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Risikosteuerung im Energieversorgungs-unternehmen und in der Industrie mit Hilfe von Derivaten und deren Berücksichtigung in der Vertragspraxis

Risikosteuerung im Energieversorgungs-unternehmen und in der Industrie mit Hilfe von Derivaten und deren Berücksichtigung  in der Vertragspraxis
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: André Velvendick
  • Abgabedatum: August 2006
  • Umfang: 144 Seiten
  • Dateigröße: 844,2 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Gelsenkirchen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 71
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9960-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9960-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9960-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Velvendick, André August 2006: Risikosteuerung im Energieversorgungs-unternehmen und in der Industrie mit Hilfe von Derivaten und deren Berücksichtigung in der Vertragspraxis, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Energie, Energiemarkt, Optionsbewertung, EFET, Rahmenvertrag

Diplomarbeit von André Velvendick

Einleitung:

Ende der 90` er Jahre ist die EU-Binnenmarktrichtlinie Strom und Erdgas im Kraft getreten. Damit wurde ein umfänglicher Liberalisierungsprozess der europäischen Energiewirtschaft eingeleitet.

Die Vergangenheit war geprägt durch große Verbundunternehmen, die Erzeugung, Transport und Vertrieb dominierten. Es fehlte an einen dynamischen Wettbewerbsprozess in der Stromwirtschaft. Obwohl die Dominanz der vier großen Energieversorgungsunternehmen weiterhin besteht, haben sich durch den Liberalisierungsprozess eine Vielzahl von Möglichkeiten für andere Marktteilnehmer ergeben. Insbesondere der bilaterale Handel mit Strom und der Stromhandel an den Strombörsen für kleinere Energieversorger wird an Bedeutung stark zunehmen. Vorteile aus dieser Marktliberalisierung werden vor allen die größeren Industrieunternehmen z.b. der Aluminiumproduktion haben, sowie Stadtwerke, Kraftwerksgesellschaften, Handelsgesellschaften und regionale Versorgungsunternehmen.

Wesentliche Voraussetzung für diesen Liberalisierungsprozess ist der diskriminierungsfreie Zugang zu den Leitungsnetzen, das sogenannte Unbundling. Jedoch hat dies in der Vergangenheit zu keiner spürbaren Liberalisierung geführt, da die Höhe der Netznutzungsentgelte immer noch von den Verbundunternehmen die über die Transportnetze verfügen bestimmt wurde.

Als Anhängsel der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation wurde eine Behörde für die Regelung der Gas- und Elektrizitätswirtschaft eingerichtet. Diese regelt auch die Netznutzungsentgelte, die in der Vergangenheit ein wesentliches Hindernis für die Liberalisierung der Stromwirtschaft in Deutschland darstellten.

Insbesondere regelt sie, das „ob“, „wie“, und das „wie teuer“ bei der Frage der Netznutzung.

Die zwei großen Märkte, an denen Strom gehandelt wird, werden in Zukunft viele neue Teilnehmer begrüßen können. Der bilaterale OTC-Markt und die Strombörse.

Innerhalb von beiden Märkten finden die Marktteilnehmer, sowohl einen Spotmarkt als auch einen Terminmarkt an denen unterschiedliche Stromprodukte gehandelt werden.

Die Preisbildung der Strompreise für die Endkunden wird in Zukunft stärker vom Großhandelsmarkt bestimmt, da die gestiegene Transparenz zu günstigeren Strompreisen für die Endverbraucher führen wird.

Die Grenzen zwischen Großhandelsmarkt und Endkundenmarkt werden in Zukunft verschwinden.

Die Vertriebsabteilungen der Energieversorgungsunternehmen mit eigenen Erzeugungskapazitäten bieten teilweise die Produktstandards des Großhandelsmarktes ihren Kunden an.

Problematisch gestaltet sich die Teilnahme kleinerer Energieversorger an den Großhandelsmärkten.

Der Aufbau eigener Handelsabteilungen führt zu nicht tragbaren Kosten.

Daher ist eine genaue Analyse der Risiken nötig, die mit dem Einstieg in den Energiehandel verbunden sind. Anschließend kann man dann Risikosteuerungsinstrumente verwenden, deren Einsatz der liberalisierte Energiehandel erst ermöglicht.

Im Folgenden werden die Risiken, die sich im Energieversorgungsunternehmen ergeben dargestellt. Anschließend werden die einschlägigen Bewertungsverfahren des Risikomanagements vorgestellt, mit denen die Risiken numerisch bewertet werden.

Der Optionsbewertung kommt dabei ein Schwergewicht zu.

Zudem werden die Anforderungen an ein funktionierendes Risikomanagementsystem beschrieben. Dabei wird großen Wert auf eine angepasste IT-Infrastruktur des Unternehmens gelegt. Ohne diese Infrastruktur ist ein effektives Risikomanagement nicht möglich.

Leider wird dies in der Praxis immer noch unterschätzt.

Dann werden Energiederivate als Instrumente zur Risikosteuerung vorgestellt.

Anschließend werden Handlungsempfehlungen für das Management der Risiken gegebenen Abschließend werden noch weitere neue Derivate vorgestellt.

Die rechtlichen Risiken werden am Beispiel des EFET-Rahmenvertrages erläutert. Hier wird ein Rechtsvergleich mit dem deutschen allgemeinen Schuldrecht und dem deutschen Handelsrecht vorgenommen. Abweichungen und ungünstige Regelungen für den Schuldner werden im Hinblick auf die rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen hin untersucht.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
I. Strommarkt und Energiederivate 2
A. Großhandelsmärkte für Derivate 2
1. Der Spotmarkt in der Energiewirtschaft 4
a) Day-Ahead-Markt 5
aa) Produkte am Day-Ahead-Markt 5
bb) Pear-und Basekontrakte 5
b) Weak Ahead Markt 6
c) Hour Ahead Markt 6
2. Regelenergiemarkt 6
3. OTC-Makt 7
4. Teilnehmer am Stromhandelsmarkt 7
5. Der deutsche Strommarkt 7
a) Dominanz der Verbundunternehmen 8
b) Ca. 900 kommunale Versorgungsunternehmen 8
c) Neue Marktteilnehmer 8
II. Risiken in der Stromwirtschaft 9
A. Risikobetrachtung in der Stromwirtschaft 9
1. Marktpreisrisiken 10
a) Preisrisiko 10
b) Basis oder Korrelationsrisiko 12
aa) Basisrisiko 12
c) Marktliquiditätsrisiko 14
2. Warenpreisrisiko 14
3. Kreditrisiko 15
4. Rechtliches Risiko 16
5. Operationale Risiken 16
6. Organisatorische Risiken 16
7. Kundenrisiko 17
B. Schlussfolgerungen aus der Risikobetrachtung 17
III. Instrumente zur Steuerung von relevanten Risiken 17
A. Überblick über häufig gehandelte Derivate 17
1. Bedingten und unbedingten Termingeschäften 18
2. Typische Anwendungsfälle von unbedingten Termingeschäften 18
a) Der Forward Contract 19
aa) Spotmarktpreis steigt 19
bb) Spotmarktpreis sinkt 19
cc) Sinn und Zweck des Forwards für beide Szenarien 20
(1) Backwardation Situation 20
(2) Contango Situation 20
b) Futures 21
aa) Erfüllung 21
(1) Monatsfutures und kurzfristige Futures 21
(2) Quartals- und Jahresfutures 21
bb) Hoher Standardisierungsgrad 22
cc) Einflussfaktoren auf den Preis eines Futures 22
(1) Lagerkosten(Cost of Carry) 22
(2) Convenience Yield 22
(3) Verpreisungsformel Commodity Future 23
dd) Finanzielle Abwicklung oder physische Erfüllung 23
ee) Future im Stromhandel 24
(1) Physische Erfüllung 24
(2) Barausgleich 24
(3) Lieferperiode 24
(4) Lastprofil 24
(5) Handelspositionen und Future 25
(6) Glattstellen 25
(7) Leerverkauf 25
(8) Preisentwicklung eines Futures-Vertrages 26
(8.1) “contango“ oder Carrying-Charge“ Märkte 26
(8.2) Backward Markt 26
(9) Berechnung der Prämie eines Futures 26
(10) Liefermonate, Fälligkeit und Erfüllung 26
(11) Strategische Überlegung zum Hedgen 26
(11.1) Der Hedginggedanke 26
(11.2) Short Hedge 27
(11.3) Long –Hedge 28
(12) Auswahl der richtigen Handelsposition 28
(12.1) Produktbasis, Zeitbasis und Ortsbasis 29
(12.2) Wahl der Produktbasis 29
(12.3) Zeitbasis 30
(12.4) Ortrsbasis 30
(13) Optimales Hedging-Verhältnis beim Cross Hedging 30
(14) Vorteile durch Hedging mit Futures 32
c) Swaps 32
aa) Arten von Swaps 32
bb) Drei grundlegende Prinzipien 33
(1) Fixed-for-Floating Prinzip 33
(1.1) Short Swap 33
(1.2) Long Swap 33
(2) Floating-for-Floating Prinzip 33
(3) Floating-for-Fix Prinzip 34
cc) Contract for Difference 34
(1) Electricity Forward Agreement(FFA`s) 34
dd) Prepaid- Swap 35
ee) Cross-Commodity Swap 35
ff) Crack-Spread Swap 36
gg) Spark-Spread Swap 36
hh) Basis- Swap 36
d) Optionen 37
aa) Grundlegende Definitionen 37
bb) Long Call 37
cc) Short Call 38
dd) Long Put 39
ee) Short Put 39
ff) Kombinationsmöglichkeiten 39
(1) Bull-Spread 39
(2) Bear- Spread 40
(3) Long- Straddle 41
(4) Short- Straddle 41
gg) Spark- Spread Option 41
e) Caps,Floors und Collars 44
aa) Definition Cap 44
bb) Defintion Floor 44
cc) Der Zero-Cost-Collar 45
dd) Weitere Beispiele aus der Energiewirtschaft 46
f) Wetterderivate 47
aa) Geschichtliche Entwicklung 47
bb) Auswirkungen auf die Unternehmen 47
cc) Zusammenhang Wetterderivate und Handel 47
dd) Risikovermeidungsstrategie 47
ee) Nutzer und Anbieter von Wetterderivaten 48
ff) Bewertung von Wetterderivaten 50
gg) Schlussfolgerungen und Übersicht 50
IV. Grundlagen der Risikobewertung in der Energiewirtschaft 50
A. Definition der Volatilität 50
1. Stochastische Grundannahme der Volatilität 50
2. Die Berechnung der Volatilität 51
a) Empirische Ermittlung der Volatilität 51
b) Volatilitätsberechnungen von Aktien 51
c) Vorgehensweise bei der Berechnung der Volatilität 51
3. Implizite Volatilität 53
a) Charakterisierung 53
b) Berechnung der impliziten Volatilität 54
B. Sensivitätsanalyse 54
1. Risikoidentifikation 55
2. Gesamtschau und Planabweichung 55
3. Problem Korrelation 55
4. Mathematische Herangehensweise 55
5. Ergebnisse der Sensivitätsanalyse 56
C. Binomialbäume 57
1. Einperioden Binomialbaum 57
2. Wahrscheinlichkeitsaussagen mit Hilfe des einperioden Binomialbaumes 59
3. Mehrperioden Binomialbäume 60
a) Rekursives Rechenverfahren für Optionswert 60
b) Bestimmung Assetpreis zum jeweiligen Zeitintervall 60
D. Die Monte-Carlo Simulation 62
1. Vorgehensweise 62
2. Vor-und Nachteile der Monte-Carlo Simulation 64
E. Das Black-Scholes-Merton Modell 65
1. Ziele des Black-Scholes Merton Modell 65
2. Voraussetzungen der Gültigkeit des Black-Scholes-Merton Modells 65
a) Geometrisch Brownsche Bewegung 65
b) Wiener Prozess 65
c) Weitere Annahmen des Black-Scholes Modelles 67
3. Die Black-Scholes-Merton Differentialgleichung 67
a) Herleitung der Gleichung 67
aa) Geometrisch Brownsche Bewegung 67
bb) Itos-Lemma 67
cc) Konstruktion eines risikoneutralen Portefeuille 68
dd) Die Black-Scholes Differentialgleichung im Detail 69
ee) Vereinfachter Anwendungsfall 70
b) Eigenschaften der Black-Scholes Lösungen 71
c) Anpassung der Black-Scholes Formel auf Commodity-Futures 72
d) Black-Scholes Formel zur Bewertung von EEX-Optionen 72
e) Schwächen der Black-Scholes Formel 73
f) Modifikation der Black-Scholes Formel 73
F. Weitere Sensivitätskennzahlen für Optionen -Die Griechen- 74
1. Delta 74
2. DeltaHedging 76
3. Gamma 77
4. Theta 78
5. Vega 79
6. Rho 79
7. Kombination der Black-Scholes Formel mit den Griechen 80
8. Beispiel für die Berechnung der Sensivitätskennzahlen eines Futures-Base 81
a) Fairer Wert der Call-Future Option 81
b) Delta der Call-Option 81
c) Gamma der Call-Option 82
d) Theta der Call-Option 82
e) Vega der Call-Option 82
f) Rho der Call-Option 83
G. Value at Risk 83
1. Voraussetzungen des Value at Risk 84
2. Anwendung der ananlytischen Methode auf ein Portfolio 84
a) Beispiel 1. 84
b) Beispiel 2. 86
3. Analytische Methode zur Berechnung des VAR bei mehreren Produkten 87
4. Monte Carlo Simulation zur Berechnung des Value at Risk 88
5. Historische Simulation 88
6. Bewertung der einzelnen Verfahren zur Berechnung des VAR. 89
7. Vorteile des VAR 89
8. Stop and Loss Strategie 90
9. Modifikation der VAR-Methode 91
a) Earning at Risk 91
b) Cash flow at Risk 91
c) Profit at Risk 92
H. Stress Testing/Szenario Analyse 92
I. Anwendungshäufigkeit der Risikobewertungsverfahren 93
V. Risikosteuerung in der Stromwirtschaft 93
A. Rechtliche Rahmenbedingungen für das Risikomanagement 93
1. Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht 93
a) Relevante Gesetzesvorschriften und Erlaubnisvorbehalte 93
b) § 32 KWG 94
aa) § 1 KWG Begriffsbestimmung 94
bb) Bankgeschäft oder Finanzdienstleistung 95
c) Üblicher Handel mit Energiederivaten in der Energiewirtschaft 96
d) Ausnahmen von der Erlaubnispflicht 96
e) Portfolioberatung und Erlaubnispflicht 97
f) Fazit 97
2. Vorgaben des Transparenz- und Kontrollgesetzes im Konzern 97
a) Leitungspflicht des Vorstandes 97
B. Anforderungen an ein Risikomanagementsystem in der Stromwirtschaft 99
1. Aufbauorganisation eines Risikomanagementsystems 100
2. Ablauforganisation eines Risikomanagementsystems 100
a) IT-Systeme für den Einstieg in den Stromhandel 101
b) Überlegungen zur IT-Integration im Unternehmen 102
C. Preisrisiken am Strommarkt 104
a) Angebots- und Nachfrageschwankungen 104
b) Spotmarktpreis für Strom und Marktpsychologie 104
c) Preisrisiken durch Portfoliomanagement beseitigen 105
D. Management von Kreditrisiken 105
a) Kreditlimits 106
b) Cash Reserven, Sicherheiten und automatische Auflösung 106
c) Digital Bankruptcy Swap 106
d) Organisation des Risikomanagements 106
E. Management der operationalen Risiken 107
a) Management auftretender personeller Risiken 107
b) Management der Bewertungsrisiken 107
c) Management des Technik-und Systemsrisiko 107
VI. Die Bedeutung der Rahmenverträge in der Energiewirtschaft 108
A. Vertragsgestaltung allgemein und in der Energiewirtschaft 108
1. Vertragsgestalter 108
2. Abgrenzung Vertragstyp versus Regelungstyp 109
a) Vertragstyp 109
aa) Verhältnis zum Gesetz 109
bb) Zweckbestimmtheit 109
cc) Wertbezogenheit 109
b) Regelungstyp 110
3. Die Bedeutung von Vertragstypen für den Kautelarjuristen 110
4. Möglichkeiten und rechtliche Grenzen der Vertragsgestaltung 110
5. Der Energieliefervertrag 111
a) Rechtsnatur des Vertrages 111
b) Zuordnung des EFET-Rahmenvertrages zu BGB-Verträgen 112
aa) Vertragsparteien 113
bb) Tarifkunde 113
(1) Haushaltstarif 114
(2) Landwirtschaftstarif 114
(3) Gewerbetarif 114
cc) Der Sonderkunde 114
c) Stromliefer- und handelsverträge 115
6. Grundelemente von Stromlieferverträgen 115
a) Art der Lieferung 115
aa) Fahrplanlieferung 115
bb) Offene Lieferung 116
b) Liefermengen 116
c) Freimengen 116
d) Lieferort 117
e) Preisregelungen 117
B. Analyse des Rahmenvertrages EFET. 118
1. Anwendungsbereich des EFET Rahmenvertrages 118
2. Struktur des EFET Rahmenvertrages 119
3. Inhalte des EFET Rahmenvertrages 119
a) Abschluss und Bestätigung von Einzelverträgen 120
aa) Vertragsabschluss 120
bb) Inhalt des Handelsgeschäftes 120
cc) Ordnungsgemäße Erfüllung des Vertrages 120
b) Hauptpflichten des Vertrages 121
c) Kauf- und Verkaufsoptionen gem. § 5 des EFET-Vertrages 122
d) Leistungsstörungen und Unmöglichkeit 122
e) Gefahrübergang 123
f) Objektive Unmöglichkeit bei Schlechtleistung 123
aa) Unmöglichkeit durch höhere Gewalt 123
bb) Schadensersatzanspruch 123
cc) Lieferunterbrechung und Zahlungsverzug 124
dd) Unechter Sukzessivliefervertrag 124
g) Kündigungsgründe nach EFET-Vertrag im Vergleich zu § 314 BGB 125
h) Übertragung von Rechten und Pflichten aus dem EFET-Vertrag 127
4. Weitere Rahmenverträge 128
Textprobe:

Kapitel: II. Risiken in der Stromwirtschaft:

A) Risikobetrachtungen in der Stromwirtschaft:

Das Thema Strom und Risiko war in Deutschland in der Vergangenheit kein allzu großes Thema. Die Gebietsmonopole begünstigt durch die Ausnahmen im Gesetz für Wettbewerbsbeschränkungen garantierten die Abnahme von Mindestmengen der Stromproduzenten. Der noch bekannte Kohlepfennig war eine zusätzliche Subvention des Staates für die mächtigen Energieversorger in Deutschland, um Investitionssicherheit für die Zukunft zu schaffen. Mithin häuften sich Anfang der Neunziger Jahre, die von den großen Energieversorgern angehäuften Rücklagen für Neuinvestitionen in Milliardenhöhe an. Da die Netze bis heute nicht grundlegend erneuert wurden und nur vereinzelt im Kraftwerksneubau investiert wurde, sowie nur einige Atomkraftwerke stillgelegt wurden, dürfte sich an dieser Lage nichts geändert haben.

Daher dienen die folgenden Erläuterungen nicht den großen Energieversorgern, sondern Unternehmen, die auf große Mengen Strom für Produktion oder Dienstleistung angewiesen sind, sowie denen die an den neuen Chancen, die der liberalisierte Strommarkt bietet, partizipieren möchten.

Vor allen Stadtwerken und Regionalversorger mit Strom, deren Absatzmenge zu gering ist, um einen eigenen Trading Floor einzurichten, kann ein aktives Risikomanagement dazu verhelfen, neue Großkunden zu gewinnen und die Kundenzufriedenheit durch stabile Strompreise zu erhalten.

Der Begriff Derivat ruft bei vielen Lesern negative Vorstellungen hervor. Hoch spekulative Geschäfte, wobei es nur um den kurzfristigen Gewinn geht und viel Geld letztendlich vernichtet wird. Dieses Bild wird teilweise auch durch fehlende finanzwirtschaftliche Kenntnisse vieler Journalisten und Medienfachleuten hervorgerufen.

Eine pauschale Vorverurteilung dieser Finanzinstrumente lässt viele Chancen, die diese Instrumente bieten, ungenutzt. Folgende Grafik soll einen Überblick über die möglichen Risiken bieten, die zum Teil mit der Hilfe von Derivaten vermindert oder sogar neutralisiert werden können.

Automatisiert erstellter Textauszug:

a) Management auftretender personeller Risiken im operativen Geschäft Dazu zählt zum einen die effiziente Organisation des Back Office. Zumeist werden im Verkauf die Leute eingesetzt, die fachlich kompetent sind, da es hier darum geht, das Unternehmen am Markt zu halten und möglichst viel Umsatz einzufahren. Die Mitarbeiter im Back-Office haben zumeist mehr Erfahrung mit Verwaltungsaufgaben. Daher ist es wichtig, dass im Back Office auch fachlich versierte Mitarbeiter vertreten sind, die alle Geschäftsvorgänge kennen und kritische beurteilen können. Zudem sollte das Dokumentationsrisiko im Back Office durch die Verwendung von Standardverträgen minimiert werden, so dass es nicht zu Verzögerungen bei der schriftlichen Bestätigung von telefonischen Vereinbarungen kommt. Die Konzentration von Know-how auf nur wenige Mitarbeiter ist zu vermeiden, da es sonst bei Mitarbeiterwechsel oder Weggang zu Wissensdefiziten kommt. Zudem sollte die Geschäftsleitung nicht dadurch falsche Anreize schaffen, indem sie erfolgsabhängige Vergütungen für hohe Gewinne aus spekulativen Derivatgeschäften vereinbart. Es werden dann zumeist riskantere Geschäfte abgeschlossen, um an diese variablen Lohnbestandteile zu gelangen. Mithin kann eine sorgfältige Personalauswahl und überlegte Personalverhaltenssteuerung, die personellen Risiken gänzlich neutralisieren. b)Management der Bewertungsrisiken im operativen Geschäft Das Bewertungsrisiko besteht darin, das Derivate falsch bewertet wurden. Die großen Energieversorger bietet mittlerweile immer wieder neue Produkte zur Minimierung von Risiken bezüglich Verkauf und Kauf von Strom an. Diese Produkte nennen sich dann, Extendible Forward, Bonus Swap, Trolling Agreement, Power Casher, Secure Casher. Dabei handelt es sich nicht um wirkliche Neuerungen, sondern um den sogenannten alten Wein in neuen Schläuchen mit kleinen Zusätzen.212 Es braucht seine Zeit, um die Risikosteuerungsinstrumente und deren finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen für das Unternehmen im ganzen zu begreifen. Leider hat man in der Praxis dafür keine Zeit. Ebenso werden Bewertungsmodelle angewandt, die nicht richtig verstanden wurden. Mithin kommt es zu existenzbedrohenden Fehleinschätzungen in der Praxis. Daher ist es nötig, vorher längere Trainingsmaßnahmen von kompetenten Ausbildern durchführen zu lassen und nicht wie es üblich ist, den Mitarbeitern ein Buch zu übergeben mit dem Hinweis alles Wichtige fände man dort niedergeschrieben. Auch der Einsatz von fehlerhaften Modellen zur Bewertung von komplexen Derivaten führt zu hohen Verlusten. Diesen Fehler haben die Nobelpreisträger der Black-ScholesMerton Differentialgleichung gemacht, der zu Milliarden Verlusten geführt hat und den Zusammenbruch eines Teilmarktes zur Folge gehabt hätte, wenn nicht eine übergeordnete Institution eingegriffen hätte. [...]

a)Kreditlimits Mit Hilfe eines Kreditlimits lässt man Transaktionen mit einem bestimmten Vertragspartner nur in einer zuvor festgelegten Höhe zu. Zwar besteht die Gefahr das dann Geschäftsmöglichkeiten ungenutzt verstreichen. Jedoch sollte man trotzdem diese Limits einhalten, da es in der Praxis häufig vorkommt, dass diese Limits zugunsten anderer Vertragspartner verschoben werden. Hier ist es unerlässlich, dass die Überwachung der Kreditlimits durch eine unabhängige Person im Back Office durchgeführt wird und nicht durch den Trader, der die Verträge abschließt. Zu den Aufgaben dieser Person zählt auch die ständige Analyse der laufenden Verträge im OTC-Handel in einen Marking-to-Market Verfahren. b) Cash Reserven, Sicherheiten oder automatische Auflösung von Verträgen. Weitere Möglichkeit der Reduzierung des Kreditrisikos ist der Aufbau eigener CashReserven. Dazu kann man zum einen Rücklagen in der Bilanz bilden, oder sofern vorhanden liquide Mittel in unterschiedlichster Form zur sofortigen Verwendbarkeit bereit stellen. Wie unten noch ausführlich dargestellt wird, wird im EFET-Rahmenvertrag die Erbringung von Sicherheiten in Form von Bankbürgschaften oder Wertpapieren geregelt, falls sich die Bonität des Unternehmens verschlechtert. Zeigen sich erste Anzeichen von Zahlungsschwierigkeiten, so besteht ein außerordentliches Kündigungsrecht nach dem EFET-Vertrag, der zudem Kündigungsausgleichszahlungen vorsieht. c) Digital Bankruptcy Swap211 Dieses Absicherungsinstrument greift dann ein, wenn zwei Vertragspartner einen PlainVanilla-Swap eingehen. Befürchtet einer der beiden Vertragspartner die Zahlungsunfähigkeit des anderen, so schließt er mit einem Dritten eine Versicherung ab. Erfolgt keine Zahlung durch den Handelspartner, so zahlt der Dritte einen vorher festgelegten Betrag an die Partei, die sich gegen den Zahlungsausfall versichert hat. Dieser muss an den Dritten eine Versicherungsprämie zahlen. d) Organisatorisches Risikomanagement Die personelle Trennung der Überwachung der Kreditlimits ist sehr wichtig. Trader und Überwacher müssen zwei verschiedene Personen sein, sonst laufen die eingesetzten Maßnahmen ins Leere. [...]

Mit Hilfe von historischen Daten wird ein Portefeuille aufgebaut, das von ungefähren Mengenprognosen für die nächsten drei Jahre ausgeht. Diese Mengenprognosen können preisoptimal zerlegt werden. Dann werden optimale Kaufs- und Verkaufsregeln für die verschiedenen Großhandelsprodukte entwickelt. Dazu können Preisgleitklauseln angewandt werden, die besagen, kaufe immer, wenn der Preis im Vergleich zum Durchschnitt in den letzten 5 Tagen gefallen ist. Der Markt wird beobachtet, um gegebenenfalls zu kaufen oder zu verkaufen. Beschaffungskanäle sind im Portefeuillemanagement Händler, die Energiebörse oder sogenannte “Reverse-Auktion –Plattformen“. 208 Mithin wird ein Beschaffungsportefeuille für kundeneigene Großhandelsprojekte aufgebaut. Am letzten Tag vor dem Verbrauch erfolgt eine Nachoptimierung und Mengenanpassung über den börslichen oder außerbörslichen Handel. Diese Aktivitäten können an einen Dienstleister oder an einen Händler vergeben werden. Der Händler gerät dabei in einen Interessenkonflikt, da er um die eigene Marge zu erwirtschaften, genau das Gegenteil seinen Kunden rät, was er für sein eigenes Geschäft tut. Ein Berater muss unabhängig sein und keine Interessenkonflikte im eigenen operativen Geschäft mit dem Kunden haben. Zudem dürfen keine gesellschaftlichen Verflechtungen und Beteiligungen an großen Stromkonzernen bestehen. Der Dienstleister muss als ein unabhängiger Berater und Portefeuillemanager auftreten. In diesem Fall kann das Unternehmen im hochvolatilen Energiemarkt Preise und Risiken aktiv mitgestalten.209 [...]

Arbeit zitieren:
Velvendick, André August 2006: Risikosteuerung im Energieversorgungs-unternehmen und in der Industrie mit Hilfe von Derivaten und deren Berücksichtigung in der Vertragspraxis, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Energie, Energiemarkt, Optionsbewertung, EFET, Rahmenvertrag

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