Zur Rolle und Situation des Helfers im Rettungsdienst
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Götz Barkey
- Abgabedatum: April 2002
- Umfang: 84 Seiten
- Dateigröße: 422,8 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Düsseldorf Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6445-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6445-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6445-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Barkey, Götz April 2002: Zur Rolle und Situation des Helfers im Rettungsdienst, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Feuerwehr- und Rettungsdienstseelsorge, Krisenintervention, Stressbearbeitung
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Diplomarbeit von Götz Barkey
Einleitung:
Jeden Tag hört man es aufs neue, ein grelles und aufschreckendes Geräusch, welches uns zu verstehen gibt: „Es ist etwas passiert“ oder „jemand braucht Hilfe“. Die Rede ist vom Martinshorn, das von Rettungsdiensten, Polizei und Feuerwehr benutzt wird, um sich schnell freie Bahn zu verschaffen, um Gesundheitsschäden abzuwenden und Menschenleben zu retten.
Doch oft wird nicht beachtet, dass sich hinter dem Steuer und auf dem Beifahrersitz eines solchen Fahrzeuges Menschen befinden, die es zwar gewohnt sind mit Not und Leid umzugehen, dennoch nahezu jeder Einsatz verläuft nicht ohne psychische Belastungen für die Helfer. Schwere Verkehrsunfälle – Reanimationen – plötzlicher Kindstod – Wohnungsbrände mit eingeschlossenen Personen – Kindesmisshandlung – Vergewaltigung – Transporte ins Hospiz – Großschadenslagen mit vielen Verletzten und Toten.... All dies sind Notfälle, zu denen die Helfer im Rettungsdienst, Rettungshelfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und Notärzte, jederzeit gerufen werden können um lebensrettende Maßnahmen zu ergreifen. Die Helfer sind sehr gut ausgestattet und ausgebildet um diese Situationen in den Griff zu bekommen und den Einsatz „abzuarbeiten“. Oft wird vergessen, dass da nicht das „stumpfe Bauchtrauma“ liegt, sondern ein Mensch, der Gefühle, wie Todesangst, Unsicherheit und Schmerzen hat. Das wird dem Helfer erst dann klar, wenn er sich mitten in diesem Einsatzgeschehen befindet oder wenn der Einsatz abgeschlossen ist.
Bei der Leistungsfähigkeit unserer Helfer gibt es natürliche Grenzen, denn die stete Auseinandersetzung mit Tod, Trauer, Leid und schwerer Krankheit geht an keinem Menschen spurlos vorbei. Diese Belastung und die damit verbundenen Probleme der Helfer sind kein Anzeichen dafür, dass die Helfer ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind, sondern vielmehr, dass es sich bei den Helfern auch um Menschen handelt. Um genau diesen Stress, diese Belastungen und die Lösungsansätze, die bereits existieren, geht es in dieser Arbeit.
Ich werde die Probleme aufzeigen und bestehende Lösungskonzepte, die in der Psychologie und der Stressbearbeitung angewendet werden, vorstellen. Im Mittelpunkt der Betrachtung soll auch die Fragestellung „Was kann Sozialarbeit in diesem Zusammenhang leisten? Können Sozialarbeiter/-innen mitwirken?“ stehen. An diesem Thema habe ich ein eigenes tiefes Interesse, da ich seit nunmehr sieben Jahren im Rettungsdienst als Rettungsassistent arbeite. Im Zivildienst habe ich den ersten Kontakt mit dem Rettungsdienst bekommen. Diese Erfahrungen haben mich positiv beeindruckt, sodass ich nun auch die Berufsausbildung zum Rettungsassistenten gemacht habe. Seit einem Jahr bin ich als Ausbilder für das Personal im Rettungsdienst tätig. Im Laufe der Jahre habe ich eigene Erfahrungen sammeln können, daher kann ich viele Gedanken und wissenschaftliche Ansätze nachvollziehen und bestätigen. Mein Interesse an dem Thema der posttraumatischen Belastungen hat sich weiter verstärkt als ich vor vier Jahren begann Sozialarbeit zu studieren. Hier habe ich auch die theoretischen und wissenschaftlichen Hintergründe, z.B. Kommunikationstheorien, erfahren, aber auch viele Grundlagen wie Gesprächsführung kennen gelernt und durchgeführt. Jedoch soll es sich bei dieser Arbeit in keinem Fall um einen Erfahrungsbericht handeln, sondern um eine wissenschaftliche Arbeit, die mit vorsichtigem partiellem Einsatz eigener Erfahrungen etwas verfeinert werden kann. Ferner wird hier aufgezeigt, welchen Stellenwert in der Stressbearbeitung die Sozialarbeit einnehmen und wie diese daran mitwirken kann.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | |
| 2. | Der Rettungsdienst, Was ist das? | 3 |
| 2.1 | Das Rettungssystem in Deutschland | 3 |
| 2.2 | Stellenbeschreibung des Rettungsassistenten | 5 |
| 2.3 | Belastungen in der täglichen Berufsausübung | 7 |
| 2.4 | Rolle des Helfers im Rettungsdienst | 11 |
| 3. | Psychische Belastungen im Arbeitsfeld Rettungsdienst | 13 |
| 3.1 | Umfrage und Auswertung der absoluten Zahlen | 13 |
| 3.1.1 | Einsatz, bei dem ein Kind ums Leben kam | 15 |
| 3.1.2 | Einsatz mit einem Massenanfall von Verletzten | 16 |
| 3.1.3 | Einsatz bei einem Suizidversuch | 18 |
| 3.1.4 | Psychische Betreuung vital gefährdeter Patienten | 19 |
| 3.1.5 | Nach Dienstschluss geht mir ein Einsatz noch durch den Kopf | 20 |
| 3.1.6 | Angst bei einem Einsatz eine falsche Maßnahme zu ergreifen | 21 |
| 3.1.7 | Welche Angebote halten sie noch für erforderlich | 23 |
| 3.2 | Definition des Begriffes Stress | 24 |
| 3.3 | Die physiologische Stressreaktion | 25 |
| 3.4 | Psychische Reaktionen durch Stress | 28 |
| 3.5 | Stressoren im Rettungsdienst | 32 |
| 3.6 | Wissenschaftliche Erkenntnisse | 34 |
| 4. | Strategien gegen den Stress nach belastenden Ereignissen | 36 |
| 4.1 | Vorbeugungsmöglichkeiten | 36 |
| 4.2 | Stressentlastung und Traumaprophylaxe durch SBE | 41 |
| 4.3 | Die SBE – Einsatzbegleitung | 43 |
| 4.4 | Die SBE – Einsatznachbesprechung | 47 |
| 4.5 | Die SBE – Kurzbesprechung | 52 |
| 4.6 | Zusammenfassung | 56 |
| 5. | Erfahrungen und praktische Einsatzmöglichkeiten | 57 |
| 5.1 | Erfahrungsbericht einer psychosozialen Fachkraft | 58 |
| 5.2 | Erfahrungsbericht eines Peers | 64 |
| 6. | Erkenntnisse für die Sozialarbeit | 69 |
| 6.1 | Praktische Umsetzung | 72 |
| 6.2 | Fazit | 74 |
| Literaturverzeichnis | 77 | |
| Abbildungsverzeichnis | 81 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 82 | |
| Eidesstattliche Erklärung | 83 |
Als psychosoziale Fachkräfte kommen insbesondere Personen in Frage, die ein fundiertes Wissen haben und im Hauptberuf entweder im sozialen, psychologischen oder seelsorgerischen Bereich arbeiten. Sie alle haben eine akademische Ausbildung oder Diplome, die sie im Rahmen eines Studiums erwarben. Als psychosoziale Fachkräfte kommen neben den Seelsorgern auch Psychologen, Sozialarbeiter und Psychiater in Betracht. Jedoch neben dem Studium sollten Sie Erfahrungen in klinischer Psychologie und weitere Seminare im Bereich der Stressbewältigung nach belastenden Ereignissen nachweisen können. Peers sind ausgebildete Einsatzkräfte im SBE-Team. Sie kommen aus der Organisation, die das SBE-Team stellt, z.B. Soldaten für das Militär, Polizisten für die Polizei und Rettungsassistenten für den Rettungsdienst. Da Peers bereits seit langer Zeit in den USA eingesetzt werden, können auch hier deutlich die Vorteile der Peers dargestellt werden: [...]
Da SBE von unterschiedlichen Organisationen eingesetzt wird, variiert auch die Konstellation der jeweiligen Teams, abhängig vom Einsatzbereich. Im Einsatzbereich von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst oder Militär ist jedoch immer die Mitwirkung von Peers (= SBE- ausgebildete Einsatzkräfte) erforderlich, die ihre Hilfe bereits am Notfallort anbieten können. Der Einsatz von Peers hat aber auch seine Grenzen, die dann erreicht sind wenn, z.B. Jugendliche als Peers auftreten, da eine Traumatisierung der helfenden Jugendlichen selbst nicht ausgeschlossen werden kann. Auch Peers in kleinen Betrieben können unter Umständen nicht effektiv sein, weil es zu Stressreaktionen so selten kommt, dass die Teams keine Erfahrungen sammeln können. Dies sind jedoch Ausnahmen. Peers sollten sorgfältig von erfahrenen Personen ausgesucht werden und eine solide Ausbildung erhalten, damit sie die psychosozialen Fachkräfte unterstützen und der Zivilbevölkerung oder ihren eigenen Kollegen ausreichend gut helfen können. So sind individuelle Zusammensetzungen der SBE-Teams denkbar, wie: [...]
Für die Zukunft wird die Wichtigkeit solcher Seminare hervorgehoben und diese Seminare sollen bereits in der Ausbildung von Feuerwehr- und Rettungsdienstpersonal erfolgen. Ein großzügiger Zeitrahmen wurde auch von den anwesenden Führungskräften gefordert. Dieses Beispiel macht verschiedene Faktoren deutlich. Zum ersten wird ersichtlich, dass „eigenen Leuten“, also Rettungsdienst- und Feuerwehrpersonal als Helfern in Krisenfällen eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Die Nähe dieser Helfer zu den Betroffenen gegenüber den psychosozialen Fachkräften wird erkennbar. Schnell erkannten die Teilnehmer, welche Wichtigkeit diese Stressbearbeitung und das Wissen über Stress hat, denn es kann jeden jederzeit treffen. Hieraus ist auch ersichtlich, dass dieser Themenkomplex bisher eher stiefmütterlich behandelt worden ist. Als Fazit forderte die Gruppe sogar den Ausbau und Integration dieses Themas bereits in der Ausbildung. Das wichtige Ziel, ein Problembewusstsein zu schaffen wurde erreicht. Auf die sich ergebenen und aufgezeigten Probleme konnten auch direkt Lösungsvorschläge präsentiert werden. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832464455
Arbeit zitieren:
Barkey, Götz April 2002: Zur Rolle und Situation des Helfers im Rettungsdienst, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Feuerwehr- und Rettungsdienstseelsorge, Krisenintervention, Stressbearbeitung



