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Die Rolle der Konsortialbanken im Rahmen der Emissionspreisfindung für Unternehmen am Neuen Markt

Die Rolle der Konsortialbanken im Rahmen der Emissionspreisfindung für Unternehmen am Neuen Markt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nico Güttler
  • Abgabedatum: Juni 2001
  • Umfang: 101 Seiten
  • Dateigröße: 714,7 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5619-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5619-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5619-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Güttler, Nico Juni 2001: Die Rolle der Konsortialbanken im Rahmen der Emissionspreisfindung für Unternehmen am Neuen Markt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: IPO, Underpricing, Aktienemission, Emissionsprospekt, Börsengang

Diplomarbeit von Nico Güttler

Einleitung:

Eine neue Ära ist angebrochen. Wachstum ist das magische Wort, welches die traditionellen Bewertungsmechanismen aushebelt und eine Aktienbewertung mit dem 50 bis 100- fachen der aktuellen Gewinne je Aktie ermöglicht. Aktienkurse scheinen nicht mehr auf harten Fakten wie Unternehmensgewinnen oder Dividenden zu basieren, sondern auf Hoffnungen und optimistischen Zukunftserwartungen. Investoren kaufen die Aktien von Neuemissionen, ohne dass die Preise durch etablierte fundamentale Prinzipien zu vertreten sind und antizipieren spätere Käufer, die bereit sind noch höhere Kurse zu zahlen. Vor möglichen Risiken werden die Anleger durch einen allgemeinen Hinweis im Emissionsprospekt gewarnt. Diese Darstellung ist keine Charakterisierung des Segmentes der Deutschen Börse AG für Wachstumswerte, dem Neuen Markt. Sie stammt aus einer Beschreibung der Situation der amerikanischen Börsen in den sogenannten „Soaring Sixties“.

Parallelen zum heutigen Neuen Markt scheinen aber offensichtlich. Der Neue Markt wurde in den Jahren unmittelbar nach seiner Gründung im März 1997 als großer Erfolg gefeiert. Als Wachstumssegment ermöglichte er jungen Unternehmen die Eigenkapitalbeschaffung erstmals in einem eigenen Marktsegment. Die positiven Auswirkungen für die Volkswirtschaft und den Arbeitsmarkt, aber auch für die Aktienkultur in Deutschland standen als Argumente für den Erfolg. Vor allem aber waren es die Anleger, die in Anbetracht der enormen Kursgewinne als Sieger gefeiert wurden. Insbesondere die beinahe fast sicheren Zeichnungsgewinne ließen kaum an der Story des Neuen Marktes zweifeln. Fragen nach der Bewertung der Unternehmen oder Aspekte einer langfristig erfolgreichen Kursentwicklung standen im Abseits, da der Markt den Akteuren recht gab. Auch ein Investment am Neuen Markt schien soviel wert, wie ein anderer bereit ist dafür zu zahlen. Das ist aus Sicht des einzelnen Anlegers kurzfristig durchaus rational, wenn er vor der Masse und so vor dem Wendepunkt abspringen kann.

Wie haben sich aber die Banken in dieser Situation verhalten? Waren sie in der Lage, sich den Übertreibungen zu entziehen und ihrer Rolle als Mittler zwischen den Interessen der Emittenten und Anleger gerecht zu werden? Ziel dieser Arbeit ist die Analyse des Verhaltens der Konsortialbanken bei der Preisfindung zum Börsengang für Unternehmen am Neuen Markt zwischen den Jahren 1998 und 2000. Als konkretes Kriterium wird die Güte der bei Emissionspreisen zu Grunde gelegten fundamentalen Prognosen seitens der Konsortialbanken zur Entwicklung der Umsatz- und Gewinnziffern der Emittenten untersucht. Die fundamentalen Daten spielen eine wesentliche Rolle für die Erwartungsbildung der Anleger. Sie mindern die Informationsasymmetrie am Markt und versehen den Emissionspreis mit dem Testat der Konsortialbanken. Dadurch stellen die Schätzgrößen der Banken einen entscheidenden Einflussfaktor für die Preisbildung dar.

Als Platzierungsverfahren am Neuen Markt findet fast ausschließlich das Bookbuilding Anwendung. Charakteristisch dabei ist die Einbeziehung der Anleger in den Prozess der Preisfindung. Das von den Banken beobachtbare Anlegerverhalten beeinflusst unmittelbar den Emissionspreis. Es stellt sich die Frage, ob diese Rückwirkung auch Auswirkungen auf die dem Preis mit zu Grunde gelegten Prognosen selbst hat. In einer Situation ohne Wechselwirkung sollten die Banken die fundamentalen Analysen unabhängig erstellen. Angesichts einer monopolistischen Informationsverteilung auf Seiten der Banken und Emittenten kann diese Tatsache von den Anlegern nicht ohne weiteres überprüft werden. Daher soll als ein Instrument des Bookbuilding- Verfahrens der Einsatz des bewussten Underpricings der Emissionen Abhilfe schaffen. Unter theoretischen Gesichtspunkten folgt daraus, dass der Preis, zu dem die Aktien platziert werden unter dem fairen Unternehmenswert liegen sollte. Der Emissionspreis ist mit einem Risikoabschlag versehen. Bei sofortiger Markteffizienz kann es dann nicht zu einer langfristigen Unterperformance auf Basis der Kurse am ersten Handelstag kommen. Gerade für Wachstumsunternehmen werden in internationalen Untersuchungen aber solche Renditeanomalien wie eine langfristige Unterperformance und die Existenz von Zyklen an Emissionsmärkten festgestellt. Nicht konsistent mit dem Einsatz des bewussten Underpricing durch die Emissionsbanken ist eine signifikante Unterperformance, wie sie bspw. bei Technologietiteln an der NASDAQ festgestellt wurde. Wenn das Kursniveau am Sekundärmarkt nicht immer die Erwartungen der rational handelnden Investoren widerspiegelt, sind die Auswirkungen auf die Preisfindung zu untersuchen. Die Konsortialbank kann das Underpricing auch bewusst einsetzen, indem sie die Höhe des Sekundärmarktniveaus der Aktien abschätzt. Eben das geschieht durch die Analyse der Investorennachfrage.

Da die Banken die tragende Rolle im Rahmen des Bookbuilding einnehmen, wird in der vorliegenden Arbeit untersucht, wie sich Marktunvollkommenheiten auf deren Verhalten bei der Preisfindung auswirken. Zwar wird ein Underpricing am Neuen Markt deutlich sichtbar, aber ob die Emissionen deshalb automatisch fair begeben wurden, muss in Frage gestellt werden. Denn auch wenn die Bank das Underpricing einsetzt, um positive Emissionsrenditen zu generieren, kann der Emissionspreis auf Grund temporärer Übertreibungen dennoch über dem fairen Wert liegen. Damit wäre von einem Risikoabschlag, wie er von den Banken und Emittenten propagiert wird, nicht mehr die Rede. Die Wahrscheinlichkeit für die Existenz solcher Phasen steigt mit der ex ante Unsicherheit über die Qualität des Emittenten. Die Erwartungsbildung über den inneren Wert ist mit größerer Unsicherheit behaftet. Anfällig für solche Phasen der Überbewertung sind Märkte, in denen risikoreiche Firmen, deren Unternehmenswert schwer zu bestimmen ist und zugleich viele Spekulanten oder unerfahrene Anleger vorzufinden sind. Diese Charakteristik kann für den Neuen Markt in dem für diese Arbeit relevanten Betrachtungszeitraum von 1998 bis 2000 als gegeben angesehen werden. Es stellt sich die Frage, ob und wie eine Überbewertung der Emissionspreise in der Praxis möglich und für Banken zielkonform ist. Ein opportunistisches Verhalten seitens der Emissionsbegleiter oder Emittenten ist bei gleichzeitiger Vorlage entsprechender Unternehmensdaten unter der Annahme nicht vollkommen informationseffizienter Märkte nicht sofort zu entdecken. Deshalb wird statt der kurzfristigen Kursentwicklung als Zeichen für den Erfolg der Emission die fundamentale Unternehmensentwicklung mit den Prognosen der Banken verglichen.

Inhaltsverzeichnis:

Anhangsverzeichnis 3
Tabellenverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis 5
Abkürzungsverzeichnis 6
Symbolverzeichnis 7
1. Einleitung 9
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit 9
1.2 Gang der Untersuchung 12
2. Ablauf eines Börsengangs und Motive der beteiligten Parteien 13
2.1 Prozess der Preisfindung und Platzierung von Aktienemissionen 13
2.1.1 Emissionsverfahren im Überblick 13
2.1.2 Das Bookbuiling als dominierendes Verfahren am Neuen Markt 15
2.1.3 Die Besonderheiten des Neuen Marktes 17
2.2 Die Ziele der Marktteilnehmer im Rahmen des Going Public 20
2.2.1 Das Zielsystem des Emittenten 20
2.2.2 Die Interessenlage der Investoren 22
2.2.3 Die Ziele der Emissionsbank 23
3. Die Theorie des Bookbuilding im Modell von Benveniste/ Wilhelm (1990) 25
3.1 Annahmen des Modells 25
3.2 Das Grundmodell mit Preis- und Mengendiskriminierung 27
3.3 Die Modellerweiterung unter Aufhebung der Möglichkeit zur Preisdiskriminierung 31
3.4 Der Prozess bei Einheitspreis und fehlender Zuteilungsdiskriminierung 32
3.5 Kritische Würdigung des Modells 32
4. Einflussfaktoren auf den Emissionsprozess 34
4.1 Interdependenzen zwischen dem Börsenumfeld und Aktienemissionen 34
4.1.1 Ergebnisse empirischer Untersuchungen zu IPO's im Überblick 34
4.1.2 Die Bedeutung der „Windows of Opportunity“ 36
4.1.3 Das Verhalten der Investoren am Emissionsmarkt 38
4.2 Analysen zur fundamentalen Performance der Neuemissionen 43
4.3 Der bewusste Einsatz des Underpricing durch Emittent und Bank 47
4.4 Der Einfluss der Konsortialbanken bei der Preisfestlegung 51
4.4.1 Die Aufgaben der emissionsbegleitenden Banken 51
4.4.2 Methoden der Unternehmensbewertung 54
4.4.3 Der Emissionsprospekt und die Gestaltung der Equity- Story 60
4.4.4 Probleme bei der Erstellung von Ergebnisprognosen 65
4.4.5 Auswirkungen des Interessenkonflikts angesichts der Intermediationsfunktion auf die Preisermittlung 66
4.4.6 Bedeutung des Reputationskapitals des Intermediärs 70
5. Überprüfung der Ergebnisprognosen im Emissionsprospekt anhand ausgewählter Unternehmen des Neuen Marktes 74
5.1 Thesen zur empirischen Untersuchung 74
5.2 Beschreibung der Datenerhebung und Methoden der Datenauswertung 75
5.3 Analyse der Güte der erwarteten Daten zu Umsatz und Gewinn 77
5.4 Interpretation der Ergebnisse und des Verhaltens der Konsortialbanken 82
6. Zusammenfassung 85
Anhang 89
Literaturverzeichnis 93

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ein an den Emissionsmärkten beobachtetes Phänomen ist die Existenz des Underpricing.113 Damit wird die positive Differenz zwischen dem Emissionspreis und dem Kurs der Aktie am Sekundärmarkt bezeichnet, der sich am ersten Handeltag einstellt.114 Dieser systematisch auftretende Effekt ist mit den Annahmen der neoklassischen Kapitalmarkttheorie nicht vereinbar, die von einem für alle Marktteilnehmer gleichen Informationsstand ausgeht. Diesen müsste sowohl der Emissionspreis als auch der Sekundärmarktpreis gleichermaßen widerspiegeln. Die Zeichnungsrenditen sollten im Durchschnitt nicht signifikant von Null verschieden sein. Die meisten theoretischen Erklärungsansätze zum Underpricing gehen daher von abweichenden Modellannahmen aus. Kern dieser Überlegungen ist die Existenz von asymmetrisch verteilten Informationen zwischen den Akteuren. Weiterhin werden institutionelle Unvollkommenheiten und interindividuelle Phänomene als mögliche Ursachen untersucht (Abbildung 5).115 Zu den in der Abbildung dargestellten Einflussfaktoren gibt es verschiedene empirische Untersuchungen zur Überprüfung der Theorien. Bei Tests zu diesen Theorien werden unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Ergebnisse erlangt. Die Tests können auf Grund ihrer Konstruktion jeweils nur einen Teil der Komplexität des Emissionsvorgangs erfassen und betrachten den Ablauf eher statisch und eindimensional. Die situativen Besonderheiten und spezifischen Zielsysteme der Marktteilnehmer dürften eine Ursache für die noch nicht abschließende Beurteilung des Underpricing- Phänomens und das Fehlen eines allgemeingültigen Modells sein.116 Weitestgehend Unterstützung in den empirischen Analysen findet die auf Rock (1986) basierende Erklärung. Das Modell der Adversen Selektion setzt, wie in Kapitel 3 erläutert, die Existenz von ungleich informierten Investoren vor- [...]

Zu dem gleichen Ergebnis kommen Loghran und Ritter (1995). Die hohen Steigerungen im Geschäft der Firmen vor dem IPO werden von den Investoren als Information übergewichtet, währen der langfristige Prozess der Mean Reversion für die Wachstumsraten unterschätzt wird.112 Im Ergebnis stellen sie eine signifikante Unterperformance für einen 5 –Jahres Zeitraum fest. Für den Neuen Markt sind die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Börsengangs selbst auf die Profitabilität interessant. Gerade die Firmen in diesem Segment weisen als Charakteristika hohe Zuwachsraten im Geschäft vor dem IPO auf. Allerdings bezieht sich das Wachstum häufig auf die Umsätze. Der Gewinnvergleich gestaltet sich angesichts zahlreicher Emittenten mit einem Verlust im Jahr des IPO als schwierig. Hier grenzt sich dieses Segment von den o.a. Untersuchungen eindeutig ab, so dass die Ergebnisse sicherlich nicht ohne weiteres übertragbar sind. Dennoch spielt die Frage der Überschätzung der Wachstumsraten und die Entwicklung der Profitabilität bei der Preisfindung der Kandidaten [...]

45 Obwohl die Profitabilität der Firmen nach dem IPO erheblich sinkt, bleiben die Unternehmen aber profitabler als ihre Vergleichsgruppe.108 Im Rahmen der Untersuchung wurde ferner festgestellt, das die zugeflossene Liquidität primär nicht für Investitionen, wie sie im selben Zeitraum bei den Vergleichsunternehmen zu sehen sind, sondern zur Umsatzausweitung und Einstellung neuer Mitarbeiter eingesetzt wurde. Der Cash Flow je Aktie und der Gewinn je Aktie sind geringer als im Jahr vor dem IPO. Das Wachstum der Emittenten vollzieht sich somit auf der Umsatzebene und wird nicht von Produktivitätssteigerungen begleitet.109 Diese Aussagen sind in einer Emissionsstudie der Banken vor dem Börsengang kaum zu finden. In einer Untersuchung für den US- amerikanischen Markt kommen Jain und Kini (1994) ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sich die operative Performance der IPOFirmen nach dem Börsengang industriebereinigt verschlechtert.110 Konkret wurden die Daten von 682 Unternehmen im Zeitraum von 1976 bis 1988 ausgewertet. Die fundamentale Performance wurde anhand des operativen Ergebnisses vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) je Nettovermögen als Maß für die Effizienz des Kapitaleinsatzes und des operativen Cash Flows je Nettovermögen gemessen. Der Cash Flow wird als Kennzahl für Unternehmenswertermittlung (Net Present Value) herangezogen. Diese Kenngrößen wurden in ihrer Entwicklung für das Jahr des Börsengangs (t = 0) und 3 Jahre danach mit dem Jahr vor dem IPO (t = -1) verglichen. Auch hier wurden die Ergebnisse mit der Entwicklung von Vergleichsunternehmen der jeweiligen Branche bereinigt. Die konkreten Ergebnisse sind in Tabelle 2 dargestellt. Die schlechte Performance der IPO- Unternehmen kann auf Grund der Daten des Industrievergleiches nicht auf konjunkturelle Effekte zurückgeführt werden. Die Abnahme der Werte für die Vergleichsgruppe ist schwächer. Die Feststellung einer sinkenden operativen Performance ist inkonsistent mit den vergleichsweise hohen Kurs- Gewinn Verhältnissen (KGV), die den Emittenten zum Zeitpunkt des IPO zugebilligt werden. Dieses beträgt im Median 23,33 und für die Vergleichsunternehmen 16,72. Die hohe Bewertung widerspiegelt die Erwartung der Investoren an eine Fortsetzung der bisher hohen [...]

Arbeit zitieren:
Güttler, Nico Juni 2001: Die Rolle der Konsortialbanken im Rahmen der Emissionspreisfindung für Unternehmen am Neuen Markt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
IPO, Underpricing, Aktienemission, Emissionsprospekt, Börsengang

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