Risikomanagement im Rahmen von innovativen Geschäftsmodellen zur Vermarktung von industriellen Dienstleistungen
Eine systematische Darstellung möglicher Risiken und Möglichkeiten der Risikominimierung durch den Anbieter
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefan Schriefer
- Abgabedatum: Juni 2005
- Umfang: 58 Seiten
- Dateigröße: 537,5 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8926-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8926-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8926-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schriefer, Stefan Juni 2005: Risikomanagement im Rahmen von innovativen Geschäftsmodellen zur Vermarktung von industriellen Dienstleistungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Betreibermodell, Performance Contracting, Leistungsbündel, Maschinen- und Anlagenbau, Pay on Production
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Diplomarbeit von Stefan Schriefer
Problemstellung:
Bereits Ende der 1960er Jahre bemerkte Theodore LEVITT treffend: „People don´t buy products; they buy the expectation of benefits“. Dieser Grundgedanke gewinnt heutzutage angesichts der Verschärfung der Wettbewerbsdynamik auf industriellen Märkten an Aktualität. Vielfach beziehen sich Kundenwünsche nicht mehr auf ein Produkt, sondern auf dessen funktionalen Nutzen. Industriegüterhersteller, die ihre Kernaufgabe lange Zeit lediglich im Verkauf ihrer produzierten Sachgüter gesehen haben, begegnen diesem veränderten Verhalten oftmals durch eine Umgestaltung ihres Geschäftsmodells.
In den Mittelpunkt rücken Dienstleistungsangebote, die ihren Abnehmern einen Mehrwert bieten sollen. Erst die Verschmelzung von Sach- und Dienstleistungen zu ganzheitlichen Problemlösungen erlaubt die Realisierung eines maximalen Kundennutzens. Diese Entwicklung ist eng mit einem umfassenden Strukturwandel in der Wertschöpfungskette verbunden. Vor allem Großunternehmen konzentrieren sich zunehmend auf ihr Kerngeschäft, um sich den gewandelten Marktbedingungen flexibler anpassen zu können. Industriegüterherstellern bietet dies eine Chance zur Erschließung neuer Dienstleistungs- und Wertschöpfungspotenziale.
Gleichzeitig dürfen die mit einem Einstieg in ein dienstleistungsorientiertes Geschäftsmodell verbundenen Anforderungen nicht vernachlässigt werden. Der Hersteller muss in diesem Fall zusätzliche Ressourcen bereitstellen und bisher vom Nachfrager getragene Risiken übernehmen. Oftmals ist das Scheitern dieser neuartigen Geschäftsmodelle auf eine unzureichende Risikoanalyse zurückzuführen. Folglich kommt der systematischen Auseinandersetzung mit Risiken zentrale Bedeutung zu, da sie maßgeblich zum Erfolg derartiger Geschäftsmodelle beiträgt. Ungeachtet dieser Entwicklungen hat die Forschung im Bereich des Industriegütermarketing die Risiken innovativer Geschäftsmodelle bislang kaum thematisiert.
Gang der Untersuchung:
Diese Arbeit soll der Frage nachgehen, welchen Risiken ein Industriegüterhersteller ausgesetzt ist, wenn er von einem traditionellen zu einem innovativen Geschäftsmodell übergeht. Schwerpunktmäßig sollen dabei Dienstleistungen auf ihre Risiken hin untersucht werden, die charakteristisch für innovative Geschäftsmodelle sind. Darüber hinaus sollen systematisch Möglichkeiten und Grenzen von Maßnahmen zur Bewältigung identifizierter Risiken aufgezeigt werden. Um die Analyse nicht unnötig zu erschweren, erfolgt die Untersuchung aus dem Blickwinkel eines einzelnen Herstellers. Zudem wird eine Fokussierung auf den Maschinen- und Anlagenbau vorgenommen, da dieser Branche große Umsatzsteigerungen bei der Erschließung des Dienstleistungsmarktes prognostiziert werden.
Um die Risiken von dienstleistungsorientierten Geschäftsmodellen analysieren zu können, sind vorab industrielle Dienstleistungen sowie die damit verwandten Geschäftsmodelle eindeutig zu beschreiben. Hierfür werden im zweiten Kapitel industrielle Dienstleistungen charakterisiert. Ausgehend von der Klärung der begrifflichen Grundlagen erfolgt eine Einteilung in Klassen, die mithilfe eines Phasenschemas systematisiert werden. Nachfolgend wird ein einheitliches Verständnis von innovativen Geschäftsmodellen geschaffen, indem sie definiert und die Rahmenbedingungen ihrer Entstehung dargestellt werden. Darauf aufbauend wird ein Modell als Bezugsrahmen zur Strukturierung der weiteren Vorgehensweise entwickelt.
Den Hauptteil dieser Arbeit bildet das dritte Kapitel, in dem zunächst eine begriffliche und charakterisierende Kennzeichnung des Risikomanagements erfolgt. Anhand des hergeleiteten Modells werden die einzelnen Prozessschritte des Risikomanagements im Kontext von innovativen Geschäftsmodellen im Maschinen- und Anlagenbau diskutiert. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt hierbei auf den Phasen der Identifikation und der Steuerung von möglichen Risiken. Das vierte Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt einen kurzen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf auf diesem Gebiet.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | Das Management von Risiken als Herausforderung für Anbieter innovativer Geschäftsmodelle auf Industriegütermärkten | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung und Gang der Untersuchung | 2 |
| 2. | Innovative Geschäftsmodelle zur Vermarktung von industriellen Dienstleistungen | 3 |
| 2.1 | Charakterisierung von industriellen Dienstleistungen | 3 |
| 2.1.1 | Begriff der Dienstleistung und der industriellen Dienstleistung | 3 |
| 2.1.2 | Systematisierung des Spektrums industrieller Dienstleistungen | 5 |
| 2.1.2.1 | Entwicklung einer phasenorientierten Systematisierung | 5 |
| 2.1.2.2 | Dienstleistungsklassen in der Kontaktphase | 6 |
| 2.1.2.3 | Dienstleistungsklassen in der Integrationsphase | 8 |
| 2.1.2.4 | Dienstleistungsklassen in der Nutzungsphase | 8 |
| 2.2 | Charakterisierung von innovativen Geschäftsmodellen auf Industriegütermärkten | 11 |
| 2.2.1 | Innovative Geschäftsmodelle als Untersuchungsgegenstand | 11 |
| 2.2.2 | Innovative Geschäftsmodelle als Handlungsoption hinsichtlich des gestiegenen Stellenwertes industrieller Dienstleistungen | 12 |
| 2.2.3 | Herleitung eines Stufenmodells zur Analyse von Ausprägungen innovativer Geschäftsmodelle | 15 |
| 3. | Prozess des Risikomanagements im Rahmen von innovativen Geschäftsmodellen unter besonderer Berücksichtigung der Identifikation und der Minimierung von Risiken | 18 |
| 3.1 | Begriffsbestimmungen und Spezifikation der Untersuchungsschwerpunkte im Kontext des Risikomanagements | 18 |
| 3.1.1 | Begriff des Risikos | 18 |
| 3.1.2 | Begriff des Risikomanagements | 19 |
| 3.1.3 | Entwicklung einer Systematisierung zur Abgrenzung der betrachteten Risiken | 19 |
| 3.2 | Prozess des Risikomanagements | 22 |
| 3.2.1 | Identifikation von Risiken | 22 |
| 3.2.1.1 | Grundlagen | 22 |
| 3.2.1.2 | Risiken in der Klasse Finanzierung | 23 |
| 3.2.1.3 | Risiken in der Klasse Erhaltung | 26 |
| 3.2.1.4 | Risiken in der Klasse Betreiben | 28 |
| 3.2.2 | Bewertung von Risiken | 29 |
| 3.2.3 | Risikosteuerung: Möglichkeiten der Risikominimierung | 31 |
| 3.2.3.1 | Grundlagen | 31 |
| 3.2.3.2 | Maßnahmen in der Klasse Finanzierung | 32 |
| 3.2.3.3 | Maßnahmen in der Klasse Erhaltung | 35 |
| 3.2.3.4 | Maßnahmen in der Klasse Betreiben | 39 |
| 3.2.4 | Kontrolle von Risiken | 42 |
| 4. | Zusammenfassung und Ausblick | 43 |
| Literaturverzeichnis | 45 |
24 der zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig wird.109 Dies hat zur Konsequenz, dass die Raten des Mieters nicht fristgerecht oder unvollständig entrichtet werden. Dem Hersteller verbleibt lediglich die Möglichkeit, die Forderungen auf gerichtlichem Weg einzutreiben und ggf. das Objekt auf einem Sekundärmarkt zu verwerten.110 Im Vergleich zum Finanzierungs-Leasing ist dieses Risiko beim OperatingLeasing und bei kurzfristigen Mietverträgen zu vernachlässigen, da ein verhältnismäßig geringer Teil des Mitteleinsatzes betroffen ist.111 Mittelständische Hersteller des Maschinen- und Anlagenbaus verfügen häufig über eine begrenzte Eigenkapitalausstattung, weshalb sie auf eine Refinanzierung auf Geld- und Kapitalmärkten angewiesen sind. Hieraus kann sich das Zinsänderungsrisiko ergeben, da die Entwicklung des Marktzinses nicht absehbar ist und während der Grundmietzeit i.d.R. keine Anpassungen der laufenden Zahlungen möglich sind. Dies führt zur Gefahr eines finanziellen Nachteils aus einer negativen Differenz zwischen dem Soll- und dem Habenzinssatz.112 Das Restwertrisiko und das Eigentumsrisiko sind Risiken, die typischerweise bei Instrumenten zur temporären Nutzung des Eigentums auftreten. Der Vertrag kann derart gestaltet werden, dass der Hersteller für die Verwertung des Industriegutes nach Ablauf der Mietzeit verantwortlich ist. Hierbei werden die zu entrichtenden Raten auf Basis des Preises kalkuliert, den der Hersteller voraussichtlich für das Objekt am Ende der Vertragsdauer erzielen kann. In diesem Fall übernimmt er das Restwertrisiko, welches darin besteht, dass der zukünftige Marktpreis des Industriegutes nach Ablauf der Vertragslaufzeit unter dem prognostizierten und vertraglich angesetzten Restwert liegt.113 Das Restwertrisiko tritt allerdings nur bei Operating-Leasing und Vermietung auf, die nicht auf eine Vollamortisation für den Hersteller ausgelegt sind. Im Fall des Finanzierungs-Leasing ist das Leasingobjekt i.d.R. zum Zeitpunkt des Vertragsendes vollständig amortisiert, sodass hier lediglich eine Verwertungschance, nicht jedoch ein Risiko vorliegt.114 Die Einflussfaktoren auf den Wert des Investitionsobjektes nach Ablauf der Grundmiet- [...]
22 3.2 Prozess des Risikomanagements 3.2.1 Identifikation von Risiken 3.2.1.1 Grundlagen Der erste Schritt des Risikomanagement-Prozesses ist die Risikoidentifikation. Sie beschreibt die bewusste Suche nach Risiken und hat das Ziel, unternehmensinterne und -externe Risiken möglichst detailliert zu erfassen. Dieser Arbeitsschritt ist von hoher Bedeutung, weil sich eine mangelhafte Risikoidentifikation negativ auf sämtliche nachfolgende Prozessschritte auswirkt.98 Die Identifikation wird durch eine Vielzahl von Analyse- und Prognoseinstrumenten unterstützt.99 Im Rahmen der Analyseinstrumente können z.B. Betriebsinspektionen und Befragungen durchgeführt oder Checklisten angewendet werden.100 Ferner bietet sich der Einsatz von Flussdiagrammen oder Input-Output-Analysen an, mit deren Hilfe bestehende Schwachstellen und Abhängigkeiten erkannt werden können.101 Prognoseinstrumente können auf subjektiven Schätzungen oder formalen Modellen beruhen und haben die Identifikation von zukünftigen Risiken zur Aufgabe.102 Als problematisch erscheint in diesem Zusammenhang die Unsicherheit hinsichtlich der Vollständigkeit der Risikoerfassung, da die Risikoursachen sehr vielfältig sind und häufig in unvermuteten Bereichen auftreten.103 Aus diesem Grund sollten die aufgeführten Instrumente unter Berücksichtigung des Wirtschaftlichkeitspostulates möglichst kombiniert eingesetzt werden. Neben den Instrumenten zur Erfassung der Risiken sind die Kenntnisse und Erfahrungen der Mitarbeiter relevant. Um eine möglichst vollständige Risikoidentifikation zu gewährleisten, sollte immer die Verbindung von funktions- und fachspezifischem Wissen angestrebt werden. Hierzu ist eine effiziente Zusammenarbeit von Risikomanagement-Verantwortlichen und Fachbereichsangehörigen notwendig.104 [...]
21 den.95 Unter Risiken der außerwirtschaftlichen Sphäre werden Schäden aus Naturereignissen, gesetzlichen und politischen Veränderungen verstanden. Die Risiken der wirtschaftlichen Sphäre lassen sich auf den zwischenbetrieblichen (Erfüllungs- oder Kreditrisiken) oder den innerbetrieblichen Verkehr (Misslingen der Erzeugung oder Betriebsdiebstahl) zurückführen. Hier sollen nur die Risiken der wirtschaftlichen Sphäre betrachtet werden, da die Risiken der außerwirtschaftlichen Sphäre ein grundlegendes, bereits bei traditionellen Geschäftsmodellen auftretendes Gefahrenpotenzial darstellen. Weiterhin kann zwischen sachbezogenen und personenbezogenen Risiken differenziert werden. Während sich sachbezogene Risiken auf Schäden an produktivem Anlage- und Umlaufvermögen (Gebäude, Maschinen oder betriebliche Vorräte) beziehen, umfassen personenbezogene Risiken sämtliche Schäden an leitenden und ausführenden Mitarbeitern.96 Auf letztere Kategorie soll nicht weiter eingegangen werden. Allerdings werden Verhaltensrisiken berücksichtigt, die sich aus der Ungleichverteilung von Informationen zwischen den Marktparteien ergeben. Um eine weitere Spezifizierung der Schwerpunkte dieser Arbeit vornehmen zu können, muss an dieser Stelle auf die zu betrachtenden Dienstleistungsklassen zurückgegriffen werden. Die Trennung zwischen finanzwirtschaftlichen und leistungswirtschaftlichen Risiken wird in Abhängigkeit der jeweiligen Klasse deutlich. Während im Rahmen der Klasse Finanzierung ausschließlich Risiken der Finanzsphäre im Fokus stehen, werden in den Klassen Erhaltung und Betreiben vornehmlich Risiken im Leistungsprozess des Unternehmens diskutiert. In funktionaler Hinsicht ergeben sich Risiken im Zusammenhang mit dienstleistungsorientierten Geschäftsmodellen insb. in den Bereichen der Produktion und des Absatzes.97 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832489267
Arbeit zitieren:
Schriefer, Stefan Juni 2005: Risikomanagement im Rahmen von innovativen Geschäftsmodellen zur Vermarktung von industriellen Dienstleistungen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Betreibermodell, Performance Contracting, Leistungsbündel, Maschinen- und Anlagenbau, Pay on Production



