLEITUNG 1
B. POLITISCHE ÖKONOMIE DER HANDELSLIBERALISIERUNG 5
I. POLITISCHE ÖKONOMIE DER PROTEKTION IN DER REALITÄT 5
1. GRUNDLAGEN DER POLITISCHEN ÖKONOMIE 6
2. HANDELSREFORMEN IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN: GEFAHR DER REFORMUMKEHR UND GLAUBWÜRDIGKEITSPROBLEME 11
II. TRADITIONELLE POLITISCHE ÖKONOMIE DER HANDELSLIBERALISIERUNG 15
1. ZEMENTIEREN VON REFORMEN DURCH INTERNATIONALE VERPFLICHTUNGEN? 15
2. DIE POLITISCHE ÖKONOMIE DES GATT 16
3. DIE POLITISCHE ÖKONOMIE DES ALTEN REGIONALISMUS 22
III. NEUE POLITISCHE ÖKONOMIE DER TIEFEN INTEGRATION 23
1. GLOBALISIERUNG ALS URSACHE FÜR TIEFE INTEGRATION 23
2. DIE POLITISCHE ÖKONOMIE DER WTO 26
3. DIE POLITISCHE ÖKONOMIE DES NEUEN REGIONALISMUS 33
IV. ZWISCHENFAZIT 35
C. ANWENDUNGSFALL CHINA: WTO-BEITRITT ALS REFORMANTRIEB? 37
I. DIE INTEGRATIONSSTRATEGIE CHINAS 37
1. UNILATERALE LIBERALISIERUNG 37
2. LIBERALISIERUNG IN DER APEC 40
3. DIE GATT-/WTO-BEITRITTSVERHANDLUNGEN CHINAS 41
II. MODELL: POLITISCHE ÖKONOMIE DER PROTEKTION IN CHINA 44
III. AUSWIRKUNGEN EINES KÜNFTIGEN WTO-BEITRITTS AUF DEN CHINESISCHEN REFORMPROZESS 49
1. ZEMENTIEREN BEREITS DURCHGEFÜHRTER REFORMEN? 49
2. WTO-BEITRITT ALS KATALYSATOR FÜR WEITERE REFORMEN ? 50
3. SCHWIERIGKEITEN UND GEFAHREN 59
D. FAZIT UND AUSBLICK 60
ANHANG 61

Automatisiert erstellter Textauszug:

„Sündenbockrolle“ der WTO für die Umsetzung von Verpflichtungen. Gerade in den (ärmsten) Entwicklungsländern und in Transformationsländern kann sich der Hinweis auf internationale Verpflichtungen als wichtig für die Überwindung des Reformwiderstandes erweisen. Transparente Regeln sind dort schwer zu implementieren, weil Intransparenz, diskretionäre und willkürliche administrative Entscheidungen ökonomische Renten produzieren und bisher privilegierte Gruppen sich dem Wandel widersetzen (Langhammer 2000, S. 15). So kontrollieren in den ärmsten Entwicklungsländern oft mächtige Interessengruppen den Zugang privater Händler zu strategischen Ressourcen wie Mineralien und Brennstoffen. Dieser privilegierte Zugang entspricht einer Monopolrente. In Transformationsländern führen vor allem quantitative Handelsbeschränkungen zu Rent-Seeking (Langhammer und Lücke 2000, S. 4f.). Bei einer Handelsliberalisierung muss daher der Widerstand dieser Renteninhaber/Gruppen - zusätzlich zur [...]

WTO als Katalysator von Reformen? Für einige Entwicklungsländer mag ein Lock-in von Reformen der Hauptgrund für den Abschluss eines (multilateralen oder regionalen) Handelsabkommens sein (Whalley 1996, S. 2). Nachhaltige Handelsreformen, beispielsweise in Argentinien oder China, fanden jedoch meist unilateral statt (Sally 1999, S. 5). Es ist daher wenig wahrscheinlich, dass diese nachhaltigen Liberalisierer einen WTO-Beitritt als Lock-in ansehen und wirft die Frage nach einer möglichen alternativen Rolle der WTO auf. In dieser Arbeit wurde schon im Zusammenhang mit dem GATT auf potentielle Katalysatoreffekte internationaler Handelsabkommen hingewiesen (siehe B.II.2 ). Im folgenden soll analysiert werden, auf welche Weise und für welche Art von Reformen eine WTO-Mitgliedschaft als Katalysator von Reformen dienen kann. Die WTO als politökonomischer Katalysator Die Funktion der WTO als politökonomischer Katalysator für Handelsreformen ist schon im GATT angelegt, jedoch nutzen Entwicklungsländer erst seit dem Single-Undertaking-Ansatz für progressive der Uruguay-Runde und die die Reziprozitätsdynamik Liberalisierung [...]

ten Exportsubventionen (Frost 2001). Aus politökonomischer Sicht ist insbesondere letzteres bedenklich, da es Regierungen erschwert, sich den Forderungen nach Exportsubventionen seitens inländischer Lobbygruppen zu widersetzen (Finger und Winters 1998, S. 387). Da der Status eines Entwicklungslandes sich nicht aus in der WTO definierten Kriterien ableitet, sondern von der eigenen Entscheidung abhängt, können arme Länder selber entscheiden, ob sie diese „Privilegien“ in Anspruch nehmen und dadurch die Bindungswirkung ihrer Verpflichtungen reduzieren (Langhammer und Lücke 1999, S. 23). Die Kritik an der GATT-Streitschlichtung führte zu einer Verbesserung des Verfahrens in der WTO. Die Möglichkeiten, eine Verzögerungstaktik zu betreiben bzw. das Verfahren zu blockieren, wurden eingeschränkt, so dass Sanktionen jetzt faktisch möglich sind. Damit sind die Kosten des Vertragsbruchs gestiegen und die Regelbefolgung ist insgesamt attraktiver geworden. Trotz positiver Änderungen stellen die zu großzügig bemessenen maximalen Verfahrensfristen ein Problem dar, da die Gewinne aus dem Regelbruch solange anwachsen, wie dieser nicht sanktioniert wird (Bütler und Hauser 2000, S. 24). Außerdem sind Sanktionen nur in Form von Vergeltungsprotektion des betroffenen Landes möglich. Dem Nichtdiskriminierungsprinzip mangelt es daher wegen eines schwachen Streitschlichtungsmechanismus immer noch an Kraft (Sally und Freytag 2000, S. 207f.).30 Festzuhalten ist, dass die WTO wegen des verbesserten Sanktionsmechanismus und der reduzierten Sonderstellung der Entwicklungsländer die Rolle eines Lock-ins besser erfüllt als das alte GATT. Entscheidend ist jedoch der politische Wille der Regierungen, sich zu binden, da die WTO-Regeln viele Hintertüren enthalten, die Regierungen ausnutzen können, wenn sie möchten. Würden diese alle tatsächlich genutzt, geriete ein Land in die totale wirtschaftliche Isolation (Finger 2000, S. 2). [...]

Arbeit zitieren:
Müller, Claudia April 2001: Die Rolle der WTO in der Integrationsstrategie von Entwicklungsländern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Entwicklungsländer, Handelsreformen, Politische Ökonomie, China, WTO-Beitritt

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