Das Risikomanagement als Methode zur Früherkennung einer Lieferanteninsolvenz
Systematisierungsvorschlag und empirische Untersuchung im deutschen Mittelstand
- Art: MA-Thesis / Master
- Autor: Christian Mannke
- Abgabedatum: September 2010
- Umfang: 114 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Donau-Universität Krems Österreich
- Bibliografie: ca. 110
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0574-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mannke, Christian September 2010: Das Risikomanagement als Methode zur Früherkennung einer Lieferanteninsolvenz, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Supply Chain Management, Wertschöpfungsquote, Beschaffung, Risikosteuerung, Make-or-Buy-Entscheidung
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MA-Thesis / Master von Christian Mannke
Einleitung:
Durch die Folgen der Finanzkrise und der dadurch ausgelösten Wirtschaftskrise waren in der jüngsten Vergangenheit massive Umbrüche in der deutschen Wirtschaft erkennbar, in deren Verlauf zahlreiche Unternehmen Insolvenz anmelden mussten. Viele Experten sprechen davon, dass vorläufig nur die Spitze des Eisberges zu sehen und mit weiteren Zusammenbrüchen von Unternehmen zu rechnen ist.
Dem gegenüber steht die Abhängigkeit der Unternehmen zu ihren Lieferanten, die sich über die Jahre stark verändert hat, sodass in vielen Branchen bereits der Großteil der gesamten Wertschöpfung durch die Lieferanten geleistet wird. Unternehmen haben sich mehr und mehr auf ihre Kernkompetenzen spezialisiert und sich von nicht darunter fallenden Funktionen und Tätigkeiten konsequent getrennt, um vermeintlich ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Gleichzeitig haben die Unsicherheiten in den immer globaler und komplexer werdenden Lieferketten zugenommen. Zahlreiche Unternehmen haben durch unvorhersehbare Geschehnisse, wie zum Beispiel Naturereignisse oder Lieferantenausfälle, einen signifikanten finanziellen Schaden erlitten oder sind durch derartige Ereignisse in die Insolvenz getrieben worden. Dies hat dazu geführt, dass die Unternehmen zwischenzeitlich erkannt haben, dass ein systematisches Erfassen und Bewerten von Risiken innerhalb der Lieferkette, zu einem nachhaltigen und wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil führen kann.
Während die Anwendung eines Risikomanagementsystems in vielen Unternehmen gelebte Praxis ist, zeigen sich insbesondere in der Anwendbarkeit bzw. Beherrschbarkeit für Risiken innerhalb der Lieferkette erhebliche Defizite, was sich negativ auf den gewünschten Effekt auswirkt.
Stand der Forschung:
Im Kontext des Risikomanagements- bzw. prozesses wird oftmals davon gesprochen, sowohl interne wie auch externe Einflussfaktoren mit zu berücksichtigen. Trotz alledem findet sich nur wenig Literatur über Risiken zu unternehmensübergreifenden Kooperationen, wie sie in stark vernetzen Lieferketten zu finden sind. Die gesetzlichen Vorschriften (z.B. KonTraG) können dieses Manko ebenfalls nicht ausgleichen, da hinsichtlich ihrer Forderungen, keine Vorgaben zur Ausgestaltung von solchen unternehmensübergreifenden Kooperationen gemacht werden. Im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Literaturrecherche konnten keine Publikationen identifiziert werden, die sich explizit mit einer systematischen und umfassenden Methodik zur Früherkennung einer Lieferanteninsolvenz auseinandersetzen. Die recherchierten Publikationen beschreiben zum einen Modelle zur Finanzanalyse eines Lieferanten oder stellen zum anderen Insolvenzursachen dar, die ebenfalls aufgrund von Finanzanalysen begründet sind. Demnach erfolgt hier eine einseitige Beurteilung ausschließlich aufgrund von quantitativen Merkmalen, wie zum Beispiel Kennzahlen und Trendberechnungen. Weitere Frühindikatoren, die wertvolle Informationen über den Zustand eines Lieferanten liefern und die auf qualitativen Merkmalen basieren, bleiben jedoch im Gesamtkontext unberücksichtigt, sodass hier ein Bedarf zur Schließung dieser Lücke gesehen wird.
MODER beschäftigt sich in seiner Dissertation mit Frühwarnsystemen, die Methoden und Indikatoren zur Früherkennung von Lieferantenrisiken beschreiben und liefert somit eines der wenigen Werke, die zu diesem Thema einen umfassenden und methodenorientierten Ansatz bieten. Einen Bezug oder gar Maßnahmen zur Früherkennung einer Lieferanteninsolvenz liefert dieses Werk jedoch nicht.
In Anbetracht der sinkenden Wertschöpfungstiefe der Unternehmen und somit steigender Abhängigkeit zu den Lieferanten, stellt das Identifizieren von potentiell insolvenzgefährdeten Lieferanten und die Implementierung von entsprechenden Handlungsweisen eine überlebensnotwendige Strategie dar. Trotz dieses Gefährdungspotentials lässt sich feststellen, dass ein umfassendes Risikomanagement im Einkauf oder in der Beschaffung der Unternehmen noch die Ausnahme ist, wie eine Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman konstatiert.
Oliver Wyman gibt in seiner Studie ‘Risikomanagement im Einkauf’ an, dass es den Unternehmen an der notwendigen Transparenz im Risikoprofil ihrer Zulieferer sowie an entsprechenden Notfallplänen fehlen würde.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird in den nachfolgenden Abschnitten an den entsprechenden Stellen noch im Einzelnen auf wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Risikomanagement spezieller eingegangen.
Forschungsziel und Hypothese:
Die in Abschnitt 5 im Zuge dieser Arbeit durchgeführte und beschriebene empirische Untersuchung knüpft an die Studienresultate von Oliver Wyman an und soll einen Praxisstand über das Risikomanagement aufzeigen. Darüber hinaus wird insbesondere auf das spezielle Risiko einer Lieferanteninsolvenz eingegangen. Darauf bezogen soll diese Arbeit einen Beitrag liefern und im Sinne eines Systematisierungsvorschlages eine Methode zur frühzeitigen Erkennung einer Lieferanteninsolvenz beschreiben.
Auf dieser Basis wird das Forschungsziel wie folgt formuliert:
Diese Arbeit soll einen Systematisierungsvorschlag zur frühzeitigen Erkennung einer Lieferanteninsolvenz definieren, um einen Beitrag zur Optimierung der unternehmerischen Risikosituation zu leisten.
An dieses Forschungsziel schließen sich auf der Grundlage der oben thematisierten Problemstellung und des Forschungsstandes im Einzelnen noch die nachfolgenden Hypothesen an, die im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden sollen:
- Die Unternehmen sind sich der Risikosituation nicht bewusst und betreiben ein nur unzureichendes Risikomanagement; - Die Unternehmen verfügen über keine ausreichende und umfassende Methodik zur Früherkennung einer Lieferanteninsolvenz; - Die Unternehmen sind mit ihrem Risikomanagement unzufrieden und erkennen Defizite in der Effektivität.
Zur Beantwortung der drei Hypothesen wird ein multimethodischer Ansatz aus Theorie, Praxisbeispielen und Empirie verfolgt, welcher nachfolgend genauer beschrieben wird.
Vorgehensweise und Methodik:
Mit Abschnitt 1 wird die Einleitung zu diesem Thema geschaffen. Der Abschnitt gibt Auskunft über die Problemstellung und den Stand der Forschung. Ferner wird das Forschungsziel und die daraus resultierenden Hypothesen formuliert.
Aus dem Abschnitt 2 ergeben sich wichtige Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung und dem Umfeld in denen die Unternehmen mit zunehmenden Schwierigkeiten agieren müssen. Zusätzlich wird darauf eingegangen, wie sich das Bedrohungspotential hinsichtlich einer Zunahme von Unternehmensinsolvenzen verändert hat und welchen Abhängigkeiten die Unternehmen gegenüber ihren Lieferanten ausgesetzt sind.
Im Abschnitt 3 wird zum einen ein grundlegender Überblick auf das Risikomanagement im Allgemeinen und zum anderen in Bezug auf die Beschaffungsfunktion gegeben. Es werden die bekannten und klassischen Methoden des Risikomanagementprozesses beschrieben und deren Anwendbarkeit zur Früherkennung einer Lieferanteninsolvenz hinterfragt. Darüber hinaus werden neue Ansätze gebildet, die anschließend in Abschnitt 4 in Bezug zum Thema gesetzt werden.
Der Abschnitt 4 bildet den zentralen Bereich dieser Arbeit. Im Sinne eines Systematisierungsvorschlages wird eine Methode zur frühzeitigen Erkennung einer Lieferanteninsolvenz erarbeitet. Dabei muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass die in dieser Arbeit beschriebenen Methoden nur als Orientierung und Anregung für die Unternehmenspraxis verstanden werden können. Die weitere Anwendung ist insofern unternehmensindividuell zu konkretisieren. Alle Kernelemente dieses Systematisierungsvorschlages werden aus den Methoden des Risikomanagements gezogen, wobei neben den quantitativen stark auf die Integration von qualitativen Bewertungsmethoden eingegangen wird. Mit diesem Themenbezug und in dieser Kombination wird ein derartiger und gesamtheitlicher Bewertungsansatz zum ersten Mal thematisiert und wissenschaftlich dargestellt.
Abschnitts 5 stellt die Ergebnisse der empirischen Untersuchung dar und vermittelt so einen Stand zum Risikomanagement innerhalb der befragten Unternehmen. An dieser Stelle werden die Risikolage der Unternehmen sowie die Defizite im Risikomanagement aufgezeigt.
Im Abschnitt 6 wird dargestellt, in wie weit das Forschungsziel erreicht wurde und die in Abschnitt 1 gestellten Hypothesen beantwortet. Darüber hinaus folgt ein Ausblick für weitere Anwendungsbereiche dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| Danksagungen / Widmungen | III | |
| Abstract | IV | |
| Inhaltsverzeichnis | VI | |
| Abbildungsverzeichnis | IX | |
| Tabellenverzeichnis | X | |
| Abkürzungsverzeichnis | XI | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Stand der Forschung | 1 |
| 1.3 | Forschungsziel und Hypothese | 2 |
| 1.4 | Vorgehensweise und Methodik | 3 |
| 1.5 | Inhaltliche Abgrenzung | 4 |
| 1.6 | Begriffserklärung und Definition | 5 |
| 2. | Das wirtschaftliche Umfeld | 6 |
| 2.1 | Die konjunkturelle Entwicklung | 6 |
| 2.2 | Zukunftsaussichten | 6 |
| 2.3 | Die Folgen der Wirtschaftskrise | 8 |
| 2.3.1 | Die Auswirkungen für den Arbeitsmarkt | 8 |
| 2.3.2 | Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen | 8 |
| 2.3.3 | Die Insolvenzgefahr steigt | 9 |
| 2.4 | Veränderung der Wertschöpfungsquote | 11 |
| 2.4.1 | Entwicklungsverlauf der Verlagerung | 11 |
| 2.4.2 | Gründe für eine ‘Make-or-Buy-Entscheidung’ | 12 |
| 2.4.3 | Abhängigkeit | 15 |
| 2.4.4 | Zusammenfassung | 15 |
| 3. | Das Risikomanagementsystem | 16 |
| 3.1 | Grundlagen des Risikomanagements | 16 |
| 3.1.1 | Einleitung und Geschichte | 16 |
| 3.1.2 | Begriffsdefinition | 17 |
| 3.1.3 | Risikomanagement als strategisches Instrumentarium | 17 |
| 3.1.4 | Zielsetzung und Herausforderung | 18 |
| 3.1.5 | Rechtliche Grundlagen | 20 |
| 3.1.6 | Veränderte Risikolage | 21 |
| 3.1.7 | Zusammenfassung | 23 |
| 3.2 | Anforderungen für ein Risikomanagement | 23 |
| 3.2.1 | Organisatorische Eingliederung und Unternehmensziele | 23 |
| 3.2.2 | Risikowahrnehmung | 25 |
| 3.2.3 | Risikokultur und -stil | 26 |
| 3.3 | Der Risikomanagementprozess | 27 |
| 3.3.1 | Einführung | 27 |
| 3.3.2 | Identifikation von Risiken | 28 |
| 3.3.3 | Analyse und Bewertung von Risiken | 29 |
| 3.3.4 | Steuerung von Risiken | 33 |
| 3.3.5 | Überwachung und Kommunikation von Risiken | 34 |
| 3.4 | Risikomanagementsystem in deutschen Unternehmen | 35 |
| 3.5 | Zusammenfassung zum Risikomanagementsystem | 37 |
| 3.6 | Risikomanagement in der Beschaffung | 38 |
| 3.6.1 | Einleitung und Problemstellung | 38 |
| 3.6.2 | Die Beschaffung als Bestandteil des Supply Chain Managements | 39 |
| 3.6.3 | Begrifflichkeiten und Zielsetzung aus dem Supply Chain Management | 39 |
| 3.6.4 | Risikoursachen | 41 |
| 4. | Vorgehensweise zur frühzeitigen Erkennung einer Lieferanteninsolvenz | 42 |
| 4.1 | Einleitung, Abgrenzung und Vorgehensweise | 42 |
| 4.2 | Risikoidentifikation | 43 |
| 4.3 | Risikobewertung | 47 |
| 4.3.1 | Schadensausmaß | 47 |
| 4.3.2 | Eintrittswahrscheinlichkeit | 49 |
| 4.4 | Risikosteuerung | 58 |
| 4.4.1 | Darstellung der Handlungsalternativen | 58 |
| 4.4.2 | Wirksamkeit der Handlungsalternativen | 64 |
| 4.5 | Risikoüberwachung und -kommunikation | 64 |
| 4.6 | Zusammenfassung | 66 |
| 5. | Empirische Untersuchung zur Früherkennung einer Lieferanteninsolvenz | 67 |
| 5.1 | Einleitung und Zielsetzung | 67 |
| 5.2 | Ablauf der empirischen Untersuchung | 67 |
| 5.3 | Ergebnisse der empirischen Untersuchung | 69 |
| 5.3.1 | Allgemeine Struktur der Unternehmen | 69 |
| 5.3.2 | Anwendung eines Risikomanagementsystems im Unternehmen | 70 |
| 5.3.3 | Anwendung eines Systems zur Früherkennung einer Lieferanteninsolvenz | 72 |
| 5.3.4 | Lieferanteninsolvenz | 76 |
| 5.3.5 | Abhängigkeit der Unternehmen zu ihren Lieferanten | 77 |
| 5.3.6 | Methoden zur Risikosteuerung | 79 |
| 5.3.7 | Defizite im Risikomanagement | 80 |
| 5.4 | Zusammenfassung der empirischen Untersuchung | 82 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 83 |
| 6.1 | Beantwortung des Forschungszieles | 83 |
| 6.2 | Identifikation des weiteren Forschungsbedarfs | 86 |
| 7. | Quellenverzeichnis | 87 |
| 7.1 | Literatur | 87 |
| 7.2 | Studien | 93 |
| 7.3 | Internet | 94 |
| 8. | Anhang I: Fragebogen zur empirischen Untersuchung | 95 |
Textprobe:
Kapitel 3, Das Risikomanagementsystem:
Grundlagen des Risikomanagements:
Einleitung und Geschichte:
Schon seit hunderten von Jahren beschäftigen sich die Menschen mit der Vorhersage von Ereignissen und dem Bewerten entsprechender Risiken. Erste Aufzeichnungen, die mit dem heutigen Risikoverständnis korrelieren, gehen bis in das 12. Jahrhundert zurück und basieren auf dem hindu-arabischen Zahlensystem. Weitere Werke wurden im Laufe der Jahrhunderte noch veröffentlicht, die insbesondere mit der Entdeckung der Wahrscheinlichkeitstheorie im 15. Jahrhundert, die mathematische Grundvoraussetzung für die Berechnung der Eintrittswahrscheinlichkeit bildeten.
Erst im 20. Jahrhundert wurden die ersten Begriffe geprägt, die heute noch im Zusammenhang mit dem Risikomanagement verwendet werden. So war es im Jahre 1921 Frank Knight, der mit seinem Werk ‘Risk, Uncertainty and Profit’ Untersuchungen zur Unterscheidung von Unsicherheit und Risiko veröffentlichte.
Mit seinem Beitrag ‘Portfolio Selection’ im Journal of Finance aus dem Jahre 1952 beschreibt Harry Markowitz Zusammenhänge von Ertrag und Risiko in einem Wertpapierportfolio. Dieser Ansatz von Markowitz gilt heute als Begründung der Portfoliotheorie und stellt eine der ersten wissenschaftlichen und mathematischen Methoden im Bereich der Finanzwelt dar. In Folge daraus wurden hauptsächlich im Bereich der Finanzbranche weitere unterschiedliche Methoden und analytische Werkzeuge zur Bewertung und Berechnung von Risiken entwickelt. Als zentraler Bestandteil im heutigen Risikomanagement innerhalb der Finanzwelt gilt das im Jahre 1994 entwickelte ‘Value at Risk’ Konzept der Investmentbank Morgen Stanley.
Begriffsdefinition:
In der Literatur zum Risikomanagement findet sich keine einheitliche Definition zum Risikobegriff. Vielmehr wird je nach Zielsetzung eine unterschiedliche Definition verwendet. Den Ursprung findet der Begriff des Risikos in dem frühitalienischen Wort ‘risico’, dessen Bedeutung in der Umschiffung einer Klippe herrührt. Eine erste grundlegende Risikotheorie (‘Theorie des harsards’) wurde 1816 vom französischen Mathematiker und Astronom Pierre-Simon Laplace formuliert. Laplace definierte ein Risiko als Produkt von Schadensausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit. In heutiger Zeit wird der Begriff des Risikos von Autoren häufig als möglicher Schaden oder potentieller Verlust bezeichnet. An anderer Stelle finden sich zudem Aussagen, die den Begriff des Risikos, als negative Zielabweichung verstehen und diesbezüglich zwischen zwei sich ergänzenden Begrifflichkeiten differenzieren:
Ursachenbezogen:
Die Erreichung der angestrebten Ziele kann durch den Eintritt bestimmter Ereignisse beeinträchtigt werden. Dies ist dann der Fall, wenn zum Beispiel unternehmerische Entscheidungen auf unvollkommenen Informationen basieren oder getroffen werden sollen.
Wirkungsbezogen:
Versteht sich als negative Konsequenz in Folge von unternehmerischen Fehlentscheidungen Darüber hinaus finden sich daraus abgeleitete Definitionen in den einzelnen Unternehmen. So definiert zum Beispiel die SAP AG im Rahmen ihres Risikomanagement-Prozessmodells ein Risiko als ‘im weitesten Sinne die Gefahr, die finanziellen, strategischen oder operationellen Ziele nicht wie geplant zu erreichen’.
Risikomanagement als strategisches Instrumentarium:
Während sich die Unternehmen aus der Finanzwelt bereits nach dem zweiten Weltkrieg intensiv mit dem Risikomanagement beschäftigen, um die Risiken ihrer Finanzanlagen einschätzen zu können, fanden eingehende Risikobetrachtungen bei Industriebetrieben erst in den 80er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts statt. Bis zu den 90er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts verstanden die Unternehmen das Risikomanagement primär im Zusammenhang mit der Vermeidung von Schäden und dem Einhalten von Vorschriften und Schadensverhütungsmaßnahmen. Dem zufolge wurde dem Risikomanagement eine Rolle im operativen Management zugeteilt, in dem der Schwerpunkt zum Beispiel auf dem Optimieren des Versicherungsschutzes oder dem Erstellen von Notfallplänen lag. Die Reaktion der Unternehmen auf ein Risiko war in dieser Zeit vor allem situativ getrieben. So wurden erst Maßnahmen ergriffen, wenn das Ereignis, das zu einer Störung führte, bereits eingetreten ist. In diesem Fall konnte nur noch darauf abgestellt werden, das Schadensausmaß zu begrenzen. Strategien oder Maßnahmen die einen präventiven Charakter hatten, waren wenig verbreitet.
Insbesondere innerhalb der letzten Jahre haben in nahezu allen Industriebranchen starke Umwälzungen im Umfeld der Unternehmen stattgefunden. Getrieben durch die Globalisierung hat sich die Wertschöpfungskette stark verändert und Unternehmen sind heute mehr den je von der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit ihrer Lieferanten abhängig. Darüber hinaus haben Ereignisse aus jüngster Zeit, wie zum Beispiel Naturkatastrophen, Terroranschläge, Streiks und Seuchen in sowohl eindruckvoller wie auch erschreckender Weise aufgezeigt, welchen Risiken ein Unternehmen ausgesetzt ist und wie verwundbar jedes einzelne Unternehmen tatsächlich ist.
Diese Ereignisse haben nicht zuletzt das Bewusstsein der verantwortlichen Unternehmensführer für das Thema Risikomanagement geschärft. Darüber hinaus wurde der Stellenwert für dieses Thema unter anderem mit Einführung des am 01.05.1998 verabschiedeten ‘Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich’ (KonTraG)erhöht.
Somit kommt dem Thema mehr und mehr eine strategische Betrachtung zugute, bei dem die Unternehmen durchaus erkennen, dass durch ein effektives und unternehmensweit geführtes Risikomanagement der Unternehmenswert gesteigert werden kann. Im gegenteiligen Fall kann ein unzureichendes Risikomanagement den Wert des Unternehmens auch längerfristig schädigen.
Zu konkreten Zahlen kommt eine von PricewaterhouseCoopers (PwC) in den USA durchgeführte Studie. PwC verglich hierbei in einem Zeitraum von 1998 bis 2007 die Kursentwicklung von 600 Aktiengesellschaften, die von Störungen innerhalb ihrer Lieferkette betroffen waren, mit den Aktienkursen von gleichwertigen Unternehmen, die von keinen Störungen betroffen waren. Die Unternehmen, die von Störungen betroffen waren, wiesen für eine Dauer von zwei Jahren eine um neun Prozentpunkte geringere Kursentwicklung auf als die Vergleichsunternehmen. Ebenso verringerte sich die Rentabilität dieser Unternehmen im gleichen Zeitraum um bis zu fünf Prozentpunkte.
Zielsetzung und Herausforderung:
Ein wesentliches Ziel des Risikomanagement liegt demzufolge in der Erfassung von Informationen in der notwendigen Qualität und Quantität auf dessen Basis Entscheidungen getroffen werden können. Hierbei geht es darum, die Risiken vollständig zu identifizieren und zu bewerten. Dieser Anspruch scheint jedoch vor dem Hintergrund der zunehmenden Komplexität und Verflechtung von Unternehmen und der daraus resultierenden Ungenauigkeit der Prognosegüte eines der Hauptschwierigkeiten in der effektiven Umsetzung eines Risikomanagementprozesses zu sein. Dies wird umso deutlicher, wenn man die Vielzahl an möglichen Risiken, die auf ein Unternehmen einwirken, darstellt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842805743
Arbeit zitieren:
Mannke, Christian September 2010: Das Risikomanagement als Methode zur Früherkennung einer Lieferanteninsolvenz, Hamburg: Diplomica Verlag
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Supply Chain Management, Wertschöpfungsquote, Beschaffung, Risikosteuerung, Make-or-Buy-Entscheidung



