Risikomanagement bei BOT-Projekten im Verkehrsinfrastrukturbereich
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Matthias Gladasch
- Abgabedatum: Juni 2004
- Umfang: 109 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Fridericiana Karlsruhe (TH) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8204-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8204-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8204-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gladasch, Matthias Juni 2004: Risikomanagement bei BOT-Projekten im Verkehrsinfrastrukturbereich, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Betreibermodell, Build Operate Transfer, Infrastruktur, Risiko, Projekt
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Diplomarbeit von Matthias Gladasch
Einleitung:
Die Finanzierung von Verkehrsinfrastruktur ist ein sehr diskutiertes Thema, denn die öffentlichen Haushalte Deutschlands befinden sich zur Zeit in einer schwierigen Lage. So übersteigt der Investitionsbedarf bei weitem die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Budgets und der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur kann nicht mehr mit dem Wachstum des Verkehrsaufkommens mithalten. Es sind große Teile des Verkehrssystems hochgradig überlastet, hohe Unfallzahlen und Staus beweisen dies. Der zukünftige Bedarf an Verkehrsinfrastrukturinvestitionen wird als besonders hoch eingeschätzt, zumal alle vorliegenden Prognosen von einem weiteren Anstieg des Verkehrsaufkommens in den nächsten Jahren ausgehen.
Die wichtigsten Gründe für das Wachstum des Verkehrsaufkommens in Deutschland sind an erster Stelle die Wiedervereinigung, die EU Erweiterung und die ökonomische Entwicklung in den Osteuropäischen Ländern. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden und die Infrastruktur dementsprechend anzupassen, ist eine stärkere Beteiligung privaten Kapitals und einer weitergehenden Beteiligung beim Betrieb von Verkehrsinfrastruktur dringend notwendig und wird von der Politik sogar gefordert.
Als eine Lösung sind sogenannte Betreibermodelle bzw. Build-Operate-Transfer (BOT-) Modelle in der Diskussion. Sie sollen durch die Einbindung privater Unternehmen in den gesamten Lebenszyklus von Infrastrukturprojekten die dringend benötigten Investitionen ermöglichen. Durch solche Projekte ergeben sich auch einige volkswirtschaftliche Vorteile, wie z.B. positive Standort- und Beschäftigungseffekte. Die Bauindustrie, Planer, Berater, Banken und weitere Beteiligte profitieren von einer zusätzlichen Nachfrage ihrer Leistung. Bei einer ersten Betrachtung scheinen also alle Beteiligten von dieser Art der Projektrealisierung nur zu profitieren.
Im Ausland, insbesondere in den benachbarten Ländern Mittel- und Osteuropas, stellen BOT – Modelle die am häufigsten gewählten Lösungsansätze dar. In Deutschland ist die Anwendung dieser integrierten Finanzierungs- und Leistungsmodelle, bei denen Finanzierung, Planung, Errichtung und Betrieb der Straßeninfrastruktur auf eine private Projektgesellschaft übertragen werden, bislang auf wenige Projekte beschränkt. Ein Grund ist sicherlich die mangelnde Erfahrung im Bereich des Risikomanagements. Denn nur bei einer optimalen Risikoverteilung zwischen öffentlichen und privaten Partnern ist eine erfolgreiche Realisierung solcher mit erheblichen Investitionssummen verbundenen Projekten möglich.
Das die private Beteiligung an Infrastrukturinvestitionen oder der Betrieb von Infrastrukturanlagen keine grundlegend neue Erfindung unserer Zeit ist, sieht man am folgenden Beispiel. Bereits im 19. Jahrhundert hat man bei Großprojekten wie Eisenbahnen oder Alpentunneln, die den Einsatz moderner Technik benötigten, Formen der privaten Projektfinanzierung entwickelt. Für die preußischen Eisenbahnen wurde diese auf der Basis des speziell dafür geschaffenen Preußischen Eisenbahngesetzes von 1838 durchgeführt; auch die Alpendurchquerung in Form des Gotthardtunnels wurde privatfinanziert.
Im Kapitel 2 werde ich näher auf den Begriff Infrastruktur eingehen. Die Gründe beziehungsweise Motive einer Privatisierung von Verkehrsinfrastruktur, möchte ich in Kapitel 2.3 beschreiben. In Kapitel 3 „Grundlagen von BOT Modellen“ werde ich dieses Betreibermodel ausführlich beschreiben, ich gehe dabei ausführlich ein auf die verschiedenen Projektphasen, auf die Projektbeteiligten und ihre Motive und auf die wichtigsten Projektverträge, die zu einem BOT Vorhaben dazugehören. Einen kurzen Überblick möchte ich auch über die angrenzenden Betreibermodelle geben.
Im Kapitel 4 Projektfinanzierung geht es um die wichtigsten Eigenschaften der Projektfinanzierung und damit eines BOT Projektes. Im Kapitel 4.2 stelle ich die verschiedenen Finanzierungsinstrumente vor und versuche in 4.2.4 die optimal Gestaltung der Kapitalstruktur für ein BOT Projekt aufzuzeigen. Das Kapitel 5 ist das Kernstück dieser Arbeit, das Risikomanagement bei BOT Projekten. Ich beschreibe die verschiedenen Risiken, die auftreten können und erkläre wie diese kontrolliert und analysiert werden können.
Weiterhin werden diese Risiken bewertet und in Kapitel 5.4 und 5.5 zeige ich wie diese Risiken durch risikopolitische Maßnahmen und durch Garantien und Versicherungen bewältigt bzw. abgesichert werden können. In meinen beiden gewählten Praxisbeispielen Eurotunnel und Herrentunnel werde ich in Kapitel 6 versuchen mit Hilfe meiner gewonnenen theoretischen Kenntnisse, die Projekte auszuwerten und zeigen welche Fehler auch bei solchen Projekten gemacht werden können und welche Folgen dies hat. In Kapitel 7 werde ich versuchen meine, im Laufe dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen, zusammenzufassen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | 3 | |
| Abbildungsverzeichnis | 4 | |
| 1. | Einleitung | 5 |
| 2. | Begriff und Wesen von Infrastruktur | 7 |
| 2.1 | Definition | 7 |
| 2.2 | Merkmale und Besonderheiten von Verkehrsinfrastruktur | 7 |
| 2.3 | Privatisierung von Infrastruktur | 12 |
| 3. | Grundlagen von BOT - Modellen | 14 |
| 3.1 | Definition | 14 |
| 3.2 | Abgrenzung alternativer Modelle | 16 |
| 3.2.1 | Konzessionsmodell | 18 |
| 3.2.2 | Leasingmodell | 20 |
| 3.3 | Projektphasen | 22 |
| 3.3.1 | Entwicklungsphase | 23 |
| 3.3.2 | Erstellungsphase | 24 |
| 3.3.3 | Anlaufphase | 25 |
| 3.3.4 | Betriebsphase | 26 |
| 3.3.5 | Desinvestitionsphase | 27 |
| 3.3.6 | Varianten | 28 |
| 3.3 | Projektbeteiligte und ihre Motive | 32 |
| 3.3.1 | Konzessionsgeber | 33 |
| 3.3.2 | Konzessionsnehmer – Projektgesellschaft | 34 |
| 3.3.3 | Gesellschafter | 36 |
| 3.3.4 | Fremdkapitalgeber | 37 |
| 3.3.5 | Projektnutzer | 38 |
| 3.3.6 | Sonstige | 39 |
| 3.4 | Projektverträge | 40 |
| 3.4.1 | Konzessionsvertrag | 41 |
| 3.4.2 | Kreditvertrag | 45 |
| 3.4.3 | Gesellschaftervertrag | 46 |
| 4. | Projektfinanzierung | 48 |
| 4.1 | Merkmale und Charakteristika | 49 |
| 4.1.1 | Cash Flow Related Lending | 49 |
| 4.1.2 | Risk Sharing | 52 |
| 4.1.3 | Haftungsbeschränkung | 52 |
| 4.1.4 | Off Ballance Sheet-Finanzierung | 54 |
| 4.2 | Finanzierungsstruktur | 56 |
| 4.2.1 | Eigenkapital | 57 |
| 4.2.2 | Fremdkapital | 57 |
| 4.2.3 | Mezzanine Kapital | 61 |
| 4.2.4 | Optimale Gestaltung der Kapitalstruktur | 61 |
| 5. | Das Risikomanagement | 65 |
| 5.1 | Projektrisiken und ihre Identifikation (Risikoidentifikation) | 66 |
| 5.2 | Die Risikoquantifizierung | 73 |
| 5.2.1 | Statische Risikoquantifizierung | 74 |
| 5.2.2 | Dynamische Risikoquantifizierung | 75 |
| 5.3 | Risikobewertung | 79 |
| 5.4 | Risikoverteilung mittels risikopolitischer Maßnahmen | 80 |
| 5.5 | Rechtliche Sicherungsmöglichkeiten | 82 |
| 5.5.1 | Garantien | 82 |
| 5.5.2 | Versicherungen | 87 |
| 6. | Praxisbeispiele von BOT - Projekten | 90 |
| 6.1 | Der Eurotunnel | 90 |
| 6.2 | Der Herrentunnel in Lübeck | 95 |
| 7. | Zusammenfassung | 99 |
| 8. | Summary | 101 |
| 9. | Résumé | 102 |
| Literaturverzeichnis | 104 |
Risk Sharing zielt auf das Verhältnis der Projektbeteiligten untereinander ab und beschreibt die Aufteilung der Risiken aus dem Projekt zwischen den verschiedenen Projektbeteiligten. Risk Sharing gilt als Vorrausetzung für das Cash flow related Lending. Fremdkapital stellt den größten Beitrag zur Projektfinanzierung dar. In der Regel handelt es sich ja um sehr große Projekte mit einer Vielzahl von Beteiligten, bei denen die Projektfinanzierung angewendet wird. Deswegen reicht es den Fremdkapitalgebern meist nicht aus, den Cash Flow als Sicherheit zu akzeptieren. Aufgrund des unsicheren Cashflow bei Straßeninfrastrukturprojekten und der vergleichsweise geringe Haftungsmasse, verlangen die Fremdkapitalgeber zusätzliche Sicherheiten. Die vielen Risiken in allen Projektphasen können nicht, wie auch die Finanzierung, von einem Unternehmen allein getragen werden. So werden alle Risiken eingeschätzt und vertraglich unter den verschiedenen Projektbeteiligten verteilt. Dieses Risk Sharing erfolgt in der Regel entsprechend den Fähigkeiten zur Risikoübernahme und dem Nutzen, den Projektbeteiligten aus dem Projekt ziehen.71 Diese entsprechenden Fähigkeiten bedeuten, wie die jeweiligen Projektbeteiligten Projektrisiken beeinflussen und kontrollieren können. Dieses Risikozuordnungsprinzip kann sehr anschaulich am Beispiel der Anlageverträge verdeutlicht werden. Anlageverträge enthalten regelmäßig Vertragsklauseln, die die Haftung der Anlagenhersteller für verfahrenstechnische Mängel an Projektanlagen während der Errichtungs- und Betriebsphase sicherstellen. Die Risikoverteilung kann sich während der Projektlebensdauer verändern. Die Projektrisikoverteilung ist eine grundlegende Vorraussetzung für das Zustandekommen von Projektfinanzierungsvorhaben, weshalb das Risk Sharing als das wichtigste Merkmal der Projektfinanzierung angesehen wird. [...]
die Cashflows von Straßeninfrastrukturprojekten durch besonders hohe Risiken aus. Während sich zum Beispiel die zukünftigen Cashflows von Kraftwerken durch langfristige Lieferverträge mit Energieversorgern relativ genau prognostizieren lassen, hängen die Cashflows von gebührenpflichtigen Straßen, Brücken oder Tunneln von den individuellen Entscheidungen der Nutzer ab. Der Cash Flow (nach Steuern) gibt an, in welchem Umfang frei verfügbare Projektmittel, die z.B. zur Begleichung von fälligen Verbindlichkeiten eingesetzt werden können, mit größter Wahrscheinlichkeit zukünftig zur Verfügung stehen werden. Deswegen ist der Cash Flow ein Maßstab zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines Projektes. Es ist möglich die Finanzierungsstruktur an den Verlauf des Cashflow während der Projektlaufzeit anzupassen, was eine flexible Gestaltung der Finanzierungsstruktur ermöglicht. Gläubiger können anhand der prognostizierten Cash Flow Strukturen zum einen die Verschuldungsfähigkeit des Projektes und zum anderen die optimale Rückzahlungsstruktur für Projektkredite ermitteln. Für Eigenkapitalgeber, also für die Gesellschafter, ist die prognostizierte Cash Flow Struktur ebenfalls ein Orientierungsmaßstab für die Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals.70 Für die Entscheidung eines Investors, sich über Eigenkapital Anteile an einem Projekt zu erkaufen, wird immer der Return on Investment (ROI) als Grundlage genommen. Denn der ROI ist ein englischer Begriff für Rentabilität. Diese Kennzahl gibt Auskunft über die erwirtschaftete Kapitalverzinsung in einer Periode. Sie stellt den Gewinn pro Einheit des investierten Kapitals dar. Der ROI wird aus dem Quotienten des Cash Flows zum Gesamtkapital berechnet. [...]
Kreditwürdigkeitsprüfung eines BOT Projektes statt und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projektes selbst rückt in den Vordergrund. In der Literatur findet man häufig die Meinung, dass damit die Bonität der Projektgesellschaft zur Kreditwürdigkeitsprüfung nicht herangezogen wird. Dies mag richtig sein – schließlich existiert die Projektgesellschaft während der Entwicklungsphase (noch) nicht. Jedoch darf man nicht vergessen, dass die Bonität aller anderen Projektbeteiligten bei der Erarbeitung der Finanzstruktur eine große Rolle spielt.69 Damit wird deutlich, dass zwar die Eigenschaft der Projektfinanzierung und die Kreditwürdigkeit primär abhängig ist vom Cashflow statt von der Bonität des Unternehmens. Aber die gesamte Finanzierung ist nur möglich, wenn alle Projektbeteiligte eine ausreichende Bonität besitzen. Schließlich steht beispielsweise hinter der Projektgesellschaft der Gesellschafter, der durch die Ausstattung der Projektgesellschaft mit Eigenkapital sehr wohl in den Blickpunkt des Fremdkapitalgebers rückt. Bei den Projektanalysen ist eine sorgfältige Schätzung der Einflussfaktoren notwendig, um den zukünftigen Cash Flow zu bestimmen. Denn z.B. im Verkehrssektor ist zukünftige Entwicklung abhängig von einer Vielzahl schwer prognostizierbarer wirtschaftlicher und politischer Einflussfaktoren. Im Gegensatz zu anderen Infrastruktursektoren zeichnen sich [...]
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Gladasch, Matthias Juni 2004: Risikomanagement bei BOT-Projekten im Verkehrsinfrastrukturbereich, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Betreibermodell, Build Operate Transfer, Infrastruktur, Risiko, Projekt



