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Die Rolle der Ethik in Bezug auf die Legitimation neuer Gründungspopulationen am Beispiel der Biotechnologie

Die Rolle der Ethik in Bezug auf die Legitimation neuer Gründungspopulationen am Beispiel der Biotechnologie
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Sarah Klem

Gang der Untersuchung:

Die Diskussion um Ethik in der Wirtschaft ist noch sehr jung und erst seit ungefähr zehn Jahren im Gange. Doch es wird häufig behauptet, dass derjenige, der das Wort Moral auch nur in den Mund nimmt, Gefahr läuft, als Spießer, Spielverderber, als „politisch korrekt“ oder als Ewiggestriger zu gelten. Auch der Wirtschaftsethiker Karl Homann machte den „Moralisten“ den Vorwurf, dass ihre Forderungen nach mehr Moral selbst der Grund dafür sind, dass es zu einem immer weitergehenden Verfall der Moral kommt. Weiters ist es notwendig darauf hinweisen, dass es unumstritten klar ist, dass sich die Wissenschaft der Ethik anzupassen hat und nicht umgekehrt und dass sie in der Wirtschaft eine intensive Diskussion und eine ernsthafte Beachtung verdient.

Welche Rolle die Ethik, bzw. auch welche Ethik eine Rolle in der Branche der Biotechnologie in Bezug auf junge Unternehmen, die sich erst am Markt etablieren müssen, spielt, gilt es in der vorliegenden Arbeit zu klären. Diese Klärung soll in der vorliegenden Arbeit auf Basis des organisationsökologischen Ansatzes der Gründungsforschung vorgenommen werden. Zur Behandlung dieser Problemstellung wurde folgende Vorgangsweise gewählt:

Das zweite Kapitel klärt grundlegende Begriffe der Biotechnologie. Es wird im Folgenden auf die Anwendungsfelder, im besonderen auf die der Genforschung, auf die Struktur- und Technikdeterminanten von Biotechnologieunternehmen eingegangen werden. Daraus ergibt sich bereits das nächste Kapitel, denn die meisten Biotechnologieunternehmen werden typischerweise als kleine Start-ups, oft auch als Spin-offs, ein aktuelles Phänomen im Klein- und Mittelbetriebssektor, gegründet. Dieser Teil hat die Aufgabe, Klein- und Mittelbetriebe klar von Großbetrieben abzugrenzen. Das nächste Kapitel wird dem Leser den organisationsökologischen Ansatz, ein Ansatz aus der Gründungsforschung, der eine makroökonomische Betrachtungsweise einnimmt, näher bringen. Weiters wird auf zwei Phänomene im Detail eingegangen, die bei der Gründung von Biotechnologieunternehmen bemerkenswert sind: die Gründung als Spin-off wie auch die verstärkte Bildung von Kooperationen. Das nächste Kapitel legt die Grundbausteine für die Ethik. Vorerst wird eine Systematik der philosophischen, wie auch der Wirtschaftsethik erstellt und am Schluss des Kapitels wird näher auf die verschiedenen Ethikkonzepte eingegangen. Für die vorliegende Arbeit wurden die Ethik von Kant (Kategorischer Imperativ), der utilitaristische Ansatz und die Diskursethik von Habermas ausgewählt, da sie die Hauptströmungen in der Ethik darstellen. Basierend auf diesen Kenntnissen wird im nächsten Kapitel geprüft, welcher Ansatz für die Biotechnologie am sinnvollsten ist. Weiters wird geklärt, auf welchen Ebenen die Implementierung vor sich gehen soll bzw. welche regionalen Unterschiede bestehen. Aufbauend auf dem, was bis dahin behandelt wurde, wird folgendes Kapitel alle vorigen verbinden. Es wird näher auf den Etablierungsprozess eingegangen werden, den junge Biotechnologieunternehmen ab dem Zeitpunkt ihrer Gründung durchlaufen. Es gilt, sich vom Gründer, vom ersten Produkt und vom ersten Kunden unabhängig zu machen. Somit muss eine Organisation im Unternehmen aufgebaut werden und ein Produktportfolio sowie ein Kundenstamm entwickelt werden. Es wird an der Stelle geprüft, welche ethischen Probleme in den jeweiligen Bereichen auftreten können.

Abschließend folgt eine Zusammenfassung, die die wichtigsten Aussagen der vorliegenden Arbeit resümiert.

Inhaltsverzeichnis:

1. ZIELSETZUNG UND AUFBAU DER ARBEIT 4
2. BIOTECHNOLOGIE 6
2.1 EINLEITUNG IN DIE BIOTECHNOLOGIE 6
2.2 ANWENDUNGSFELDER 10
2.2.1 UMWELTBEREICH 10
2.2.2 LANDWIRTSCHAFT 11
2.2.3 NAHRUNGSMITTELPRODUKTION 11
2.2.4 GESUNDHEITSSEKTOR 12
2.3 FORSCHUNG IN DER GENTECHNOLOGIE 13
2.3.1 FUNKTION DER GENE 13
2.3.2 ANWENDUNGSFELDER 13
2.4 BIOTECHNOLOGIE IN ÖSTERREICH 17
2.5 DIE BRANCHE BIOTECHNOLOGIE 19
3. UNTERSCHIEDE VON KLEIN- UND MITTELBETRIEBEN UND GROßBETRIEBEN 22
3.1 QUANTITATIVE ABGRENZUNG 22
3.2 QUALITATIVE ABGRENZUNG 24
3.2.1 PFOHL´SCHER MERKMALSKATALOG 24
3.2.2 MUGLER´SCHER MERKMALSKATALOG 29
4. GRÜNDUNGSFORSCHUNG 30
4.1 EINLEITUNG 30
4.2 DER ORGANISATIONSÖKOLOGISCHE ANSATZ 30
4.2.1 INTRAPOPULATIONSPROZESSE 33
4.2.2 INTERPOPULATIONSPROZESSE 34
4.2.3 INSTITUTIONELLE PROZESSE 34
4.3 GRÜNDUNGEN IM BIOTECHNOLOGIESEKTOR 35
4.3.1 SPIN-OFF 36
4.3.2 KOOPERATIONEN 39
5. ETHIK 42
5.1 EINLEITUNG 42
5.2 DIE DREI DISZIPLINEN DER ETHIK 44
5.2.1 DESKRIPTIVE ETHIK 46
5.2.2 NORMATIVE ETHIK 47
5.2.3 ANALYTISCHE ETHIK 50
5.3 SYSTEMATIK DER WIRTSCHAFTSETHIK 52
5.3.1 HANDLUNGSEBENEN DER ETHIK 54
5.3.2 INSTITUTIONAL- UND INDIVIDUALETHIK 56
5.4 ETHISCHE KONZEPTE 59
5.4.1 IMMANUEL KANT 59
5.4.2 DER UTILITARISMUS 61
5.4.3 DISKURSETHIK 63
6. ETHIK UND BIOTECHNOLOGIE 67
6.1 ETHISCHE ANSÄTZE IN DER BIOTECHNOLOGIE 67
6.1.1 UTILITARISMUS 67
6.1.2 DISKURSETHIK 68
6.1.3 KANT 68
6.2 IMPLEMENTIERUNG 70
6.2.1 IMPLEMENTIERUNG DES ETHISCHEN KONZEPTS 71
7. LEGITIMATION NEUER GRÜNDUNGSPOPULATIONEN UND IHRE ETHISCHEN IMPLIKATIONEN 72
7.1 DER ETABLIERUNGSANSATZ 72
7.1.1 PHASE 1: BILDUNG DES GRÜNDUNGSNUKLEUS 72
7.1.2 PHASE 2: AUFBAU DER UNTERNEHMENSSTRUKTUR 73
7.1.3 PHASE 3: UNABHÄNGIGKEIT DER STRUKTUR VOM GRÜNDUNGSNUKLEUS 73
7.2 VOM GRÜNDER ZUR ORGANISATION 76
7.2.1 ORGANISATION 77
7.2.2 ORGANISATION IN KOOPERATIONEN 79
7.2.3 ORGANISATION IN BIOTECH-SPIN-OFFS 80
7.2.4 ETHISCHE IMPLIKATIONEN 81
7.3 VOM ERSTEN PRODUKT ZUM PRODUKTPORTFOLIO 87
7.3.1 OPTIONALE WEGE 88
7.3.2 ETHISCHE IMPLIKATIONEN 89
7.4 VOM ERSTEN KUNDEN ZUM KUNDENSTAMM 95
7.4.1 PHARMAMARKT 96
7.4.2 ETHISCHE IMPLIKATIONEN 99
8. RESUMÉE 101
LITERATURVERZEICHNIS 105
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 112

Automatisiert erstellter Textauszug:

Es wird oft im Hinblick auf die jeweils vorausgesetzte Werttheorie - zwischen hedonistischem unterschieden. Der hedonistische Utilitarismus ist in seiner klassischen Form bei Jeremy Bentham (1789) zu finden. Er anerkennt nur eine Form von positivem (nicht-ethischem) Wert, nämlich das Erleben von Lust. Dabei identifiziert er Erleben von Lust mit Glück und dieses mit Nutzen. Bentham formuliert das Nutzenprinzip so: Jene Handlung muss als ethisch wertvollste beurteilt werden, die das größtmögliche Glück für die größtmögliche Anzahl Menschen erzielt. Der individuelle Gratifikationswert einer Handlungsfolge bemisst sich nach Bentham an der Intensität des aus der Handlungsfolge zu erwartenden Lustgewinnes, an der Dauer und dem Grad der Wahrscheinlichkeit, mit der der Lustgewinn zu erwarten ist, an der zeitlichen und räumlichen Nähe des Eintreffens der Folgen, an der Frage, ob mit diesen Handlungsfolgen weitere (sekundäre) positive oder negative Folgen verbunden sind. Bentham war der Ansicht, dass man für jeden einzelnen den individuellen Lustgewinn errechnen kann und somit ein Schluss vom individuellen und ideellem Utilitarismus (auch: idealistischer Utilitarismus) [...]

Innerhalb der normativen Ansätze stellt der kategorische Imperativ von Immanuel Kant das bedeutendste Beispiel einer Gesinnungsethik dar.88 Kant begründet in seiner 1785 erschienenen „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ seine Vorstellung einer auf der Vernunft gegründeten und nicht von Zwecken geleiteten Ethik. Sein Leitfaden war, dass es unentbehrlich sei, nicht bloß spekulativ die Quelle der a priori in unserer Vernunft liegenden praktischen Grundsätze zu erforschen, sondern nach der Quelle zu suchen, weil die Sitten selber allerlei Verderbnis unterworfen bleiben, solange jener Leitfaden und oberste Norm ihrer richtigen Beurteilung fehlt. Diese oberste Norm und diesen Leitfaden bringt Kant durch eine Grundformel zum Ausdruck: dem kategorischen Imperativ: [...]

Sie stellt das Problem des individuell-ethischen Handelns in das Zentrum- das heißt, dass darauf abgezielt wird, durch die Entwicklung der individuellen praktischen Urteilskraft (vergleichsweise das Gewissen) des Unternehmers oder des Managers, ethisches Handeln sicherzustellen.82 Die Realisierung der Moral wird also von den Präferenzen der Entscheidungsträger abhängen.83 Darunter fallen folgende Punkte: Gerechtigkeit und Toleranz gegenüber den Mitarbeitern, Fairness und allgemeine Sozialverträglichkeit, Kooperations- und Leitkompetenz, Balance mit eigenen Macht- und Gewinninteressen etc. - also Führungsethik. Ich möchte der Führungsethik als Teilbereich der Individualethik besondere Bedeutung in einem Unternehmen zumessen. Denn im Grunde genommen besteht eine Unternehmung aus einzelnen Personen; wobei Über- und Unterordnungsverhältnisse, Gruppendynamik, Unternehmenskultur etc. zu beachten sind. Hier wird Führungsethik als Lehre von der normativen Führung verstanden, als Lehre vom verantwortungsvollen Handeln in der Führungspraxis.84 Das ethische Wissen bildet eine inhaltliche Grundlage, die Verantwortungsfähigkeit eine intellektuelle Voraussetzung und die Verantwortungsbereitschaft eine praktische Voraussetzung für die normative Führung, für verantwortungsvolles Handeln in der Führungspraxis. [...]

Arbeit zitieren:
Klem, Sarah Februar 2003: Die Rolle der Ethik in Bezug auf die Legitimation neuer Gründungspopulationen am Beispiel der Biotechnologie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Klein- und Mittelbetriebe, Grundforschung (organisationsökologischer Ansatz), Spin-off, Split-off, Start-up, Genforschung, Biotechnologie

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