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Die Rolle des Helfersyndroms (nach Schmidbauer) bei der Wahl des Studienfaches Sozialpädagogik / Soziale Arbeit am Beispiel sächsischer Direktstudierender

Eine empirische Fragebogenanalyse

Die Rolle des Helfersyndroms (nach Schmidbauer) bei der Wahl des Studienfaches Sozialpädagogik / Soziale Arbeit am Beispiel sächsischer Direktstudierender
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nadine Hauswald
  • Abgabedatum: März 2011
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
  • Bibliografie: ca. 41
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-1975-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hauswald, Nadine März 2011: Die Rolle des Helfersyndroms (nach Schmidbauer) bei der Wahl des Studienfaches Sozialpädagogik / Soziale Arbeit am Beispiel sächsischer Direktstudierender, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wolfgang Schmidbauer, Burn-out, Berufswahl, quantitative Sozialforschung, Studienwahl

Diplomarbeit von Nadine Hauswald

Einleitung:

Schon vor Beginn meines Studiums fragte ich mich, ob und inwiefern sich der Beruf des Helfens von anderen unterscheidet, woran dies festgemacht werden kann und was einen Menschen auf welche Weise dazu bewegt, sozial tätig zu sein – nicht nur nebenbei und ehrenamtlich, sondern aus der Motivation für einen Beruf heraus. Können jene, die im sozialen Bereich tätig sind, als ‘Helferpersönlichkeiten’ bzw. als Menschen mit einem Helfersyndrom bezeichnet werden, denen bestimmte Charaktere und Eigenschaften zugeschrieben werden können? Wohl kaum. Was macht dabei das professionelle Helfen aus? Da muss etwas Unsichtbares im Hintergrund sein, das viele – nicht alle – angehende, so genannte ‘Helfer’ verbindet.

In meiner Diplomarbeit möchte ich untersuchen, in wie weit das psychoanalytische Modell und Phänomen ‘Helfersyndrom’ nach Schmidbauer mit all seinen Verwinklungen tatsächlich und empirisch nachgewiesen auf angehende Sozialpädagogen und Sozialarbeiter zutrifft. (Anmerkung der Verfasserin: ich werde in meiner Arbeit, der Übersicht halber, gänzlich das generische Maskulinum verwenden.) Genauer gesagt beschäftigt mich die Frage: Kann verallgemeinert festgestellt werden, ob aus der Motivation eines in sich schlummernden Helfersyndroms heraus ein Studium der Sozialpädagogik / Sozialen Arbeit (SP / SA) aufgenommen wird und wie genau diese Motivation dann aussieht? Wie sehr unterscheidet sie sich von anderen, fern von Altruismus und der Anthropologie, welche soziales Miteinander als Urform im Kampf des Überlebens zählt und auch fern vom ‘social-support-Begriff’, der die soziale Unterstützung und Hilfe zwischen Menschen in nichtprofessionellen Beziehungen in ihren alltäglichen Netzwerken beschreibt und die psychische Gesundheit eines jeden unterstützen soll. Bisher existieren nur nachträgliche Feststellungen eines Helfersyndroms von bereits ausübenden Sozialarbeitern / Sozialpädagogen (SP / SA) und zahlreiche Untersuchungen über Motive für ein SP / SA-Studium, die jedoch das Thema des Helfersyndroms nur ungenügend implizieren.

Das Helfersyndrom ist meines Erachtens im Alltagsgebrauch gängig und oberflächlich bekannt. Zudem ist es negativ konnotiert, teilweise wird ihm auch das Etikett des ‘Klischees aller Sozialberufe’ zugeschrieben, empirisch bestätigt ist das Helfersyndrom jedoch noch nicht. Nachdem ich im ersten Teil meiner Arbeit den Begriff sorgfältig definieren werde, möchte ich in die Tiefe der Kindheit gehen und die Entstehung eines Helfersyndroms (nach Schmidbauer) näher beleuchten. Was bedeutet es, das Helfersyndrom in sich zu tragen, unter welchen Bedingungen entsteht es, in welche Richtungen kann das eigene Leben gelenkt werden und was für Gefahren birgt es? Ich werde die ‘Helferpersönlichkeit’ (HPSK) nach Schmidbauer eruieren und kritisch hinterfragen, indem ich andere Meinungen heranholen und gegenüberstellen werde.

Um schließlich den Übergang vom Helfersyndrom zu seiner Rolle bei der Studienwahl des Faches SP / SA herzustellen, werde ich die Motive des Helfens untersuchen, die im engeren Sinne bei der Studien- und Berufswahl und im weiteren Sinne über die Berufswahl hinaus für das weiterführende Leben eine Rolle spielen. Dazu diskutiere ich – in einer Auswahl – den Stand der Forschung, sowohl qualitativ als auch quantitativ, da bereits des Öfteren untersucht wurde, warum und aus welchen Motivationen heraus SP / SA studiert wird.

Im zweiten Teil meiner Arbeit beschreibe ich die Herangehensweise und Aufbereitung meiner empirischen Untersuchungen, zeige Fragestellungen und Prozesse auf und werde die Ergebnisse deskriptiv und interpretierend darstellen, um abschließend ein Resümee ziehen und eventuelle Ausblicke schaffen zu können. (Anmerkung der Verfasserin: sämtliche Prozentangaben werde ich aufgrund des teilweise sehr häufigen Gebrauchs in meiner Arbeit mit dem Zeichen ‘%’ abkürzen.).

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS 1
1. EINLEITUNG 3
2. DAS HELFERSYNDROM 4
2.1 Begriffsklärung 4
2.1.1 Entstehung des Helfersyndroms (im weiten Sinne) 5
2.1.2 Ursprung des Helfersyndroms (im engeren Sinne) 8
2.1.3 Helfersyndrom und Gesellschaft 10
2.2 Helfersyndrom und Burn-out-Gefahr 12
2.2.1 Verfestigung des Helfersyndroms 12
2.2.2 Burn-out 14
2.2.3 Prävention und Helfersyndrom-Bewältigung 17
2.3 Kritiker und Befürworter – warum helfen wir? 18
2.3.1 Fengler 18
2.3.2 Richter 21
2.3.3 Fricke / Grauer 22
2.3.4 Missel und Fisher 24
2.3.5 Wellhöfer 25
2.4 Zusammenfassung 27
3. STAND DER FORSCHUNG 28
3.1 Motivation Helfen 28
3.1.1 Geschichtlicher Rückblick 28
3.1.2 Exkurs: humanistische Herangehensweise 29
3.1.3 Roßrucker 32
3.1.4 Gildemeister 34
3.2 Berufswahl Sozialpädagogik / Soziale Arbeit – quantitative Studien 35
3.2.1 Garlichs 35
3.2.2 Seifert 39
3.2.3 Knüppel 40
3.2.4 Kraak 43
3.2.5 Wirth 47
3.3 Berufswahl Sozialpädagogik / Soziale Arbeit – qualitative Studien 48
3.3.1 Ackermann 48
3.3.2 Groß 49
3.4 Zusammenfassung 51
4. DIE ROLLE DES HELFERSYNDROMS BEI DER WAHL DESSTUDIENFACHES SOZIALPÄDAGOGIK / SOZIALE ARBEIT 52
4.1 Theoretische Vorüberlegung 52
4.2 Erhebungsinstrument: Der Online-Fragebogen 53
4.3 Fragestellung und Hypothesenbildung 56
4.4 Operationalisierung 57
4.4.1 Instruktion 57
4.4.2 Sozialstatistische Angaben 57
4.4.3 Motive zur Studienfachwahl 58
4.4.4 ‘Helfersyndrom-Persönlichkeitstest’ 61
4.4.5 Begriff Helfersyndrom 63
4.4.6 Kommentare und Kritik 64
4.5 Datenerhebung / Datenaufbereitung 64
4.6 Datenauswertung 66
4.7 Darstellung der Untersuchungsergebnisse 67
4.7.2 Motive für die Studienfachwahl 71
4.7.3 ‘Helfersyndrom-Persönlichkeitstest’ 75
4.7.4 Begriff Helfersyndrom 79
4.7.5 Kommentare und Kritik 81
4.7.6 Die ‘Helferpersönlichkeiten’ 82
4.8 Deutung und Interpretation der Ergebnisse 87
4.8.1 Motive für die Studienfachwahl 87
4.8.2 ‘Helfersyndrom-Persönlichkeitstest’ / ‘Helferpersönlichkeiten’ 90
4.8.3 Begriff Helfersyndrom 91
4.9 Hypothesenwiederaufgriff 92
4.10 Resümee 94
5. FRAGESTELLUNG FÜR WEITERFÜHRENDE UNTERSUCHUNGEN UND SCHLUSSFOLGERUNG 95
6. LITERATURVERZEICHNIS 98

Textprobe:

Kapitel 3, Stand der Forschung:

3.1, Motivation Helfen:

3.1.1, Geschichtlicher Rückblick:

Das Motiv des Helfens beschäftigt die Menschheit schon lang, da es bereits so lang existiert, wie es Menschen gibt. Interessanterweise gab es früher (ab dem Mittelalter) fast ausschließlich männliche ‘Helfer’, u.a. Schamane, Priester und Ärzte, die Schmidbauer unter die ‘alten Helfer’ zählt und mit den Adjektiven ‘normiert’ und ‘zweckorientiert’ betitelt. Ab der Emanzipationsbewegung (im 19.Jahrhundert) bzw. aus ihr heraus fand ein Wandel statt, welcher bis heute vorwiegend weibliche Helfer hervorgehen lässt. Im Gegensatz zu damals ist heutzutage die Frauenquote in sozialen Berufen seit Jahrzehnten bei 90% angesiedelt und es werden stärker die ‘neuen Helfer’ bedient, die mehr emotional und auf der Beziehungsebene tätig sind. Von da an ist Helfen zur Dienstleistung geworden. Dies brachte mit sich, dass über Gerüchte und Zuschreibung von Eigenschaften und Motiven spekuliert wurde. Um die Mitte des 20. Jahrhunderts galten Sozialarbeiter als Idealisten, woher die Ausbildung möglicherweise auch ihre (negative) Über-Ich-Zuschreibung hat. Diese Sichtweise wurde jedoch schon bald in den 70ern wieder in Frage stellt, da zum einen eine Politisierung dieses Studienfaches stattfand und die Ausbildung auf die Fachhochschulen verlagert wurde und zum anderen, weil soziale Arbeit zum Modestudium wurde. Weg von Nächstenliebe, politischem Willen und Altruismus erforschte Schmidbauer die versteckten, ‘wahren Motive’ des Helfens und kreierte letztendlich den hilflosen Helfer sowie Richter den ‘Vereinsamten’.

Auch in der Forschung machen das Motiv und die Motivation ein sehr großes Gebiet aus (Motivationsforschung). So sind beispielsweise Freud, A. Miller und Schmidbauer zu nennen, wenn es um die Untersuchung der unbewussten Motive geht, die uns zu etwas anspornen.

3.1.2, Exkurs: humanistische Herangehensweise:

Um auch die humanistische Sichtweise, die den Begriff und Zweck des Helfens behandelt, zu betrachten, ziehe ich Combs heran. Er war der Meinung, dass ‘[i]n der von uns geschaffenen komplexen Welt […] die wichtigsten Probleme [die Menschen sind], denen wir gegenüberstehen’. Combs knüpft Zwecke und Ziele des Helfens an drei Punkte. Zum einen soll beides durch und auf psychologische Grundgedanken gestützt sein, zum anderen sollen sie untereinander vereinbar und nachweisbar wirksam sein, was so viel meint, wie, dass sich während des Helfens automatisch (sei es bewusst oder unbewusst) kongruent zu seinen Zielen verhalten wird.

Auch Combs stellt 1975 bereits fest, dass ein Wandel stattfindet, was die Ziele des Helfens anbelangt. Die einstmals beiden großen Gruppen, das Helfen im rehabilitativen Bereich (sprich: Pflege) und das Helfen in diversen Erziehungsprogrammen, werden durch die Entwicklung der Sozialwissenschaften (Psychologie, Soziologie) und der Anthropologie abgelöst und Richtung Prophylaxe gelenkt: Helfen, um vorzubeugen. Allgemein sieht Combs als ‘Ziel der helfenden Berufe’ die Selbstverwirklichung und den ‘Zweck, Menschen dabei zu helfen, dieses zu erreichen’. Dabei ist relevant, dass nicht jeder ein guter Helfer sein und werden kann, denn es gäbe auch die ‘schlechten Helfer’, von denen Combs spricht, wenn eine gewisse Authentizität nicht vorhanden ist, der Helfer also nur aus theoretischer Methodenanwendung heraus einer aufgesetzten Rolle nachgeht.

Dießenbacher bedient sich ebenfalls einer humanistischen Betrachtungsweise. Er beschreibt die Unmöglichkeit der Trennung sozialer Berufe von der ‘Dimension Hilfe’. Da dies nicht möglich ist, ist es leicht, in die abendländische Denktradition, wie er es nennt, zurückzufallen. Dießenbacher findet keinen Anhaltspunkt zwischen den Extrema ‘Altruismus’ und ‘Egoismus’, ‘gut’ und ‘böse’ und ‘moralisch’ und ‘selbstsüchtig’, um nach den Motiven des Helfens zu suchen. Er ist der Meinung, dass sich die ‘wahren Motive’ des Helfens ohnehin vorwiegend in den schlecht greifbaren und schwer zu durchschauenden Motiven (im Unbewussten) verbergen, welche sich durch Konfliktverschiebungen und Projektionen sichtbar zeigen, sofern die Reflexivität der Handlung bewusst ist, was selten der Fall ist. An dieser Stelle ist er beim Professionalisierungsbegriff angelangt. Professionalisierung setzt Reflexivität als Bedingung beim Helfen voraus. Doch wie soll der Zusammenhang zwischen Reflexion und Motivation hergestellt werden, was beeinflusst was und wie? Darauf meint Dießenbacher, dass dies nie quantitativ untersucht werden könne, da es nur so von verschiedenen Helferbiografien wimmelt und tatsächlich einzig qualitativ, per Aufarbeitung der Lebensgeschichte, die wahren, also durchschaubaren Motive herausgefunden werden können. Dies zeigt Groß in einer biographisch angelegten Untersuchung ‘Biographie und Studium’ auf. Die eigene Biographie könne im Studium, laut Dießenbacher, Irritations- und Transformationsprozesse herbeiführen. Zudem verweist er auf die Relevanz der soziokulturellen Bedingungen. Es sollte also nicht in der Biografie allein nach Ursachen gesucht werden, vielmehr geht es um Anlässe, die soziokulturell zu Ursachen geformt werden. ‘Berufsmotivationen [lägen] nicht im Wesen des Menschen, sondern in den Gesellschaftsstrukturen’. Als die drei großen Interpretationsmuster dessen und Motivationen des ‘Urhelfens’ sieht er den psychoanalytischen, den interaktionistischen und den religionssoziologischen Ansatz, wobei er sich von der christlichen Sichtweise, welche das Hauptmotiv in der Nächstenliebe gepaart mit dem Altruismus sieht, differenziert.

Das psychoanalytische Motiv, welches sich stark an Freud und Richter orientiert, geht, vereinfacht ausgedrückt, auf Isolationsängste zurück, die ein jeder sein Leben lang durchlebt. Ebenso, wie soziale Beziehungen eine ständige Quelle des Leidens sind, weil unsere natürlichen Triebe nie ganz und immer erfüllt werden können. Dies führt zu Verdrängung, Verschiebung und letztendlich zu den besagten Ängsten. Die Lösung kann somit in den sozialen Berufen gesehen werden, welche die Kraft haben, die eigenen Isolationsängste doch überwinden zu können, Kontaktdefizite aufzulösen und welche angenehme zwischenmenschliche Beziehungen, Wärme und Nähe versprechen. Somit gelangt man erneut zum hilflosen Helfer: die nach außen getragene Hilfsbereitschaft wird zu innerer Hilfsbedürftigkeit. Dies selbst zu durchschauen (Reflexivität) ist ein schwieriger und schmerzender Prozess, der deshalb oft gar nicht an die Oberfläche kommt und den Helfer so auch nicht professionell werden lassen kann, vielmehr wird der innere Abhängigkeitsprozess eher noch an den Klienten weitergegeben.

Die interaktionistische Herangehensweise geht stärker auf soziokulturelle Bedingungen ein. Hier wird das Individuum vielmehr als Opfer von gesellschaftlichen und geschichtlichen Veränderungen wahrgenommen, was sich ebenfalls an Schmidbauer anlehnt. Das Individuum, welches seine ganz eigene Alltagswelt betrachtet, kann, wenn es empfänglich dafür ist, durch die westlichen Wertverluste auf der Strecke bleiben. Sinnverlust durch Pluralismus, Heimatlosigkeit durch Abstraktionen – die moderne Welt gibt keine Gewissheiten mehr und keine Verbindlichkeiten vor, sie ermöglicht grenzenlose Freiheit und somit bei einigen eine Auflösung der Lebenswelt. Als Ausweg schildert Dießenbacher das Rückzugsstreben aus Protest gegen diese Welt. Er spricht jedoch auch von dem so genannten ‘praktisch-sozialen-Typus’, der ähnliches wie der ‘Hilfsbedürftige’ erhofft. Im Umgang mit Menschen werden innere Verbindungen und Authentizität gesucht sowie eine zwischenmenschliche Erfahrung, die Irrationalität wegdrängen soll. Der ‘praktisch-soziale-Typus’ gäbe eine antikapitalistische Einstellung vor und ist deshalb sozial tätig, um seiner Haltung gegen Technokratie und die Industriegesellschaft Ausdruck verleihen zu können. Nun stellt sich allerdings hier die Frage, ob die Motivationen nur so als solche in modernen, kapitalistischen Systemen existieren bzw. was ‘vorher’ war und ‘sonst’ ist? Was waren die Motive früher, was sind sie woanders, wenn sie so stark an ganz speziellen und politischen Gesellschaftsformen fest gemacht werden? Es wird somit praktisch eine Realität aus Inauthentizität und Sinnverlust vorausgesetzt.

Die dritte Herangehensweise versucht den Machtwunsch und den Aufstieg in sozialen Berufen als verstecktes Motiv zu deklarieren. Neben einem quantitativen und somit auch funktionellen Zuwachs in helfenden Berufen erhalten die Helfer gewissermaßen ein nicht unwichtiges Machtmonopol – traditionelle und politische Herrschaftsgruppen werden abgelöst. Schelsky vertritt diese Meinung und geht davon aus, dass deshalb ein sozialer Beruf angestrebt wird, um sich per verkündender Sinn- und Heilproduktion recht gut und einfach eine Herrschaftsposition zu sichern und als ‘neue[n] elitäre[n] Berufsgruppe[n]’ ganz oben in der Welt zu stehen. Er sieht ‘soziale Berufe zu einem Vehikel der Machtausübung werden’. Dießenbacher bezweifelt allerdings ein dahinter stehendes individuelles Machtmotiv, vielmehr gehe es um ein politisches, um über das vielseitig angesehene und niederschwellige soziale Gleis an die eigentliche Spitze der Politik und Gesellschaft zu gelangen. Übertragen würde das heißen, dass der ‘Machttypus’ nicht Sinnsucher in der, sondern Sinnproduzent gegen die Realität wird, um diese zu überwinden.

Arbeit zitieren:
Hauswald, Nadine März 2011: Die Rolle des Helfersyndroms (nach Schmidbauer) bei der Wahl des Studienfaches Sozialpädagogik / Soziale Arbeit am Beispiel sächsischer Direktstudierender, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wolfgang Schmidbauer, Burn-out, Berufswahl, quantitative Sozialforschung, Studienwahl

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