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Die Rolle der Kultur in deutsch-französischen Wirtschaftskooperationen

Dargestellt am Beispiel deutsch-französischer Joint Ventures

Die Rolle der Kultur in deutsch-französischen Wirtschaftskooperationen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nadine Freiberg
  • Abgabedatum: Januar 2004
  • Umfang: 85 Seiten
  • Dateigröße: 383,0 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Mannheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9669-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9669-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9669-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Freiberg, Nadine Januar 2004: Die Rolle der Kultur in deutsch-französischen Wirtschaftskooperationen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Interkulturelles Management, Kultur, Joint Venture, Deutschland, Frankreich

Diplomarbeit von Nadine Freiberg

Einleitung:

Die fortschreitende Internationalisierung und Globalisierung der heutigen Wirtschaft bedeutet eine verstärkte interkulturelle Kooperation. Dieser Trend vermehrt und intensiviert den Kontakt und die Interaktion zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen. Dabei treffen unterschiedliche Einstellungen, Normen, Werte, Denk- und Verhaltensweisen aufeinander. Die gewohnten Muster versagen und können zum Scheitern oder Misserfolg der interkulturellen Kooperation führen. Dementsprechend zeigen einige weniger erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenschlüsse von Unternehmen, dass diese an Profit und Marktanteilen verloren und viele der ange-strebten Ziele nicht erreichen konnten.

Gerade zwischen den Ländern Frankreich und Deutschland sind – trotz geographischer Nähe, gemeinsamer Geschichte, enger politischer Beziehungen sowie wirtschaftlicher Verflechtungen – die kulturellen Unterschiede zu groß, als dass sie nach denselben Denk- und Verhaltensansätzen arbeiten würden. Demgemäß belegen auch zahlreiche Studien, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit vor dem Hintergrund der völlig unterschiedlichen Kulturen oft von erheblichen Reibungsverlusten und Spannungen be-gleitet wird. Andererseits bestätigt das Gelingen mancher anderer Unternehmensverbindung – wie z.B. die französische RHÔNE POULENC Société Anonyme (SA) mit der deutschen HOECHST AG zum Pharmagigant AVENTIS – das Synergiepotenzial, das sich aus dem Ausschöpfen dieser Unterschiede ergibt. Insofern sind deutsch-französische Wirtschaftskooperationen ein ausgezeichnetes Analyseobjekt für interkulturelle Fragestellungen.

Gang der Untersuchung:

Da in Zukunft die interkulturelle Zusammenarbeit von zunehmender Bedeutung sein wird, soll in dieser Arbeit die Rolle der Kultur näher beleuchtet werden, wobei hier exemplarisch die Zusammenarbeit von Deutschen und Franzosen in deutsch-französischen Joint Ventures (JV) behandelt wird.

Im folgenden zweiten Kapitel sollen zunächst einige theoretische Grundlagen vorge-stellt werden. Dafür ist es notwendig, sich mit den Begriffen des Internationalen Joint Ventures (IJV) und der Kultur auseinander zu setzen, um sich danach mit der Inter-kulturellen Managementforschung beschäftigen zu können. Das Kapitel schließt mit der Erläuterung dreier bekannter Ansätze des Interkulturellen Managements ab, um dem Leser eine Grundidee von der Thematik zu geben.

Kapitel 3 widmet sich beispielhaft zwei deutsch-französischen JV: zum einen dem Europäischen Kulturkanal ASSOCIATION RELATIVE À LA TÉLÉVISION (ARTE) und zum anderen dem Hubschrauberproduzent EUROCOPTER. Die Problematik von ARTE und EUROCOPTER ist deshalb relevant, weil beide schon seit über zehn Jahren bestehen und damit zu den erfolgreicheren Unternehmensverbindungen zählen. Hierbei gilt es jeweils, die Unterschiede zwischen den aufeinander treffenden Kulturen herauszukehren.

Diesbezüglich geht es jedoch weniger um eine bloße Beschreibung der Kulturen. Im Mittelpunkt steht vielmehr deren Konflikt- bzw. Synergiepotenzial: Es gilt zu entdecken, welche Unterschiede Konfliktpunkte darstellen und daher einer deutsch-französischen Zusammenarbeit eher hinderlich sein können, und inwiefern diese Unterschiede möglicherweise Synergien darstellen. Des Weiteren wird jeweils analysiert, wie das jeweilige JV mit den Unterschieden umgeht, d.h. wie und ob es seine kulturellen Konflikte zu bewältigen versucht und die sich daraus ergebenden Chancen für sich zu nutzen versteht. Diese Betrachtung soll Aufschluss über die deutsch-französische ‚Interkultur’ geben, d.h. über die neue dritte Kultur, die sich aus dem kontinuierlichen Austausch zwischen deutscher und französischer Kultur ergibt.

Im vierten und letzten Kapitel sollen die Schlussfolgerungen aus der Darstellung gezogen werden. Das Kapitel schließt ab mit Empfehlungen für die zukünftige Interkulturelle Managementforschung.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Gang der Untersuchung 1
2. Internationale Joint Ventures als Forschungsgegenstand 2
2.1 Internationales Joint Venture 2
2.1.1 Internationale Joint Ventures im Rahmen der Internationalisierung 2
2.1.2 Definition von Internationalen Joint Ventures 3
2.1.3 Wichtige Abgrenzung zu anderen Kooperationsformen 4
2.1.4 Einflussfaktoren auf Internationale Joint Ventures 5
2.2 Interkulturelle Managementforschung 7
2.2.1 Die Problematik des Kulturbegriffs 7
2.2.1.1 Definition von Kultur 7
2.2.1.2 Abgrenzung von Kultur 8
2.2.2 Aufgaben der Interkulturellen Managementforschung 10
2.2.3 Entwicklung der Interkulturellen Managementforschung 11
2.2.4 Ansätze der Interkulturellen Managementforschung 12
2.3 Der Ansatz der Kulturdimensionen 14
2.3.1 Kulturdimensionen nach HOFSTEDE 15
2.3.2 Kulturdimensionen nach HALL 18
2.3.3 Kritik an den Ansätzen von HOFSTEDE und HALL 19
2.4 Interkulturalitätsstrategien 20
2.4.1 Kulturelles Dominanzmodell 20
2.4.2 Kulturelles Kompromissmodell 21
2.4.3 Kulturelles Synergiemodell 21
2.4.4 Kritik am Ansatz der Interkulturalitätsstrategien 24
3. Beispiele ‚erfolgreicher’ deutsch-französischer Joint Ventures 25
3.1 Der Europäische Kulturkanal ARTE 25
3.1.1 Historischer Hintergrund von ARTE 25
3.1.2 ARTE im Spannungsfeld französischer und deutscher Kultur 27
3.1.2.1 ‚culture cultivée’ vs. ‚Kultur’ 27
3.1.2.2 Zentrale vs. dezentrale Medienstruktur 29
3.1.2.3 Französische vs. deutsche Konkurrenzsituation 29
3.1.2.4 Sehgewohnheiten französischer und deutscher Zuschauer 30
3.1.2.5 Vorstellungswelten französischer und deutscher Zuschauer 31
3.1.3 Umgang bei ARTE mit den kulturellen Unterschieden 32
3.1.3.1 Strukturelle Aspekte von ARTE 32
3.1.3.1.1 Organisation und Programmzulieferungssystem 32
3.1.3.1.2 Grundsatz der Parität 34
3.1.3.1.3 Europäische Partner 35
3.1.3.2 Nutzung von Synergien 37
3.1.3.2.1 Nutzung kulturspezifischer Kompetenzen 39
3.1.3.2.2 Integrative und grenzübergreifende Programmkonzeption 40
3.1.3.2.3 Innovativer Anspruch des Europäischen Kulturkanals 41
3.1.4 Interpretation der Strategie von ARTE 43
3.2 Der Helikopterproduzent EUROCOPTER 44
3.2.1 Historischer Hintergrund 44
3.2.2 EUROCOPTER im Spannungsfeld französischer und deutscher Kultur 45
3.2.2.1 Generalisten vs. Spezialisten 45
3.2.2.2 Autorität vs. Konsens 46
3.2.2.3 Flexibilität vs. Kontinuität 48
3.2.2.4 Informelle vs. formelle Beziehungen 49
3.2.2.5 Sprachliche Missverständnisse 49
3.2.2.6 Deutsch-französische Synergien bei EUROCOPTER 50
3.2.3 Internationale Personal- und Organisationsentwicklung 50
3.2.3.1 Interkulturelle Kompetenz als strategische Notwendigkeit 50
3.2.3.2 Forschungsprojekt zum Thema Interkulturelles Verhaltenstraining 51
3.2.3.3 Konzepte der Personal- und Organisationsentwicklung 53
3.2.3.3.1 Interkultureller Lernprozess als Veränderungspotenzial 53
3.2.3.3.2 Monokulturelle Trainingsmaßnahmen 53
3.2.3.3.3 Bikulturelle Organisationsentwicklungsprozesse 55
3.2.3.3.3.1 Bikulturelle Organisationsentwicklung im Personalwesen 55
3.2.3.3.3.2 Bikulturelle Organisationsentwicklung im Team 56
3.2.3.3.4 Weiterentwicklung der gemeinsamen Konzepte 57
3.2.4 Interpretation der Strategie von EUROCOPTER 59
4. Conclusio 60
Literaturverzeichnis 63

Automatisiert erstellter Textauszug:

Zudem folgen aus der deutschen ‚Low-Context’- und der französischen ‚High-Context’Orientierung unterschiedliche Darstellungsweisen im Fernsehen. Im französischen Dokumentarfilm wird weitgehend auf Kommentare zugunsten von Originaltönen verzichtet: Vom Zuschauer wird erwartet, dass er die Bilder und Menschen einzuordnen versteht. Der deutsche Dokumentarfilm hingegen wird in der Regel viel kommentiert. Das gleiche zeigt sich bei Diskussionsreden: Französische Journalisten laden eher Gesprächspartner ein, die ein Thema anhand ihrer persönlichen Erfahrung veranschaulichen können. Der Zuschauer muss diese ihm präsentierten Einzelschicksale zu einem verständlichen Gesamtbild zusammenfügen. Die deutsche Seite dagegen sucht nach Experten, die dem Zuschauer einen Sachverhalt in seiner gesamten Perspektive interpretieren und genau erklären kann, da ansonsten die Botschaft auf deutscher Seite mangels genauer Informationen nicht ankommt.225 Somit befindet sich ARTE in einem ganz besonderen Maße im Spannungsfeld zwischen französischer und deutscher Kultur. Dies birgt für den Sender ein erhebliches Konfliktpotenzial in sich, was sich schon im Vorfeld der Gründung in zahlreichen Konflikten, Schwierigkeiten und Differenzen zwischen den Partnern niederschlug und die Verhandlungen in die Länge zog.226 [...]

nicht an die zuvor angekündigten Zeiten. Meistens verspäten sich die Sendungen und beginnen trotz früherer Ankündigungen erst um ca. 21 Uhr.222 Zwar würden neue technische Lösungen z.B. die zeitversetzte Ausstrahlung des Programms erlauben, wären aber einer gegenseitigen kulturellen Öffnung, die gerade das Ziel des Senders ist, nicht dienlich.223 Anstatt also die Programme den nationalen Gewohnheiten anzupassen, hält ARTE sich an das Prinzip, deutschen und französischen Zuschauern ein identisches Programm, d.h. das gleiche Programm zur gleichen Zeit zu präsentieren. 224 Dieses Prinzip macht es äußerst schwierig, auf die unterschiedlichen Sehgewohnheiten der nationalen Zuschauer Rücksicht zu nehmen, und führte daher schon im Vorfeld zu Klagen über die zu erwartende fehlende Nachfrage. [...]

Folge. Während Deutschland aber das öffentlich-rechtliche Programmangebot ausdehnte, reagierte Frankreich mit der Privatisierung seiner staatlichen Anstalten. Mit der Gründung von LA SEPT wollte man den gesamtkulturellen Anspruchs des staatlichen Fernsehens wieder beleben. LA SEPT wurde als einziger Sender zuständig für die Förderung kulturell anspruchsvoller Produktionen sowie insbesondere des Dokumentarfilms. Seine Legitimation erhielt der Sender im Übrigen durch die Qualität seines Programms 217 und die Schirmherrschaft der intellektuellen und kulturellen Elite.218 Da die französischen Politiker mit der Gründung von ARTE auf den eigenen und einzigen Kultursender LA SEPT verzichteten (dafür aber auch in französischer Manier das Programm beeinflussen wollten), hat ARTE unter den französischen Angeboten keine direkte Konkurrenz zu befürchteten:219 ARTE wird Frankreich als eines von sechs terrestrischen Programmen angeboten, wobei das Angebot der anderen öffentlichrechtlichen Sender den Privatsendern ähnelt und damit deutlich von ARTE abweicht. In Deutschland wiederum trifft ARTE infolge der Ausdehnung des Programmangebots auf einen hart umkämpften Markt, auf dem z.T. über 30 Sender über terrestrische Frequenzen, Kabel oder Satellit miteinander konkurrieren, mitunter mit z.T. ähnlichen Angeboten.220 Dementsprechend werden in Frankreich höhere Reichweiten erzielt: In Frankreich liegen sie im Durchschnitt bei ungefähr 3% und in Deutschland lediglich bei ca. 0,5%.221 [...]

Arbeit zitieren:
Freiberg, Nadine Januar 2004: Die Rolle der Kultur in deutsch-französischen Wirtschaftskooperationen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Interkulturelles Management, Kultur, Joint Venture, Deutschland, Frankreich

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