Risikogesteuerte Kapitalallokation auf dem Vormarsch
Darstellung und Auswirkungsanalyse der neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung auf Bankenebene
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Franz Glatzl
- Abgabedatum: Februar 2004
- Umfang: 138 Seiten
- Dateigröße: 2,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8151-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8151-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8151-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Glatzl, Franz Februar 2004: Risikogesteuerte Kapitalallokation auf dem Vormarsch, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Rating, Kreditvergabe, Finanzierung, Verbriefung, Marktrisiko
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Diplomarbeit von Franz Glatzl
Zusammenfassung:
Im Zuge der weltweit fortschreitenden Vernetzung von Kapitalmärkten gewinnt auch die kooperierende Abstimmung der gesetzlichen Rahmenbedingungen stark an Bedeutung. Die Schaffung eines „level playing fields“, sprich eines fairen Wettbewerbs, und der Aufbau solider krisenfester Märkte ist das Ziel internationaler zukunftsorientierter Finanzpolitik.
Auf internationaler Bankenebene nimmt der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht als Teil der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) diese verantwortungsvolle Aufgabe wahr. Die derzeit in mehr als 100 Staaten gültigen gesetzlichen Regelungen zur Behandlung von Kredit- und Marktrisiken beruhen auf der ersten Basler Eigenkapitalvereinbarung von 1988 („Basel I“). Die Revision dieser Vorschriften als Folge gestiegener Anforderungen an Risikoquantifizierung und –deckung wird nunmehr seit 1999 weltweit intensiv diskutiert. Eine vorläufige Lösung durch „bessere“ Regelungen fußt in der zweiten Basler Eigenkapitalvereinbarung („Basel II“), welche plangemäß am 01.Januar 2007 in Kraft treten soll.
Die vorliegende Arbeit befasst sich nun mit mehreren Aspekten von Basel II unter Berücksichtigung neuester Studien und Ausblicke. Zum einen wird ein genauer Überblick über die wichtigsten Änderungen der Bankvorschriften präsentiert, zum anderen werden daraus resultierende Konsequenzen aus Sicht betroffener Kreditinstitute analysiert. Der Hauptfokus liegt auf der Darstellung der Auswirkungen der neuen Bankvorschriften in Bezug auf vorzuhaltendes Eigenkapital der Kreditinstitute („Auswirkungsstudien“), dem Aspekt der Prozyklizität der Vorschriften („credit crunch - ja oder nein?“) und sich ändernden Finanzierungskonditionen („verstärktes Zinsgefälle?“).
Im ersten Kapitel werden kurz der institutionelle Rahmen der Vorschriften und die derzeit gültige Eigenmittelvorschrift nach Basel I dargestellt. Es folgt die Überleitung zur geplanten Revision der Vorschriften mit dem voraussichtlichen Zeitplan sowie den gesteckten Zielen von Basel II.
Das zweite Kapitel widmet sich der Struktur von Basel II. Hierbei werden die inhaltlichen Regelungen so verständlich wie möglich in komprimierter Form erläutert. Dem Kern rund um die tatsächliche Ermittlung des zu haltenden Eigenkapitals wird dabei mehr Raum zur Verfügung gestellt als dem restlichen Bereich der Regelungen, da besonders die Kapitalvorschriften eine direkte Auswirkung auf Banken implizieren.
Im dritten Teil der vorliegenden Arbeit wird der verwandte Bereich der Kreditwürdigkeitsprüfung angeschnitten, welcher durch die Reform der Kapitalvorschriften stark an Bedeutung gewinnt. Neben den gängigen Verfahren zur Beurteilung von Bonitäten werden relevante Regelungen aus Basel II und der Markt darauf spezialisierter Unternehmen diskutiert. Aktuelle Studien vertiefen den Einblick in den österreichischen und deutschen Markt. Die Beurteilung von Kreditbesicherungen schließt das Kapitel mit einem wichtigen Punkt der Bestimmung der Bonität im Zusammenhang mit einer Kreditvergabe ab.
Im vierten und letzten Teil konzentriert sich die Arbeit auf unterschiedlichste Auswirkungen der neuen Eigenkapitalvereinbarung. Verständlicherweise werden neben dem rechtlichen Rahmen kurz die bisher festgestellten Einflüsse der derzeitigen Regelung aufgezeigt. Die absehbaren Auswirkungen der neuen Vorschriften werden aus den entsprechenden international durchgeführten Studien abgeleitet. Wo immer vorhanden, wird die internationale Forschung durch Lokalaspekte ergänzt. Die Folgen für österreichische Banken stehen hierbei im Vordergrund, wobei Studien aus Deutschland zugleich wertvoll ergänzende und unterstützende Informationen liefern.
Volkswirtschaftliche Schwerpunkte setzen die Überlegungen zur Prozyklizizät und des Kreditangebots. Betriebswirtschaftliche Aspekte spiegeln sich im Einfluss auf die Bankkonditionengestaltung und den besonderen internen Herausforderungen der Basel II Implementation wider. Interessant ist zudem der Umgang mit dem jungen Finanzinstrument der Verbriefungen.
Auch kritischen Stimmen wird genügend Raum gegeben, um ein möglichst vollständiges Bild der derzeitigen Erwartungshaltung hinsichtlich der Konsequenzen des internationalen Großprojekts Basel II zu präsentieren.
Zusammenfassend erlaubt die Arbeit „Risikogesteuerte Kapitalallokation auf dem Vormarsch“ dem interessierten Leser einen klaren Blick auf die aktuellsten Entwicklungen internationaler Bankvorschriften, deren Umfeld und voraussichtliche Auswirkungen.
Inhaltsverzeichnis:
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| A) | Standortbestimmung dieser Arbeit | 1 |
| a. | Thematik | 1 |
| b. | Ziel dieser Arbeit | 2 |
| B) | Einführung | 3 |
| 1. | Basel II in Grundzügen | 6 |
| 1.1 | Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht | 6 |
| 1.2 | Von Basel I nach Basel II | 7 |
| 1.2.1 | Der Basler Akkord von 1988 | 7 |
| 1.2.2 | Revisionsbeginn des Akkordes von 1988 | 11 |
| 1.3 | Zeitrahmen der Umsetzung | 12 |
| 1.4 | Ziele von Basel II | 14 |
| 2. | Struktur von Basel II | 16 |
| 2.1 | Das Drei-Säulen-Modell | 16 |
| 2.2 | Die erste Säule „Mindestkapitalerfordernis“ | 17 |
| 2.2.1 | Das Kreditrisiko | 18 |
| 2.2.1.1 | Risikobegrifflichkeiten im Kreditgeschäft | 19 |
| 2.2.1.2 | Der Standardansatz | 20 |
| 2.2.1.2.1 | Forderungen an Staaten und sonstige öffentliche Stellen | 21 |
| 2.2.1.2.2 | Forderungen an Banken, Wertpapierhäuser und multilaterale Entwicklungsbanken | 22 |
| 2.2.1.2.3 | Forderungen an Unternehmen | 23 |
| 2.2.1.2.4 | Weitere wichtige Bestimmungen | 24 |
| 2.2.1.3 | Der IRB-Basisansatz | 25 |
| 2.2.1.3.1 | Mindestanforderungen des IRB-Ansatzes | 25 |
| 2.2.1.3.2 | Berechnungsformeln des IRB-Ansatzes | 28 |
| 2.2.1.4 | Der fortgeschrittene IRB-Ansatz | 34 |
| 2.2.2 | Das Marktrisiko | 34 |
| 2.2.3 | Das Operationelle Risiko | 36 |
| 2.2.3.1 | Der Basisindikatorenansatz | 37 |
| 2.2.3.2Der Standardansatz | 38 | |
| 2.2.3.3 | Ambitionierte Messansätze (AMA) | 39 |
| 2.3 | Die zweite Säule „Aufsichtliches Überprüfungsverfahren“ | 41 |
| 2.4 | Die dritte Säule „Marktdisziplin“ | 44 |
| 3. | Kreditwürdigkeitsprüfung - Rating | 46 |
| 3.1 | Teilgebiete des Ratings | 46 |
| 3.2 | Aktueller Anspruch | 47 |
| 3.3 | Externe Ratings nach Basel II | 48 |
| 3.3.1 | Relevante Regelungen | 48 |
| 3.3.2 | Ratingagenturen | 48 |
| 3.3.2.1 | Ratingmarkt externer Agenturen | 49 |
| 3.3.2.2 | Vergleichbarkeit externer Agenturen | 51 |
| 3.4 | Interne Ratings nach Basel II | 51 |
| 3.4.1 | Relevante Regelungen | 51 |
| 3.5 | Kriterien und Methodik | 52 |
| 3.5.1 | Traditionelle Unternehmensanalyse | 54 |
| 3.5.1.1 | Quantitative Faktoren (hard facts) | 54 |
| 3.5.1.1.1 | Quantitative Kritikpunkte | 56 |
| 3.5.1.1.2 | Kritische Würdigung (quantitativ) | 57 |
| 3.5.1.2 | Qualitative Faktoren (soft facts) | 57 |
| 3.5.1.2.1 | Kritische Würdigung (qualitativ) | 58 |
| 3.5.2 | Traditionelle Privatpersonenanalyse | 59 |
| 3.5.3 | Weiterführende Methoden | 60 |
| 3.5.3.1 | Diskriminanzanalyse | 60 |
| 3.5.3.2 | Expertensysteme | 61 |
| 3.5.3.3 | Neuronale Netze | 62 |
| 3.5.3.4 | Kreditratingsysteme (Scoring) | 63 |
| 3.6 | Sicherheitenanerkennung | 63 |
| 3.6.1 | Der Einfache Ansatz | 65 |
| 3.6.2 | Der Umfassende Ansatz | 66 |
| 3.6.3 | Weitere Absicherungsmöglichkeiten | 67 |
| 4. | Auswirkungen auf Kreditinstitute | 69 |
| 4.1 | Rückblick: Auswirkungen von Basel 1 | 69 |
| 4.2 | Rechtlicher Rahmen | 71 |
| 4.3 | Quantitative Impact Studies (QIS) | 73 |
| 4.3.1 | Zielsetzung und Auswertung der QIS | 73 |
| 4.3.2 | Die QIS-Studien 2 | und 2.5 |
| 4.3.3 | Schlussfolgerungen der QIS 3 | Studie (weltweit) |
| 4.3.4 | Spezialbetrachtung QIS 3 | Österreich |
| 4.4 | Weitere ausgewählte Implikationen | 83 |
| 4.4.1 | Auswirkung auf die österreichische Makroökonomie | 83 |
| 4.4.2 | Auswirkung auf die Finanzierungskonditionen | 86 |
| 4.4.3 | Kritik an den Bonitätsgewichten des Standardansatzes | 89 |
| 4.4.4 | Kritik an der IRB-Berechnungsformel | 92 |
| 4.4.5 | Wirkt Basel II prozyklisch? | 94 |
| 4.4.5.1 | Prozyklizität und „Credit Crunch“ | 94 |
| 4.4.5.2 | Rating Through The Cycle | 96 |
| 4.4.5.3 | Diskussion weiterer Einflussfaktoren zur Prozyklizität | 98 |
| 4.5 | Spezialfall der Verbriefungen | 102 |
| 4.5.1 | Steigende Bedeutung im Finanzmarkt | 103 |
| 4.5.2 | Aufbau einer Verbriefung | 104 |
| 4.5.3 | Wirkung und Neuregelung von Verbriefungen | 105 |
| 4.6 | Besondere Herausforderungen | 107 |
| 4.6.1 | Die Wahl der externen Agentur im Standardansatz | 107 |
| 4.6.2 | Ausbau des internen Ratingsystems | 108 |
| 4.6.3 | Messung des operationellen Risikos | 110 |
| 5. | Ausblick und Schlusswort | 114 |
| Anhang | 117 | |
| Literaturverzeichnis | 119 |
Die erste Eigenkapitalvereinbarung von 1988 kannte bereits beschränkte Sicherheiten zur Kreditrisikominderung (Bargeld und bestimmte Wertpapiere)155. Diese Optionen werden mit der Umsetzung der zweiten Vereinbarung nun eine starke Aufwertung durch Neuanerkennung von Sicherheiten und Verfeinerungen bestehender Regelungen erleben. Wichtig ist neben der Sicherungsart der Rang der Sicherung, d.h. inwieweit die Forderung ein Vorrecht gegenüber anderen Anspruchserhebenden in ihrer Durchsetzung genießt, und die Abdeckung, welche den Besicherungsgrad der Forderung wiedergibt.156 Basel II drückt den Rechtssicherheitsaspekt mit den Formulierungen „Jegliche Vereinbarungen, […] müssen für alle Beteiligten bindend und rechtlich durchsetzbar […]“ und „Banken müssen hinreichende rechtliche Überprüfungen vorgenommen haben“ 157 aus. Eine doppelte Erfassung von Kreditrisikominderungen (z.B. bereits bei Emissionsrating berücksichtigt) ist nicht erlaubt. Die Minderung muss auch mit einem etwaigen Risikoanstieg in anderen Bereichen abgeglichen werden. So hat eine Absicherung mittels hochvolatiler Wertpapiere ein erhebliches Marktrisiko zur Folge und der Sicherheitsaspekt verliert dadurch einen Teil seiner Solidität. Neben dieser Risikoverlagerung ist noch die Unabhängigkeit der Sicherung zu beachten, was sich darin niederschlägt, dass die Kreditqualität des Schuldners und der Wert der Sicherheit nicht in direktem Zusammenhang stehen dürfen. Um beim Beispiel der Wertpapiersicherung zu bleiben: In diesem Fall könnten dies Wertpapiere sein, die der Schuldner selbst emittiert hat. Laut Definition ist eine „besicherte Transaktion“ gegeben, wenn • • „die Bank eine Kreditforderung oder potenzielle Kreditforderung gegenüber einem Kontrahenten besitzt und diese Kreditforderung oder potenzielle Kreditforderung ganz oder teilweise durch gestellte Sicherheiten des Kontrahenten oder eines Dritten zu Gunsten des Kontrahenten gedeckt ist“158. Zwei Ansätze, der einfache Ansatz und der umfassende Ansatz, stehen den Banken im Standardansatz zur Wahl, wobei der umfassende weitergehende Sicherheiten akzeptiert, aber auch tiefergehende Reglements nach sich zieht. Im IRB-Ansatz ist eine Verpflichtung zur [...]
Die Sicherheitenanerkennung wird im Rahmen des Kapitels der Kreditwürdigkeitsprüfung behandelt, weil sich Besicherungen von Forderungsansprüchen direkt auf die Qualität der Forderung auswirken und so eine geringere Unterlegungspflicht nach sich ziehen. Eine allfällige schlechte Bonität des Emittenten kann damit zumindest teilweise übergangen werden. Da Banken in Zukunft speziell bei ansonsten schlechter bewerteten Forderungen auf die Zugabe von Besicherungen drängen werden, um ihre Kosten zu senken, wird diesem Kapital etwas mehr Raum gewidmet als anderen. Auch wird in der aktuellen Diskussion sehr oft nur auf die Ratingauswirkungen fokussiert, während die Sicherheitenregelungen zu Unrecht stiefmütterlich ignoriert werden. Gerade diese erweiterten Anrechnungen können aber Ratingnachteile wieder kompensieren. [...]
Scoringsysteme arbeiten auf der Grundlage von Punktvergaben für bestimmte Eigenschaften, welche in Summe eine Gesamtpunktezahl ergeben, die einer bestimmten Bonität zugeordnet ist. Sie sind sowohl im Unternehmens- als auch im Privatkundenbereich weit verbreitet. Die deutsche Creditreform bietet auf dieser Grundlage einen Bonitätsindex für mehr als 3,8 Millionen152 Unternehmen in Österreich und Deutschland an, der laut eigenen Angaben von mehr als 130.000 Unternehmen zur Überprüfung ihrer Kunden genutzt wird.153 Dabei kann z.B. auf Fragebogenbasis zu sowohl quantitativen als auch qualitativen Bereichen eine Segmentsbonität betrachtet werden, welche dann durch Gewichtung der Segmente zu einer Gesamtbonität führt. Der große Vorteil liegt in der Flexibilität des Systems, da es auf jede Branche durch geänderte Segmentsgewichtungen individuell angewendet werden kann.154 Kritisiert wird die auf Subjektivität beruhende Punktvergabe und die oft stark vereinfachten Schemata bei kleineren Kreditvergaben, die dann das gesamtheitliche Bild nicht mehr wahren. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832481513
Arbeit zitieren:
Glatzl, Franz Februar 2004: Risikogesteuerte Kapitalallokation auf dem Vormarsch, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Rating, Kreditvergabe, Finanzierung, Verbriefung, Marktrisiko



