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Risikomanagement bei Direktinvestitionen in den ABC-Staaten

Risikomanagement bei Direktinvestitionen in den ABC-Staaten
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Peter Rupilius
  • Abgabedatum: Oktober 2008
  • Umfang: 85 Seiten
  • Dateigröße: 931,3 KB
  • Note: 2,7
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Wiesbaden Deutschland
  • Bibliografie: ca. 71
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3676-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rupilius, Peter Oktober 2008: Risikomanagement bei Direktinvestitionen in den ABC-Staaten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Risikomanagement, Direktinvestition, Südamerika, ABC Staaten, Lateinamerika

Bachelorarbeit von Peter Rupilius

Einleitung Südamerika hat sein politisches Landschaftsbild in den vergangenen drei Jahrzehnten stark verändert. Prägten in den 80er Jahren Militärregierungen, Wirtschaftskrisen und galoppierende Inflationen das klassische Bild der Länder, vollzog sich in den 90er Jahren eine beeindruckende Demokratisierung, welche einen starken wirtschaftlichen Aufschwung für den Kontinent mit sich brachte.

Heute gilt Südamerika als großer Gewinner der Globalisierung. Die stark steigende Nachfrage von Rohstoffen und Nahrungsmitteln und die damit einhergehenden Preissteigerungen erlaubten vielen Ländern Südamerikas ihre Haushalte zu konsolidieren und sich wirtschaftlich zu stabilisieren. Führten die steigenden Preise der Exportgüter zu mehr Einnahmen, dauerte es nicht lange bis auch die Binnenmärkte stark an Fahrt gewannen.

Steigende Gesamtwachstumsraten stabile Wechselkurse, niedrige Inflation und fallende Risikobewertung sowie ein zentraler Zugang zu den immer wichtiger werdenden Rohstoffen, die erforderlichen Investitionen in den Ausbau ihrer Infrastruktur und das wohl auch in den kommenden Jahren nicht abbrechende Wachstum der Binnenmärkte sind nur einige Gründe, die den Kontinent für Unternehmen aus aller Welt für Investitionen interessant macht.

Viele Unternehmen versuchen an den wachsenden Märkten durch ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) zu partizipieren. Dabei wird der Begriff der ausländischen Direktinvestition von der OECD wie folgt definiert: ‘Foreign direct investment reflects the objective of obtaining a lasting interest by a resident entity in one economy (‘‘direct investor’’) in an entity resident in an economy other than that of the investor (‘‘direct investment enterprise’’). The lasting interest implies the existence of a long–term relationship between the direct investor and the enterprise and a significant degree of influence on the management of the enterprise. Direct investment involves both the initial transaction between the two entities and all subsequent capital transactions between them and among affiliated enterprises, both incorporated and unincorporated.’ Sie bezeichnen damit die Beteiligung eines Unternehmens am Eigenkapital einer Firma in einem anderen Land mit einem langfristigen Interesse und Kontrollmotiv an dem ausländischen Unternehmen. Diese im Vordergrund stehenden Aspekte differenzieren sie auch im wesentlichen von Portfolioinvestitionen, in denen Rendite und Risikoüberlegung die dominierende Rolle spielen.

Eine leichtere Markterschließung, niedrigere Arbeitskosten, Steuern und Transportkosten sowie verringerte Wechselkursrisiken sind nur einige der zahlreichen möglichen Vorteile, die sich die Unternehmen durch Direktinvestitionen erhoffen.

Deutschland ist mit den Staaten Lateinamerikas historisch und kulturell mehr als mit jeder anderen Region außerhalb der Europäischen Union (EU) und Nordamerikas eng verbunden. Dabei nehmen in Südamerika die sog. ABC–Staaten Argentinien, Brasilien und Chile eine Schlüsselposition ein. So finden sich über 2000 deutsche Unternehmen, davon alleine über 800 Niederlassungen im Ballungsraum Sao Paulo, Brasilien, die Direktinvestitionen in den ABC-Staaten getätigt haben. Da viele dieser Unternehmen Schlüsselpositionen in wichtigen Wirtschaftszweigen inne haben, erscheint für diese Arbeit der Blick auf die Risken und das insbesondere für deutsche Unternehmen verfügbare Instrumentarium des Risikomanagements von besonderer Bedeutung.

Trotz ihrer geographischen Nähe unterscheiden sich die drei Länder hinsichtlich ihrer Strukturen erheblich voneinander. Neben vielfältigen Chancen beherbergen die Staaten teilweise divergente Risiken, welche häufig von ausländischen Unternehmen aufgrund mangelnder Kenntnisse der Gegebenheiten vor Ort falsch eingeschätzt werden. Dabei wird unter Risiko allgemein die Gefahr verstanden, das erwartete Ergebnis einer Direktinvestition in negativer Weise zu verfehlen.

Als operationelles Risiko wird in Basel II definiert: ‘The risk of loss resulting from inadequate or failed internal processes, people and systems, or from external events’. Die Erkennung von Risiken in Folge mangelhafter Prozesse und Verhaltensweisen ist bei Betrachtung Südamerikas besonders bedeutsam, da gerade in diesen Ländern mangelhafte Systeme auf Grund ihrer historischen Entwicklung entstanden sind.

Direktinvestitionen weisen auch weitere schwerwiegende Risiken auf. Hohe Anfangskosten der Investition und die dadurch erhöhte Amortisationsdauer erhöhen das Risiko eines kommerziellen Scheiterns. Sie unterliegen auch dem politischen Risiko, welches von der Einschränkung der unternehmerischen Dispositionsfähigkeit bis hin zu verschiedenen Formen der Enteignung reichen kann. Weiterhin fordern unterschiedliche Rechtsstrukturen, z.B. im Privatrecht und kulturelle Barrieren wie z.B. die Sprache eins Landes ein erhöhten Informations- und Kommunikationsaufwand.

Unter Risikomanagement im weiteren Sinne wird der Umgang mit allen Risiken verstanden, welche aus dem Führungs- und Durchführungsprozess in einem Unternehmen entstehen können. Damit entspricht es den generellen Managementzielen der Sicherung, Erhaltung und erfolgreichen Weiterentwicklung des Unternehmens. Eine vernünftige Risikovorsorge und die gesicherte Finanzierung sind daher für Direktinvestitionen unerlässlich.

Durch rechtliche Rahmenbedingungen, wie das Gesetzt zur Kontrolle und Transparenz in Unternehmen (KonTraG) vom 27.04.1998, und seine Erweiterung des Aktien- und GmbH-Gesetzes (§91 (2) AktG, § 43 GmbHG), welches es um die Sorgfaltspflichten der Unternehmensführung erweitert und den Ausweise der Unternehmensrisiken im Lagebericht fordert, ist Risikomanagement bereits seit mehreren Jahren vom Gesetzgeber explizit gefordert.

Ein wachsendes Interesse von Aktionären hinsichtlich der Absicherung der ausländischen Vermögenswerte sowie der Verpflichtung zur Verringerung des politischen Risikos durch das Inkrafttreten des Basel II Abkommens, hier speziell für Banken und Finanzinstitute sowie Solvency II bei Versicherungen, werden die Anforderung an das Risikomanagement dabei deutlich erhöhen.

Direktinvestitionen muss daher eine umfassenden Risikobetrachtung auf Management-Ebene vorgeschaltet werden.

Inhaltsverzeichnis II
Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis IX
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 4
1.3 Struktur der Untersuchung 4
2. Bedeutung und Formen von Direktinvestitionen 5
2.1 Horizontale und vertikale Direktinvestitionen 5
2.2 Bedeutung von Direktinvestitionen für Staaten und Unternehmen 6
3. Die Situation der ABC-Staaten und Identifikation der Risiken 8
3.1 Politische Situation 8
3.1.1 Die ‘verlorene Dekade’ Südamerikas 8
3.1.2 Aktuelle Regierungen 9
3.1.3 Einflussnahmen des Staates 10
3.1.4 Wirtschaftliche Kooperationen der Staaten 11
3.1.4.1 MERCOSUR 12
3.1.4.2 FTAA 15
3.2 Wirtschaftliche Situation 17
3.2.1 Bevölkerungsstruktur 17
3.2.2 Beschäftigungs- und Lohnstruktur 18
3.2.3 Infrastruktur 19
3.2.4 Erwartete wirtschaftliche Entwicklung 21
4. Analyse der Risiken und Instrumente für das Risikomanagement 24
4.1 Politische Risiken 24
4.1.1 Analyse 24
4.1.2 Absicherungsinstrumente 27
4.1.2.1 Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur 28
4.1.2.2 Investitionsgarantie des Bundes 28
4.1.3 Kritische Würdigung der Absicherungsinstrumente 31
4.2 Rechtliche Risiken 32
4.2.1 Analyse 32
4.2.1.1 Internationales Privatrecht 33
4.2.1.2 Zoll 35
4.2.2 Absicherungsinstrumente für IPR & Zoll 35
4.2.3 Kritische Beurteilung 39
4.3 Wirtschaftliche Risken 41
4.3.1 Geschäftsrisiko 41
4.3.1.1 Analyse 41
4.3.1.2 Absicherungsinstrumente 42
4.3.1.3 Kritische Würdigung der Absicherungsinstrumente 43
4.3.2 Wechselkursrisiko 44
4.3.2.1 Analyse 44
4.3.2.2 Absicherungsinstrumente 47
4.3.2.3 Kritische Würdigung der Absicherungsinstrumente 51
4.4 Kulturelle Risiken 52
4.4.1 Analyse 53
4.4.2 Absicherungsmethoden 57
4.4.3 Kritische Würdigung der Absicherungsmethoden 59
5. Kritische Würdigung 60
Literaturverzeichnis 65
Internetquellen 72

Textprobe:

Kapitel 3.1.1, Die ‘verlorene Dekade’ Südamerikas Die meisten Länder Südamerikas waren in den 80er Jahre durch ein sich verringerndes Bruttosozialprodukt (BSP) und einen versiegenden Strom ausländischer Direktinvestitionen geprägt. Hohe Inflation, steigende Auslandsverschuldung, starker Einfluss der Regierungen auf die Wirtschaft und insbesondere die Politik der importsubstituierenden Industrialisierung (ISI) waren meist Ursache für die sog. ‘verlorene Dekade’ Südamerikas. Die ISI findet dabei Ihren Ursprung in der Weltwirtschaftskrise von 1929, der viele exportorientierte Länder Südamerikas zu einem Wechsel zu binnenorientierten Wachstumsstrategien zwang. Die ISI versuchte den Aufbau der heimischen Industrie durch Protektion zu fördern und schottete sich gezielt gegen Importware ab. Langwierige und komplexe Prozesse der Lizenzerteilung, hohe Importzölle sowie die Gründung von Staatsunternehmen waren deren wichtigsten Instrumente.

In Argentinien wurden die importierten Güter in drei Kategorien eingeteilt: Güter die mit dem Importverbot belegt wurden, Waren, die mit einer eidesstattlichen Erklärung genehmigt wurden, welche knapp 50% der Importgüter widerspiegelten und genehmigte Importgüter. Die eidesstattliche Erklärung beinhaltete eine Bestätigung der Produzentenverbände Argentiniens, welche die Nichtherstellung des jeweiligen Gutes im Lande bestätigte, was einem 100% Schutz der inländischen Produzenten gleich kam.

Einhergehend mit dieser Entwicklung war die Herausbildung eines typischen politischen Gepräges Lateinamerikas, den nationalistischen-populistischen Regimen, deren Einfluss bis heute spürbar ist. Der wirtschaftliche Populismus verstand es der Bevölkerung Versprechungen zu machen, ohne jegliches Konzept der Finanzierung mit sich zu bringen.

Um die Versprechen einzuhalten war es den Staaten selten möglich, sich die nötigen finanziellen Mittel vom privaten Sektor oder von ausländischen Investoren zu besorgen. Am Ende wurde das benötigte Geld von den Staatsbanken gedruckt, was unweigerlich zu Entfachung von Hoch- bzw. Hyperinflation führte, so geschehen Mitte der 70er Jahre in Chile, 1989 in Argentinien und in Brasilien 1994. Die Situation beeinflusste stark den Planungshorizont der Unternehmen und wirkte sich nachteilig auf die Bewertung der Länder aus.

Bis heute sind die Auswirkungen der ‘verlorenen Dekade’ präsent. Hinsichtlich der Frage, ob die Länder mit ihren tiefen populistischen Wurzeln sich ändern können, findet man zwei stark konträre Entwicklungen. Schaffte es Brasilien mit seinem ‘Plano Real’ eine stabile wirtschaftliche und politische Entwicklung 1994 einzuleiten, zeigte Argentinien tragisch die Instabilität als 2002 die eins-zu-eins Verknüpfung des Pesos mit dem Dollar aufgehoben wurde und das Land in eine tiefe Finanzkrise stürzte.

Arbeit zitieren:
Rupilius, Peter Oktober 2008: Risikomanagement bei Direktinvestitionen in den ABC-Staaten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Risikomanagement, Direktinvestition, Südamerika, ABC Staaten, Lateinamerika

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