Retrodesign
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Biliana Zlateva
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 14,2 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9458-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9458-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9458-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Zlateva, Biliana Januar 2006: Retrodesign, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Produktgestaltung, Retro, Trend, Design, Nostalgie
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Diplomarbeit von Biliana Zlateva
Zusammenfassung:
Der Retro-Trend existiert in den unterschiedlichsten Bereichen unseres Lebens. Angefangen von der Bekleidungsmode, in der längst vergessene Artikel wieder en vogue werden, über Cover-Versionen älterer Musikstücke oder Making-offs in der Filmbranche bis hin zum Retro-Trend in der Architektur, in der Kunst oder in der Literatur. „Insofern kann durchaus von einem umfassenden kulturellen Phänomen gesprochen werden.“ Im Produktmarketing wird der Retro-Trend innerhalb der Produktgestaltung als Retrodesign immer wieder aktuell und gibt Impulse für die Gestaltung von vergangenheitsbezogenen Produkten im Nostalgie-Look. Die Nachfrage nach Nostalgieprodukten erklärt sich einerseits aus einer Situation von unstabilen wirtschaftlichen und politischen Umständen, in denen „eine Sehnsucht nach festen Strukturen und Geborgenheit herrscht“ und eine Rückbesinnung auf die überschaubare, vertraute Vergangenheit stattfindet, und andererseits aus „den Erinnerungen der Menschen an frühere schönere Zeiten ihres Lebens wie z. B. an ihre unbeschwerte Kindheit oder an ihre fröhliche Jugend.“ Im Rahmen der Überlegungen zum Retrodesign wird der Frage nach einer möglichen Symbiose aus Alt und Neu, aus Tradition und Innovation als einer erfolgreichen Strategie nachgegangen. Immerhin spricht die Vielzahl an Produkten, die in ihrer Gestaltung früher da gewesenen Produkten oder einzelnen Elementen davon ähneln, für eine Alternative in der Produktgestaltung, die zum Unternehmenserfolg beitragen kann und deshalb nicht außer Acht gelassen werden darf.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist der Versuch, anhand von Beispielen für in der Praxis vorkommende Produkte im Retrodesign eine Typologie zu erarbeiten, die dem Produktmanager als Grundlage für ein umfassendes Marketingkonzept dienen kann. Dies soll ihn unterschiedliche Möglichkeiten zur Retrogestaltung aufzeigen und Handlungsempfehlungen für den typenadäquaten Einsatz von Gestaltungsmitteln vorschlagen. Weiterhin gibt das Herausarbeiten von Retroquellen Ansatzpunkte für die Produktneugestaltung im Retrodesign.
Da sich in der Marketingliteratur kein theoretisches Konstrukt zum Retrodesign findet und das Thema ein bisher schlecht strukturiertes Problem darstellt, empfiehlt sich die heuristische Vorgehensweise zur Lösungsfindung. In Bezug auf die im Kapitel 3 der vorliegenden Arbeit aufgestellte Typenbildung kommt die typologische Methode zum Einsatz, wobei durch die Analyse von Einzelbeobachtungen versucht wird, Gesetzmäßigkeiten aufzudecken; die Erkenntnisgewinnung verläuft induktiv vom speziellen Fall zur allgemeinen Aussage.
Die vorliegende Arbeit ist in insgesamt 7 Kapitel aufgegliedert und beginnt mit einer kurzen Problemaufstellung im ersten Kapitel. Kapitel 2 widmet sich zunächst der Bedeutung von Design im Marketingprozess. Um entscheidungsorientierte Gestaltungsempfehlungen ableiten zu können, wird außerdem auf die zur Verfügung stehenden Gestaltungsmittel eingegangen. Die verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Psychologie dienen dem besseren Verständnis der Wirkung von Retrodesign-Produkten auf die Konsumenten und müssen deshalb auch erläutert werden.
In Kapitel 3 wird die Herausarbeitung einer Retrodesign-Typologie versucht, die anhand praktischer Beispiele die unterschiedlichen Varianten von Retrodesign aufzeigen soll.
Die sich anschließenden Kapitel beschäftigen sich mit den Implikationen von Retrodesign für die Markt-, Gestaltungs- und Vermarktungsanalyse des Marketingprozesses. Das letzte Kapitel gibt eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und weist auf den zukünftigen Forschungsbedarf hin. Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit soll die Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Retrodesigns in Bezug auf dessen Eignung zur Anspruchsbefriedigung im Rahmen der Produktgestaltung stehen.
Retrodesign zeigt einen möglichen Weg zur anmutungshaften Gestaltung auf, die auf den Nostalgieanspruch der Konsumenten eingeht und sich die tief in der Konsumentenpsyche eingeprägten Schemata gestalterisch zu Nutze macht. Einerseits sind es einzigartigen Produktgeschichten wie die des legendären VW Käfers, die sich zur erfolgreichen Wiederbelebung eignen, andererseits bietet die Erfahrung aus den vergangenen Jahrzehnten feststehende Muster an, deren Verwendung Assoziationen weckt und somit Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei den Konsumenten auslöst.
Wichtig ist, dass Retrodesign eine Kombination aus Altem und Neuem darstellen soll, eine zeitgemäße Modifikation des Altbewährten. Dass Retrodesign zum Erfolg führen kann, zeigt sich bspw. an den Verkaufszahlen des Retro-Mini von BMW oder denen des New Beetle in den USA. Der Retro-Trend erklärt sich aus einer Situation von rückgängiger wirtschaftlicher Entwicklung, in der sich die Menschen gerne an die „guten alten Zeiten“ erinnern.
Verhaltenspsychologische Gründe für dieses verstärkte Erinnern sind die Verunsicherung, das Verlorengehen der Zukunftsperspektive und die ernsthafte Veränderung der Lebenssituation. Vor diesem Hintergrund wird mit dem Kauf von Retroprodukten ein Stück Vergangenheit zurückgeholt; es werden Reminiszenzen konsumiert. Die Retro-Strategie ist mit den Risiken des vorübergehenden Retro-Trends behaftet.
Hier bietet die Produktdifferenzierung durch die Retroverpackung bspw. in Form einer limitierten Edition, eine Möglichkeit einerseits vom Retro-Trend zu profitieren, andererseits nicht als ein reines Retro-Produkt wahrgenommen zu werden.
An den Beispielen der Creme 21 oder der Ahoj-Brause, die erfolgreich wieder belebt wurden, kann die große Bedeutung der Markenpflege verdeutlicht werden. Denn die richtige Markenpflege würde eine Wiederbelebung praktisch erübrigen. Letztlich soll aber nicht vergessen werden, dass der Fortschritt Innovationen voraussetzt und dafür soll auch Neues gewagt werden, selbst wenn in Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Instabilitäten die Zuflucht in die vertraute Vergangenheit sicherer erscheint.
Durch eine zu große Fokussierung auf den Retro-Trend kann sich ein Spannungsfeld zur Innovation eröffnen, die für das Überleben der Unternehmen in den heutigen stark umkämpften Märkten einen wichtigen Wettbewerbsfaktor darstellt. Sobald der Blick nach vorne gerichtet ist und die Visionen im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns stehen, wird das Bedürfnis nach Retro nachlassen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis für die Abbildungen im Text | III | |
| Abbildungsverzeichnis für die Abbildungen im Anhang | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung | 1 |
| 1.2 | Methodik und Aufbau der Arbeit | 2 |
| 2. | Themenrelevante Definitionen und Konstellationen | 3 |
| 2.1 | Zur Bedeutung von Design, seine Einordnung in den Marketingprozess und der Designdimensionen | 3 |
| 2.2 | Zum Phänomen „Retrodesign“ | 6 |
| 2.2.1 | Begriffsabgrenzung | 9 |
| 2.2.2 | Retrodesign-Quellen | 12 |
| 2.3 | Die Gestaltungsmittel im Produktdesign | 15 |
| 2.4 | Das Anspruchssystem und seine ‚Leistungsentsprechung’ | 16 |
| 2.4.1 | Sachansprüche | 16 |
| 2.4.2 | Anmutungsansprüche | 17 |
| 2.5 | Das Konstrukt der Produktziele und -strategien | 18 |
| 2.6 | Problemrelevante Erkenntnisse aus der Psychologie | 20 |
| 2.6.1 | Wahrnehmungspsychologie | 20 |
| 2.6.2 | Schematatheorie | 22 |
| 2.6.3 | Gestaltpsychologie | 24 |
| 3. | Zur Entwicklung einer Typologie von Retrodesignprodukten | 25 |
| 3.1 | Die typologische Methode | 26 |
| 3.2 | Die typenbildenden Merkmale | 27 |
| 3.3 | Zur Definition von Retrodesignprodukte | 28 |
| 3.3.1 | Retrodesign-Typ I | 29 |
| 3.3.2 | Retrodesign-Typ II | 33 |
| 3.3.3 | Retrodesign-Typ III | 35 |
| 3.3.4 | Retrodesign-Typ IV | 38 |
| 3.3.5 | Der Fall Lufthansa | 40 |
| 4. | Implikationen von Retrodesign für die Marktanalyse | 40 |
| 4.1 | Das Modell der „sozialen Milieus“ | 40 |
| 4.2 | Produktziele und -strategien | 44 |
| 4.3 | Gestaltungsrestriktionen | 46 |
| 5. | Implikationen von Retrodesign für die Gestaltungsanalyse | 47 |
| 5.1 | Retrodesign in der isolierten Gestaltungsanalyse | 47 |
| 5.1.1 | Die Retrowirkung elementarer Gestaltungsmittel | 47 |
| 5.1.2 | Die Retrowirkung komplexer Gestaltungsmittel | 50 |
| 5.2 | Retrodesign in der integrierten Gestaltungsanalyse | 51 |
| 5.2.1 | Looks | 51 |
| 5.2.2 | Designprägnanzen | 52 |
| 5.3 | Retrodesign in der Verpackungsgestaltung | 55 |
| 6. | Implikationen von Retrodesign für die Vermarktungsanalyse | 56 |
| 6.1 | Kommunikationspolitik | 56 |
| 6.2 | Servicepolitik | 57 |
| 6.3 | Distributionspolitik | 58 |
| 6.4 | Entgeltpolitik | 59 |
| 7. | Zusammenfassung und Schlussbemerkungen | 59 |
| Literaturverzeichnis | 61 | |
| Anhang | 75 |
Stoßstangen, die schwungvolle Neigung der Kabine, die kugelförmigen Heckleuchten sowie die ausgestellten Kotflügel und nach außen gerückten Räder stark an das Stromliniendesign der 30er Jahre erinnern.190 Volvo knüpft mit der Studie T6 auf der US-Tuning-Show SEMA in Las Vegas ebenfalls an die Stromlinienform der Roadster-Tradition der 30er Jahre an.191 An das Stromliniendesign der 30er Jahre erinnern auch die geschwungene Form und das glänzende Metall des Edelstahltoasters "American Style", genauso wie die von der Firma Nivola angebotenen Espressomaschinen. In diese Retrokategorie fällt auch eine Fülle von Nostalgie-Radios, wobei ein Teil davon sich äußerlich sehr ähnelt (ähnliche Lautsprecher- und Reglergestaltung), und bei den anderen die Nutzung von Holz als typischem Gestaltungsmittel auffällig ist.192 Der im Programm der Firma Cross Deco aufgeführte Füller greift Elemente der Art Déco-Bewegung auf. Kennzeichnend für diese Art Déco-Ästhetik sind wiederum das Stromliniendesign, geometrische Formen193 sowie die Nutzung von teuren kostbaren Materialien, die das Gefühl der Exklusivität und der kunsthandwerklichen Fertigung der Produkte verleihen.194 Ein weiteres Beispiel ist der im Jahr 1991 als limitierte Auflage hergestellte Nissan Figaro, der „eine Karikatur des Designs der 50er Jahre“195 darstellt. Weiterhin liefern die japanischen Motorradhersteller ein Beispiel dafür, wie sich die Retrowirkung bei einem niedrig eingestuften Traditionsgrad einstellen kann. Mit der Kawasaki W 650 (siehe Abb. 18 im Anhang) hat sich die Gestaltung die großvolumigen Zweizylinder nach britischem Geschmack zum Vorbild genommen.196 [...]
3.3.1 Retrodesign-Typ I Dieser Retrodesign-Typ ist charakterisiert durch einen niedrigen Grad der Übernahme von früher benutzten Gestaltungsmitteln, wobei diese eine dominante Wirkung für die Produktwahrnehmung besitzen und durch geringe Traditionsgebundenheit an ein bestimmtes Vorgängerprodukt oder an eine bekannte imagereiche Marke. Die geringe Übernahme deutet darauf hin, dass diese Produkte meist keine Ganzheiten von bereits existierenden Produkten als Vorbilder für die Gestaltung nehmen, sondern dass sie mit der Neugestaltung an Details charakteristischer Stile aus der Vergangenheit anknüpfen. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass Einzelelemente aus verschiedenen historischen Epochen gleichzeitig verwendet werden, wobei es zu Mischformen kommt.189 Betrachtet man ein Beispiel dieser Kategorie, den Chrysler PT Cruiser (im Jahr 2000 auf den Markt gekommen), so fällt auf, dass die voluminösen [...]
Retrovariante wieder beleben, greifen Retroprodukte mit einem geringen Grad an Traditionsgebundenheit auf die schon früher erwähnten „Geschichtsbilder“186 zurück, um an die Vergangenheit zu erinnern. Die erstgenannten existieren als konkrete Schemata im Gedächtnis der Konsumenten und übertragen das mit dem Original verbundene Image auf die Retrovariante. Hier spielen also zusätzlich Markenimageaspekte eine wichtige Rolle. Die geringer traditionsgebundenen Retroprodukte haben meist keine konkreten Vorgängerprodukte im Visier, sondern zitieren bekannte vergangene Stile oder Stilelemente und können dem im Kapitel 2.2.1 erläuterten Revivalismus zugeordnet werden. Ein Merkmal, das die Produkte nach dem Kriterium der Traditionsgebundenheit sortiert, ist aus diesen Gründen für die differenzierte Bearbeitung und gezielte Gestaltungsempfehlung hilfAls typenbildene Merkmale für Retrodesignprodukte werden also in dieser reich. Arbeit der ‚Übernahmegrad’ und die ‚Traditionsgebundenheit’ in den beiden Ausprägungen „hoch“ und „gering“ als geeignet betrachtet. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832494582
Arbeit zitieren:
Zlateva, Biliana Januar 2006: Retrodesign, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Produktgestaltung, Retro, Trend, Design, Nostalgie



