Risiko-Management im Krankenhaus
Implementierung eines Managementsystems zur Minimierung von Risiken
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefan Ertl
- Abgabedatum: November 2005
- Umfang: 92 Seiten
- Dateigröße: 1,5 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Katholische Stiftungsfachhochschule München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9370-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9370-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9370-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Ertl, Stefan November 2005: Risiko-Management im Krankenhaus, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Risk Management, Betriebswirtschaft, Qualitätsmanagement, Fehler, Pflegemanagement
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Diplomarbeit von Stefan Ertl
Zusammenfassung:
Jede unternehmerische Tätigkeit ist mit Risiken verbunden, ökonomischen Risiken können Chancen gegenüber stehen. Risikomanagement im anglo-amerikanischen Raum hat seinen Ursprung im Management versicherbarer Risiken, das umfassende Risikomanagement des deutschsprachigen Raums stellt ein Managementsystem zur Unterstützung der Führung dar. Zentraler Bestandteil des operativen Risikomanagements ist der Prozess aus Risikoidentifikation, Risikobewertung, Risikobewältigung sowie Risikoüberwachung. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich im Jahr 1998 stellt Risikomanagement eine gesetzliche Verpflichtung für Unternehmensleitungen fast jeder Organisationsform dar.
Die Ausgestaltung des Risikomanagementsystems ist dabei nicht gesetzlich vorgeschrieben. Eine mögliche Ausführung eines Systems wird vorgestellt. Für die Ausgestaltung sind die Existenz einer Risikomanagement-Strategie, das Vorhandensein einer Risikomanagement-Kultur sowie ein organisationaler Rahmen des Systems notwendig. Zusammen mit dem Frühwarnsystem, dem Risikocontrolling und einem internen Überwachungssystem bilden diese Elemente das Risikomanagementsystem.
Der Krankenhausmarkt befindet sich derzeit in einem risikoreichen Umfeld. Das Metaziel des Risikomanagements, die Existenzsicherung des Unternehmens, ist gerade für Krankenhäuser als Dienstleistungsunternehmen mit seinen branchenspezifischen Risiken aktueller denn je. Nicht nur die Einführung der DRGs mit den damit verbundenen ökonomischen Auswirkungen stellt ein großes Risikopotential für Kliniken dar. Risiken aus dem Behandlungsprozess des Patienten, patientenorientiert im Sinne der Vermeidung von Behandlungsfehlern oder haftungsorientiert im Sinne der Verringerung der haftungsrechtlichen Ansprüche von Patienten gegenüber dem Krankenhaus, bieten eine große Bandbreite für das Risikomanagement im Krankenhaus.
Die Verantwortung und somit auch Entscheidung für die Einrichtung eines Risikomanagementsystems liegt beim Träger, bzw. bei der Unternehmensführung. Die Implementierung sollte im Rahmen eines Projektes erfolgen. Nach einer Pilotphase ist das Risikomanagement im ganzen Unternehmen einzuführen und als Regelkreis fest im Unternehmen zu verankern. Schritte der Implementierung von der Entscheidung bis zur Abschlussevaluation des Projektes werden vorgestellt.
Gang der Untersuchung:
In der vorliegenden Arbeit werden zu Beginn die Grundlagen des Risikomanagements aufgezeigt, dies soll einer Sensibilisierung für das Thema dienen. Genau so wichtig wird es später sein, bei der Implementierung diese Managementsystems Mitarbeiter im Vorfeld zu sensibilisieren, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Risiken und den sich evtl. daraus ergebenden Chancen zu erlernen.
Neben dem zentralen Risikomanagementprozess und einigen Instrumenten dazu werden die rechtlichen Grundlagen für das Risikomanagement dargestellt.
Im zweiten Teil der Arbeit wird eine mögliche Ausgestaltung des Risikomanagementsystems mit der Integration in bestehende Systeme eines Unternehmens erörtert. Die aktuelle Situation der Krankenhäuser in ihrem risikoreichen Umfeld wird sodann thematisiert. Risikomanagement im Krankenhaus hat als Gegenstand sowohl die betriebswirtschaftlichen Risiken und Chancen, als auch die Risiken aus dem Patientenversorgungsprozess. Dieses Kapitel soll die große Bandbreite des Betätigungsfeldes Risikomanagement im Krankenhaus darstellen und die Möglichkeiten aufzeigen, mit diesen Risiken umzugehen.
Im abschließenden Kapitel 5 wird ein möglicher Projektverlauf für die Implementierung eines Risikomanagementsystems im Krankenhaus dargestellt. Mit dieser Arbeit soll ein Überblick geschaffen werden über das noch recht neue Thema Risikomanagement im Krankenhaus.
Im Rahmen der Qualitätsverbesserung werden Risiken v.a. aus dem Behandlungsprozess in Krankenhäusern auch heute schon thematisiert. Der Umgang damit geschieht aber selten systematisiert im Sinne einer geplanten Identifizierung, Bewertung, Steuerung durch Gegenmaßnahmen und Dokumentation.
Inhaltsverzeichnis:
| Zusammenfassung | II | |
| Vorbemerkungen | II | |
| Verzeichnisse | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Grundlagen zum Risikomanagement | 2 |
| 2.1 | Begriffsbestimmungen | 2 |
| 2.1.1 | „Risiko“ und „Chance“ | 2 |
| 2.1.2 | Abgrenzungen des Begriffes Risiko | 3 |
| 2.1.3 | Ursprung des Risikomanagements | 3 |
| 2.1.4 | Risk Management versus Risikomanagement | 3 |
| 2.2 | Kategorisierung und Systematisierung von Risiken | 4 |
| 2.3 | Ziele des Risikomanagements | 7 |
| 2.4 | Ebenen des Risikomanagements | 8 |
| 2.4.1 | Normatives Risikomanagement | 9 |
| 2.4.2 | Strategisches Risikomanagement | 9 |
| 2.4.3 | Operatives Risikomanagement | 9 |
| 2.5 | Ansätze des Risikomanagements | 9 |
| 2.5.1 | Menschliches Fehlverhalten als Ausgangspunkt von Risiken | 10 |
| 2.5.2 | Einsatz technischer Systeme als Ausgangspunkt von Risiken | 12 |
| 2.5.3 | Organisationsfehler als Ausgangspunkt von Risiken | 13 |
| 2.6 | Der Risikomanagementprozess | 14 |
| 2.6.1 | Phase 1: Risikoidentifizierung | 14 |
| 2.6.2 | Phase 2: Risikobewertung | 22 |
| 2.6.3 | Phase 3: Risikobewältigung | 23 |
| 2.6.4 | Phase 4: Risiko-Controlling | 26 |
| 2.7 | Rechtliche Grundlagen des Risikomanagements | 27 |
| 2.7.1 | Corporate Governance als Auslöser für Gesetzesänderungen | 27 |
| 2.7.2 | Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich | 28 |
| 2.7.3 | Kreditwesengesetz | 29 |
| 2.7.4 | Rechtliche Verpflichtung für Nicht-Kapitalgesellschaften | 30 |
| 2.7.5 | Baseler Eigenkapitalrichtlinien | 31 |
| 3. | Risikomanagementsystem | 32 |
| 3.1 | Systembildende Elemente | 34 |
| 3.1.1 | Risikomanagement-Strategie | 34 |
| 3.1.2 | Risikomanagement-Organisation | 37 |
| 3.1.3 | Risikomanagement-Kultur | 38 |
| 3.2 | Systemkoppelnde primäre Elemente | 39 |
| 3.2.1 | Frühwarnsystem | 39 |
| 3.2.2 | Risikocontrolling | 39 |
| 3.2.3 | Internes Überwachungssystem | 41 |
| 3.3 | Systemkoppelnde sekundäre Elemente | 43 |
| 3.3.1 | Risikomanagement und Qualitätsmanagement | 43 |
| 3.3.2 | Risikomanagement und Balanced Scorecard | 44 |
| 3.4 | Risikomanagement-Handbuch | 44 |
| 3.5 | EDV-Unterstützung des Risikomanagements | 45 |
| 4. | Risikomanagement im Krankenhaus | 47 |
| 4.1 | Aktuelle Situation der Krankenhäuser | 47 |
| 4.2 | Risiken und Chancen der Krankenhäuser | 48 |
| 4.2.1 | Ökonomische Risiken der Krankenhäuser | 50 |
| 4.2.2 | Risiken des klinischen Risikomanagements | 50 |
| 4.3 | Instrumente des Risikomanagements in Krankenhäusern | 57 |
| 4.3.1 | Incident Reporting System | 57 |
| 4.3.2 | Klinische Behandlungspfade mit integrierten Risiko-Kontrollpunkten | 58 |
| 4.4 | Notwendigkeit des Risikomanagements für Krankenhäuser | 58 |
| 5. | Implementierung eines Risikomanagementsystems in einem Krankenhaus | 60 |
| 5.1 | Implementierung im Rahmen eines Projektes | 60 |
| 5.2 | Entscheidung der Unternehmensleitung | 61 |
| 5.3 | Workshop des Top-Managements | 61 |
| 5.3.1 | Unternehmensziele | 61 |
| 5.3.2 | Umfang einzubindender Ressorts, Abteilungen, Prozesse | 62 |
| 5.3.3 | Festlegung der spezifischen Aufgaben- und Verantwortungsbereiche | 62 |
| 5.3.4 | Definition der Wesentlichkeitskriterien | 62 |
| 5.3.5 | Definition der Risikoarten | 63 |
| 5.3.6 | Festlegung der Berichtsform | 63 |
| 5.4 | Analyse der Momentansituation des Unternehmens | 63 |
| 5.5 | Analyse einzelner Abteilungen | 64 |
| 5.6 | Konzeption des Risikomanagements | 65 |
| 5.6.1 | Festlegung der Verantwortungen und Aufgaben des Risikomanagement-Prozesses | 65 |
| 5.6.2 | Festlegung von aussagekräftigen Frühwarnindikatoren | 66 |
| 5.6.3 | Ausgestaltung des Risikomanagement-Handbuchs | 66 |
| 5.6.4 | Auswahl geeigneter Software | 66 |
| 5.7 | Pilotphase | 66 |
| 5.8 | Einführung des Risikomanagements | 67 |
| 5.9 | Evaluation des Risikomanagementsystems | 67 |
| 5.9.1 | Evaluation der Implementierung | 67 |
| 5.9.2 | Regelmäßige Audits | 68 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 70 |
| Literaturverzeichnis | 71 | |
| Quellenverzeichnis | 75 | |
| Rechtsquellenverzeichnis | 76 | |
| Anhang | 77 | |
| Ehrenwörtliche Erklärung | 85 |
Menschliches Fehlverhalten wird nicht immer durch menschliches Unvermögen, technische Fehler nicht immer durch technische Mängel verursacht. Es können vielmehr auch weitergehende Gründe als Ursachen dafür gefunden werden. "Latentes Fehlverhalten z.B. findet auf den Ebenen des Managements statt und bestimmt somit die Rahmenbedingungen für die ausführenden Mitarbeiter 'direkt vor Ort'." (a.a.O.: 39) Der Ausfall technischer Geräte kann z. B. auf die mangelnde Organisation von Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten zurückzuführen sein, auf eine unzureichende Ausstattung mit notwendigen Materialien oder eine mangelhafte Gestaltung von Arbeitsund Dienstanweisungen. Auch kann es im Rahmen von notwendigen Verstößen sogar so weit kommen, dass wegen organisatorischer Defizite von den üblichen Handlungsstandards und Regelungen abgewichen werden muss, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Häufig werden deshalb als Ursache von menschlichen Fehlleistungen und Unternehmensrisiken gerade Defizite in der Unternehmensorganisation in Form von latenten Fehlern und Bedrohungen festgestellt. Menschliches Versagen bzw. akute Unfallursachen bilden dabei nur das letzte Glied in einer Kette fehlerhafter Entscheidungen und riskanter Systembedingungen. Den Ausgangspunkt stellen organisatorische Rahmenbedingungen dar, die durch Entscheidungs- und Organisationsprozesse auf der Ebene des Unternehmensmanagements festgelegt werden. [...]
noch schwer zu durchschauen. Mit der wachsenden Anforderung an die technischen Nutzleistungen stieg auch die Gefahr unerwünschter Vorkommnisse und Risiken. Risiken gehen dabei aber nicht direkt von den Geräten selbst aus, sondern von den Menschen, welche diese planen, konstruieren und kontrollieren. Fehler können beim Planungs- und Herstellungsprozess unterlaufen, bei der Bedienung oder bei der Wartung und Instandhaltung. Daraus lässt sich schließen, dass Störungen oder Unfälle häufig aus menschlichem Versagen, also schuldhaftem oder fahrlässigem Verhalten, einzelner Personen resultieren. Das Augenmerk liegt auf der Zuverlässigkeit des MenschMaschine-Systems. Dabei geht es nicht wie oben beschrieben um gedankliche oder kognitive Fehlleistungen des Menschen, sondern um "... Fehler, die in der mangelhaften Abstimmung des Zusammenwirkens von Personen und technischen Systemen begründet sind." (a.a.O.: 38) [...]
Ebene der Ausführung (Ausführungsfehler) Auf dieser Ebene sind die geplanten Maßnahmen durchaus angemessen, das gewünschte Ziel zu erreichen. Allerdings entsprechen die tatsächlich ausgeführten Handlungen nicht den geplanten Handlungen. Die Gründe können in Unachtsamkeit oder fehlender Wahrnehmung sowie Gedächtnisfehlern liegen. 2.5.1.4 Verstöße als weitere Ursache für Fehlverhalten Ebenfalls als Fehlverhalten können Verstöße aufgeführt werden: "Verstöße bezeichnen .. Abweichungen von sicheren Prozeduren, Regeln oder Standards. Diese können irrtümlich oder beabsichtigt erfolgen." (a.a.O.: 36) Verstöße können ein bewusstes Anrichten von Schaden als Ursache haben oder aber in guter Absicht erfolgen. Im zweiten Fall unterscheidet man dann notwendige Verstöße von Routineverstößen und optimierenden Verstößen. 2.5.1.5 Aktives und latentes Fehlverhalten Menschliches Fehlverhalten wirkt sich meistens direkt und unmittelbar negativ aus (aktives Fehlverhalten), kann aber auch längere Zeit unentdeckt bleiben und sich erst später auswirken (latentes Fehlverhalten). • Aktives Fehlverhalten tritt direkt bei der Leistungserstellung auf. Die daraus resultierenden negativen Effekte haben sofort Auswirkungen auf das System und machen sich direkt und unmittelbar bemerkbar. • Latentes Fehlverhalten tritt zeitlich und räumlich getrennt von seinen Auswirkungen an anderen Stellen der Organisation auf. Hierzu können Entscheidungen und Handlungen auf höheren Hierarchiestufen zählen, deren negative Effekte sich nur langsam innerhalb der gesamten Organisation auswirken. Die Auswirkungen sind zumeist nicht unmittelbar zu erkennen und können daher lange Zeit verborgen bleiben. Sie werden oftmals erst dann offensichtlich, wenn sie als Rahmenbedingungen anderen kleineren Auslösern die Entfaltung ihrer schadhaften Wirkung ermöglichen. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832493707
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Risk Management, Betriebswirtschaft, Qualitätsmanagement, Fehler, Pflegemanagement



