Die Rolle von F&E-Kooperationen im oligopolistischen Wettbewerb
Das Fallbeispiel der globalen Halbleiterindustrie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Huy Q. Nguyen
- Abgabedatum: November 2004
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9808-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9808-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9808-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Nguyen, Huy Q. November 2004: Die Rolle von F&E-Kooperationen im oligopolistischen Wettbewerb, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Strategie, Wettbewerbsanalyse, Spillover, Industrieökonomik, Spieltheorie
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Diplomarbeit von Huy Q. Nguyen
Einleitung:
Innovationen gelten als die Grundlage für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit einzelner Unternehmen sowie gesamter Volkswirtschaften. Durch neue Produkte und Prozesse gewinnt das innovative Unternehmen entscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz. Für eine Volkswirtschaft sind Innovationen eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum und damit Sicherung von Arbeitsplätzen und Einkommen. Um Innovationen zu generieren sind Investitionen in die Forschung und Entwicklung (F&E) nötig. Gerade wegen der hohen Bedeutung von neuen Technologien für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sollte der F&E-Prozess besonders gut geschützt werden. D.h. intuitiv wäre eine Abschottung der eigenen F&E-Aktivität gegenüber Konkurrenten eine logische Konsequenz. Doch in dieser Hinsicht hat sich in den vergangenen zwei Dekaden ein neuer Trend entwickelt. Entgegen der Intuition sind immer mehr Unternehmen bereit ihre F&E gemeinschaftlich - selbst mit Konkurrenten - durchzuführen und ihr Wissen miteinander zu teilen.
Hagedoorn (2002) hat in seiner empirischen Studie festgestellt, dass seit Beginn der 80er Jahre die Anzahl der F&E-Kooperationen drastisch angestiegen ist. Besonders auffällig ist, dass vor allem in den forschungsintensiven Industrien wie z.B. dem IT-Sektor sich die gemeinschaftliche Forschung immer stärker durchsetzt. Das ist insofern überraschend, da in diesen Industrien Innovationen eine weitaus größere Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit spielen als z.B. in Sektoren mit einer geringen Forschungsintensität. Man würde vermuten, dass im IT-Sektor neue Technologien noch stärker vor der Konkurrenz abgeschirmt werden als anderswo.
Eine andere Auffälligkeit diesbezüglich ist auch in der Wirtschaftspolitik verschiedener Staaten zu erkennen. Fast parallel mit dem Trend zu F&E-Kooperationen hat das staatliche Engagement in der Förderung von kollaborativer Forschung zugenommen. In den großen Industrieländern haben die Regierungen begonnen, mit verschiedenen wirtschaftspolitischen Instrumenten (wie z.B. Gesetzesänderungen oder Subventionen) F&E-Kooperationen massiv voranzutreiben. Gegeben diesen zunächst erstaunlichen Entwicklungen stellt sich die Frage nach dem Warum. Welche Motive können die Unternehmen haben, die F&E zusammen mit ihren Konkurrenten zu betreiben? Und welches Interesse hat der Staat daran, solche F&E-Kooperationen noch zu unterstützen? Ohne zuviel vorwegzunehmen, spielen Spillover eine wichtige Rolle für die Entstehung von F&E-Kooperationen. Das wird ein zentraler Aspekt im theoretischen Teil dieser Arbeit sein. Anhand verschiedener spieltheoretischer Modelle werden die Anreize zur Bildung sowie die Auswirkung von F&E-Kooperationen auf den Wettbewerb analysiert.
Im praktischen Teil dieser Arbeit werden die F&E-Kooperationen an einem konkreten Beispiel untersucht. Die Halbleiterindustrie bietet sich deshalb so gut als Fallbeispiel an, da sie als eines der dynamischsten und forschungsintensivsten Industrien gilt. Zudem wird ihr häufig die Rolle einer so genannten Schlüsselindustrie zugesprochen, d.h. einer Industrie, die mit ihren Produkten den Erfolg vieler weiterer Industrien beeinflusst. Ein weiterer Grund für diese Wahl ist, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten gerade in der Halbleiterindustrie die umfangreichsten F&E-Kooperationen mit staatlicher Unterstützung entstanden sind. Anhand von drei ausgewählten Beispielen soll daher geklärt werden, welche Rolle F&E-Kooperationen für den Wettbewerb in der Halbleiterindustrie gespielt haben.
Diese Arbeit ist wie folg organisiert: Im ersten Abschnitt nehmen wir uns das Thema der Spillover an. Es werden zunächst verschiedene Formen von Spillover vorgestellt und anschließend erläutert, welche Auswirkung sie auf das F&E-Verhalten der Unternehmen haben und warum sie Probleme für die Volkswirtschaft auslösen können (Abschnitt 1.2). Dann wird geklärt, welche Mittel die Wirtschaftspolitik zur Verfügung hat, um diese Probleme anzugehen (Abschnitt 1.4).
Im zweiten Abschnitt werden die F&E-Kooperationen behandelt. Nach einer Definition und einigen empirischen Befunden, werden die unterschiedlichen Motive erörtert, die für die Bildung einer gemeinschaftlichen Forschung in Frage kommen. Anschließend werden F&E-Kooperationen anhand verschiedener Modelle spieltheoretisch analysiert (Abschnitt 2.4). Es soll insbesondere geklärt werden, unter welchen Bedingungen es aus einzel- und gesamtwirtschaftlicher Sicht vorteilhaft ist, F&E-Kooperationen einzugehen bzw. zuzulassen. Ausgehend von dem Standardmodell von d´Aspremont und Jacquemin (1988) werden in den darauf folgenden Modellen jeweils unterschiedliche Aspekte, wie z.B. die Endogenisierung der Spillover (Abschnitt 2.4.3), Absorptionsfähigkeit (Abschnitt 2.4.4) oder Subventionen (Abschnitt 2.4.6), in der Analyse fokussiert. Es wurde versucht, Modelle mit einer ähnlichen Konstruktionsweise zu finden, um eine – wenn auch nicht in jedem Fall mögliche – Vergleichbarkeit herzustellen.
Nach der theoretischen Analyse wenden wir uns dem Praxisbeispiel zu. Zunächst werden die historische Entwicklung sowie die Charakteristika der globalen Halbleiterindustrie vorgestellt (Abschnitt 3.1 und 3.2). Dann wird die spezielle Beziehung zwischen dieser Industrie und der nationalen bzw. regionalen Wirtschaftpolitik erklärt (Abschnitt 3.3). Es folgen eine Untersuchung sowie ein anschließender Vergleich der drei großen F&E-Kooperationen in den wichtigen Regionen der Halbleiterindustrie, d.h. in Japan (Abschnitt 3.4.1), USA (Abschnitt 3.4.2) und Europa (Abschnitt 3.4.3). Diese Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung, in der die Ergebnisse kurz zusammengefasst und ein Ausblick gegeben wird.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Spillover und das Anreizproblem | 4 |
| 1.1 | Definition und Formen von Spillover | 4 |
| 1.2 | Darstellung des Anreizproblems | 7 |
| 1.3 | Empirische Ergebnisse | 11 |
| 1.4 | Implikationen für die Wirtschaftspolitik | 12 |
| 2. | Forschungs- und Entwicklungskooperationen | 14 |
| 2.1 | Begriff und Klassifikation von F&E-Kooperationen | 14 |
| 2.2 | Einige stilisierte Fakten | 15 |
| 2.3 | Motive | 17 |
| 2.4 | Ökonomische Modelle zu F&E-Kooperationen | 21 |
| 2.4.1 | Das Standardmodell von d´Aspremont und Jacquemin (1988) | 22 |
| 2.4.2 | Das Modell von Kamien, Muller und Zang (1992) | 35 |
| 2.4.3 | Modelle mit endogenen Spillover | 41 |
| 2.4.4 | Die Bedeutung der Absorbtionsfähigkeit | 48 |
| 2.4.5 | Inter-industrielle Spillover | 53 |
| 2.4.6 | F&E-Kooperationen und Subventionen | 57 |
| 3. | Fallbeispiel Halbleiterindustrie | 62 |
| 3.1 | Entwicklung und Bedeutung der Halbleiterindustrie | 62 |
| 3.2 | Charakteristika und Marktstruktur | 64 |
| 3.3 | Nationale Wirtschaftspolitik und Halbleiterindustrie | 68 |
| 3.4 | Beispiele von F&E-Kooperationen in der globalen Halbleiterindustrie | 71 |
| 3.4.1 | Japan: VLSI-Projekt | 71 |
| 3.4.1.1 | Hintergrund der Entstehung | 71 |
| 3.4.1.2 | Aufbau und Ziele | 72 |
| 3.4.1.3 | Bewertung und Perspektiven | 75 |
| 3.4.2 | USA: SEMATECH | 78 |
| 3.4.2.1 | Ausgangssituation | 78 |
| 3.4.2.2 | Aufbau und Entwicklung | 78 |
| 3.4.2.3 | Bewertung und Empirische Ergebnisse | 82 |
| 3.4.3 | Europa: ESPRIT | 85 |
| 3.4.3.1 | Hintergrund | 85 |
| 3.4.3.2 | Aufbau und Ziele | 86 |
| 3.4.3.3 | Bewertung | 88 |
| 3.4.4 | Vergleich der F&E-Kooperationen | 91 |
| 4. | Schlussbetrachtung | 95 |
| 5. | Literaturverzeichnis | 98 |
| 6. | Erklärung | 104 |
∗ dem gilt ∂x / ∂s > 0 . D.h. bei geringen Spillover fällt die Subvention gering aus und entsprechend auch die durch die Förderung induzierte zusätzliche F&E-Tätigkeit ( 4,5 s /[4,5γ − (2 − β )(1 + β )] ). 178 wegen der potentiellen Kollusionsgefahr auf dem Produktmarkt im Falle des RJV-Kartells dürfte die Subvention im F&E-Wettbewerb das bevorzugte wirtschaftspolitische Instrument sein. 179 in diesem Fall ist β = 1 . Die Subvention ist für β = 1 am größten und erzeugt damit den größten (zusätzlichen) F&E-Anreiz. Dieses Szenario ist vergleichbar mit dem RJV-Wettbewerb des KMZ-Modells. Während im KMZ-Modell der RJV-Wettbewerb wegen des massiven Free-Rider-Problems die geringste F&E implizierte, wird dieses Szenario im Hinloopen-Modell unter Einbeziehung der Subvention zur besten Alternative. 180 selbst bei Verwendung der F&E-Produktionsfunktion des KMZ-Modells oder des (allgemeineren) Modellaufbaus von Suzumura (1992) konnte Hinloopen (2000a, 2000b) zeigen, daß die wesentlichen Ergebnisse aus Hinloopen (1997) weiterhin ihre Gültigkeit behalten. [...]
Nachdem verschiedene theoretische Modelle analysiert wurden, soll nun anhand eines praktischen Beispiels die Wirkungsweise und die Bedeutung von F&E-Kooperationen im Wettbewerb untersucht werden. Es wäre sicherlich zu viel verlangt, wenn ein einzelnes der vorgestellten Modelle ausreichen würde, um F&E-Kooperationen in einer so komplexen Industrie wie dem Halbleitersektor befriedigend erklären zu können. Dafür ist die Diskrepanz zwischen den modelltheoretischen Annahmen und der Realität zu enorm und es ist auch nicht das Ziel eines Modells, die gesamte Komplexität zu erfassen. Das sollt aber nicht heißen, daß Modellierungen für eine praktische Anwendung völlig ungeeignet sind. Ihre Bedeutung erfahren sie, wenn man sie in ihrer Gesamtheit betrachtet. Dann lassen sich einzelne Modelle, die sich auf [...]
Auffällig ist außerdem, daß die optimale Subvention stets eine steigende Funktion des Spilloˆ ver-Parameters ist ( ∂s ∗ / ∂β > 0 und ∂s / ∂β > 0 ). Anscheinend ist es aus Sicht der Gesamtwohlfahrt vorteilhaft bei hohen Spillover mehr Fördermittel bereitzustellen als bei niedrigen. Dahinter steckt die Vorstellung, daß bei hohen Spillover die F&E-Tätigkeit besonders effizient ist, weil mehr Unternehmen von den F&E-Ergebnissen profitieren können. Daher solle der Staat jene Forschungsprojekte stärker subventionieren, die eine höhere Effizienz aufweisen. In der Anwendung bedeutet es, daß insbesondere die Grundlagenforschung stärker gefördert wird, da sie im Vergleich zur angewandten Forschung höhere Spillover aufweist171. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832498085
Arbeit zitieren:
Nguyen, Huy Q. November 2004: Die Rolle von F&E-Kooperationen im oligopolistischen Wettbewerb, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Strategie, Wettbewerbsanalyse, Spillover, Industrieökonomik, Spieltheorie



