Die Repräsentation kultureller Zeichen durch kapitalisierende Kompetenzen, Marken und Streams
Ein kontextorientiertes Konzept zur ästhetischen Analyse und Entwicklung von Trends und Economies
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Milo Tadic
- Abgabedatum: Januar 2001
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 913,7 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Heilbronn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-3141-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-3141-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-3141-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Tadic, Milo Januar 2001: Die Repräsentation kultureller Zeichen durch kapitalisierende Kompetenzen, Marken und Streams, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kultur, Trends, Kapitalismus, Ästhetik, Pop
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Diplomarbeit von Milo Tadic
Problemstellung:
Die gängigen Kategorien Wirtschaftswissenschaft, Soziologie, Politologie und Kulturwissenschaft erklären in nur eingeschränktem Maße die kulturellen und materiellen Verstrickungen heutiger Waren- und Markenwelten mit Populärkulturen, Medien, Avantgarden sowie ästhetischen und politisch-ökonomischen Entwicklungen.
Die netzwerkartig verbundenen Aktionen von Individuen, Gemeinschaften, Kulturen und Unternehmen bedürfen jedoch einer kontextbezogenen Untersuchung, die sich freilich einer konkreten Klassifizierung und eindeutigen Nutzenfunktionen entziehen muss. Letzten Endes unterliegt die Forschung nach den Zeichensystemen und Trends den kollektiven Mentalitäten und Empfindungen, zu denen alle Institutionen und sozialen Bereiche gemeinsam beigetragen haben.
Der im englischen feste Begriff Cultural Studies, der in unserem Zusammenhang Kultursemiotik genannt werden kann, thematisiert die disziplinenübergreifenden Windungen der Zeichen und Symboliken, und wird am besten mit den Worten Lawrence Grossbergs fühlbar, der schreibt „man könnte Cultural Studies als Disziplin der Kontextualität beschreiben.“ Das Erkenntnisinteresse dieser kultursemiotischen Arbeit gilt also nicht primär den Produkten, Marken oder hard facts, sondern den ihnen zu Grunde liegenden Mentalitäten und – da die Zeichensysteme gesellschaftlich, keineswegs aber natürlich fixiert sind – den Interessen und Ideologien, die hinter der Propagierung bestimmter Mentalitäten, Empfindungen und Werte liegen.
Schon jetzt schmunzle ich über die verwirrten Interessierten, die sich beim Ausdruck Trend auf dem Titelblatt auf irgendetwas Erregendes und Spaßiges freuen, und die inhaltlich leider nur die traurige Tristesse der analytischen Theorie zu sehen bekommen. Egal, zur Pflichtlektüre wird es schon nicht werden!
Ich freue mich jedenfalls, wollte ich doch schon immer genau so funktionieren, wie Mykel Board sorgenfrei ausdrückt: „My fun begins where your fun ends".
Inhaltsverzeichnis:
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | ||
| I. | ZEICHEN ZUR ZEIT | 1 |
| II. | INSIDERWISSEN: DAS RICHTIGE UND FALSCHE LACOSTE | 7 |
| III. | VORSPRUNG DURCH ZEICHEN: REPRESENT, REPRESENT | 10 |
| A. | DIE GESCHICHTE VOR DER GESCHICHTE, TEIL 1: DIE DINGE UND DEREN MERKMALE | 10 |
| B. | DIE GESCHICHTE VOR DER GESCHICHTE, TEIL 2: DIE DINGE UND DEREN BEDEUTUNGEN | 12 |
| C. | DAS SZENARIO | 16 |
| D. | DIE AKTEURE | 17 |
| 1. | DIE ÖKONOMIE DER ZEICHEN | 17 |
| 2. | KUNST, KULTUR, SUBKULTUR | 21 |
| 3. | POLITIK UND GLOBALE ENTWICKLUNGEN | 24 |
| 4. | DAS INDIVIDUUM ALS KÜNSTLER UND KONSUMENT | 29 |
| IV. | TRENDFORSCHUNG GOES OUT OF TREND | 34 |
| A. | THE KITCHENS OF DISTINCTION - DIE WASCHKÜCHE DER TRENDFORSCHUNG | 34 |
| B. | OH LORD, CAN YOU GET ME A TREND? | 35 |
| C. | AUTHENTISCHE INAUTHENTIZITÄT, INAUTHENTISCHE AUTHENTIZITÄT, INAUTHENTISCHE INAUTHENTIZITÄT | 36 |
| D. | DER ÖKONOMISCHE NUTZENBEGRIFF | 37 |
| V. | DAS PHÄNOMEN ÄSTHETIK | 39 |
| A. | EVERYBODY NEEDS SOMEBODY: ÄSTHETISCHE DIFFERENZ ALS VERMITTLER INDIVIDUELLER ZEICHEN | 39 |
| B. | JUGEND- UND POP-KULTUR ALS UNENDLICHE RESSOURCEN DER ÄSTHETIK UNTER KAPITALISTISCHEN BEDINGUNGEN | 43 |
| C. | EXPRESS YOUR ALLTAG: HOMOGENITÄT DER DIFFERENZ | 46 |
| D. | EIN HAUCH VON FREIHEIT: EIGENTUM UND COPYRIGHT | 47 |
| VI. | EIN AUSFLUG IN DIE WELT DER ZEICHEN (TEIL 1): MODE ALSAVANTGARDE - MEDIUM | 49 |
| A. | DER VORTEIL DES IMMATERIELLEN | 49 |
| B. | AVANTGARDE UND VERGÄNGLICHKEIT | 53 |
| VII. | JEDER IST EIN VOLK | 56 |
| A. | ZUKUNFT FÜR ALLE DEMOKRATEN | 56 |
| B. | INNOVATION UND SUBKULTUR | 58 |
| C. | ICH-POLITIK | 60 |
| VIII. | DIE GLOCKE ÜBER DEM KÄSE: BROT UND SPIELE | 63 |
| A. | DIE POLITIK UND IHRE SUPERSTARS | 63 |
| B. | BRITNEY UND BARBIE | 64 |
| C. | KUNST UND DIE IDEOLOGIE DER MEDIEN | 66 |
| IX. | DESIGN UND ENTWICKLUNG | 70 |
| A. | SIGNS, TRENDS & JUNK-BONDS | 70 |
| B. | PRODUKT UND UMFELD: EINE BETRACHTUNG DER DINGE AUS DER SICHT DER MARKTWIRTSCHAFT | 73 |
| X. | EIN AUSFLUG IN DIE WELT DER ZEICHEN (TEIL 2): DIECHAMÄLEONARTIGE WANDLUNG DER S-KLASSE | 76 |
| XI. | ZUKUNFTSMODELL: ICH BIN KEIN UNTERSCHIED | 86 |
| LITERATURVERZEICHNIS |
Massenproduktion das Supplement eines autoritären Fürsorgeregimes darstellt“ (Adorno/Horkheimer 1944, S. 134)? Oder kann die Kulturindustrie zwangsläufig nicht wirklich subversive Zeichen herstellen, weil sie sich ja damit selbst gefährden würde? Ist das faszinierendste, was die Kulturökonomie zustande bringt also eine systemkonforme anschlussfähige Zeichenproduktion, die sich zwar neuartig darstellt, jedoch hinreichende Verbindung zu bisher Bekanntem zulässt, was dem aus der Trendforschung geläufigen MAYA-Prinzip (Most Advanced Yet Acceptable) (Liebl 2000c, S. 152) zur Produkterfolgsoptimierung durch entsprechendes Marketing entspricht? Solange die Beteiligten im sozialen System sich zu wohl mit der ihnen zugedachten Rolle fühlen, und nicht bereit sind, diese Rolle aufzugeben, scheint zumindest für den kulturellen Mainstream die Erfindung subversiven und damit interessanten [...]
Sub- und Gegenkultur als unendliche Ressource von subversiven, sprich unkontrollierten Zeichen, ist seit der Entstehung von Popkultur unmittelbar mit dem Ideal der Jugend und Jugendlichkeit verknüpft. Zur Formierung der Popmusik zu einer Schlüsselindustrie haben die Jugendlichen selbst durch ihre Verneinung einer streng geordneten Bürgerlichkeit und der Fabrik als Einschließungsregime beigetragen. Und „wenn Elvis mit den Hüften wackelte, dann forderte er zur Flucht aus dem Gefängnis des reglementierten Alltagslebens auf“ (Holert/Terkessidis 1996, S. 13). Mit Hilfe kultureller Zeichen wurde zum ersten Mal der Wunsch nach Auflehnung gegen die Kulturindustrie laut, die vorher nur dazu gedient hatte, „die Seele unter Kontrolle zu bringen“ (Terkessidis 1996, S. 117). Die Funktion von Popmusik als einer Rebellion gegen gesellschaftliche Normen war von daher schon immer eingebunden in [...]
Trends sind unmittelbar im Pakt mit der Leugnung von materiellen Untergrenzen. Die Diskussion über Trends ist also immer eine Diskussion der Beteiligten in der 1. Welt über den Wohlstand in der 1. Welt – die Reichen feiern sich selbst. Die Einbeziehung von materiellen Missständen, Hunger und Grundbedürfnissen wäre tödlich für die Produktion und Konsumtion der styles, tribes & extremities. Auch deshalb sind Reflektionen über Trends, Ästhetiken und Zeichen immer auch Gedanken über den Kapitalismus, der das System der globalen Ungleichheiten aufrecht erhält. Denn, wie Johan Galtung sagt, ist „jeder Narr in der Lage, ein ökonomisches System zu schaffen, in dem reiche Leute teure Güter kaufen können“. „Was jedoch Können und Talent erfordert, ist eine Ökonomie zu schaffen, in der die Grundbedürfnisse von (fast) allen befriedigt werden, ... und in der auch die mentalen und spirituellen Bedürfnisse nach Freiheit und Identität befriedigt werden“ (Galtung 2000, S. 44). [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832431419
Arbeit zitieren:
Tadic, Milo Januar 2001: Die Repräsentation kultureller Zeichen durch kapitalisierende Kompetenzen, Marken und Streams, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kultur, Trends, Kapitalismus, Ästhetik, Pop



