Die Rolle der Geldpolitik in Währungskrisen
Implikation einer neuen Modellgeneration
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Boris Heyden
- Abgabedatum: September 2003
- Umfang: 59 Seiten
- Dateigröße: 856,9 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7630-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Heyden, Boris September 2003: Die Rolle der Geldpolitik in Währungskrisen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Währungskrisen, Kreditbeschränkung, Wechselkurs, Asienkrise, multiple Gleichgewichte
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Diplomarbeit von Boris Heyden
Einleitung:
Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit widmet sich der erforderlichen geldpolitischen Reaktion zu Zeiten einer Währungskrise. Dass diese Frage ein unter Ökonomen kontrovers diskutiertes Thema ist, bestätigen die unterschiedlichen Positionen in der Asienkrise: während der IMF auf die Notwendigkeit von Zinserhöhungen zur Stabilisierung des Wechselkurses hinwies, unterstrich die Worldbank die negativen Auswirkungen hoher Zinsen auf Investitionen und Einkommen und legte daher eine expansive Handhabung der monetären Instrumente nahe.
Gang der Untersuchung:
In der ökonomischen Literatur haben sich zwei Modellgenerationen zur Erklärung von Währungskrisen herausgebildet, die entweder Zahlungsbilanzkrisen und spekulative Attacken („Modelle der ersten Generation“) oder die Rolle selbsterfüllender Erwartungen („Modelle der zweiten Generation“) als Erklärungsansatz für das Entstehen von Währungskrisen in den Vordergrund rücken. Diese Modelle werden hier in ihrer Standardversion kurz vorgestellt. Zur Beantwortung der Kernfrage der Arbeit – die Frage nach der angemessenen Geldpolitik in Währungskrisen – wird auf eine jüngere Modellfamilie zurückgegriffen, für die sich in der Literatur auch der Terminus „Modelle der dritten Generation“ herausgebildet hat. Aus diesem Modell werden dann konkrete Implikationen für die Geldpolitik in einer Währungskrise abgeleitet.
Ein sich anschließender empirischer Teil setzt die theoretischen Ergebnisse einer empirischen Prüfung aus, um einschätzen zu können, ob sich die theoretischen Ergebnisse durch die empirischen Befunde bestätigen lassen. Der Aufbau dieser Arbeit setzt sich somit zusammen aus einem einleitenden ersten Kapitel, dem eine Darstellung der ersten und zweiten Modellgeneration folgt. Daran schließt sich eine ausführliche Herleitung eines Modells der dritten Generation an, aus dem die Implikationen für die Geldpolitik herausgearbeitet werden. Im vierten Kapitel werden sechs empirische Studien zur Frage nach dem Zusammenhang von Geldpolitik und Wechselkurs vorgestellt, von denen sich drei mit der Geldpolitik während der Asienkrise beschäftigen. Den drei übrigen Studien liegt eine regionenübergreifende Auswahl von Ländern zugrunde. Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse dieser Arbeit kurz zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Währungskrisenmodelle | 2 |
| 2.1 | Zahlungsbilanzkrisen und spekulative Attacken - Modelle der ersten Generation | 2 |
| 2.2 | Die Rolle selbsterfüllender Erwartungen - Modelle zweiter Generation | 4 |
| 2.3 | Modelle erster und zweiter Generation im Licht jüngster Währungskrisen | 7 |
| 3. | Währungskrisen bei unvollständigen Finanzmärkten | 8 |
| 3.1 | Die Rolle hoher Fremdwährungsverbindlichkeiten und der Kreditbeschränkung des Unternehmenssektors - Das Währungskrisenmodell von Aghion, Bacchetta und Banerjee | 9 |
| 3.1.1 | Annahmen des Modells | 9 |
| 3.1.2 | Geld- und Kreditmarkt | 10 |
| 3.1.3 | Die Währungskrise - Mögliche Entwicklung von Wechselkurs und Einkommen | 14 |
| 3.1.4 | Diskussion des Modells | 15 |
| 3.2 | Können Krisen durch die Geldpolitik verhindert werden? - Implikationen des Modells von AGHION et al. 2000a | 16 |
| 3.2.1 | Die Rolle der Geldpolitik, wenn die Kreditbeschränkung vom Realzins abhängt - warum eine restriktive Geldpolitik erforderlich ist | 17 |
| 3.2.2 | Modifikation: Implikationen, falls die Kreditbeschränkung vom Nominalzins abhängig ist | 20 |
| 4. | Empirische Ergebnisse zur Frage nach der angemessenen Geldpolitik in Währungskrisen | 21 |
| 4.1 | Der Zusammenhang von Zins und Wechselkurs | 22 |
| 4.1.1 | KRAAY 2000 - Wechselkursstabilisierung während spekulativer Attacken | 22 |
| 4.1.2 | GOLDFAJN/GUPTA 2003 - Reale Aufwertung durch Aufwertung des nominalen Wechselkurses oder durch höhere Inflation? | 24 |
| 4.1.3 | FURMAN/STIGLITZ 1998 - Der Zusammenhang von Zins und Wechselkurs in ausgewählten Entwicklungsländern | 27 |
| 4.2 | Geldpolitik während der Asienkrise | 28 |
| 4.2.1 | DEKLE/HSIAO/WANG 1998 - Nominale Aufwertung und hohe Nominalzinsen | 28 |
| 4.2.2 | GOULD/KAMIN 1999 - Einfluss der Geldpolitik auf den realen Wechselkurs | 31 |
| 4.3.1 | GOLDFAJN/BAIG 1998 - Umkehrung der Unterbewertung durch nominale Aufwertung? | 34 |
| 4.4 | Zusammenfassung | 36 |
| 5. | Schlussfolgerungen | 38 |
| Literaturverzeichnis | 40 | |
| A.1 | Graphischer Anhang | 42 |
| A.2 | Tabellarischer Anhang | 46 |
| A.3 | Mathematischer Anhang | 51 |
18 In diesem Abschnitt wird davon ausgegangen, daß die Kreditbeschränkung, gemessen durch µ, negativ vom Realzins abhängt, was erstens impliziert, daß die Zentralbank die Kreditbeschränkung nur mittelbar beeinflussen kann, da sie nur den Nominalzins unmittelbar steuern kann, und zweitens dazu führt, daß sich eine Änderung des Wechselkurses nicht nur auf die Verschuldungssituation der Unternehmer, sondern auch auf den Realzins11 und damit auf die Kreditbeschränkung auswirkt: Ein Anstieg des Wechselkurses hat eine Senkung des Realzinses zur Folge, woraus sich eine Abschwächung der Kreditbeschränkung ergibt. Für die Ableitung der angemessenen Politik der Zentralbank zur Verhinderung einer Währungskrise, ist die Steigung der W-Kurve von zentraler Bedeutung. Unter Verwendung der Abhängigkeit der Kreditbeschränkung vom Realzins und der Definition des Realzinses 1 + rt = (1 + i t )Pt / Pt +1 läßt sich die W-Kurve auch in der folgenden Gestalt schreiben: E (Gl. 16) Yt +1 = f (1 + µ (rt ))(1 − α )Yt − (1 + rt −1 )DtI − (1 + i *) t (Dt − DtI ) . Pt Gäbe es keine Auslandsverbindlichkeiten, so daß Dt = DtI ist, besäße die W-Kurve eine positive Steigung, denn ein höherer Wechselkurs würde ein Absinken des Realzinses bedeuten12, was seinerseits die Kreditbeschränkung lockern und positive Effekte auf Investitionen und Einkommen ausüben würde. In diesem Fall gäbe es einen eindeutigen Schnittpunkt von IPLM- und W-Kurve, was zwar bei einem exogenen Schock eine gewisse Reduktion des Einkommens, nicht aber eine ernsthafte Währungskrise auslösen würde. Eine expansive Geldpolitik hätte hier Erfolg: durch die Senkung des Nominalzinses mit der Folge einer Abwertung der heimischen Währung, gelingt es, den Realzins zu senken, was die Kreditbeschränkung lockert und der anfänglichen Einkommensreduktion entgegenwirkt (Abb. 7, Anhang A.1). Doch ist dieser Fall hier nicht von Interesse, weil er von Auslandsverbindlichkeiten absieht [...]
15 Rolle von selbsterfüllenden Erwartungen der Individuen in das Modell zu integrieren: wird eine Abwertung erwartet, und damit auch ein Einkommensrückgang, so werden die Individuen ihre Geldhaltung reduzieren, was dann tatsächlich zu einer Abwertung und damit in eine Währungskrise führt. Somit können Erwartungsänderungen bezüglich des Zustandes der Ökonomie von einem anfänglich „guten“ Gleichgewicht zu einer Währungskrise führen. Das Modell bietet also zwei Erklärungsansätze für das Entstehen von Währungskrisen: (i) In der Situation von multiplen Gleichgewichten können die Erwartungsänderungen der Individuen zu einer Krise führen, oder (ii) ein exogener Schock, z. B. Produktivitätsschock, führt durch eine Verschiebung der W-Kurve zur Situation der multiplen Gleichgewichte und beinhaltet in diesem Fall, je nach Erwartungen der Individuen, die Möglichkeit einer Währungskrise. [...]
3.1.3 Die Währungskrise – Mögliche Entwicklung von Wechselkurs und Einkommen Zur Veranschaulichung des Gleichgewichtes bzw. der Möglichkeit einer Währungskrise sind die ZPLM-Kurve, als Repräsentant des Geldmarktes und Devisenmarktes, und die W-Kurve, als Repräsentant des unvollständigen Kreditmarktes von zentraler Bedeutung. Die ZPLM-Kurve beschreibt einen negativen Zusammenhang zwischen dem (erwarteten) Einkommen der Folgeperiode und dem Wechselkurs der aktuellen Periode, wohingegen die W-Kurve aussagt, daß das Einkommen der Folgeperiode negativ auf Änderungen des aktuellen Wechselkurses reagiert. Dieser Zusammenhang läßt sich graphisch in einem Diagramm darstellen, in dem das zukünftige Einkommen Yt +1 auf der Abzisse und der aktuelle Wechselkurs Et auf der Ordinate abgetragen wird. Das Gleichgewicht dieses Modells wird dann beschrieben durch den Schnittpunkt beider Kurven. Es ist besonders hervorzuheben, daß sich, je nach Lage der beiden Kurven, verschiedene Gleichgewichtszustände ergeben können: Erstens, der Optimal-Fall, ein eindeutiges Gleichgewicht bei hohem Einkommen und niedrigem Wechselkurs (Abb. 3, Anhang A.1). Zweitens, eine Gleichgewichtssituation, in der die Abwertung so hoch ist, daß sich ein Einkommen von null herausbildet (Abb. 4, Anhang A.1). Schließlich, der Fall multipler Gleichgewichte: bei diesem Fall sind zwei Schnittpunkte der Kurven möglich, so daß sich entweder ein Gleichgewicht mit hohem Einkommen und niedrigem Wechselkurs ergeben kann, oder aber ein „Krisen-Gleichgewicht“ mit niedrigem Einkommen und abgewerteter Währung (Abb. 5, Anhang A.1). Dieser Fall der multiplen Gleichgewichte ermöglicht es, die [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832476304
Arbeit zitieren:
Heyden, Boris September 2003: Die Rolle der Geldpolitik in Währungskrisen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Währungskrisen, Kreditbeschränkung, Wechselkurs, Asienkrise, multiple Gleichgewichte



