Risikomanagement in Wertschöpfungsnetzwerken
Systematisierung und Bewertung von Flexibilität mit Hilfe der Realoptionstheorie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Markus Friese
- Abgabedatum: Juli 2002
- Umfang: 123 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6136-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6136-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6136-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Friese, Markus Juli 2002: Risikomanagement in Wertschöpfungsnetzwerken, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Logistsik, Supply Chain Management - SCM, Unsicherheit, Planung, Wandlungsfähigkeit
In den Warenkorb
48,00 €
Diplomarbeit von Markus Friese
Einleitung:
Im Hinblick auf eine nachhaltig erfolgreiche Unternehmensentwicklung ist die Steigerung des Unternehmenswertes Grundlage und Motivation jedes unternehmerischen Handelns. Mit unternehmerischen Aktivitäten eng verbunden sind durch Unsicherheit gekennzeichnete Entwicklungen des Unternehmensumfeldes, die einen signifikanten Einfluss auf den Erfolg der Aktivitäten und somit auf den Unternehmenswert ausüben. Dementsprechend müssen Unternehmen in der Lage sein, auf relevante Entwicklungen adäquat zu reagieren. Die optimale Positionierung des Unternehmens in einem unsicheren Marktumfeld ist Aufgabe des Risikomanagements. Dieses kann als strategischer Rahmen der organisatorischen und technischen Konfiguration der Unternehmensabläufe verstanden werden.
Heutige Märkte sind aufgrund des Trends zur Globalisierung durch eine hohe Dynamik, Komplexität und damit einhergehende Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen gekennzeichnet. Dieser Trend ist hauptsächlich auf die in den letzten Dekaden veränderten makroökonomischen Bedingungen und den rapiden technischen Fortschritt zurückzuführen. Das Ziel einer schnellen Anpassung des Unternehmens an Marktentwicklungen kann durch eine bewusste Flexibilisierung von Wertschöpfungsnetzwerken erreicht werden. Voraussetzung dafür ist die prozessorientierte Planung, Steuerung und Kontrolle von Material-, Informations- und Finanzströmen innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken. Dies ist Aufgabe des Supply Chain Managements. In der Planung und Gestaltung von Wertschöpfungsnetzwerken sehen sich Entscheidungsträger allerdings mit Problemen bei der Bestimmung des optimalen Flexibilitätsgrades konfrontiert. In diesem Kontext erscheint eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Konzept Flexibilität als integralem Bestandteil des unternehmerischen Risikomanagements notwendig.
Entscheidungen hinsichtlich der Gestaltung von Wertschöpfungsnetzwerken sind als Investitionsentscheidungen unter Unsicherheit zu verstehen. Investitionen in Flexibilität eröffnen dem Management zusätzliche Handlungsspielräume, zukünftige Entscheidungen an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Demzufolge wirkt die Flexibilisierung wertsteigernd. Der Wert dieser Handlungsspielräume ist abhängig vom zugrundeliegenden Risiko und muss in einer fundierten Bewertung berücksichtigt werden.
Bei dem hier betrachteten Bewertungsproblem weisen traditionelle, Unsicherheit berücksichtigende Investitionsrechenverfahren signifikante Schwächen auf. Insbesondere die Nichtberücksichtigung des Wertes von Handlungsspielräumen kann zu erheblichen Bewertungsfehlern führen.
Die Defizite traditioneller Bewertungsverfahren können durch Optionspreisverfahren ausgeglichen werden, da reale Investitionen aufgrund der geschaffenen Handlungsspielräume als Optionen betrachtet und analog zu Finanzoptionen bewertet werden können. Diese sogenannten Realoptionen sind definiert als die zukünftigen Handlungsspielräume und Investitionsmöglichkeiten eines Unternehmens in Verbindung mit der Fähigkeit des Managements, operative Entscheidungen an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Hierbei handelt es sich um strategische Unternehmensentscheidungen, da der operativen Managementebene die Flexibilität zur Verfügung gestellt wird, die eine langfristige, den Unternehmenswert maximierende Anpassung an Risiken ermöglicht. Trotz der evidenten Vorteilhaftigkeit der Realoptionstheorie hat sie bisher nur geringen Einzug in die Praxis gehalten.
Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit besteht darin, zu untersuchen, wie die Flexibilisierung von Wertschöpfungsnetzwerken im Sinne des unternehmerischen Risikomanagements eingesetzt werden kann und inwieweit die Realoptionstheorie hierfür eine praxisnahe und fundierte Entscheidungsgrundlage darstellt. Zudem soll die Entwicklung eines Vorgehensmodells zur Realoptionsanalyse Unternehmen die Anwendung der Realoptionstheorie erleichtern.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | VI | |
| Abkürzungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung | 1 |
| 1.2 | Vorgehen | 2 |
| 2. | Aktuelle Herausforderungen, Risiken und Strategien in Wertschöpfungsnetzwerken | 4 |
| 2.1 | Aktuelle Herausforderungen | 5 |
| 2.1.1 | Definition von Unsicherheit – Abgrenzung von Risiko und Exposure | 5 |
| 2.1.2 | Systematisierung relevanter Risiken | 8 |
| 2.2 | Basis-Strategien um den Herausforderungen zu begegnen | 13 |
| 2.2.1 | Beeinflussungsstrategie | 13 |
| 2.2.2 | Unternehmensanpassungsstrategien | 14 |
| 2.2.2.1 | Antizipative Strategie | 14 |
| 2.2.2.2 | Reaktive Strategie | 15 |
| 2.3 | Mass Customization Strategie als integrierender Ansatz | 17 |
| 2.3.1 | Einführung in die Mass Customization Strategie | 17 |
| 2.3.2 | Potenziale und Kosten | 20 |
| 2.3.2.1 | Steigerung des Umsatzpotenzials | 20 |
| 2.3.2.2 | Verbesserung der Kostenposition | 21 |
| 2.3.2.3 | Zusatzkosten | 22 |
| 2.3.3 | Instrumente der Mass Customization Strategie | 22 |
| 2.3.3.1 | Modulares Produktdesign | 23 |
| 2.3.3.2 | Modulares Prozessdesign | 23 |
| 2.3.3.3 | Übergreifende Prozess-Steuerung und Flexible Systeme | 24 |
| 2.4 | Auswirkungen auf die Gestaltung von Wertschöpfungsnetzwerken | 25 |
| 2.4.1 | Wertschöpfungsnetzwerke | 25 |
| 2.4.2 | Einführung in das SCM Konzept | 26 |
| 2.4.3 | Verschiebung der Prioritäten im SCM | 28 |
| 2.5 | Zusammenfassende Darstellung des Kapitels | 31 |
| 3. | Risikomanagement durch Flexibilisierung logistischer Systeme | 33 |
| 3.1 | Theoretische Grundlagen des Risikomanagements | 33 |
| 3.1.1 | Exposure-Arten | 34 |
| 3.1.2 | Finanzielles Hedging zur Exposure-Reduktion | 36 |
| 3.1.3 | Finanzielles Hedging zur Exposure-Flexibilisierung | 38 |
| 3.1.4 | Operatives Hedging zur Exposure-Flexibilisierung | 38 |
| 3.2 | Flexibilität als Erfolgsfaktor bei der Gestaltung von Wertschöpfungsnetzwerken | 41 |
| 3.2.1 | Begriffserklärung und Definition von Flexibilität in Wertschöpfungsnetzwerken | 42 |
| 3.2.2 | Systematisierung unterschiedlicher Flexibilitätsarten | 43 |
| 3.2.3 | Entwicklung einer risikobezogenen Flexibilitätskennzahl | 48 |
| 3.2.4 | Gestaltungsprinzipien zur Flexibilisierung von Wertschöpfungsnetzwerken | 49 |
| 3.2.4.1 | Postponement | 49 |
| 3.2.4.2 | Modularisierung der Produkte und Prozesse | 53 |
| 3.2.4.3 | Flexibilitätssteigerung durch Prozessbeschleunigung | 57 |
| 3.2.5 | Problematik der Bestimmung des optimalen Flexibilitätsgrades | 60 |
| 3.2.5.1 | Zusatzkosten | 60 |
| 3.2.5.2 | Kostensenkungspotenziale | 62 |
| 3.2.5.3 | Servicesteigerung | 63 |
| 3.3 | Zusammenfassende Darstellung des Kapitels | 65 |
| 4. | Bewertung von Flexibilität mit Realoptionen | 66 |
| 4.1 | Investitionsbewertung mit der Kapitalwertmethode | 67 |
| 4.1.1 | Bestimmung des risikoadjustierten Zinssatzes | 68 |
| 4.1.2 | Kritik an der Kapitalwertmethode | 69 |
| 4.2 | Entscheidungsunterstützende Verfahren | 71 |
| 4.2.1 | Entscheidungsbaumanalyse | 71 |
| 4.2.2 | Sensitivitätsanalysen | 72 |
| 4.2.3 | Simulation | 73 |
| 4.2.4 | Traditionelle Bewertungsverfahren vs. Optionspreisverfahren | 74 |
| 4.3 | Realoptionen | 76 |
| 4.3.1 | Einführung in die Optionstheorie | 76 |
| 4.3.2 | Analogie zwischen Finanz- und Realoptionen | 79 |
| 4.3.3 | Determinanten des Optionswertes | 81 |
| 4.3.4 | Bewertungsansätze | 84 |
| 4.3.4.1 | Arbitragefreiheit und risikoneutrale Bewertung | 85 |
| 4.3.4.2 | Optionspreisverfahren | 88 |
| 4.3.5 | Typen von Realoptionen | 95 |
| 4.3.5.1 | Übertragung auf die Gestaltung von Wertschöpfungsnetzwerken | 98 |
| 4.3.6 | Limitation der Theorie | 100 |
| 4.4 | Zusammenfassung der Ergebnisse in einem Vorgehensmodell zur Realoptionsanalyse | 102 |
| 5. | Zusammenfassung und Ausblick | 104 |
| Literaturverzeichnis | 108 |
OPP 1: Die in der Praxis weit verbreitete Lieferung aus dem Auslieferungslager stellt dabei die Supply Chain mit dem geringsten Anteil reaktiver Prozesse dar. Die Kundenaufträge werden über regionale Auslieferungslager erfüllt, die die letzte Stufe eines mehrstufigen Distributionssystems bilden. Die in diesem Fall gewährleistete geringe Lieferzeit wird mit hohen Beständen auf jeder Distributionsstufe erkauft. OPP 2: Ziel der zentralen Lagerhaltung ist es, diese Bestände zu verringern. Dabei erfolgt eine Länderspezifikation und die anschließende Lieferung aus dem Zentrallager erst, wenn gesicherte Informationen über die Nachfrage vorliegen.166 Fehlallokationen einer frühzeitigen Verteilung auf nationale und regionale Lager in Folge unerwarteter Nachfrageentwicklungen werden vermieden. Zudem kann von sich ausgleichenden regionalen Nachfrageschwankungen profitiert werden, so dass die verringerte Unsicherheit zu weiter reduzierten Sicherheitsbeständen führt. [...]
gungen abdeckt. Der Flexibilitätsgrad F hat dann den Wert 1, da die Grundgesamtheit durch die sechsfache Standardabweichung festgelegt ist. Die eingeführte dimensionslose Flexibilitätskennzahl berücksichtigt die geforderte Zielorientierung bei der Festlegung der Systemanforderungen und kann dem Vergleich unterschiedlicher Flexibilitäten dienen. Zudem ist die Dimension Zeit ebenfalls in diese Kennzahl integriert, da die Standardabweichung abhängig vom Betrachtungshorizont, d.h. von der zeitlichen Differenz zwischen dem betrachteten und dem letzten vollständig determinierten Zeitpunkt, ist. Die Festlegung des zu betrachtenden Zeitpunktes erfolgt über die vom Umfeld geforderte Reaktionszeit. Dabei kann es sich bspw. um die von den Kunden geforderte Lieferzeit handeln. Die Berücksichtigung der Flexibilitätsdimension Wirtschaftlichkeit erfolgt separat in Abschnitt 3.2.5, da sie unmittelbar von der Ausgestaltung des betrachteten Systems abhängt. Die flexible Gestaltung von Supply Chains wird deshalb im folgenden Abschnitt erörtert. [...]
Die Flexibilitätskennzahl basiert auf der Bandbreite der Merkmalsausprägungen, an die sich das System anpassen kann – dem Handlungsspielraum H – und der mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auftretenden Grundgesamtheit G der Merkmalsausprägungen bzw. Nachfrageentwicklungen. Der eingeführte Flexibilitätsgrad F ist messbar als Quotient aus dem Handlungsspielraum H und der Grundgesamtheit G. Die Festlegung des die Grundgesamtheit determinierenden Wahrscheinlichkeitsniveaus orientiert sich an dem im Qualitätsmanagement bewährten Konzept Six Sigma. Dieses Konzept stellt eine systematische und ergebnisorientierte Methodik dar, die zur Leistungsverbesserung von Systemen und Prozessen entwickelt wurde.157 Mit Six Sigma, der sechsfachen Standardabweichung, wird dem Qualitätsmanagement vorgegeben, dass 99,73 % der Messdaten innerhalb eines gegebenen Toleranzbereiches liegen müssen. Auf den Flexibilitätsgrad F übertragen bedeutet dies, dass vollständige Flexibilität erreicht ist, wenn der Handlungsspielraum eines Systems alle mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,73 % auftretenden Merkmalsausprä- [...]
In den Warenkorb
48,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832461362
Arbeit zitieren:
Friese, Markus Juli 2002: Risikomanagement in Wertschöpfungsnetzwerken, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Logistsik, Supply Chain Management - SCM, Unsicherheit, Planung, Wandlungsfähigkeit



